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    Charme und Schokolade

 

Die Schweizer Milchschokolade wurde um 1860 in Vevey am Genfer See erfunden. Bereits seit dem 17. Jahrhundert wurde aus der Kakaobohne eine Vielzahl von Köstlichkeiten hergestellt, die allerdings diesen sahnigen Geschmack wie wir ihn heute kennen vermissen lies. Das sahnige Geheimnis wurde über mehrere Generationen bewahrt und machte aus einigen Zeitgenossen sehr wohlhabende Schweizer. :-)

Dass die Schweiz für Ihre Schokolade weltberühmt ist, liegt vor allem an den drei wichtigen Erfindungen, die von Schweizern stammen. Die Erfindungen der Conche und der Fondantschokolade verdanken wir Rodolphe Lindt.

Conche von Lindt
Conche
Rodolphe Lindt erfand im Jahre 1879 einen Weg, die Qualität von Schokolade erheblich zu verbessern. Er entwickelte die Conche, die ihren Namen vermutlich von ihrer muschelähnlichen Form hat (vom lateinischen concha abgeleitet). Das Prinzip der Conche: Ein großes flaches längliches Becken aus Granit über das sich Granitwalzen vor- und zurückbewegen; die Walzen schlagen dabei gegen die Ränder, so dass die flüssige Schokoladenessenz über die Walzen zurück in den Hauptteil des Mechanismus spritzt. Durch die dabei entstehende Reibung wird Hitze erzeugt, so dass die Temperaturen auf 76° C bis 78° C ansteigen. Dieses Verfahren dauerte 72 oder mehr Stunden. Danach hat die Schokolade eine erstaunlich weiche Konsistenz. Wichtig ist, dass sich beim Conchieren unerwünschte Geruchs- und Aromakomponenten verflüchtigen und der Geschmack der Schokolade so sehr positiv beeinflusst wird.
Vor der Erfindung der Conche war Essschokolade meistens hart und grobkörnig. Dank Lindts Methode wurde sie so zart, dass Lindt sie nach der gleichnamigen sahnigen Creme 'Fondant' nannte. Diese Fondant-Schokolade wurde ein solcher Erfolg, dass die Conche seitdem überall zur Herstellung von Essschokolade verwendet wird.

Die Milchschokolade erfand der Schweizer Daniel Peter.

Im Jahre 1875 führte die Freundschaft zwischen zwei Nachbarn in Vevey zur Erfindung der Milchschokolade. Der eine war Daniel Peter ein Schweizer Schokoladefabrikant, der aus dem Elsass stammte. Sein Nachbar war der Schweizer Chemiker Henri Nestlé der im Jahre 1867 das Milchpulver erfunden hatte. Daniel Peter kombinierte nun Milchpulver und Kakao zur ersten Milchschokolade der Welt. Das von Daniel Peter gegründete Unternehmen war lange führend in der Herstellung von Milchschokolade. Die Peter, Cailler, Kohler genannte Firma schloß sich 1929 mit Nestlé zusammen.

Der Name Lindt lebt bis heute in dem Unternehmen Lindt & Sprüngli weiter und die Schokoladen dieser Firma sind weltweit ein großer Erfolg.  Neben Lindt & Sprüngli gibt es eine ganze Reihe weiterer großer Firmen und Marken. Die bekanntesten sind wohl Suchard, Toblerone und Nestlé. Suchard ist durch seine lila Schokolade die 'Milka' weltbekannt, während die Toblerone durch ihre dreieckige Form auffällt. Die Toblerone besteht aus einer Mischung von Schokolade, Nougat und Mandeln und ist außerhalb der Schweiz eines der bekanntesten schweizer Produkte.

