Einst hätte man sie am liebsten in die Luft
gesprengt: die vor und während des Zweiten Weltkriegs
errichteten Panzersperren. Heute vermögen sie kaum mehr zu
provozieren, im Gegenteil. Heute sind sie von Efeu umrankt,
Moosbewachsen, und bieten manch einem Tierchen willkommenen
Lebensraum. In der Waadt, bei Nyon, führt gar ein neu
geschaffener Wanderweg entlang solcher Sperren; es handelt sich
um den Sentier des Toblerones.
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Die Toblerone ist eine feine Schokolade. Jedes Kind hierzulande
weiß, wie so eine echte Toblerone aussieht. Aber was ist ein
Sentier des Toblerones? Nun, es ist kein Schokoladen‑Weg.
Wer denkt, auf dieser Wanderung über die Geschichte der
Schokolade informiert zu werden, irrt gewaltig. Die Tobleronen
sind hier Panzersperren, die während des Zweiten Weltkriegs als
Verteidigungslinien gebaut wurden. Da ihre dreieckige Form an
die bekannte Schokolade erinnert, erhielten sie den Namen
,Tobleronen'. Der geschichtsträchtige Wanderweg
führt von den Jurahügeln (bei Bassins) hinunter an den Genfersee
(bei Prangins/Nyon) ‑ und zwar entlang der während des Zweiten
Weltkriegs befestigten Promenthouse‑Verteidigungslinie.
Eigentlich hätten
die ‚Tobleronen’ und anderen Panzersperren, die für Vieh und
Wild nicht ungefährlich sind und außerdem die Land- und
Forstwirtschaft behindern, längst wieder entfernt werden sollen.
Einer Gruppe von geschichtsbewussten Menschen gelang es jedoch,
mit Hilfe des Verteidigungsdepartaments und einiger Sponsoren
einen Wanderweg entlang dieser Festungen zu bauen und einige der
interessantesten Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg
restaurieren zu lassen. Damit wollten sie erreichen, dass auch
jüngere Menschen nicht vergessen, welche Bedeutung dieser Krieg
für die Schweiz hatte.
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Zwei Festungen
entlang des Lehrpfads sind vollständig restauriert worden. Eine
davon ist die Villa Rose mit ihren falschen Fenstern und 2,5
Meter dicken Wänden, die 1940 gebaut wurde. Während des Kriegs
wurden im Erdgeschoss die Gewehre griffbereit aufbewahrt während
im Keller Schlafräume und Küche für die diensthabenden Truppen
eingerichtet waren. Diese konnten sich für Wochen von der
Außenwelt abschotten; einzig ein Militärtelefon hätte den
Kontakt zur militärischen Führung hergestellt. Die Villa war
eine gute durchdachte Festung: in jedem Raum – inklusive
Toilette - gab es gut getarnte Löcher, durch die geschossen
werden konnte. Bis 1994 wurde die Villa für militärische Übungen
genutzt. Heute steht sie unter Denkmalschutz.
Während der Wanderung kommt man auch an Spuren von Panzersperren
vorbei, die 1936-1937 aus rund je einem Meter langen Teilen von
Eisenbahnschienen gebaut wurden. Diese wurden auf einer Länge
von neun Kilometern im Boden verankert und mit Erde bedeckt, so
dass sie kleine Hügel formten. Neben den massiven, mannshohen
‚Tobleronen’ sehen diese Erhebungen, die als erste
Verteidigungslinie dienten, ziemlich unscheinbar aus.
Die zweite Verteidigungslinie, die aus rund 3000 zumeist bis
heute erhaltenen ‚Tobleronen’ bestand, erstreckte sich über rund
10 Kilometer bis zum Ufer des Genfersees. Diese Panzersperren
sind heute mit der Natur zusammengewachsen und bieten Lebensraum
für verschiedene Tiere.
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Die ,Tobleronen'
und der Wanderweg überqueren unter anderem den Golfplatz des
Clubs mit dem noblen und für die republikanische Schweiz eher
erstaunlichen Namen „Domaine Impérial“. Dies kommt daher, dass
das heutige Clubhaus ursprünglich eine Villa der Familie
Napoléon war und zwischen 1919 und 1921 der exilierten
österreichischen Kaiserfamilie als Zufluchtsort diente.
Die Wanderung entlang des Lehrpfads lohnt sich nicht nur aus
militärhistorischer Sicht. Auch die seit 60 Jahren unberührte
Landschaft zwischen Bassins und Gland, ist ein Paradies für
Naturbegeisterte. Der Weg führt an drei Flüssen entlang,
darunter auch dem Promenthouse, welcher der Verteidigungslinie
ihren Namen gab. Außerdem hat man eine prächtige Aussicht auf
den Genfersee und die Berge am gegenüberliegenden Seeufer.
Der Wanderweg ist 15 Kilometer lang und das ganze Jahr begehbar.
Wem dies zu anstrengend ist, kann sich auf den flacheren Teil
zwischen Gland und Nyon beschränken.
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