Das romantische
Schloss Kyburg thront stolz 150 Meter über der Töss, südlich von
Winterthur. Sie ist die besterhaltene feudale Burg der
Nordostschweiz und geht auf eine mittelalterliche Burg zurück.
Das international ausgezeichnete Museum erlaubt vielfältige
Einblicke in den Burgalltag der letzten 800 Jahre.
Im Jahre 1027
wird die auf einem Hügelsporn über der Töss thronende Burg
erstmals erwähnt, wobei der ursprüngliche Name "Chuigeburg" (Kühburg)
auf eine Fluchtburg hin deutet. Durch Heirat gelangte Hartmann
von Dillingen in den Besitz der Güter und der Burg. Er nannte
sich nach dem neuen Sitz Graf von Kyburg und baute aus der
hölzernen Fluchtburg eine mittelalterliche Wehranlage. Diese ist
heute noch in ihren Grundzügen erhalten. Sein Geschlecht wurde
zur wichtigsten Adelsfamilie neben den Habsburgern und den
Savoyern im Gebiet des heutigen Schweizer Mittellandes.
Um 1250 bestand die Burganlage schon aus Ringmauer, Bergfried,
Palas, Kapelle und einem weiteren Gebäude. Nach dem Tod des
letzten Kyburgers in Jahre 1264 sicherte sich Rudolf von
Habsburg das Erbe. Nach seiner Wahl zum deutschen König wurden
die Reichskleinodien auf der Burg verwahrt. Dazu gehören als
wichtigstes Teil die Reichskrone, die Heilige Lanze und das
Reichsschwert.
Im 15. Jahrhundert gelangte die Stadt Zürich durch Kauf in den
Besitz der Grafschaft, die sie als Landvogtei verwaltete. Bis
1798 wurden vornehme Bürger aus Zürich für jeweils sechs Jahre
auf der Burg als Vogt eingesetzt, wo sie Gericht hielten und
Abgaben eintrieben. Das Gefängnis diente zur Landvogtzeit nur
als Untersuchungsgefängnis, wo Kriminelle von der Verhaftung bis
zur Gerichtsverhandlung eingesperrt wurden. Bestraft wurde mit
Stockhieben, Verbannung und verschiedenen Todesstrafen. Nur bei
begründetem Verdacht wurden die gefangenen gefoltert. Für eine
Verurteilung benötigte man ein Geständnis. Wer selbst unter dem
Folterschmerz bei seiner Unschuld blieb, wurde freigelassen.
In den nächsten acht Jahrhunderten gestalteten Züricher
Landvogte in unzähligen Baumaßnahmen, aus der einfachen
mittelalterlichen Burg, einen herrschaftlichen Residenzsitz.
Große Fenster, neue Öfen, schönere Böden und Wandverkleidungen
machten die Kyburg wohnlicher und so wandelte sich die Burg
langsam zum Schloss.
Der Hof umgibt heute ein Bergfried mit Palas, ein Ritterhaus,
eine Kapelle, ein Ökonomiegebäude und die südliche und westliche
Ringmauer mit Wehrgang. Im Hof der Burg holten die Mägde noch
bis 1578 das Wasser im Sodbrunnen aus 15m Tiefe. Später
versorgte ein Röhrenbrunnen dann Schloss Kyburg mit Quellwasser.
Im Rahmen der
Baumaßnahmen entstand vor der Kyburg, auf dem Schlosswall
gelegen, 1578 auch ein Kraut- und Kohlgarten. Dieser lieferte
für die Landvogtfamilie und deren zahlreichen Gäste Gemüse,
Obst, Knoblauch und Kräuter. Im Jahre 1800 erhielt der Garten
seine jetzige barocke Gestalt und wurde wieder mit Kräutern,
Blumen und alten Gemüsesorten, wie Haferwurz und Pastinak,
Klette und Melde, bepflanzt.
Wie hat man ein
paar hundert Jahre vor dem Kabelfernsehen für Unterhaltung
gesorgt? Wie hat das mittelalterliche Essen gemundet? Wie sah
damals die Arbeitswelt aus? Solche Fragen werden in der
Ausstellung im Salon Kyburg beantwortet. Dabei bleibt es nicht
beim Bestaunen von Vitrinen. Hautnah, eindrücklich und so ganz
anders, als man es von der Schule her noch in Erinnerung hat.
Der Besucher kann sich auf der mittelalterlichen Baustelle als
Kranführer versuchen. Mit Hilfe moderner Ausstellungstechnik
nimmt man auch teil an einem landvögtlichen Herbstfest, wie es
im 17. Jahrhundert üblich war. Wetten, dass einem da beim
Durchwandeln der Folterkammern der Schauer noch etwas heftiger
über den Rücken huscht?!
Sie haben die
Möglichkeit, an einem Richtertag den Gräuel vor den
mittelalterlichen Urteilen hautnah mitzuerleben. Für die meisten
der Bösewichte ging es nämlich direkt in die hauseigene
Folterkammer. Auf ihrem Rundweg durch die Räume und Kammern des
Schlosses finden Sie so einige Kuriositäten. Freuen Sie sich auf
interessante Texte und seltene Ausstellungsstücke! Auf eigene
Faust die Katakomben erschließen oder ritterlich dinieren - das
Schloss bietet Ihnen viele Möglichkeiten, aktiv am Leben in der
Vergangenheit teil zu nehmen. Viele weitere Attraktionen wie die
Gewürzkammer oder der Gebrauch der Hebezange gehören zu dem
Programm auf Schloss Kyburg.
Das Museum ist einfach und übersichtlich strukturiert. Die
meisten Gäste erkunden das Schloss auf eigene Faust. Falls Sie
jedoch an einer professionellen Führung mit Fachpersonal
interessiert sind, stellt das Museum gerne eine persönliche
Führung für Sie zusammen. Sonderveranstaltungen wie Erzählabende
oder öffentliche Abendführungen im halbdunklen Schloss bieten
Ihnen weitere Perspektiven des Sagen-Umworbene Schlosses.
Weitere Informationen:
Schloss Kyburg
Museum
8314 Kyburg
Tel: 052 232 46 64
Fax: 052 232 69 35
museum@schlosskyburg.ch
www.schlosskyburg.ch
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