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SCHLOSS CHILLON


    Die Bastille der Savoyer

 

Wenn es in der Schweiz ein Gebäude gibt, dessen Silhouette auf der ganzen Welt bekannt ist, so ist es das Schloss Chillon. Die malerisch gelegene Schlossfestung an den Gestaden des Genfersees überzeugt durch ihre Schönheit, durch die Harmonie ihrer Formen und durch ihr solides Mauerwerk. Buchstäblich auf dem Wasser erbaut, ist das Schloss gegen die Berge hin eine trutzige Festung und zum See hin eine liebliche Prinzenresidenz.

An einem hellen Tag im finsteren Mittelalter ritt der Graf von Savoyen mit seinem Tross um den Lac Léman ins Waadtland. Nachdem er das östliche Ende des Sees hinter sich gelassen hatte, kam der Trupp an eine Stelle, wo der Fels fast bis ans Wasser reicht und der Durchgang eng wird. Der Graf ließ absitzen, zeigte auf ein Inselchen, auf dem sich ein Turm erhob, und sprach: «Lasst uns hier eine Burg und ein Zollhaus bauen!» Der Savoyer wusste, wie man eine Sehenswürdigkeit herstellt. Darum ließ er nicht irgendeine mickrige Burg bauen, sondern ein richtiges Wasserschloss.

Die Grafen von Savoyen waren im Hochmittelalter ein bedeutendes Adelsgeschlecht. Sie herrschten über den Grossen Sankt-Bernhard, die Passstrasse zwischen Aosta und Martigny, eine der bestfrequentierten Alpenübergänge der damaligen Zeit. Ihr Ehrgeiz war es, die Nord- und die Südseite der Alpentransversale zu kontrollieren, denn damit ließ sich viel Geld verdienen. Die Gründung von Schloss Chillon war ein Teil dieser Politik, denn Chillon lag auf dem Weg zwischen Martigny und Lausanne. Als jedoch die Innerschweizer im 13. Jahrhundert den Gotthardpass erschlossen, verlor der Sankt-Bernhard an Attraktivität. Für den Savoyer Passstaat begann der wirtschaftliche Niedergang.

Schloss Chillon verlor im Spätmittelalter an Bedeutung. Auch kam es in späteren Jahrhunderten immer wieder zu Seuchen, die der Bevölkerung zusetzten. Wenn wieder einmal die Pest umging, veranstalteten die christlichen Waadtländer ein Pogrom: Die einheimischen Juden wurden verfolgt, im Schloss eingesperrt und umgebracht. Weil die Seuchen früher oder später zu Ende gingen, waren die Behörden überzeugt, dass sie wirkungsvolle Epidemiebekämpfung betrieben hatten.

Um Schloss Chillon, der «Bastille» der Savoyer, begannen gruselige Geschichten zu zirkulieren. Man erzählte sich, dass die Kerkergruft durch das Heben einer Schiebetür unter Wasser gesetzt werden konnte, und manch Häftling so ersäuft wurde. Einer der Gefangenen war der Genfer Prior François Bonivard. Er wurde 1532 in Chillon eingekerkert, weil er seine Landsleute gegen die Savoyer Herren aufgehetzt hatte. Um Genf zu befreien, rief er die Eidgenossen zu Hilfe.

Für die Savoyer kam dies Hochverrat gleich. Vom rechtlichen Standpunkt hatten sie nicht einmal ganz unrecht, aber das hinderte die eidgenössische Propaganda nicht daran, das tyrannische Regime Savoyens anzuprangern. Die schweizerische Public Relations-Kampagne war nicht ganz uneigennützig: Ohnehin wollten die Eidgenossen, allen voran die Berner, das Waadtland in Besitz nehmen. Schon ein halbes Jahrhundert zuvor waren sie in den Burgunderkriegen ins Waadtland eingedrungen, und hatten festgestellt, dass es am Genfersee wärmer ist als an der Aare.

1536 erklärte Bern Savoyen den Krieg. Mit einigen Tausend Mann zog der bernische Seckelmeister Hans-Rudolph Nägeli in den Milden Westen. Die Eidgenossen galten als Brutalos, die keine Gefangenen machten. Ihre Reputation war so schlimm, dass die Savoyer ihnen Hunderte von Waadtländer Städten und Schlössern fast kampflos überließen. Auch Schloss Chillon wurde eingenommen, nachdem die Berner mit ihren am steilen Hang aufgestellten Kanonen einige Löcher ins Schlossdach geschossen hatten. Der Häftling Bonivard wurde aus der finsteren Schlossgruft befreit.

Den Bernern gefiel das Schloss Chillon ungemein. Sie reparierten das Dach und machten sich daran, dem feuchten und etwas baufälligen Bauwerk ein bisschen Berner Wohnlichkeit und Gemütlichkeit zu verpassen. Sie setzten einen «Vogt von Vevey und Hauptmann von Chillon» als Schlossherrn ein und pinselten einen großen Berner Bär auf die Schlossmauer, damit das Ganze ein bisschen Gattung machte.

1798 wurde das Schloss Staatseigentum der Waadt. Heute ist es mit seinem Museum ein beliebtes Ausflugsziel und wird jedes Jahr von Tausenden von Touristen aus aller Welt besichtigt. Berühmte Schriftsteller wie etwa Rousseau, Hugo, Dumas und Byron haben das Schloss Chillon in ihren Geschichten verewigt.

Wer das Schloss Chillon besucht, kann hautnah die Geschichte vom zwölften bis ins sechzehnte Jahrhundert erleben. Seine strategisch einzigartige Schlüsselposition an der Nord-Süd Achse der ehemaligen Handelstrasse nach Italien macht das es zu einem weltweit einzigartigen Bauwerk. Die ganze Anlage kann vom Keller, den Verliesen bis in den Dachstuhl erkundet werden.


Weitere Informationen:

Château de Chillon
Avenue de Chillon 21
1820 Veytraux
Tel. +41 (0)21 966 89 10
chillon@worldcom.ch 
www.chillon.ch 

 

 

 

 

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