Die 1872 bei
Bauarbeiten entdeckten Gletschertöpfe und Versteinerungen bilden
ein großartiges, inzwischen weltberühmt gewordenes Naturdenkmal.
Von den eiszeitlichen Gletschern blieben Gletscherschliffe,
Findlinge aus den Alpen und mächtige Gletschertöpfe erhalten. Im
gleichen Fels finden sich Zeugen einer noch viel älteren Periode
der Erdgeschichte. Versteinerte Palmblätter, Meeresmuscheln und
Wellenfurchen erzählen die Geschichte eines subtropischen
Meeresstrandes, der sich vor 20 Millionen Jahren bei Luzern
ausbreitete. Zudem kann im Gletschergarten das älteste Relief
der Schweiz bestaunt werden. Und für abenteuerliche Besucher
bietet das Spiegellabyrinth eine besondere Überraschung.
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Krokodile warten in
den Flussarmen auf ihre Opfer, am Strand und im seichten Wasser
jagen Flamingos und Watvögel ihrer Beute nach. Flache Sandbänke
liegen in der trichterartigen Flussmündung. In der Küstenebene
breiten sich ausgedehnte Sümpfe aus. Fächerpalmen, Zimtbäume,
Eichen-, Ahorn- und Pappelarten sowie Lorbeerbäume und andere
Arten bilden Auenwälder entlang der Flussläufe und lichte
Galeriewälder im Hinterland und bieten vielen Tieren Schutz und
Nahrung. Ein Elefant knabbert am Feigenbaum. Die Bucht ist
flach, die Meerestiere haben kein einfaches Leben: Stürme wühlen
den Boden immer wieder auf, bedingt durch die
Gezeitenschwankungen werden breite Landstriche immer wieder
trockengelegt. Weit über hundert Muschel- und Schneckenarten
bevölkern trotzdem den Meeresboden. Seesterne, Raubschnecken und
Meerbrassen stellen den Schalentieren nach. Manchmal verirren
sich sogar Haifische in diese flachen Gewässer, und Seekühe
weiden die Seegraswiesen in Deltanähe ab. Wir befinden uns nicht
etwa auf einer exotischen Tropeninsel, sondern in . . . Luzern.
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Allerdings vor etwa
20 Millionen Jahren. Der Elefant entpuppt sich als Vertreter der
Mastodonten, Vorfahren des heutigen Rüsseltieres, welche zu
dieser Zeit gerade über neu entstandene Landbrücken von Afrika
her in den Alpenraum eingewandert sind. Ansonsten entspricht die
Szenerie allerdings den damaligen Tatsachen, man sieht sich
versetzt in eine subtropische Landschaft.
Bei einem Besuch im Luzerner Gletschergarten lassen sich
beeindruckende Parallelen zur heutigen Tier- und Pflanzenwelt im
subtropischen Asien finden. Äußerst feingliedrig und präzis ist
zum Beispiel der Abdruck eines vollständig in Sandstein
eingeschwemmten Zimtbaumblattes, welches heute noch immer im
subtropischen China und in den USA beheimatet ist. Für die
Menschheit war es aber noch ein paar Millionen Jahre zu früh.
Die Rekonstruktion der Landschaft von Luzern vor 20 Millionen
Jahren stützt sich auf die Ergebnisse jahrzehntelanger
erdgeschichtlicher Forschung. Dem surrealistischen Künstler
Ernst Maass ist es 1968 gelungen, die Vorstellungen der
wissenschaftlichen Berater von Universität und ETH Zürich auf
künstlerische Art in ein detailgetreues und stimmungsvolles Werk
umzusetzen. Die Höhe des Gebirges im Hintergrund des Gemäldes
ist vergleichbar mit den heutigen Alpen, bestand aber aus einem
der Region heute weitgehend fremden Gestein. Ohne die in die
Flüsse verfrachteten immensen Abtragungen (die Sandbänke auf
Maass' Bild) wären die Alpen heute wohl über 10 000 Meter hoch.
Das Gemälde sowie die daneben ausgestellte Sandsteinplatte mit
rund 250 Versteinerungen von 20 verschiedenen Meerestierarten,
der Seestern und die Spuren der Vögel, welche vor 20 Millionen
Jahren auf der Nahrungssuche ihre Fährten im feuchten Küstensand
hinterließen, faszinieren auch die ausländischen Touristen im
Gletschergarten. Japaner und Amerikaner photographieren sich
fleißig vor dem tropischen Luzern und betrachten staunend die
versteinerten Beweisstücke.
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Die Kinder im Gletschergarten fühlen sich ganz besonders vom
riesigen Mammut-Zahn angesprochen, welcher gegenüber der
Tropenlandschaft neben einem Gletscherbild ausgestellt ist. Wem
im tropischen Luzern die Menschen fehlten, der wird hier fündig.
Rund 20 Millionen Jahre nach den exotischen Klimabedingungen,
eine nach menschlichem Maßstab unbegreiflich lange Zeit, für die
Erdgeschichte jedoch ein verschwindend kurzer Zeitabschnitt,
zeigt sich dieselbe Landschaft grundlegend verändert. Klimatisch
befinden wir uns jetzt am Ende der letzten Eiszeit, vor etwa
16 000 Jahren.
Der
Gletschergarten Luzern lässt den Besucher ein spannendes Kapitel
der Erdgeschichte miterleben. Vor 20 Millionen Jahren zeigte
sich die Umgebung von Luzern als palmenumsäumte subtropische
Meeresbucht. Die gleiche Landschaft war aber vor 20 000 Jahren
von mächtigen eiszeitlichen Gletschern bedeckt. Der
Gletschergarten gehört zu den ältesten und bekanntesten
Natursehenswürdigkeiten. Bis heute sind über zwölf Millionen
Besucher an den vor Wind und Wetter geschützten
Originalausgrabungen vorbeispaziert und haben die
wissenschaftlich fundierten Gemälde betrachtet.
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Der Gletschergarten ist ganzjährig geöffnet. Vom 1. April bis
zum 31. Oktober von 9.00 bis 18.00 Uhr täglich, vom 1. November
bis zum 31. März von 10.00 bis17.00 Uhr täglich (zwischen
1. November und 28. Februar montags geschlossen).
Weitere Informationen:
Gletschergarten
Denkmalstrasse 4
6006 Luzern
Telefon: 041 410 43 40
Fax: 041 410 43 10
www.gletschergarten.ch
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