Der Lebensmittelriese Nestlé ist erst 1904 in das Schokoladengeschäft eingestiegen. Damals erwarb man eine Beteiligung an den Herstellern Peter und Kohler, zu denen später noch Cailler hinzukam. Bis heute vertreibt Nestlé die Schokoladen dieser Hersteller nach den alten Rezepten. Darunter die berühmte Milchschokolade von Cailler, deren ausgeprägten Milchgeschmack auch Stallgeschmack genannt wird, was aber keinesfalls abwertend gemeint ist.
Neben der Milchschokolade, ist Schokolade mit Nougat in der Schweiz sehr beliebt. Das schweizer Nougat unterscheidet sich vom italienischen dadurch, dass die Mandeln und Nüsse leicht geröstet sind und der Zucker weder gekocht noch aufgelöst ist. Neben der Toblerone ist die 'Frigor' von Nestlé, die noch nach einem alten Rezept von Cailler hergestellt wird, eines der bekanntesten Produkte. Bekannt für ihr Nougat sind auch eine ganze Reihe weiterer Hersteller wie z.B. Munz oder Camille Bloch mit ihren 'Torino' und 'Ragusa' genannten Köstlichkeiten.
Die große Bedeutung der Schokolade zeigt sich auch bei der Regierungsarbeit der Eidgenossen. Die eidgenössische Regierung hat allen schweizer Schokoladenherstellern empfohlen einen Jahresvorrat an Rohstoffen im voraus anzulegen, um auf eventuelle Krisen vorbereitet zu sein.

Legenden und Geschichten

Ein Gerücht von 1650
Die Französin Marie Marquise de Sévigné schrieb an ihren Vater, dass die Marquise de Coëtlogon während ihrer Schwangerschaft soviel Schokolade getrunken habe so dass sie darum einen Knaben geboren hätte, der so schwarz war wie der Teufel, und schon nach wenigen Tagen gestorben sei...

Schillers Fehler
Friedrich von Schiller liebte Schokolade so sehr, dass er sie in einem Drama erwähnte, nämlich in "Die Verschwörung des Fiasko zu Genua". Er liess die Gräfin Julia sagen: "Eh`die Schokolade gemacht ist, Madam, unterhalten sie mich. " Dabei bemerkte er nicht, dass es zu der Zeit, in der "Fiasko" spielte, an diesem Ort noch keine Schokolade gegeben hat

Friederich von Schiller

Folgenträchtiges Missgeschick
1671 passierte einem Küchenjungen in einem Restaurant in Paris ein Missgeschick:

Dieser ließ eine Schüssel mit geschälten Mandeln auf den Boden fallen. Darum gab ihm der Koch eine Ohrfeige und gleichzeitig leerte der Koch ein Pfännchen mit gebranntem Zucker über die, auf dem Boden verstreuten Mandeln...
Unterdessen wartete der Marschall Plessis-Praslin auf sein Dessert. In seiner Verzweiflung servierte ihm der Koch die erkaltete Zucker-Mandeln-Masse. Der Edelmann war begeistert über diese Speise und gab ihr kurz entschlossen den Namen "Praslin", aus dem später "Praline" wurde.


Die Anfänge des Kakao

Die Mayas
Die Geschichte der Schokolade begann Zeitalter der Mayas. Man aß dort zuerst nur die Pulpa. Später entdeckte man, dass man aus den Bohnen ein sehr nahrhaftes Getränk zubereiten kann. Dies geschah in der Zeit, als die Mayakultur auf ihrem Höhepunkt war. Der Kakaoanbau wurde weiterentwickelt. Später dienten die Kakaobohnen sogar als Zahlungsmittel, weil man sie geröstet sehr lange aufbewahren kann. Doch dann kam der mysteriöse Zusammenbruch dieses Reiches. Es gibt keine Überlieferungen warum diese Hochkultur plötzlich zusammen brach, aber man vermutet, dass es Aufstände der Bauern gegeben hatte.

Die Tolteken
Nach den Mayas übernahmen die Tolteken diese Gebiete. Sie führten ihre Kultur, ihre Techniken und auch ihre Götter ein.

