Lange bevor man Wassergymnastik und Spaßbäder kannte, war
Leukerbad ein 'Pilgerort' für Heilsuchende. Historische
Überlieferungen vermitteln, dass man stunden- ja, tagelang im
warmen Thermalwasser verbrachte und es dabei durchaus gesellig
zuging. In Zubern und Becken saßen Männlein und Weiblein
beieinander, Speisen und Wein und sogar Spiele auf schwimmenden
Brettern vor sich, je nach Epoche voll- bzw. kaum bekleidet,
wobei die korrekte Kopfbedeckung niemals fehlen durfte. So
drehte sich in Leukerbad schon immer alles ums Wasser. Denn hier
oben auf 1400m Höhe über dem Rhonetal, wo die fast senkrecht
aufsteigenden Felswände 'Daubenhorn', 'Leeshörner' und 'Gemmi'
den Kurort als gewaltige Kulisse einrahmen, drängen seit
Menschengedenken heiße Quellen im Überfluss ans Tageslicht.
 |
Angefangen hatte
alles vor gut 500 Jahren, als der Bischof von Sion an der Rhone
Quellen und Gasthäuser erwarb. Bald lockte das mineralhaltige
Heilwasser Gäste an, obwohl die Anreise mit Maultieren über den
Saumpfad des Gemmipasses eher einer Hochgebirgstour ähnelte.
Noch bis ins 19. Jahrhundert war dies von Norden her der einzige
Zugang zu den Quellen. Vor allem der sechshundert Meter tiefe,
Schwindel erregende Abstieg zum Kurort flößte Respekt ein.
Diesen Weg musste auch der junge Goethe nehmen, als er 1779
Leukerbad einen Besuch abstattete. Ganz glücklich scheint er
dort allerdings nicht gewesen zu sein, klagte er doch über
'hüpfende Insekten', die ihm den Schlaf raubten.
Das - inzwischen renovierte - 'Haus Goethe' gehört ebenso wie
das ehemalige Gemeindehaus zu den schmucken Walserhäusern, die
den Ortskern von Leukerbad zieren. Viele sind es nicht mehr. Der
steigenden Bettennachfrage mussten Stadel und Speicher weichen,
manch Jahrhunderte altes, sonnengebräunte Haus aus Lärchenholz
wurde abgerissen oder umgebaut. Die Bauern, welche in früheren
Zeiten hier oben ein kärgliches Leben fristeten, bekamen durch
die zahlreicher werdende Gäste bessere Verdienstmöglichkeiten.
 |
Heute gibt es nur
noch ein halbes Dutzend Landwirte, aber die sind wichtig für die
Gemeinde, denn sie pflegen die Landschaft und sorgen unter
anderem dafür, dass die Urlauber ab dem Frühsommer bunte Wiesen
vorfinden. Vielfach wird erst gemäht, wenn die üppige
Blumenpracht verblüht ist. Das Gros der 1500 Einwohner
Leukerbads verdient seinen Lebensunterhalt im Tourismus oder dem
Kurbetrieb; fast alle profitieren in irgendeiner Weise von den
heißen Heilquellen.
Mehr als genügend Nachschub kommt für die sage und schreibe 22
Bäder Leukerbads aus der Erde: 3 Mio. Liter Thermalwasser
liefern knapp zwei Dutzend Quellen pro Tag. Sie sind gar nicht
alle zu nutzen, man kann es sich daher leisten, mit dem
Quellwasser großzügig umzugehen und alle ein bis drei Stunden
die Beckeninhalte auszutauschen.
 |
Das kostbare Nass
war allerdings nicht immer Eigentum der Gemeinde. Besaß zunächst
die Katholische Kirche die Wasser- und damit die Bäderrechte,
gehörten sie später diversen Adelsfamilien und wechselten danach
noch einige Male die Hände. Dadurch wurde das Schicksal der
Gemeinde immer von außen diktiert. Um es in die eigenen Hände zu
bekommen, nahm man in den achtziger Jahren des letzten
Jahrhunderts beträchtliche Kredite auf, plante und baute im
großen Stil. So wurden nicht nur 1500 neue Parkplätze unter der
Erde geschaffen, Bergbahnen verbessert und die Dorfkirche
renoviert, sondern auch ein Rathauskomplex sowie eine Sportarena
errichtet, die großartig zu nennen fast eine Untertreibung wäre.
Zu den zahlreichen Heil- kamen Sportbäder, Grotten, Saunen,
Schönheits- und Wellnesszentren, das Burgerbad wurde immer
größer und schöner und die neuen Alpenthermen ein wahrer
Badetempel. Um all das gruppierten sich zusehends ansprechende
Hotels und moderne Ferienwohnungen.
Die ungewöhnliche, im gesamten Alpengebiet einmalige
Infrastruktur sorgt dafür, dass man auch einen Regentag - den es
sogar im 'sonnigen Wallis' gibt - nicht auf der Bettkante
verbringen muss. Regen ist wichtig wenn man bedenkt, dass man in
dem Wasser das heute hier auf die Berge fällt in gut dreißig
Jahren baden kann; es versickert im porösen Kalkgestein bis auf
600m unter dem Meeresspiegel, bevor es - von der Erdwärme auf
51°C aufgeheizt und mit zahlreichen Mineralien, vor allem
Calcium und Sulfat, angereichert - schließlich in Dorfnähe
wieder ans Tageslicht tritt.
Weitere Informationen:
Leukerbad Tourismus
CH-3954 Leukerbad
Tel. +41 (0) 27 472 71 71
Fax +41 (0) 27 472 71 51
info@leukerbad.ch
www.leukerbad.ch
|