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TAUBERGIESSEN


    Eines der letzten Naturparadiese Europas

 

Das Naturschutzgebiet Taubergießen ist eines der letzten Refugien des Auwaldes in Deutschland und zeichnet sich durch eine große Artenvielfalt, insbesondere durch seinen Reichtum an Orchideen aus. Noch in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, gab es eine heftige Auseinandersetzung darüber, wie die elsässische Gemeinde Rhinau ihren auf deutschem Staatsgebiet im Taubergießen liegenden Wald bewirtschaften darf, nach dem dieser unter Naturschutz gestellt worden war. Die Sache fand eine finanzielle Lösung: Die deutsche Seite zahlt.

Das Naturschutzgebiet "Taubergießen" erstreckt sich auf einer Länge von zwölf Kilometern und einer Breite von bis zu zwei Kilometern. 1955 wurde es unter Landschaftsschutz und 1979 unter Naturschutz gestellt. Mit dem Taubergießen liegt zwischen Straßburg und Freiburg ein Auwald mit besonders üppiger, fast tropisch anmutender Vegetation. Verschlungene Altwasser und glasklare Gießen durchströmen den dicht wuchernden Wald. Hier kann sich die wildwüchsige Natur in einem der letzten Urwälder Mitteleuropas noch weitgehend ohne Eingriffe selbst entfalten.

Der Name "Taubergießen" stammt von einem gleichnamigen Gewässerlauf im nördlichen Teil des Gebiets. "Giessen" sind von Grundwasser gespeiste Fließgewässer, die für das Naturschutzgebiet besonders charakteristisch sind. "Taub" geht auf eine alte Bezeichnung von Fischern für ein nährstoffarmes Gewässer mit geringem Fischbestand zurück. Im Schutzgebiet erwartet den Besucher eine weitläufige Wiesen- und Waldlandschaft, die von einem dichten Gewässernetz durchzogen ist. Zu jeder Jahreszeit bietet sie eindrucksvolle Natur- und Landschaftserlebnisse “ auch im Winter. Zu dieser Jahreszeit lohnt ein Besuch schon wegen der zahlreich hier rastenden Wasservögel. Im Frühjahr laden die Wälder mit ihrer reichen Bodenflora und dem Konzert der Vogelstimmen zum Streifzug ein. Die Wiesen beeindrucken besonders im Mai und Juni durch ihre Blütenpracht.

Entstanden ist das von Vogesen und Schwarzwald eingeschlossene Gebiet als der Weg des Rheins nicht mehr zur Rhône, und somit ins Mittelmeer führte, sondern bei Basel sich seinen Weg nach Norden bahnte. Da der Taunus im Norden noch ein unüberwindbares Hindernis bildete, entstand in der heutigen oberrheinischen Tiefebene ein riesiger See, der, als der Rhein den Weg durch den Taunus geebnet hatte, wieder abfloss. Die entstandene Ebene benutzte der Rhein fortan als Flussbett und schuf somit eine kilometerbreite Stromauenlandschaft.

Durch die Gletscherschmelze in den Alpen und die Wassermassen, die aus den verschiedenen Zuflüssen in den Rhein strömten, kam es in der Oberrheinebene immer wieder zu verheerenden Überschwemmungen, die das Leben in dieser Region bedrohten. Durch die Rheinbegradigung des badischen Ingenieurs Tulla wurde diesem Problem Abhilfe geschaffen, doch neue Katastrophen folgten. Durch den beschleunigten Abfluss des Rheinwassers senkte sich der Grundwasserspiegel ab, was zur Versteppung der Gegend führte. Viele Tier- und Pflanzenarten starben aus, der Fischreichtum verschwand für immer. Auch die zweite Rheinkorrektur in unserem Jahrhundert führte zu einem weiteren Absinken des Wasserspiegels. Nur durch die Schlingenlösung konnten solche Gebiete wie der Taubergießen gerettet werden.

Der Taubergießen besteht aus zwei unterschiedlichen Landschaftstypen: westlich des Tullaschen Hochwasserdamm der Überflutungsbereich des Rheins mit seinen Altwassern und den urwaldähnlichen Auenwäldern aus Eichen, Ulmen, Silberweiden und Silberpappeln und östlich davon eine liebliche Wiesen-, Hecken- und Wasserlandschaft, deren Flussläufe jedoch keine Verbindung mehr zum Rhein haben.
Zur Fauna und Flora im Taubergießen ist zu sagen, dass sie einfach paradiesisch ist. Hier haben sich Tiere und Pflanzen zu einer Symbiose zusammengefunden, die es in vielen Gebieten Europas nicht mehr gibt. Zu den seltenen Brutvögeln gehört der Schillernde Eisvogel genauso wie der Haubentaucher und auch Wildgänse und Kormorane fühlen sich auf ihren Zügen hier wohl.

