Der Eiger ist mit seinen 3970 m der niedrigste Gipfel des
berühmten Dreigestirns Eiger, Mönch (4099) und Jungfrau (4158)
im Berner Oberland. Auf seinem Gipfel berühren sich die
Gemeinden Lauterbrunnen und Grindelwald. Dank seiner markanten
Nordwand, dem Schauplatz ungezählter Bergtragödien, ist er aber
einer der berühmtesten Gipfel, nicht nur in den Alpen, sondern
auf der ganzen Welt.
Am 24. Juli 1938 drücken sich
vier Männer im Schneesturm auf dem 3970 Meter hohen Gipfel des Eigers die Hand.
Anderl Heckmair, Wiggerl Vörg, Fritz Kasparek und Heinrich Harrer haben es
geschafft. Sie haben das "letzte Problem der Alpen", die Eiger-Nordwand, als
erste durchstiegen. Eine Sternstunde des Alpinismus - ein bergsteigerischer
Erfolg, der bis heute rund um die Welt gewürdigt wird!
Eiger-Nordwand. Dieser Begriff
ist fester Bestandteil einer durchschnittlichen Allgemeinbildung. Sogar jeder
Nicht-Bergsteiger kennt dieses Wort. Die meisten waren nie da und wissen oftmals
nicht, wie sie aussieht. Dennoch ist die Eiger-Nordwand im Speicher der Gehirne
verankert wie das Empire-State-Building, die Niagarafälle, die Pyramiden oder
ähnliche "Weltwunder".
Die Erstbesteigung des
Eigergipfels gelang den Grindelwalder Bergführern Christian Almer und Peter
Bohren zusammen mit ihrem irischen Gast Charles Barrington am 11. August 1858,
also während dem «Goldenen Zeitalter des Bergsteigens», das 1865 mit der
Erstbesteigung des Matterhorns zu Ende ging. Die Erstdurchsteigung der 1800
Meter hohen Eigernordwand gelang erst 1938.
Die Geschichte
der Eiger-Nordwand-Begehungen ist eine Geschichte alpiner
Triumphe und menschlicher Tragödien!
Der erste Besteigungsversuch 1935 endet für die beiden Münchener
Max Sedlmayr und Karl Mehringer tödlich. Als dann 1936 die
Österreicher Edi Rainer und Willy Angerer sowie die Deutschen
Anderl Hinterstoißer und besonders Toni Kurz auf erschütternste
Weise beim nächsten Versuch in der Eigerwand ihr Leben verlieren
und es auch 1937 bei mehreren vergeblichen Anläufen wieder ein
Todesopfer gibt, gilt sie als unersteigbar und erlangt als
"Mordwand" Weltruhm. Die Weltpresse ist 1938 auf ein Drama in
der Eiger-Nordwand eingestellt. Sonderberichterstatter bringen
Live-Reportagen über das Radio oder versorgen ihre Redakteure
mit dem Neuesten per Telefon.
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Als sie am 22.
Juli gegen 3 Uhr früh von ihrem Zeltplatz aus aufbrechen,
befinden sich die Österreicher Fritz Kasparek und Heinrich
Harrer bereits seit einem Tag in der Wand, biwakieren in den
Felsen rechts des Zweiten Eisfeldes. Heckmair und Vörg sind auch
dank ihrer Steigeisen so schnell, dass sie schon um 11.30 Uhr
auf die beiden anderen treffen, die sich wegen des lästigen und
anstrengenden Stufenschlagens noch immer im Zweiten Eisfeld
abmühen. Nach einigem Hin und Her entschließen sie sich, sich
zusammen zu tun, auch um sich nicht gegenseitig zu gefährden.
Heckmair übernimmt die Führung bei zunächst noch einigermaßen
guten äußeren Bedingungen. Am späten Nachmittag des 23. Juli
schlägt das Wetter nach einem heftigen Gewitter um, sie erwachen
am nächsten Morgen in einer echten Winterlandschaft, umgeben von
Unmengen Neuschnees. Ist es am Biwakplatz auch relativ
windstill, so hören sie doch den Sturm am Gipfel brausen. "Dies
war der Tag des Anderl Heckmair", um Heinrich Harrer zu
zitieren. Anderl Heckmair macht aus "unmöglich" "möglich". Er
setzt alles ein. Seine außerordentliche Physis, sein spezielles
Training für diese Tour, seine psychische Stabilität, alles
kommt jetzt am Limit zum Tragen. Er muss volles Risiko gehen.
