LÄNDERAUSWAHL

DACH F   SIE SIND HIER: SCHWEIZ > KULTUR > AVENTICUM

        
__ProMedia__
 

AVENTICUM
 
KANTONE
 
 
KULTUR
AUGUSTA RAURICA
AVENTICUM
HEIDI
WILHELM TELL
 
 
 
 
 
 

AVENTICUM


    Hauptstadt der Römer in Helvetien

 

Aventicum blickt auf eine bewegte, tragische Geschichte zurück: Nach den glanzvollen Tagen der helvetischen Kapitale und Colonia des Römischen Kaiserreichs wurde es schon im Jahre 265 von Alemannen überfallen und zerstört, wieder aufgebaut und 354 noch grausamer vernichtet; die wenigen Überlebenden verschanzten sich am Fuße des heutigen Stadthügels innerhalb einer Wehrmauer, die freilich nur einen Bruchteil des fünf Kilometer messenden römischen Walls betrug. Dieser war sieben Meter hoch und hatte vier Tore, wovon das eine, eindrucksvolle Anlage städtebaulicher Kunst, den Ankommenden schon weit vor der jetzigen Ortschaft von einem grünen Hügel her grüsst. Sie ist auf einem hübschen Spazierweg vom antiken Theater aus bequem erreichbar.

Nach finsteren Jahrhunderten wiederholter Barbareneinfälle erhielt der kleine Marktflecken im 11. Jahrhundert eine neue Wehrmauer rund um den jetzigen Kern auf dem Hügel. Im 13. Jahrhundert ließ der Bischof Jean Cossonnay die mächtigen Türme von Vully, Bonneville und des Schlosses errichten, die im Ortsbild noch heute markante Akzente setzen. Im Gegensatz zum restlichen Waadtland gehörte Avenches nie zum Herzogtum Savoyen, sondern blieb im Besitz der mächtigen Bischöfe von Lausanne, die sich von einem Mayor vertreten ließen. Aus der Stadtfestung der Bischöfe entstand unter dem Zepter der Gnädigen Herren zu Bern das landvögtliche Schloss mit Rundtürmen, schmuck gestalteter Fassade und Renaissanceportal mit zwei in Stein gemeißelten Mohrenköpfen, den Wahrzeichen der Bourgade. Nach dem Intermezzo mit Bonaparte fiel Avenches samt dem Flecken Faoug und Umgebung an den Kanton Waadt. Neben der Gemeindebibliothek beherbergt das Schloss von Avenches heute eine Kunstgalerie und das Musée Amvanas zur Erinnerung an den Anfang der schweizerischen Fliegerei.

Die eidgenössische Pferdezuchtanstalt befindet sich in der Nähe. Auf dem Gelände des einstigen Schlossparks mit Aussicht auf die weite, blühende Hügellandschaft steht heute ein moderner Theatersaal, der verschiedenen Zwecken dient und den kulturell lebhaften Geist des Städtchens eindrücklich dokumentiert. Außer über die Galerie du Château verfügt Avenches noch über die Kunstgalerie au Paon.

Auf der Ostseite des Schlosses liegt unter prächtigen Bäumen eine weite Terrasse mit zum Teil schattigen Abstellplätzen. Hier befindet sich die stolzeste Sehenswürdigkeit Aventicums, das altrömische Amphitheater samt dem ausgesetzten mittelalterlichen Donjon mit archäologischer Sammlung. Diese enthält unter vielen bedeutenden Funden die Goldbüste Kaiser Mark Aurels, ein absolutes Unikat der bildenden Kunst. In der stark restaurierten Arena finden im Sommer Freilichtaufführungen statt. Die Reste der Mauer am Friedhof heißen jedoch weder nach den Römern des Altertums noch nach den Bischöfen der christlichen Ära; diese nennen sich «Mur des Sarrasins».

Gemäß dem Grossen Brockhaus war Aventicum schon vor der römischen Eroberung Hauptort des keltischen Helvetiens. Neuere Funde ergaben nun, dass auf dem Mont Vully, im Weingebiet des Seelandes, ein bedeutendes Oppidum bestand, das diese Rolle gespielt haben dürfte. Am nahen Strand des Murtensees, wo heute eine moderne Campingsiedlung liegt, sind Spuren von Pfahlbauten entdeckt worden. Der heutige Ortsname leitet sich ab von der althelvetischen Göttin Aventia.

Im Jahre 58 vor Christus war das keltische Gallien schon von den Legionen Julius Cäsars erobert worden, deren gewaltiger Übermacht die Helvetier nicht gewachsen waren. Sie wurden geschlagen, zurückgetrieben und bauten ihre niedergebrannten Heimstätten unter römischer Ägide wieder auf. Später siedelte das Imperium Romanum Kriegsveteranen in Aventicum an; das Stadtwesen, Kapitale und Verwaltungssitz der Provinz Helvetia, gelangte zu hoher Blüte, insbesondere unter der Herrschaft der Kaiser aus dem Hause der Flavier: Vespasian verbrachte hier als Sohn eines römischen Bankiers der kapitalistischen Antike seine Jugendzeit und erhob seine Adoptivstadt in den Rang einer römischen Kolonie, deren Glanz bis ins dritte Jahrhundert weit über die Provinz Helvetia strahlte.

Hiervon zeugt die Arena, nicht freistehend wie jene von Rom, Verona, Pula, Nîmes, Arles oder El Dschem, sondern wie griechische Theater in den natürlichen Hügel hineingebaut. Man umfährt das Amphitheater von Aventicum in weitem Bogen, wenn man die Durchgangsstrasse, von Murten und Faoug herkommend, verlässt und ins Städtchen hinauf fährt. Kurz vorher empfiehlt sich ein kurzer Besuch des breit überdachten Hypokaustes der Flavier-Thermen, die damals innerhalb des volkreichen Stadtwesens standen.

An der Route du Faubourg, Fortsetzung der Route de Berne, ragt in der friedlichen Parklandschaft der ehedem einsame Cigogner zum Himmel. Die Grundmauern des Heiligtums sind freigelegt. Wunderschön schmiegt sich das Theater in die bewaldete Anhöhe. Es ist etwas größer als dasjenige von Augusta Raurica bei Basel, auch stärker beschädigt. Es empfängt seine Weihe von der reizvollen Landschaft rundum. Im bemoosten Stufenhalbrund lässt sich ungestört über die Vergänglichkeit irdischer Pracht und Macht sinnieren. Beim Osttor mit seinem Hof fühlt man sich beinahe nach dem kyklopischen Festungswerk des antiken Messene im südlichen Peloponnes versetzt. Ein Aquädukt, wovon keine Spur mehr zeugt, brachte Quellwasser zur Stadt, die ein umfängliches Kanalisationssystem besaß. Zur Zeit der Flavier und Antoniner Imperatoren soll Aventicum vierzigtausend Einwohner gezählt haben.


Weitere Informationen:

Avenches Tourisme
Place de l’Eglise 3
1580 Avenches
Tél. 026 676 99 22
Fax 026 675 33 93
info@avenches.ch

 

 

 

 

 


Seitenanfang

 

WEBSITE BY DIGICRON
 

 
 

 

 

 

HOME