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ST. GOTTHARD
 
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ST. GOTTHARD


    Wo Rhein, Rhone, Reuss und Tessin entspringen

 

Der St. Gotthard ist schon seit Menschengedenken eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen. Heute erkennt man seine Wichtigkeit anhand von 4 Überquerungsmöglichkeiten zwischen Airolo und Andermatt: die Eisenbahn, der Autobahntunnel, die Bundesstrasse und die alte Poststrasse durch das Val Tremola. Der Pass bildet die Grenze zwischen Uri und dem Tessin, und er wird vom Lago di Lucendro im Westen und dem Lago della Sella im Osten eingeschlossen. Bei guter Sicht kann man die Gipfel des Piz Centrale (3000m) und des Winterhorns (2661m) erkennen. Der St. Gotthard ist auch als der Wettermacher bekannt. Während man in Airolo mediterranes Wetter und italienisches Flair vorfindet, erlebt man im Norden wieder das rauhe alpine Klima.

Der Gotthard ist zwar nicht, wie man lange geglaubt hatte, der höchste Berg Europas. Doch er ist seit jeher so etwas wie das Zentrum Europas. Für Reisende in Richtung Süden ist der Gotthard mit seinem Pass und Tunnel ein Hindernis, das es hinter sich zu bringen gilt. Für Alpenfans ist er jedoch der Inbegriff des Gebirges und Europas bedeutendste Wasserscheide. Seit den Römern wird die Straße über den Gotthard für den Handel genutzt. Schon bald entstand am Pass (2.108 m) ein Hospiz. Heute befinden sich hier zusätzlich eine Sternwarte, die St. Karls Kapelle, ein Hotel-Restaurant und - in der alten Herberge »Alte Sust« - das St. Gotthard-Museum.

  Fort Airolo

Das Fort Airolo ist ein ehemals bedeutendes Werk der schweizerischen Landesverteidigung. Wenn man die ersten Kurven der Gotthardstrasse oberhalb von Airolo erreicht hat, fragt man sich zweifellos, was dieses imposante Mauerwerk mit einer Granitüberdeckung in Form eines Schildkrötenpanzers, umgeben von einem tiefen Graben, für einen Zweck erfüllt.
Das Fort wurde in den Jahren 1886 bis 1890 erbaut und galt bis zum Ersten Weltkrieg als die modernste Festung Europas. Sie hatte mit ihrer Feuerkraft den Zweck, die Gotthard-Eisenbahn als wichtigste Nord-Süd-Verbindung, die Strasse der Leventina und das Val Bedretto zu schützen. Obschon das Fort Airolo seine militärische Bedeutung verloren hat, wird das Werk, wegen der beim Bau angewandten Technik, immer noch bewundert.
Es ist als Museum allgemein zugänglich und beherbergt eine ständige Ausstellung, die im wesentlichen den Bau der Festung, seine Bewaffnung und Ausrüstung umfasst. Vom 1. Juli bis 30. September sind Besichtigungen mit Führung in deutscher, französischer und italienischer Sprache möglich.

"Immer muss der Schweizer beim Gotthard beginnen, das ist der Anfang und das Ende seiner Geographie", schreibt Heinrich Federer 1911. Am gewaltigen Massiv des St. Gotthard treffen die Hochgebirgsketten aus allen Himmelsrichtungen zusammen, ebenso wie die Sprachen der Schweiz: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Er ist die große Wasserscheide, wo wenige Kilometer voneinander entfernt Rhein, Rhone, Ticino und Reuß entspringen. Einer geografischen Standortbestimmung gleich kommt die Inschrift unter dem Vorzeichen der St. Karls Kapelle aus dem Jahr 1727: "Hier trennt der Weg, o Freund, wo gehst du hin? Willst du zum ewigen Rom hinuter ziehn? Hinab zum heilgen Köln, zum deutschen Rhein, nach Westen weit in`s Frankenland hinein?"

So zentral gelegen, ist Hospental ein idealer Ausgangspunkt für Wanderer, für Pässefahrten mit Auto, Motorrad oder Velo. Wenn man lieber nur talwärts fahren möchte, transportiert das Postauto den Velo auf die Passhöhe. Auf der Passhöhe lohnt ein Besuch des Gotthardmuseums, in dem die lange Geschichte des Passes dargestellt ist, man sieht das Leben der Vorfahren und die unglaublichen Konstruktionen früherer Tage, als man mit Säumern und Maultieren den Pass bezwang. Falls man eine Reise über den Gotthard mit einer Reise in längst vergangene Zeiten verbinden möchten, empfiehlt sich die Historische Reisepost: Wie im vergangenen Jahrhundert fährt die fünfspännige Postkutsche im Sommer über den Gotthardpass.