Dennoch läuft nichts panisch ab, keiner verfällt in Hektik,
gesichert wird nach wie vor sorgfältig. Um 15.30 Uhr am 24. Juli
1938 haben sie es geschafft, die Eiger-Nordwand ist kein letztes
Problem der Alpen mehr. Sie hat ihre erste Durchsteigung, ihre
klassische Route der Erstbegeher, ihre Anderl Heckmair-Route.
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Dass diese Route
in den seither vergangenen Jahren immer wieder zum Kriterium
bergsportlicher Entwicklungen und Schaufenster alpinistischer
Grenzleistungen geworden ist, verwundert nicht. Nach der
weltweit Aufsehen erregenden Erstdurchsteigung von 1938 bringt
das Grauen des Zweiten Weltkrieges eine Pause an der Nordwand
und vereitelt zunächst Wiederholungen der Route. Erst neun Jahre
später gelingt die Zweitbegehung. Der Run auf die Heckmair-Route
- "man muss sie halt gemacht haben" - hat eingesetzt. In der
Chronik finden sich Schlag auf Schlag die Namen derer, die
seitenweise alpine Literatur ausmachen.
Verschiedentlich taucht der Eiger
auch in der Sagenwelt auf. Am bekanntesten ist die Geschichte vom «Challigroosi»,
wie der Südwind bzw. «Föhn» hier umschrieben wird, der als gefürchteter
Sturmwind mit verheerenden Böen zuweilen hinter dem Eiger hervorschießsst oder
über den Mittellegigrat herabfällt. - An der Ostegg existiert überdies ein
markantes Felsentor, das «Martinsloch». Es ist der Sage nach entstanden, als der
Riese Martin mit Urkräften Eiger und Mettenberg auseinanderschob, damit dem
Gletscher einen besseren Durchgang verschaffte und den Blick auf die imposante
Fiescherwand eröffnete. Bei seinem Kraftakt hinterließ er am Mettenberg den
Abdruck seines Hinterteils, den «Martinsdruck», und stieß mit seinem Stock das
besagte Martinsloch in den Eiger.
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Der Name des Eigers wird
urkundlich bereits im Jahr 1252 erwähnt Der Eiger ist damit der erste Hochgipfel
der Schweizer Alpen überhaupt, der nachweisbar einen Namen trug. Es gibt
verschiedene Deutungen für den Namen Eiger: Das Wort «Eiger» ist verwandt mit
dem lateinischen Ausdruck «acer» und dem griechischen «akros», was «scharf» oder
«spitz» heißt. Eine frühere Schreibweise «Heiger» lässt die Überlegung zu, ob
diese Bezeichnung nicht aus den Mundartausdrücken «dr hej Ger» entstanden sein
könnte. Der Ger war der Wurfspiess der Germanen, eine scharfe, spitze Waffe. Von
Osten, von der Grossen Scheidegg her gesehen, erscheint der Eiger einer
Speerspitze durchaus ähnlich.
Am Eiger befinden sich zwei
Bergsteigerunterkünfte - beide im Besitz des Bergführervereins Grindelwald: Die
Mittellegihütte (3355 m), erbaut 1924, gestiftet durch den Japaner Yuko Maki.
Die Ostegghütte (ca. 2350 m), erbaut 1998 als bleibende Erinnerung an das
100jährige Bestehen des Bergführervereins Grindelwald. - Zu Füssen der Nordwand
stellt der «Eiger-Trail» eine Attraktion für den Wanderer dar (Eigergletscher-Alpiglen).
Seit den Pionierzeiten der dreißiger Jahre bleibt die Wand stets unter
Beobachtung der Medien. Obwohl die Kletterei noch unter 4000 m Höhe endet, teilt
sich die Eigernordwand in ihrem Bekanntheitsgrad sicher die ersten Plätze mit
den Achttausender-Giganten des Himalaja. Viele haben daran Anteil. Luis Trenker
etwa, er stellte in ihr mit Toni Sailer, Dietmar Schönherr und Hilti von Allmen
die Werte echter Bergfreundschaft in einem Spielfilm auf die Probe (Sein bester
Freund, 50er Jahre). Oder Clint Eastwood, er musste in der Wand
Agentenabenteuer, made in Hollywood, bestehen (The Eiger Sanction, 1975).
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