Biberach hat in diesem Jahrhundert sein Stadtjubiläum gleich zweimal
begangen: 1950
blickte man - unter ziemlich pauschaler Wahl des Zeitpunkts - auf eine
700jährige
Vergangenheit als Reichsstadt zurück; und 1983 gedachte man der ersten
Erwähnung
des Namens Biberach, die im Zusammenhang steht mit der Gründung des
Klosters
St. Georgen im Jahr 1083.
Biberachs Weg zu einer Stadt ist als länger andauernder Prozeß
anzunehmen, in dessen
Verlauf die Jahre um 1180 eine besondere Rolle spielen, da es Münzen
von hier gibt, die
in diesem Zeitraum von den Staufern geprägt wurden. Ein Ort mit einer Münzstätte
war
vermutlich auch schon ein größerer Wirtschaftsplatz, das heißt,
Biberach war vielleicht
schon Stadt geworden. Im 13. Jahrhundert sind urkundliche Erwähnungen
zu Biberach
eher spärlich. Ein Siegel, das die Stadt als rechtlich handlungsfähige
Körperschaft
bezeugt, ist erstmals für 1258 belegt. Es zeigt den Reichsadler und
einen aufgerichteten
Biber. Als Reichsstadt ("civitas regalis") wird Biberach
erstmals 1282 genannt, und ein
Jahr später bestätigt König Rudolf von Habsburg der Stadt die von
seinen Vorgängern
verliehenen Rechte und Freiheiten. Mit dem Erwerb des Ammannamtes 1404
war
Biberach dann endgültig eine Stadtrepublik, nur dem Kaiser und dem
Reich untertan:
die freie Reichsstadt Biberach.
Seinen beträchtlichen wirtschaftlichen Reichtum verdankte Biberach
vor dem
Dreißigjährigen Krieg (16181648) dem Barchent. 1508 sollen in
Biberach, das
damals ungefähr 3000 bis 3500 Einwohner zählte, etwa 400 Webstühle
gestanden
haben. Große Handelsgesellschaften wie die Weißhaupt-Schreiber-Dittmarsche
lieferten
die Tuche nach Venedig, Lyon, Antwerpen und in viele andere Städte.
Nach dem
Dreißigjährigen Krieg wurden die Gerber und Färber zu den
wirtschaftlich bedeutenden
Handwerken der Stadt. Im frühen 19. Jahrhundert versuchten die Zünfte
eine Ansiedlung
von Manufakturen und Fabriken zu verhindern. Noch 1837 zählte Biberach
704 Meister
und 353 Gesellen, wurde also weiterhin vom zünftischen Handwerk
dominiert, trotzdem
es schon über 60 verschiedene Gewerbe in der Stadt gab. Darüber hinaus
bestanden sechs
kleinere Fabriken, von denen allein drei sogenannte Tragantwaren
herstellten.
1962 wurde Biberach in den Rang einer Großen Kreisstadt erhoben; in
seiner heutigen
Größe (1410 qm) und kommunalen Zusammensetzung ist der Landkreis
Biberach jedoch
ein Produkt der baden-württembergischen Kreisreform der Jahre
1971/72.
Mit Jahresbeginn 1973 fanden sich im neuen Landkreis 135 Stadt- und
Landgemeinden
zusammen. Er ist der fünftgrößte in Baden-Württemberg. Die Bevölkerung
des Landkreises
umfaßte am 1. Januar 1993 169 667 Einwohner. |


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