Heute ist der Gotthard-Pass eine der am meisten befahrenen Nord-Süd-Verbindungen Europas. Das hört sich nicht unbedingt fahrradfreundlich an. Ist es auch nicht. Sowohl das Tal der Reuss vom Vierwaldstädter See bis Göschenen als auch auf der Tessiner Seite die Leventina von Airolo bis zum Lago Maggiore sind geprägt vom Verkehr. Autobahn und Eisenbahn sorgen für einen beständigen Lärmpegel. Trotz seiner heutigen Bedeutung und seiner Bekanntheit ist der St. Gotthard keiner der ältesten Pässe über die Alpen. Es sind zwar einige römische Münzen gefunden worden, doch bestand keine Reichsstrasse über den St. Gotthard (kleine Ergänzung: Vom Tessin bis nach Hospental kamen auch die Römer, jedoch war an der Schöllenen Schluss. Die Ost-West-Übergänge Furka und Oberalp waren jedoch schon bekannt). Die Römer nutzten den weiter westlich gelegenen Grossen St. Bernhard und den weiter im Osten gelegenen Splügen- und den Julierpass. Erst im 13. Jahrhundert konnte eine dauerhafte Verbindung über den Gotthardpass hergestellt werden. Das hatte mehrere Ursachen: das starke Wachstum der Bevölkerung und die Städtegründungen dieser Zeit verursachten mehr Verkehr auch über die Alpen Dabei lag der Gotthard genau auf der kürzesten Route zwischen der dichtbesiedelten Lombardei und dem Rheintal sowie auch zwischen Rom und Aachen. Dazu kam der technische Fortschritt: das bislang unüberwindbare Hindernis auf der Gotthard-Route war die Schöllenenschlucht.

Bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts, dann ließen die Urner die Teufelsbrücke über die Schöllenen-Schlucht erbauen. Der Teufel, der nach der Sage die Brücke erbaut haben soll, hieß in Wirklichkeit Agosto da Tivoli, in der Mundart der Urner wurde daraus der "Tyfel". Mit diesem Bauwerk wurde der Gotthard zum bedeutendsten Pass Europas.
Die Tat der Urner Landbevölkerung machte den Gotthard aber auch zum bestimmenden Faktor bei der Gründung der Eidgenossenschaft vor 700 Jahren. Die Kontrolle dieses bedeutenden Handelsweges, das hatten die Urkantone damals erkannt, war der Schlüssel zu Reichtum und politischer Selbständigkeit. Die diesen Bund gründeten, die Urner, Schwyzer und Unterwaldener, waren freilich keine freiheitsliebenden Hirten, wie es die Sage will, sondern adelige Grundbesitzer und freie Bauern. Dennoch ist ohne diesen Mythos vom Freiheitshelden Wilhelm Tell und ohne das Schillersche Drama die Schweizer Geschichte, vor allem die des 19. Jahrhunderts, nicht vorstellbar.

Die drei Urkantone, zu denen sich bald auch Luzern gesellte, liegen rund um den Vierwaldstätter See, der schon früh das Ziel eines zahlungskräftigen Reisepublikums wurde. Vor allem die Sonnenauf- und -untergänge auf der Rigi, die bis zur Entdeckung des Hochgebirges als Berg schlechthin galt, waren ein Muss für den gebildeten Touristen auf der Suche nach der unberührten Schweizer Natur. Auf der anderen Seite des Gotthards liegen der Lago Maggiore, der Luganer und der Comer See. Den Traum, hier den Süden zu erleben, musste man sich lange Zeit mit der Postkutsche beschwerlich und teuer erkaufen.

Mit dem Bau des Eisenbahntunnels durch den Gotthard, der 1882 fertig gestellt wurde, änderte sich nicht nur das. Die Bahn ermöglichte den besseren Anschluss des abgelegenen, armen und lange Zeit unselbständigen Kantons Tessin an die übrige Schweiz. Tessiner Kaufleute, Gastwirte und Handwerker siedelten sich in Bern, Zürich oder Luzern an. Umgekehrt kamen Hoteliers aus dem Norden ins Tessin. Die Schweiz wurde durchlässiger, und die Bevölkerung weltoffener. Man heiratete untereinander, knüpfte Geschäftsverbindungen. All das trug wesentlich zum Bestand dieses für Ausländer oft unverständlichen Staatsgebildes Schweiz bei, in dem vier Sprachen gesprochen werden und das doch über alle Krisen hinweg zusammenhält. Heute nutzen jährlich 5,5 Mio. Passagiere und 10 Mio. Tonnen Fracht den Eisenbahntunnel. 1980 wurde nach elfjähriger Bauzeit der Straßentunnel zwischen Göschenen und Airolo eingeweiht - mit 16,7 km der längste Tunnel Europas.


Weitere Informationen:

www.gotthardtunnel.ch

 

 

 

 


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