Einer dieser Götter war Topiltzin Quetzaloatl, der zuvor jedoch nur ein König war. Er brachte dem Land Reichtum und der Legende nach, auch die Kakaopflanze. Aber interne Kämpfe zwangen den weißhäutigen Gott das Land zu verlassen. Die geflügelte Schlange verschwand übers Meer, aber zuvor sagte er der Bevölkerung, dass er in einem Schilfrohrjahr wieder zurückkäme.

Die Azteken
Auch das Toltekenreich verschwand ebenfalls. Die neuen Herrscher über den Südamerikanischen Kontinent waren die Azteken. Sie übernahmen einen großen Teil der toltekischen Kultur, unter anderem auch die Legende des Gottes Quetzaloatl.

Hernando Cortez und Kolumbus
1519 war nach dem aztekischen Kalender ein Schilfrohrjahr. Und so erwarteten die Azteken, dass die gefiederte Schlange zurück ins Königreich komme. Und der "Gott" kam über das Wasser zurück...
Er kam mit einem Schiff, dessen Besatzung gefiederte Helme und Rüstungen trugen, die wie die Schuppen einer Schlange glänzten. Man bereiteten den Ankömmlingen einen ehrenvollen Empfang, da die Ureinwohner dachten, dass die gefiederte Schlange zurück gekommen sei. Doch in Wirklichkeit war dieser "Gott" Hernando Cortez - er wollte diesen Kontinent erobern. Diese Verwechslung führte dazu, dass eine der interessantesten Kulturen vernichtet wurde. Cortez bemerkte sehr schnell, dass diese Bohnen, die man ihm als Geschenk gab, eine besondere Bedeutung für die Ureinwohner hatten. Im Gegensatz zu Christoph Kolumbus, der als erster Europäer von diesem Getränk, dass die Azteken aus den Bohnen herstellten, kosten durfte. Weil das Getränk für seinen Geschmack zu bitter war verlor Kolumbus schnell das Interesse dafür.

Kakao in Europa
Durch die Eroberung von Amerika hatte man immer Zugriff auf Kakaobohnen, aber das Getränk schmeckte den Spaniern nicht, da man es immer noch mit Pfeffer würzte. Erst als man im 17. Jahrhundert entdeckte, dass man den Kakao auch mit Zucker würzen kann, wurde der Kakao auch für Europäische Gaumen angenehm. Dies entdeckte man in den von den Spaniern eroberten Gebieten, denn in Spanien selbst zeigte niemand Interesse für Kakao. Doch dies änderte sich sehr schnell als in Spanien die Nachricht von der gezuckerten Schokolade eintraf. Schon sehr bald wollte der Spanische Adel nicht mehr auf ihre Schokolade verzichten. Bei den Nonnen und Mönchen war Schokolade ebenfalls sehr beliebt, sie entwickelten auch neue Rezepte und verfeinerten so die Schokolade. So konnte sich die Schokolade über ganz Europa verbreiten.

Die Schokolade verbreitet sich...
Die Schokolade hatte nicht nur viele Anhänger sondern auch Gegner. Es war zum Beispiel sehr umstritten ob Schokolade wegen ihrem hohen Nährwert während der Fastenzeit getrunken werden darf oder nicht. Papst Pius V. musste ein Urteil über diese heikle Frage fällen. Er fällte das Urteil zu Gunsten der schokoladenliebenden Mönche und Nonnen. Er begründet sein Urteil damit, dass Schokolade flüssig sei und darum das Fasten auch nicht bricht. Schokolade wurde jedoch nicht nur als Genussmittel benutzt, sondern auch als Kosmetika und Medizin gegen die verschiedensten Krankheiten. Schokolade wurde immer mit einem Glas Wasser serviert. Das zeigt auch das "Schokoladenmädchen" vom Genfer Maler Jean-Etienne Liotard.

 

 

 

Die Meister der Schokoladenherstellung

       
 

 

 

 

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