Sie nimmt prominente
Gäste ebenso auf wie stille Einkehrer: Die Klosterkirche
Disentis ist ein eindrücklicher Ort anmutender Stille. Ein
Aufenthalt im ehrwürdigen und ältesten Benediktinerkloster
Disentis ist «en vogue», und sei’s auch nur ein kurzer Besuch.
Klosterkirche, Kapellen und Klostermuseum erzählen von der
großen historischen Vergangenheit.
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Die lange
Geschichte der Abtei Disentis beginnt im siebten Jahrhundert. An
ihrem Anfang steht der heilige Sigisbert, ein Mönch aus dem
Frankenreich. Er verlässt sein heimatliches Kloster Luxueil,
eine Gründung des heiligen Columban, um im damals noch
unbewohnten Hochtal von Disentis als Einsiedler zu leben. Hier
baut er sich eine Zelle und errichtet zusammen mit dem Rätier
Placidus eine erste Kirche, die er der Gottesmutter weiht. Doch
der weltliche Herrscher in Chur, Präses Victor, misstraut dem
Fremden aus dem mächtigen Frankreich. Darum lässt er Placidus,
den einheimischen Gönner des fremden Mönches, umbringen. Das
geschieht an einem 11. Juli um 700. Dieser Tag bleibt
unvergessen. Noch heute versammeln sich die Mönche des Klosters
und die Gläubigen des Tales jedes Jahr vor dem 11. Juli zu einem
Festgottesdienst, um in Dankbarkeit ihrer Patrone zu gedenken.
Das fromme Leben
des heiligen Sigisbert und das vergossene Blut des heiligen
Placidus haben die Erde von Disentis geheiligt. An ihrem Grab
begründet Abt-Bischof Ursicin um 720 das Benediktinerkloster.
Weiträumige Kirchen und die vielen Namen der frühen Mönchslisten
bezeugen den raschen Aufstieg der Abtei.
Das Kloster liegt
im rätoromanischen Sprachgebiet. Schon in der Mönchsliste des
achten Jahrhunderts finden sich romanische und germanische Namen
nebeneinander. Das Zusammenwirken zweier Kulturen ist bis heute
ein Charakteristikum des Klosters geblieben. Die Mönche halfen
mit in der Seelsorge der romanischen Pfarreien, und viele junge
Romanen aus der Region besuchen die deutschsprachige
Klosterschule.
Die Aufgaben des
Klosters wandelten sich im Laufe der vielen Jahrhunderte. Zuerst
ging es darum, das Tal zu roden und zu besiedeln, Pfarreien
aufzubauen und zu betreuen. Die Äbte des Mittelalters hatten als
Landesherren den Lukmanierpass zu sichern, zugleich traten sie
für Frieden und Freiheit ein und förderten nachhaltig die
Gründung des Grauen Bundes, der dem Kanton den Namen gegen
sollte.
In der Barockzeit entsteht der heutige Klosterbau mit der
festlichen Martinskirche.
Zur Eigenart von
Disentis gehört es, dass die Abtei nur zwei Außenposten hat. So
wird es möglich, dass fast die ganze Gemeinschaft am
klösterlich-liturgischen Leben teilnehmen und die meiste Zeit
innerhalb des Klosters wirken kann: die Mönche geben Schule,
arbeiten in Werkstätten, in Haus und Garten und widmen sich
wissenschaftlichen und kulturellen Aufgaben. Das Kloster will
ein religiöses Zentrum sein, das suchende Menschen für "Kloster
auf Zeit" aufnimmt und durch seine Ausstrahlung das christliche
Leben des Tales mitträgt.
Die erste Kirche
von Disentis, von Sigisbert und Placidus erbaut, war eine
Marienkirche. Das haben die Mönche und die Gläubigen nie
vergessen. Die kleine Marienkirche des Klosters wird heute noch
täglich von Pilgern besucht, die von der Mutter der
Barmherzigkeit Hilfe und Trost erbitten. Das Heiligtum aus dem
zehnten Jahrhundert wurde 1980 - 1984 erneuert, um seiner
Aufgabe als Wallfahrtsziel besser dienen zu können.
In den gleichen
Jahren haben Archäologen die Reliquienkrypta von Placidus und
Sigisbert aus dem achten Jahrhundert ausgegraben. Das Kloster
hat neben den ehrwürdigen Mauern eine neue Krypta angefügt,
welche heute die Reliquien der heiligen Patrone birgt. Hier
empfängt die Gemeinschaft von Disentis Weisungen aus ihrem
Ursprung, blickt auf Geist und Werk ihrer Gründer und holt sich
neue Kraft für die Aufgaben der Zukunft.