Das Val Onsernone gilt als eines der schönsten und
ursprünglichsten Täler des Tessins. Still und geheimnisvoll,
eine ganz und gar ursprüngliche und unverfälschte Landschaft.
Zeugen eines zerbrechlichen Gleichgewichts zwischen Mensch und
Natur sind die traditionellen Steinhäuser mit den zur Sonne
gewandten Holzvorbauten.
Man entdeckt vornehme Paläste,
gebaut von Emigranten, die im Ausland ihr Glück gemacht haben, aber auch
bescheidene Steinhäuser, die sich an die steilen Hänge klammern und mit ihren
Holzbalkonen beinahe tibetanisch aussehen. Viele Künstler liebten dieses Tal,
fanden und finden noch heute in der Stille der Kastanienwälder ihre Inspiration.
Schon die Reise ins Onsernonetal
ist ein Erlebnis. Das Postauto windet sich die steilen Hängen entlang. Immer
neue, dichtbewaldete Bergflanken blättern sich auf. Die Dörfer sind von weitem
besehen nichts als kleine helle Inseln im dunklen Grün. Comologno ist das
zweithinterste Bergnest. Etwas weiter oben klebt Spruga am Hang. Hier endet die
Strasse und wenig dahinter auch die Schweiz.
Wenn Sie
angekommen sind und nicht recht wissen, was Sie am Ende der
Tessiner Welt verloren haben, dann haben wir einige Tipps für
Sie. Hier ist alles möglich: vom Dolce far niente bis zum
Abstecher in die Wildnis.
Tipp 1: Gehen Sie
ins gastliche Palazzo, lernen Sie die vielen Zimmer kennen.
Lesen Sie was die schreibenden Berühmtheiten in der Villa
nebenan vor zig Jahren alles trieben. Lassen Sie Ihrem
Voyeurismus freien Lauf, gucken sie vom Balkon in den
Nachbargarten. Oder machen Sie es sich im früheren Nebenhaus der
Barca gemütlich, in der Osteria Palazign.
Tipp 2: Sie haben
Lust auf ein paar Schritte? Suchen Sie sich ein ruhiges
Plätzchen und lesen Sie Valangins «Dorf an der Grenze», den
Roman über Comologno und Spruga, über Partisanen und Schmuggler,
über Dorfpolitik und Krieg - und Liebe.
Tipp 3: Es hat
Sie gepackt. Sie wollen wissen, wo im Oktober 1944 das Gefecht
zwischen Nazitruppen und italienischen Partisanen stattgefunden
hat. In einer Fußstunde sind Sie in Italien und am Tatort, bei
den Bagni di Craveggia. Eine Lawine hat das Kurhaus 1951
zerstört. Die übriggebliebenen Gewölbe sind von der
italienischen Gemeinde Craveggia gesichert worden. Hier kann man
alte Badewannen und den Wasserspeicher aus dem frühen 19.
Jahrhundert ohne Angst vor herunterfallenden Gemäuerteilen
besichtigen. Vorausgesetzt, man hat sich über den Isorno gewagt,
was nur bei niedrigem Wasserstand zu empfehlen ist.
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Der Weiler
Piansecco liegt 330 Höhenmeter oberhalb von Spruga. Wenn Sie
bereit sind, den steilen Aufstieg auf sich zu nehmen, erwartet
Sie eine einmalig ruhige und natürliche Alplandschaft: Wiesen
voller zum Teil seltener Bergblumen und Kräuter, belebt mit
Schmetterlingen, Käfern und Heuschrecken, Buchen und
Lärchenwälder mit Beeren und Pilzen und ein großartiger Ausblick
über das wildromantische Onsernonetal. Ein Kraftort, eine Oase
zur Erholung und zum Auftanken. Rundherum stehen ein Dutzend
locker verstreute Steinhäuser. Ausspannen, von Haus und Garten
aus die Landschaft genießen oder eine abwechslungsreiche
Wanderung unternehmen: Sie haben die Wahl. Die weitere Umgebung
eignet sich für gefahrlose Wanderungen jeder Art und damit
verbunden gibt es auch verschiedene reizvolle Bademöglichkeiten.
Im Talmuseum von
Loco wird die früher allgegenwärtige Strohflechterei auch als
Geschichte mafiöser Familienclans lebendig. Hier wurde nicht nur
bei jeder Gelegenheit geflochten, sondern bei Bedarf auch mal
geschossen. All die Gesichter aus dem Garten der Barca zu
Comologno begegnen einem auf Fotos. Und ein paar Sätze von Max
Frisch zum Leben im Tal. Die Battaglia di Craveggia kann man auf
einem exakten Lageplan studieren.
Von Loco aus, wo
man neben dem Museum auch eine Wassermühle (in Betrieb)
besichtigen kann, führt ein Pfad hinunter durch die einstigen
Mai-Heuwiesen (maggenghi) und Terrassierungen, Zeugnisse einer
harten landwirtschaftlichen Vergangenheit. Nach der Brücke über
dem Fluss Isorno führt ein Weg hinauf zu den interessanten
Dörfern Vosa und Pila.
Vosa ist autofrei
und das ganze Jahr von einigen wenigen "Einheimischen" bewohnt.
Die meisten Rustici sind als Ferienhäuser genutzt. Es gibt wenig
Infrastruktur: Eine kleine Kapelle sowie die private Funivia
(Seilbahn) nach Cresmino, welche vom Verein Pro Vosa unterhalten
wird. Das Postauto fährt 6 mal pro Tag ab Cresmino nach Locarno.
Die Wanderung endet in Intragna, wo der Saumpfad direkt zum
Regionalmuseum von Centovalli und Pedemonte führt. Besichtigung
sehr empfehlenswert!
Für
Unerschrockene und Orientierungssichere bietet sich noch ein
Abstecher in die Wilderness an. Bis vor dreißig Jahren blühte
der Kaffee- und Zigarettenschmuggel nach Italien, das Wegnetz im
Grenzgebiet war hervorragend im Schuss. Doch dann riss das
schwere Unwetter von 1978 fast alle Brücken weg. Wenige wurden
wieder aufgebaut, die Alpen dennoch aufgegeben. Die Zugänge
zerfallen, Urwald rückt nach. Wer Brennesseln und abgerutschte
Wege nicht scheut, kann im hintersten Teil des Tales
ausschwärmen.
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