Müstair ist die
östlichste Gemeinde der Schweiz und liegt an der Grenze zu Italien / Südtirol.
Müstair die grösste Ortschaft und gilt als Einkaufszentrum der Talbevölkerung
und der Südtiroler. Das Wahrzeichen von Müstair ist das Kloster St. Johann.
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Einst lag es mitten
in Europa, am Schnittpunkt wichtiger Handels- und Heereswege, das Kloster St.
Johann im Schweizer Münstertal. Heute liegt es eher verschlafen im Südostzipfel
Graubündens und hätten nicht zwei Kunsthistoriker um 1900 hinter Heiligenbildern
und weiß-grauem Putz eine sensationelle Entdeckung gemacht, würden die
Benediktinerinnen ein sehr friedvolles Leben führen.
Aber jetzt wird hier gebuddelt, geforscht und restauriert und Menschen kommen
von weit her, um einen einzigartigen Freskenzyklus aus karolingischer Zeit, der
Gründungszeit des Klosters, zu bewundern. Denn die Kirche erzählt das Leben und
Wirken Christi, die Wände entlang an verschiedenen Tafeln - wie ein Bilderbuch.
Und das Kloster erzählt eine tausend-jährige Geschichte von Krieg und Frieden
und von mächtigen, nicht immer demütigen Stiftsdamen.
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Nach der örtlichen
Überlieferung geht die Stiftung des Klosters St. Johann auf den Frankenkönig
Karl den Grossen ins 8. Jahrhundert zurück. Diese Annahme wurde 1894 von den
Kunsthistorikern Josef Zemp und Robert Durrer nachgewiesen und durch die
aktuellen archäologischen Forschungen bestätigt.
Den Schlüssel zu dieser Erkenntnis lieferten die einzigartigen karolingischen
und romanischen Wandbilder in der Klosterkirche, die aus dem 8. oder frühen 9.
Jahrhundert datieren. Es handelt sich dabei um Teile eines Bibelzyklus, der in
fünf Streifen, oben im Dachstuhl beginnend, von der Südwand über die West- zur
Nordwand zu lesen ist. Die oberste, heute vom Kirchenraum aus nicht mehr
sichtbare Reihe stellt einen David-Zyklus dar. Die drei Reihen darunter zeigen
Szenen aus Jugend, Leben und Passion Christi. Im untersten Band ist eine
Apostel-Kreuzigung dargestellt. An der Westwand schließt den Zyklus eine
monumentale Darstellung des Jüngsten Gerichts ab.
Trotz der wechselvollen Geschichte ist bedeutende Bausubstanz erhalten
geblieben. Es sind vier kulturell-künstlerische Höhepunkte, die maßgeblich zum
heutigen Erscheinungsbild der Klosteranlage beigetragen haben: Die
Heiligkreuzkapelle und die Klosterkirche, beide mit Freskenschmuck, aus der
frühmittelalterlichen, karolingischen Gründungszeit des Männerklosters im
letzten Viertel des 8. Jahrhunderts. Im Hochmittelalter des 10. bis 13.
Jahrhunderts entstanden der Plantaturm (958), die frühromanische
Bischofsresidenz (1035) und die Anfänge des Frauenklosters mit Wohn- und
Wirtschaftsgebäuden (ab der Mitte des 12. Jahrhunderts) sowie die Neuausmalung
der Ostteile der Kirche (um 1200). Die kraftvolle Spätgotik um 1500 und
schließlich die Barockzeit im 17. und 18. Jahrhundert.
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Zu Beginn des 12. Jahrhunderts scheint das Leben im Männerkloster Müstair
erlahmt zu sein. Der Churer Bischof Konrad I. von Biberegg und die Herren von
Tarasp belebten es wieder als Nonnenkloster. Es erlebte eine neue Blütezeit.
Insbesondere ging die Epoche um 1500 unter der baufreudigen Äbtissin Angelina
Planta in die Annalen ein. Sie gestaltete die Klosterkirche 1492 zur
spätgotischen Hallenkirche um. Die bisherige Saalkirche, flach und hoch wie ein
Kasten, erhielt ein Netzrippengewölbe und zwei Säulenreihen. Die Wappen am
Gewölbe sind als Herrschaftsdarstellung zu verstehen.
1499 zogen Österreicher und Bündner gegeneinander ins Feld. Das Kloster wurde
besetzt, gebrandschatzt, geplündert, die Äbtissin gefangen genommen. Nach der
Schlacht an der Calven kehrte die Äbtissin nach Müstair zurück und baute wieder
auf. Unter anderem gestaltete sie den 1499 ausgebrannten Plantaturm, der auf das
Jahr 958 zurückgeht, von neuem als Wohnturm aus.
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Im Dreißigjährigen Krieg wiederholten sich schicksalhaft Besetzung und
Plünderungen. Die Klosterbücher verzeichnen den herben Verlust von vier Zentnern
Zinn und Silber, elf Zentnern Schmalz und 33 Stück Großvieh. Die unsicheren
politischen und ökonomischen Verhältnisse haben größere Umbauten und
Erweiterungen verhindert und das heutige Kloster ist, wie von Angelina Planta um
1500 erbaut, erhalten geblieben.
Das Kloster St. Johann wurde anlässlich der Sitzung des Welterbekomitees vom 5.
bis 9. Dezember 1983 in Florenz (Italien) in die Welterbeliste der UNESCO
aufgenommen. Es ist heute noch ein lebendiges Benediktinerinnenkloster. Im
Plantaturm ist ein modernes Museum eingerichtet. Das Museum präsentiert den
altehrwürdigen Turm selbst mit seinem qualitätsvollen Innenausbau. Thematisiert
werden außerdem die archäologischen Forschungsergebnisse, der wichtige Bestand
an Bauplastik aus Marmor und an karolingischen Fenstergläsern, die
karolingischen und romanischen Fresken, die Stuckstatue Karls des Grossen, die
Bau- und Entwicklungsgeschichte des Klosters, Zeugnisse der klösterlichen
Wohnkultur und Frömmigkeit, mittelalterliche und barocke Altarplastiken.
Weitere Informationen:
Stiftung Pro Kloster St. Johann in Müstair
CH - 7537 Müstair
Tel.: 0041 (0)81 858 56 62
Fax: 0041 (0)81 858 62 92
stiftung@muestair.ch
www.muestair.ch
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