Als erstes und einziges Weltnaturerbe im Alpenraum, hat
die UNESCO die spektakuläre Gebirgslandschaft südlich des Ortes
anerkannt. Ausgezeichnet wurde das
Gebiet rund um Jungfrau, Aletsch- und Bietschhorn, das fast zur Hälfte aus
Gletschern besteht. Im Zentrum steht der Große Aletschgletscher. Er ist mit
seinen rund 23 Kilometern Länge der größte und längste Gletscher
der Alpen. Er besteht aus rund 27 Milliarden Tonnen Eis. Der
Ursprung des Grossen Aletschgletschers liegt in der rund 4000 m
hoch gelegenen Jungfrau-Region, gesäumt von Gipfeln wie
Jungfrau, Mönch und den Fiescherhörnern, der mit 24
Kilometern längste Eisstrom der Alpen.
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Drei mächtige Firnfelder, das
Grosse Aletschfirn, das Jungfraufirn und das Ewigschneefeldfirn speisen den
Gletscher zusammen mit dem viel kleineren Grüneckfirn. Sie fließen im
Bereich des Konkordiaplatzes zusammen und von dort fließt der Eisstrom mit
einer Geschwindigkeit von bis zu 180 Metern pro Jahr in Richtung Rhonetal.
Die Gletscherzunge liegt auf rund 1560 m Höhe, weit unterhalb der lokalen
Waldgrenze. Umgeben wird sie von uralten Wäldern wie dem Aletschwald, der
ebenfalls zum Weltnaturerbegebiet gehört.
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In tausenden von Jahren hat
der Gletscher um sich herum eine einzigartige Landschaft geformt. Unter dem
Druck des Eises fließt der Gletscher talabwärts und gräbt sich so immer
tiefer in die alpine Landschaft ein, Unmassen von Geröll und Schutt vor sich
herschiebend. Beim Abschmelzen des Eises hinterlässt er Rundhöcker und
weithin unbewachsene Moränenflächen. Auf diesen zunächst vollkommen
unbewachsenen Flächen vollzieht sich schon in wenigen Jahrzehnten eine
erstaunliche Entwicklung. Moose und erste Samenpflanzen wie der Bewimperte
Steinbrech oder das Alpen-Leinkraut besiedeln das scheinbar lebensfeindliche
Substrat. Später gesellen sich weitere krautige Pflanzen hinzu, bis nach
rund 25 Jahren bereits erste Bäume und Sträucher zu finden sind.
Die bequeme Auffahrt mit der Jungfraubahn hat die anspruchsvolle Route über
die Lötschenlücke zur meistbegangenen Hochtour der Schweiz gemacht. In
Spitzenzeiten wie Ostern oder Pfingsten sind bis zu 700 Tourengeher täglich
auf der Strecke, dazu kommen noch etliche Dutzend Zeitgenossen, die das Geld
haben, sich mit dem Helikopter auf der Ebnefluh absetzen zu lassen, und sich
einen Teil des Erlebnisses, nämlich den anstrengenden, zu ersparen. An
solchen Tagen erinnert der Aletschfirn an einen tiefgefrorenen
Ameisenhaufen.
Macht das Lötschental von oben schon einen nahezu unbewohnten Eindruck, so
dauert es auch bei der Abfahrt ewig, bis man auf die ersten Zeichen der
Zivilisation trifft. Mit Blatten erreicht man schließlich die erste
Dauersiedlung. Das homogene Bergdorf ist an den Südhang gebaut und besteht
aus schönen alten Holzhäusern, zwischen denen immer wieder kleine Gruppen
verwegen renovierter Ställe und Kornspeicher stehen. Ferienhäuser im
Nostalgiestil, die monatelang verbarrikadiert sind, fehlen fast völlig.