Wanderwege durch den Taubergießen

Die ausgeschilderten Rundwege bieten einen Eindruck von den wichtigsten Lebensräumen im Naturschutzgebiet. Ausgangspunkt von "Schmetterlings-, Orchideen- und Kormoranweg" ist die Informationsstelle an der Rheinfähre Rhinau-Kappel, Kormoranweg und Orchideenweg sind auch vom Parkplatz an der Zuckerbrücke bei Rust aus erreichbar. Ausgangspunkte des "Gießenwegs" sind, jeweils von Oberhausen bzw. Niederhausen den Hinweisen "Zum Rhein" oder "Rheinstraße" folgend, die Parkplätze "Weier bzw. Schützenhaus". Bei starkem Hochwasser sollten Kormoran- und Gießenweg gemieden werden. Das Wasser steigt dann sehr schnell an und es können sich gefährliche Strömungen bilden.

Schmetterlingsweg (Länge ca. 2 km)

Dieser kurze Rundweg verschafft dem Besucher einen Eindruck von der Landschaft am Rhein und führt ihn im Frühling und Sommer an den an Blüten und Schmetterlingen reichen Magerwiesen der Hochwasserdämme entlang. Am südlichsten Punkt des Rundwegs an der Verzweigung der Hochwasserdämme blickt man nach Südosten auf die ausgedehnte Wiesenlandschaft, nach Südwesten auf die Flachwasserzone der aufgestauten Innenrheinmündung. Von dort aus führen Orchideen- und Kormoranweg weiter nach Süden.

Orchideenweg (Länge 6,5 km)

Dieser Rundweg führt in die an Tier- und Pflanzenarten reiche Wiesenlandschaft "Im G’schleder". Etwa am nordöstlichsten Punkt des Wegs steht am Rand eines Feldgehölzes ein alter Grenzstein mit der Aufschrift "E.L." (Elsaß-Lothringen) und erinnert an die wechselvolle Geschichte dieser Grenzregion. Weiter im Süden quert der Weg das als "Blaues Loch" bekannteste Quellgewässer des Naturschutzgebiets. Die blühenden Wiesen bieten in den Monaten Mai und Juni den schönsten Anblick.

Kormoranweg (Länge 6 km)

Der Kormoranweg führt am aufgestauten Innenrhein entlang und durch Bannwälder über die Herrenkopfbrücke zum Rhein. Diese Gewässerlandschaft ist das Herzstück des Vogelschutzgebiets von europäischer Bedeutung, das sich am Rhein entlang von Weisweil im Süden bis Nonnenweier im Norden erstreckt. Im Winterhalbjahr sind hier Wasservögel in großer Zahl zu beobachten.

Bei schrägem Lichteinfall sind der Morgen und der Nachmittag für Vogel-Beobachtungen günstiger als die Mittagszeit. Ein stark vergrößerndes Fernglas oder besser noch Spektiv sind erforderlich. Am späten Nachmittag kehren zahlreiche Vogeltrupps von der Nahrungssuche aus der Umgebung zu ihren Schlafplätzen im Naturschutzgebiet zurück. Teilweise sind es erstaunlich große Entfernungen, welche die Vögel täglich hinter sich bringen; die hier rastenden Kormorane legen bis zu 120 km zurück.

Im weiteren Verlauf folgt der Weg zunächst dem Rhein und biegt dann in einen Bannwald ab. Hier ruht jede forstliche Nutzung, und die weitere Entwicklung des Waldes ist sich selbst überlassen. Im Süden führt ein Fußgängersteg über einen Altrhein. Blickt man von dort aus stromabwärts, ist rechter Hand nahe des Ufers eine mächtige alte Stieleiche zu erkennen. Ihre breite Krone ist ein typisches Merkmal von Bäumen, die im Mittelwald-Betrieb herangewachsen sind.

Gießenweg (Länge zwischen 3,5 und 8 km)

Varianten und Länge: Vom Parkplatz am Schützenhaus bei Niederhausen aus umfasst der östliche Teilrundweg 3,5 km Länge, mit dem westlichen Teilrundweg kommen insgesamt 7 km Wegstrecke zusammen.

Vom Parkplatz "Weier" bei Oberhausen ist der westliche Teilrundweg 5 km lang: zusammen mit dem östlichen Teilrundweg sind es 8 km.

Dieser Weg führt über mehrere Quellgewässer. Von der Brücke der Rheinstrasse über einen Quellwasser-Zufluss des "Kleinen Rheins" aus bietet sich einer der schönsten Ausblicke auf die Wald- und Gewässerlandschaft des Naturschutzgebiets. Südlich davon vermittelt ein Bannwald mit mächtigen Stieleichen und Schwarzpappeln einen Eindruck von der interessanten Waldvegetation des Naturschutzgebiets. Der Besucher kommt auch an der "Amerikaner-Eiche" vorbei, die an die zahlreichen Auswanderer aus der Region im 19. Jahrhundert erinnert. An der betreffenden Stelle befand sich früher die Schifflände, von wo aus die Fahrt nach Holland und weiter nach Übersee begann.

Die oben beschriebenen Rundwege können auch per Rad befahren werden. Eine lohnende Radstrecke stellt auch der Uferweg am Rhein entlang dar. Eine Bootsfahrt durch das Naturschutzgebiet Taubergießen hat zu jeder Jahreszeit einen ganz besonderen Zauber. Örtliche Besitzer von Fischerkähnen bieten auf der freigegebenen Bootsfahrstrecke naturkundliche Nachenfahrten an. Ansonsten sind gewerbliche Veranstaltungen von Bootsfahrten im Naturschutzgebiet nicht erlaubt.

 

 

 

 

 

 

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