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ROUTE DES CRÊTES
 
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    Im Reich der fermes-auberges

 

Wer heute mit Auto, Motorrad oder Rad auf durchschnittlich 1.200 m Höhe die 70 km Vogesenkammstraße von Cernay im Süden hinauf zum Col des Bagenelles hinter Ste-Marie-aux-Mines fährt und die prächtigen Aussichtspunkte ansteuert, vergisst leicht, dass eine von Europas beliebtesten Panoramastraßen ihre Entstehung dem Krieg verdankt. Sie diente im 1. Weltkrieg der Verbindung der französischen Linien vom Brezouard im Norden zum Hartmannswillerkopf. Eine kurze Wanderung führt über den französischen Soldatenfriedhof auf den mit einem hellgelben Gipfelkreuz markierten Hügel Hartmannswillerkopf.

Die ungesund wirkende Krüppelvegetation lässt ahnen, wieviel giftige Reste des Krieges hier noch im Boden modern: Granaten, Senfgas, Patronen. Die Straße führt weiter durch die alpin wirkende Berglandschaft der Hautes-Chaumes: An den unbedeutenden Resten des Château Freundstein vorbei gelangt man zur kahlen, wie viele Berge hier oben unter Erosionsproblemen leidenden Kuppe des Grand Ballon, mit 1.424 m der höchste Vogesengipfel. In 20 Min. gelangt man vom reisebusvollen Parkplatz auf den Grand Ballon (Großen Belchen), zum Denkmal von 1927 für die französischen Soldaten, der Radarstation zur Flugbeobachtung, der Wetterstation und dem weiten Blick über die Rheinische Tiefebene bis zu den Alpen - bei klarer Sicht, doch kann hier oben noch im Mai dichte, eiskalte Nebelbrühe wabern.

Im Mai legt sich ein bunter Teppich aus erdnahen gelben und blauen Stiefmütterchen und biegsamen weißen Anemonen über die Bergwiesen. Im Sommer blühen der kleinwüchsige Behaarte Ginster und Gelber Enzian, in geschützten Lagen orangefarbene Türkenbundlilien. Im Herbst verleihen rosafarbene Besenheide, verdorrte Gräser und die sich färbenden Blätter der Heidelbeere mit ihren dunkelviolettfarbenen Früchten der Gegend einen rostroten Hauch.

Hier oben ist das Reich der fermes-auberges, jener Bergbauernhöfe, die von Vieh- und Milchwirtschaft und immer mehr vom Tourismus leben, indem sie einfache Kost und mitunter Logis anbieten. 70 Prozent der Speisen müssen aus eigener Produktion stammen. So auch das berühmteste Erzeugnis, der Munster fermier aus der Milch der weißen Vogesenrinder mit den schwarzen Flecken. Die flachen, runden Käselaiber mit der dunkelgelben, immer wieder gewaschenen Rinde sind deftige Stinker mit einem schmelzigen, gern mit Kümmel und Gewürztraminer genossenen Innenleben.

Um die Landschaft richtig würdigen zu können, sollte man die Trekking Boots schnüren. Eine abwechslungsreiche, durch offene Bergweiden mit weiten Ausblicken und schattige Waldgebiete führende Wanderung beginnt an der Ferme-Auberge Haag kurz hinter dem Grand Ballon: reine Gehzeit knapp 2 Std. Auf dem Schotterfahrweg unterhalb der Straße - alle fermes-auberges sind auch mit dem Wagen zu erreichen - geht man (rot-weiß-rotes Rechteck) 20 Min. Richtung Judenhutplan, bis man links unter sich die noch sehr urtümliche Ferme-Auberge Roedelen mit eigener Munsterkäseherstellung liegen sieht (5 Min. auf kleinem Weg links bergab). Nach 20 Min., wieder auf rot-weiß-rot, erreicht man die hübsch renovierte Ferme-Auberge Gustiberg.

Von hier geht man zum dunkelblauen Lac du Ballon herunter, dessen Bett eiszeitliche Gletscher etwa 200 m unterhalb des Bergkamms ausschliffen (blaues Kreuz, 20 Min.), umrundet ihn und steigt recht steil wieder hinauf zur Ferme-Auberge Haag (rot-weiß-rot, letztes Stück gelbes Rechteck, 45 Min.). Danach schmeckt die Melkermahlzeit beispielsweise in der urigen Ferme-Auberge Firstmiss: Fleischpastete, saftiger Kasslerbraten mit Salat und Roigabrageldi, zum Abschluss Munster oder Quark mit Kirsch. Wem danach die Beine noch nicht zu schwer sind, der kann, wenn er Glück hat, im Krüppelbuchenwald kurz oberhalb der gastlichen Almhütte den scheuen, in den 50er Jahren hier eingebürgerten Gemsen beim abendlichen Äsen zusehen.

 

 

 

 

 

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