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BURGEN VON BELLINZONA


    Mit dem Lift ins Mittelalter

 

Südlich des St. Gotthardpasses ist die markante Silhouette von Bellinzona mit den "Tre Castelli" sichtbar. Die drei mittelalterlichen Burgen mit der Sperrmauer sind die imposanten Wahrzeichen der Hauptstadt der schweizerischen Sonnenstube, dem Kanton Tessin. Die Festungen sind ein einzigartiges Beispiel einer spätmittelalterlichen Verteidigungsanlage am Fuß eines strategisch wichtigen Alpenpasses.

Die Burgen wachen über die Stadt: Castelgrande, Castello di Montebello und Castello di Sasso Corbaro. Mit ihren zinnenbewehrten Türmen und Mauern sind sie monumentale Zeugen der strategischen Bedeutung, die die Talenge bei Bellinzona einst hatte. In der Talenge von Bellinzona laufen soviele Passrouten zusammen, wie bei kaum einem anderen südlichen Alpenausgang. Neben den für den Verkehr erschlossenen Übergängen des Nufenen, Gotthard, Lukmanier und San Bernardino wurden in früheren Epochen des Reit-, Saum- und Fussverkehrs auch Pfade über die Greina sowie die West-Ost-Route Domodossola-Centovalli-San Jorio-Veltlin rege begangen. All diese Routen bündelten sich bei Bellinzona auf einer Länge von wenigen Kilometern zu einem einzigen Strang, der sich weiter südlich wieder in verschiedene Achsen zu Wasser und zu Lande in die lombardische Ebene hinein verzweigte. Die topografischen Voraussetzungen mit dem von der östlichen Bergflanke her weit ins Tal vorgeschobenen Felsrücken des Castelgrande luden zur Errichtung der Befestigungsanlagen geradezu ein.

Von Burg zu Burg verlief die „Murata“, eine Wehrmauer, die bis zum Fluss auf der anderen Talseite reichte und das Tal hermetisch gegen Eindringlinge von der Alpennordseite absperrte. Reste dieses einst machtvollen Riegels sind noch vorhanden und können begangen werden. Die „Tre Castelli von Bellinzona“ und die „Murata“ wurden im Jahr 2000 als einzigartige Zeugnisse mittelalterlicher Festungsbaukunst in den Alpen von der UNESCO-Welterbekommission in die Liste der Weltkulturerbestätten aufgenommen.

In der römischen Kaiserzeit wurde unter Kaiser Augustus der Alpenraum in mehreren Feldzügen dem Imperium Romanum angegliedert, das rätische Gebiet wurde im Jahr 15 v. Chr. unterworfen. Als Basis für diese Vorstöße wurde auf dem Felsrücken des Castelgrande ein Kastell angelegt. Um Mitte des 4. Jahrhunderts entstand eine weitläufige Wehranlage, welche im Bedarfsfall eine ganze Kohorte (1'000 Mann) aufnehmen konnte. Das Kastell Castelgrande galt lange Zeit als uneinnehmbar und spielte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder eine wichtige Rolle bei nach Norden gerichteten Offensiven und Gegenschlägen der Herrscher Mailands. 1340 fiel Bellinzona nach langer Belagerung durch Mailand für eineinhalb Jahrhunderte unter dessen Herrschaft.

Ende des 13. Jahrhunderts entstand auf dem Felssporn östlich von Bellinzona das Castello di Montebello. Um 1350 wurde das Castello di Montebello vergrößert und mit Schenkelmauern an die Stadtbefestigung Bellinzonas angeschlossen. Um kurz nach 1400 entstand auf einem erhöhten Felskopf der östlichen Bergflanke ein Turm, der Kern des späteren Castello di Sasso Corbaro. In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wurden Castelgrande und Montebello mit weiteren Befestigungsanlagen verstärkt und auf dem Castel Sasso Corbaro entstand ebenfalls ein Kastell. Der imposante Anblick der heutigen Befestigungen in Bellinzona geht im wesentlichen auf die Bautätigkeit der Herzöge von Mailand zurück.

1516 ging Bellinzona nach wiederholten Bestrebungen der Innerschweizer Kantone Uri, Schwyz und Nidwalden an diese über und war als Grafschaft bis zum Untergang der alten Eidgenossenschaft 1798 unter deren Herrschaft. Mit der Gründung des Kantons Tessin im Jahre 1803 gingen die drei Burgen in den Besitz des Kantons über. Montebello und Sasso Corbaro verfielen und boten sich um 1900 als Bauruinen dar. Castelgrande diente seit 1813 als Zeughaus und ab etwa 1820 als kantonales Gefängnis.Die umfassendsten Sicherungs- und Wiederherstellungsarbeiten fanden zwischen 1920 und 1955 statt, mit den Sanierungsmassnahmen von 1992 wurde die Restaurierung des Castelgrande vorläufig vollendet.

Früher mag die Festung Castelgrande uneinnehmbar gewesen sein - heute erlaubt ein Lift den bequemen Zugang von der Stadt aus. Er entstand während der Umgestaltung und Restaurierung durch den Stararchitekten Aurelio Galfetti von 1980 bis 1992. Galfetti reinigte den Granitfels, aus dem der Festungsbau emporwächst, von wildem Bewuchs und fügte den mittelalterlichen Steinmauern den zeitgenössischen Beton hinzu. Klare architektonische Formen und weite, grüne Flächen bestimmen heute das Bild der Burganlage.

Castelgrande ist ein vielbesuchtes Ziel von Liebhabern moderner Architektur. Heute beherbergt das Castello ein historisches Museum, das Exponate aus der Stadtgeschichte sowie die mit kunstvollen Szenen bemalten Temperatafeln aus einem spätmittelalterlichen Stadthaus zeigt. Ergänzt wird das Museumsangebot zur Stadtgeschichte im Castello di Montebello. Es beherbergt eine archäologische Sammlung mit Funden aus der Bronzezeit, eine Waffensammlung und Steinmetzarbeiten aus dem 15. Jahrhundert sowie Werke zeitgenössischer Tessiner Künstler. Mit dem Castello Montebello, auch Schwyz oder San Martino und mit der am höchsten gelegenen Burg Sasso Corbaro gehören diese Bauten zu den besterhaltenen mittelalterlichen Burgen der Schweiz.


Weitere Informationen:

Bellinzona Turismo
Palazzo Civico
CH-6500 Bellinzona
Tel. +41 (0)91 825 21 31
Fax: +41 (0)91 821 41 20
info@bellinzonaturismo.ch
www.bellinzonaturismo.ch


 

 

 

 

 

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