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BETTMERALP


    Die kleine Welt auf 2000 Meter

 

Wer als Urlauber hier herauf kommt, deponiert Auto und Stress an der Talstation und lässt sich samt Gepäck in einer der modernen 125-Personen-Kabinenbahnen in die abgeschlossene kleine Welt auf 2000 Meter empor tragen. Der Almcharakter der Erholungsorte ist trotz einer beträchtlichen Anzahl von Gästehäusern und Chalets sowie einer modernen Infrastruktur  nicht ganz verloren gegangen. Besonders die Bettmeralp wirkt noch immer wie ein Bergdorf, auch wenn die meisten der gemütlichen kleinen Holzhäuser heute Unterkünfte für Touristen bergen. Sie heißen Bijou, Alpenblümli, Cécile oder Bergfee und bieten nicht zuletzt einen idealen Rahmen für Familienferien.

Die Bettmeralp liegt, fern von Hektik und Verkehr, auf einem weitausladenden Hochplateau. Dahinter befinden sich die Aussichtsberge Bettmerhorn und Eggishorn, der Aletschgletscher mit seinem einmaligen Arvenwald und gegenüber auf der anderen Talseite - in der reinen Bergluft oft zum greifen nah - das makellose Panorama der Walliser Viertausender. Aktivferien sind auf Bettmeralp Trumpf. Nebst gepflegten Traumwanderungen und einem herrlichen Bergsee, in dem man fischen und baden kann, findet man im schönen Alpdorf Tennis-, Minigolf- und Kinderspielplätze.
Bis Mitte des letzten Jahrhunderts war die Bettmeralp ein typisches, nur im Sommer bewohntes Alpdörfchen - mit kleinem See, einer Bergkapelle und zwei Dutzend Alphütten. Wer herauf wollte bzw. musste, hatte einen langen Fußmarsch vor sich, es sei denn, er konnte sich den feudalen Transport auf einem Muli leisten. Das änderte sich erst 1951, als die Einheimischen sich für den Bau einer Seilbahn einsetzten. Galt die plötzliche und schnelle Beförderung bei den Bergbauern zunächst als 'Himmelfahrt', die mit äußerster Vorsicht zu genießen war, musste bald mancher von ihnen mit sanfter Gewalt davon überzeugt werden, dass sein Vieh für die Fahrt auf die Alp den Touristen Vorrang lassen musste.

Heute transportiert man zwar kaum noch lebende Tiere, dafür die immer zahlreicher eintreffenden Urlauber samt allem, was für ihr Wohlbefinden von Nöten ist. Der inzwischen aufgestaute Bergsee (im Sommer immerhin 19 Grad warm), lädt zum Fischen und Bootsfahren ein, es gibt einen Golfplatz und Minigolfanlagen, Sporthallen und Kinderspielplätze, deren grandiose Aussicht auf die Viertausender vis-a-vis die Kleinen mit Sicherheit nicht zu schätzen wissen. Dagegen eher den Murmeltierpfad gleich hinter dem Dorf, wo sie mit etwas Glück den putzigen Gesellen begegnen und gleichzeitig einiges über ihr Familienleben lernen können. Im 'Alpmuseum', einem Haus aus dem Jahre 1602, wird dem Besucher Brauchtum und Handwerk früherer Zeiten nahe gebracht: Während man sieht, wie man Käse macht, eine Sense dengelt oder einen Rückenkorb flicht, wird nebenan gebuttert.

Mehr als 150 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen die Region. Sie führen hinunter in die Massaschlucht oder hinauf aufs Eggishorn.

Jahrtausende hindurch war die Massa für den Menschen unpassierbar. Nicht, dass er die Schlucht gemieden hätte, im Gegenteil. In den letzten Tausend Jahren, in denen er die höheren Regionen besiedelte, war das zu Tal stürzende Wasser sein Lebensquell. Im Wallis, vor allem im oberen Rhonetal, fallen sehr wenig Niederschläge. Da lag es natürlich nahe, einen Teil des vorbeitosenden Elements für die lebensnotwendigen Bedürfnisse abzuzwacken. Doch das Wasser aus der Schlucht zu leiten, bedurfte erheblicher Anstrengung. Heute kann der Technik verwöhnte Freizeitmensch, sobald er den Spuren der Vergangenheit folgt, kaum glauben, was vor ihm schon alles möglich war. Ein Blick hinunter ins Tal veranschaulicht die Dimensionen, um die es ging. Die Siedlungen der Bauern lagen weit über die Bergflanke verstreut. Jedes einzelne Gehöft musste versorgt werden. Dabei reichten das Regen- und Quellwasser nicht aus. Auf mehreren Ebenen im Abstand von etwa 100 Höhenmetern bauten die Betroffenen deshalb vor bereits 600 Jahren ein Bewässerungssystem, das mit Hilfe horizontaler Transportkanäle und vertikaler Zuteilungen sowohl Mensch und Tier, als auch Wiesen und Felder versorgte. Eine der Fuhren, die so genannte “Riederi” ist in Ried, einem kleinen Ort oberhalb von Mörel, noch voll in Funktion.

Der Wanderweg zur Massaschlucht führt auch an alten Speichern vorbei. Die Steinräder, auf denen die Pfosten der Speicher lagern, sind dazu da, die Mäuse abzuhalten. In den Sommermonaten wählen die Bergführer auf dem Weg zur Massa gern die Trassen der alten Fuhren. Der Randbewuchs spendet Schatten und das kühle Nass macht die Hitze erträglich. Außerdem bietet sich so die Gelegenheit, ortsfremden Gästen die technischen Zusammenhänge des Kanal-Systems näher zu bringen. Das volle “Erlebnis Massa” offenbart sich jedoch erst bei der Durchquerung, die vom Stausee bis hinunter ins Tal 6 bis 8 Stunden dauert. Es fließt zwar kein Eiswasser mehr durch die Schlucht, doch auch das Quellwasser, das sich in Prielen aufstaut, erwärmt sich kaum. Neoprenanzüge schützen hier vor Unterkühlung. Gut gerüstet und in fachkundiger Obhut, die Tour ist nur unter Leitung eines zugelassenen Bergführers erlaubt, kann das “Abenteuer Massaschlucht” beginnen: Die Massa-Durchquerung ist eine körperliche Herausforderung, gekoppelt mit einem grandiosen Naturerlebnis als Beigabe.

