Sie kamen aus dem
Elsass und dem Dunkel der Geschichte in den Aargau. Auf dem
Wülpelsberg, nahe ihrer späteren Stadt Brugg, unweit dem
Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat, errichteten sie um
das Jahr 1020 eine feste Burg. 1108 wurde der Bau erstmals in
einer Urkunde unter dem Namen "Havichsberch" erwähnt. Es war die
Zeit, da adlige Herren begannen, sich nach ihren befestigten
Wohnsitzen zu nennen.
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Immer öfter tauchte so auch die
Bezeichnung "Grafen von Habsburg" in Dokumenten auf und zeugte
von den Bemühungen der Familie, Grundbesitz, Rechte und
Privilegien zu mehren. Die Dynastie der Habsburger wuchs aus
Ihrer engeren Heimat heraus und der Schwerpunkt ihrer
Besitzungen und politischen Macht lag schon bald nicht mehr im
Aargau. Doch während die Habsburger sich anschickten große
Teile Europas und schließlich der Welt zu beherrschen, ging
ihnen ihr Stammschloss schon 1415 verloren und konnte trotz
diverser Bemühungen nicht mehr zurückgewonnen werden. Erst 1989
schloss sich sozusagen der Kreis mit dem Tod der letzten
gekrönten Habsburgerin und ihrer Rückkehr in den Aargau.
Ihre Popularität verdankt die
einstige Doppelburg weniger den heute noch erhaltenen Bauten als
vielmehr der Bedeutung, die ihr als Stammsitz des Hauses
Habsburg zukommt. Hier, am Tor zum schweizerischen Mittelland
verfügte die Familie Habsburg seit dem 10. Jahrhundert über eine
umfangreiche Grundherrschaft von großer verkehrsgeographischer
Bedeutung. Um 1020/30 ließ der Frühhabsburger Radbot auf dem
Wülpelsberg die Habsburg erbauen.
Anfänglich stand da am westlichen
Rand nur ein rechteckiger, sehr massiver Wehr- und Wohnturm
aus groben, unregelmäßig großen und unverputzten
Quadersteinen. Dieser Bergfried hat sich im wesentlichen bis
heute erhalten und prägt nach wie vor den Charakter der
Anlage. Allerdings war er im Mittelalter höher und trug statt
der Mauerzinnen wohl ein Spitzdach.
Nach und Nach wurde dann der
verbleibende Platz ebenfalls bebaut. An den starken Turm schloss
sich bald ein Palas als etwas komfortablere Wohnstätte für die
Burgherrschaft an. Es folgte der Burghof mit Kapelle und dem
heute wieder ausgegrabenen tiefsten Sodbrunnen der Schweiz. Den
Abschluss am östlichen Rand bildete ein weiterer starker Turm
und der künstliche Halsgraben. Auf alle Fälle war die
mittelalterliche Habsburg bedeutend größer als das, was
heutzutage noch an Gebäuden am Westrand des Plateaus vorhanden
ist.
Von hier zogen die Habsburger aus
um die Geschichte Europas und der Welt für Jahrhunderte kräftig
mitzugestalten. Der Ursprung des Geschlechtes liegt wohl im
Elsass und lässt sich kaum mehr mit Sicherheit rekonstruieren.
Vielleicht waren seine ersten Vertreter freie Bauern oder
niedere Adlige, die nach und nach zu Wohlstand gelangten und auf
der sozialen Leiter höher kletterten.
Eine zweite Theorie besagt, der
Stammvater der Habsburger sei Guntram der Reiche gewesen,
geboren um ca. 910, ein elsässischer Grosser, der sich einem
Aufstand gegen den deutschen Kaiser Otto I. angeschlossen hatte,
deshalb 952 wegen Hochverrats verurteilt und mit dem Verlust
bedeutender Güter im Elsass und Breisgau bestraft worden war. In
einer Zeit, aus der sehr wenig Schriftliches überliefert ist,
gelang es ihm damit "aktenkundig" zu werden.
Wenn dieser "Guntramnus dives"
wirklich ein leiblicher Vorfahre der Habsburger war, so wäre
dies ein mögliches Bindeglied zum frühelsässischen
Herzogsgeschlecht der Etichonen und über diese sogar zurück bis
zu den Karolingern. Die Geschichtsschreibung der späteren
europäischen Habsburgermonarchien hat diese Variante natürlich
bevorzugt und nach Kräften unterstützt. Besonders diensteifrige
Schreiber fügten der Ahnenreihe auch gleich noch den Römergott
Jupiter, den trojanischen Helden Äneas und weitere bedeutende
Figuren der Antike hinzu. Julius Cäsar und Karl der Grosse waren
sowieso vertreten, was im Falle Karls ja sogar der Wahrheit
entsprechen könnte.
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Guntrams Sohn Lanzelin nannte
sich Graf von Altenburg, wahrscheinlich nach der kleinen Burg,
welche in den noch gut erhaltenen Mauern eines spätrömischen
Flusskastells an der Aare, unmittelbar oberhalb von Brugg
errichtet worden war. Wenn dies zutrifft, so besaß er wohl
bereits Güter im Aargau und wohnte zumindest zeitweise in diesem
Vorgängerbau der Habsburg.
Als Residenz für das aufsteigende
Geschlecht war die Habsburg schon bald nicht mehr geeignet, da
sich der Machtbereich der Habsburger immer mehr nach Österreich
("Ostarrîchi" bzw. Ost-Reich) verlagerte. Nach zweihundert
Jahren verließen die Habsburger ihren Stammsitz und verliehen
ihn an Dienstadlige.
Um 1400 gelangte die Burg an die Herren von Wolen
und blieb auch nach der Eroberung des Aargaus (1415) durch die Eidgenossen in
deren Besitz. Henmann von Wolen musste nach der Belagerung der Burg den Bernern
huldigen und ihnen die Burg offen halten. Ab 1420 war die Burg im Besitz der
Herren von Greifensee bis sie schließlich nach mehrerer Besitzerwechseln durch
den neu gegründeten Kanton Aargau erworben wurde.
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