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Abgesehen von den gelegentlichen Flugbewegungen taugt das Lötschental
tatsächlich als Nische der Stille im zukünftigen Welterbezirkus. Im ganzen
Tal gibt es nur ein Skigebiet, ein paar Kilometer talabwärts in Wiler. Der ganze obere Talbereich ist
frei von technischen Einrichtungen. Wer von hier aus ins
UNESCO-Gebiet will, ist auf seine körperlichen Kräfte angewiesen.
Anders ist es auf den Sonnenterrassen der Skigebiete Rieder- und Bettmeralp. Von jedem Ort aus führt ein Sessellift oder eine Gondelbahn an den
Gletscher heran. Die prominenteste ist die Bahn zum Bettmerhorn, die an
einem Aussichtslokal auf 2.650 Metern endet. Nach wenigen Metern Fußweg
öffnet sich ein Bilderbuchblick auf den Gletscher. Vom Aussichtspunkt gibt es einen schönen Wanderweg talaufwärts
zum Märjelensee und eine Vielzahl von Pfaden durch den Aletschwald hinunter
zur Riederfurka. Dieser aus bis zu 1000 Jahren alten Zirbelkiefern
bestehende Wald steht seit den 30er Jahren unter absolutem Schutz. Es darf
nicht gejagt und gezeltet werden, Hunde sind anzuleinen und das Ausreißen
von Pflanzen ist ebenso verboten wie das Verlassen der Wege.
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Auf diesem Reservat lastet der größte Besucherdruck,
denn es ist leicht erreichbar, von Einkehrmöglichkeiten umgeben, und immer
wieder bieten sich faszinierende Blicke auf den Gletscher. Zudem bietet der
Grosse Aletschgletscher vor allem einmalige ästhetische Eindrücke. Eine Tour
über den Gletscher gehört sicher zum schönsten, was man in der Aletschregion
erleben kann. Am Seil gesichert führt einen die Gletschertour vorbei an
mächtigen, türkisblau strahlenden Spalten oder metertiefen Spüllöchern, in
denen das oberflächlich schmelzende Wasser unter lautem Gurgeln
verschwindet. Bei gutem Wetter kann man auf ihm bis ins Rhônetal hinunter
laufen. Die Wanderung dauert zwei Tage und sollte - wie alle
Hochgebirgstouren - nur unter Aufsicht eines Bergführers unternommen werden.
Das erste Teilstück ist besonders anstrengend. Die dünne Luft oberhalb
dreitausend Metern setzt vor allem Rauchern arg zu. Zudem muss man aus
Sicherheitsgründen angeseilt hinter dem Führer laufen. Die Gefahr, in einen
Abgrund zu stürzen, ist sonst zu groß. Vorbei an der Kulisse mächtiger
Viertausender führt die Strecke zunächst zur Konkordiahütte in 2850 Metern
Höhe. Sie ist nach dem angrenzenden Konkordiaplatz benannt, wo die
Firnfelder zusammen fließen und das Eis die unvorstellbare Dicke von rund
900 Metern erreicht.
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Nach einer
Übernachtung in der Berghütte geht die Wanderung früh am
nächsten Morgen weiter. Der Weg verläuft im Zickzackkurs um die
zahlreichen tiefen Spalten im Eis herum. Beeindruckend sind die
Gletschertische. Es sind Felsplatten, die auf einem Sockel aus
Eis stehen. Ihre Entstehung verdanken sie der Sonne. Unter dem
Stein ist das Eis vor der Sonne gut geschützt. Daher taut es
hier langsamer als in der Umgebung. So kann der Gletschertisch
anfangen zu wachsen. Dass der Große Aletschgletscher aus drei
zusammengeflossenen Gletschern besteht, erkennt man auch an den
berühmten zwei Bändern, die aus der Ferne wie zwei parallel
laufende Straßen auf der Eisfläche wirken. Doch bei näherer
Ansicht entpuppen sie sich als Seitenmoränen, die aus Schutt und
Felsbrocken bestehen, die hier an die Oberfläche gedrückt
wurden.
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