Wählt man den Weg hinauf bis aufs knapp 3000 Meter hohe Eggishorn, so kann man von dessen Plateau an besonders klaren Tagen sämtliche Viertausender des Wallis erkennen. Von hier oben gibt es auch die beste Übersicht auf den 'Großen Aletsch', den mit 24km Länge mächtigsten Gletscher der Alpen. Dass er sich unaufhörlich talwärts wälzt, ist mit bloßem Auge nicht zu beobachten; aber er macht tatsächlich keine Verschnaufpause und legt im Schnitt pro Jahr dreißig Meter zurück.

Ein besonderes Urlaubserlebnis ist die Gletscherüberquerung, zu der man sich am besten einer ortskundigen Führung anvertraut. Bei schönem Wetter stehen am frühen Morgen Jung und Alt erwartungsvoll und gut beschuht parat, um dem Führer von den 'Zenbächen' hinüber zu den 'Katzenlöchern' zu folgen und sich anseilen zu lassen, wo Spalten entsprechende Vorsicht gebieten. Eher staubig grau wirkt der Gletscher von nahem; nur, wo sich Spalten auftun oder Schmelzwasser den Grund blank putzt, verrät ein leuchtendes Blaugrün, dass man sich auf purem Eis bewegt. Wie riesig der Gletscher vor nicht allzu langer Zeit einmal war, ist gut an den hohen Geröllflanken erkennbar, von denen die Natur langsam Besitz ergreift. Wachsen unten zunächst Flechten und Moose, folgen weiter oben Steinbrech und Leinkraut, später Alpenrosen, Sträucher und schließlich Bäume.

Im Aletschwald oberhalb des Gletschers gedeihen Lärchen und vor allem knorrige Arven (Zirbelkiefern), die sich viel Zeit nehmen beim Wachsen, dafür aber bis zu tausend Jahre alt werden können. Die Arven bilden auch die Hauptbaumart des Aletschwaldes, die in Österreich wegen ihres oft gedrehten Stammes auch Zirbelkiefer genannt wird. Sie stellt rund 70% aller Bäume im Wald. Zahlreiche von ihnen sind bereits mehrere Jahrhunderte alt, denen man den Kampf mit Eis und Schnee, winterlichen Orkanen oder sommerlicher Trockenheit ansieht. Baum für Baum ist anders und jede Arve erscheint als ein Individuum, das uns seine Lebensgeschichte erzählen möchte, wenn man nur aufmerksam zuhört. Mit rund 20% aller Bäume hat auch die Lärche einen wichtigen Anteil am Aufbau des Waldes. Sie wächst schneller als die Arve, und steht vor allem in den tiefer liegenden Waldbereichen. Nahe der Waldgrenze sind ihr die Bedingungen schon etwas zu rau. In der freien Natur gehört neben dem Keimen und Wachsen auch der Tod ganz natürlich dazu. Totes Holz bleibt liegen und kehrt zurück in den Kreislauf der Natur. Im Bergwald erfüllt es zahlreiche wichtige ökologische Funktionen - es beherbergt Moose und Pilze, Spinnen und Käfer, und schon bald dient es bereits wieder der Keimung junger Arven oder Lärchen. Totes Holz ist aber nicht nur ökologisch nützlich, sondern auch wunderschön.

Hier ist auch das Naturschutzzentrum Aletsch auf der Riederfurka oberhalb des Gletschers untergebracht. In der einst im viktorianischen Stil von dem Londoner Bankier Cassel errichteten Villa, wurden zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Adligen und Einflussreichen jener Zeit zu Besuch empfangen. Darunter war auch der junge Winston Churchill, der sich - wie man berichtet - über den Lärm der Kuhglocken beschwerte. Als fürsorglicher Gastgeber überredete darauf hin Cassel die Hirten mit einigen Geldscheinen, die Glocken mit Gras abzudämpfen. Heute ist die Villa ein Mekka für Naturliebhaber, eine Stätte für Tagungen, Exkursionen und Begegnungen, in welcher die Region mit Gletscher und Wald und ihren 300 Pflanzenarten eindrucksvoll erklärt und dargestellt wird.

Bereits mehr als sechzig Jahre steht der Aletschwald unter Schutz und ist somit sich selbst überlassen. Rotwild und Gämsen, Birkhuhn, Schneehase, Fuchs und Eichhörnchen haben hier ein Paradies ebenso wie der Tannenhäher. Der schokoladenbraune Vogel mit den weißen Tropfenflecken sorgt als 'Gärtner des Waldes' zuverlässig für die Verbreitung des Arven-Samens. Denn von den 100 000 Nüsschen, die er großzügig als Winterproviant verbuddelt, holt er nicht alle wieder hervor. Seit Dezember 2001 liegen Wald und Gletscher mitten in dem 538 km2 großen Gebiet, das von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt wurde, als erstes des gesamten Alpenraumes.
 

Weitere Informationen:

Tourismusbüro Bettmeralp
CH- 3992 Bettmeralp
Tel. 0041-27-928-6060
Fax: 0041-27-928-6061
info@bettmeralp.ch
www.bettmeralp.ch
 

 

 

 

 


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