Aventicum blickt auf
eine bewegte, tragische Geschichte zurück: Nach den glanzvollen
Tagen der helvetischen Kapitale und Colonia des Römischen
Kaiserreichs wurde es schon im Jahre 265 von Alemannen
überfallen und zerstört, wieder aufgebaut und 354 noch grausamer
vernichtet; die wenigen Überlebenden verschanzten sich am Fuße
des heutigen Stadthügels innerhalb einer Wehrmauer, die freilich
nur einen Bruchteil des fünf Kilometer messenden römischen Walls
betrug. Dieser war sieben Meter hoch und hatte vier Tore, wovon
das eine, eindrucksvolle Anlage städtebaulicher Kunst, den
Ankommenden schon weit vor der jetzigen Ortschaft von einem
grünen Hügel her grüsst. Sie ist auf einem hübschen Spazierweg
vom antiken Theater aus bequem erreichbar.
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Nach
finsteren Jahrhunderten wiederholter Barbareneinfälle erhielt
der kleine Marktflecken im 11. Jahrhundert eine neue Wehrmauer
rund um den jetzigen Kern auf dem Hügel. Im 13. Jahrhundert ließ
der Bischof Jean Cossonnay die mächtigen Türme von Vully,
Bonneville und des Schlosses errichten, die im Ortsbild noch
heute markante Akzente setzen. Im Gegensatz zum restlichen
Waadtland gehörte Avenches nie zum Herzogtum Savoyen, sondern
blieb im Besitz der mächtigen Bischöfe von Lausanne, die sich
von einem Mayor vertreten ließen. Aus der Stadtfestung der
Bischöfe entstand unter dem Zepter der Gnädigen Herren zu Bern
das landvögtliche Schloss mit Rundtürmen, schmuck gestalteter
Fassade und Renaissanceportal mit zwei in Stein gemeißelten
Mohrenköpfen, den Wahrzeichen der Bourgade. Nach dem Intermezzo
mit Bonaparte fiel Avenches samt dem Flecken Faoug und Umgebung
an den Kanton Waadt. Neben der Gemeindebibliothek beherbergt das
Schloss von Avenches heute eine Kunstgalerie und das Musée
Amvanas zur Erinnerung an den Anfang der schweizerischen
Fliegerei.
Die eidgenössische Pferdezuchtanstalt befindet sich in der Nähe.
Auf dem Gelände des einstigen Schlossparks mit Aussicht auf die
weite, blühende Hügellandschaft steht heute ein moderner
Theatersaal, der verschiedenen Zwecken dient und den kulturell
lebhaften Geist des Städtchens eindrücklich dokumentiert. Außer
über die Galerie du Château verfügt Avenches noch über die
Kunstgalerie au Paon.
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Auf
der Ostseite des Schlosses liegt unter prächtigen Bäumen eine
weite Terrasse mit zum Teil schattigen Abstellplätzen. Hier
befindet sich die stolzeste Sehenswürdigkeit Aventicums, das
altrömische Amphitheater samt dem ausgesetzten mittelalterlichen
Donjon mit archäologischer Sammlung. Diese enthält unter vielen
bedeutenden Funden die Goldbüste Kaiser Mark Aurels, ein
absolutes Unikat der bildenden Kunst. In der stark restaurierten
Arena finden im Sommer Freilichtaufführungen statt. Die Reste
der Mauer am Friedhof heißen jedoch weder nach den Römern des
Altertums noch nach den Bischöfen der christlichen Ära; diese
nennen sich «Mur des Sarrasins».
Gemäß dem Grossen Brockhaus war Aventicum schon vor der
römischen Eroberung Hauptort des keltischen Helvetiens. Neuere
Funde ergaben nun, dass auf dem Mont Vully, im Weingebiet des
Seelandes, ein bedeutendes Oppidum bestand, das diese Rolle
gespielt haben dürfte. Am nahen Strand des Murtensees, wo heute
eine moderne Campingsiedlung liegt, sind Spuren von Pfahlbauten
entdeckt worden. Der heutige Ortsname leitet sich ab von der
althelvetischen Göttin Aventia.
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Im
Jahre 58 vor Christus war das keltische Gallien schon von den
Legionen Julius Cäsars erobert worden, deren gewaltiger
Übermacht die Helvetier nicht gewachsen waren. Sie wurden
geschlagen, zurückgetrieben und bauten ihre niedergebrannten
Heimstätten unter römischer Ägide wieder auf. Später siedelte
das Imperium Romanum Kriegsveteranen in Aventicum an; das
Stadtwesen, Kapitale und Verwaltungssitz der Provinz Helvetia,
gelangte zu hoher Blüte, insbesondere unter der Herrschaft der
Kaiser aus dem Hause der Flavier: Vespasian verbrachte hier als
Sohn eines römischen Bankiers der kapitalistischen Antike seine
Jugendzeit und erhob seine Adoptivstadt in den Rang einer
römischen Kolonie, deren Glanz bis ins dritte Jahrhundert weit
über die Provinz Helvetia strahlte.
Hiervon zeugt die Arena, nicht freistehend wie jene von Rom,
Verona, Pula, Nîmes, Arles oder El Dschem, sondern wie
griechische Theater in den natürlichen Hügel hineingebaut. Man
umfährt das Amphitheater von Aventicum in weitem Bogen, wenn man
die Durchgangsstrasse, von Murten und Faoug herkommend, verlässt
und ins Städtchen hinauf fährt. Kurz vorher empfiehlt sich ein
kurzer Besuch des breit überdachten Hypokaustes der
Flavier-Thermen, die damals innerhalb des volkreichen
Stadtwesens standen.
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An
der Route du Faubourg, Fortsetzung der Route de Berne, ragt in
der friedlichen Parklandschaft der ehedem einsame Cigogner zum
Himmel. Die Grundmauern des Heiligtums sind freigelegt.
Wunderschön schmiegt sich das Theater in die bewaldete Anhöhe.
Es ist etwas größer als dasjenige von Augusta Raurica bei Basel,
auch stärker beschädigt. Es empfängt seine Weihe von der
reizvollen Landschaft rundum. Im bemoosten Stufenhalbrund lässt
sich ungestört über die Vergänglichkeit irdischer Pracht und
Macht sinnieren. Beim Osttor mit seinem Hof fühlt man sich
beinahe nach dem kyklopischen Festungswerk des antiken Messene
im südlichen Peloponnes versetzt. Ein Aquädukt, wovon keine Spur
mehr zeugt, brachte Quellwasser zur Stadt, die ein umfängliches
Kanalisationssystem besaß. Zur Zeit der Flavier und Antoniner
Imperatoren soll Aventicum vierzigtausend Einwohner gezählt
haben.
Weitere
Informationen:
Avenches Tourisme
Place de l’Eglise 3
1580 Avenches
Tél. 026 676 99 22
Fax 026 675 33 93
info@avenches.ch
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