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KANÄLE IM ELSASS
 
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KANÄLE IM ELSASS


    Kreuzfahrt auf französisch

 

Den Naturliebhabern werden die Kanäle von Elsass-Lothringen verschiedenartige Landschaften bieten, sowie Wälder, Seen, Weiden, Weinberge und blumenreiche Dörfer. Die Kunstliebhaber werden architektonisch reiche Städte, Museen und vielfältige Sehenswürdigkeiten entdecken und in den typischen Gasthäusern findet man bekannte elsässische Spezialitäten. Dabei hat man die Gelegenheit, sehr große Schleusen zu durchfahren und einen  Schifffahrstuhl zu benutzen.

Eine Kreuzfahrt auf französisch bedeutet, Wasser, Luft, Natur und Sonne wiederzufinden aber dabei nicht weit von den Städten entfernt zu sein, die den Touristen ihre Geschichte, ihre Architektur und ihre Esskultur bieten. Die Flussschifffahrt findet mit Hausbooten statt (die kleiner sind als die kleinen Frachtschiffe), man nennt sie Küstenschiffe oder Hausboote, der offizielle aber wenig benutzte Name ist "Coche de plaisance" (Vergnügungskutsche). Einige können sogar über das ganze Jahr gemietet werden. Auf den elsässischen Kanälen kann man mit Familie oder Freunden einen unvergesslichen Urlaub verbringen !

Ihnen werden die Mahlzeiten an Bord, die Picknicks oder das Essen außerhalb gefallen. Sie können schwimmen, angeln, am Ufer laufen, mit dem Rad fahren oder reiten. Der Flussschifffahrts-Tourismus ist Einfachheit, Bummelei und Erholung, aber man kann sich auch auf einem Kanal weiterbilden, die Tier- und Pflanzenwelt entdecken, sowie die industriellen oder landwirtschaftlichen Tätigkeiten, die für die Region kennzeichnend sind hautnah erleben.

Die wichtigsten Kanäle sind der Rhein-Rhone- und der Rhein-Marne­Kanal.

Große Teile des Rhein-Rhone­Kanals entstanden zwischen 1821 und 1833, aber erst 1921 war er auf der ganzen Länge befahrbar. Der Rhein­Marne-Kanal wurde von 1838 bis 1853 gebaut um Paris mit dem Elsass und dem Rhein zu verbinden. In den 1960er Jahren wurde er entscheidend verbessert.

Rhein-Rhone­Kanal 

Straßburg liegt am Ende des Rhein­Marne-Kanals und gleichzeitig am Beginn eines anderen bedeutenden Wasserweges. Schon 1744 hatte man die Idee, den Rhein an die Rhone anzuschließen, aber in voller Länge wurde diese Verbindung erst 1834 eröffnet. Von Straßburg aus fließt der Kanal südlich, ungefähr parallel zum Rhein. Die Fahrt ist ruhig, da sich der meiste Handelsverkehr auf dem Rhein abspielt; man fährt an französischen Dörfern mit so eigenartigen Namen wie Gerstheim, Obenheim und Boofzheim vorbei. Bei Friesenheim mündet der Kanal in den Rhein, wo kleine Lastkähne mit großen Frachtern und Kreuzern Seite an Seite fahren - ein starker Kontrast zu den beschaulichen Wassern des Kanals.

Die Stadt Breisach auf dem deutschen Rheinufer war auch einmal französisch. Dann änderte sich in einem Winter der Lauf des Flusses, und Breisach wurde über Nacht deutsch. Unterhalb von Breisach können kleinere Boote in den Colmar-Kanal einfahren, der sie nach Colmar bringt, oder aber in südlicher Richtung in den Grand Canal d' Alsace (Rhein-Seitenkanal), der nach dem Ersten Weltkrieg gebaut wurde.

Der Grand Canal d' Alsace setzt sich von Breisach aus nach Süden fort und trifft auf den unteren Teil des Rhein­Rhone-Kanals, der nach Norden und Westen abzweigt durch den Foret de Harth in Richtung Mulhouse (Mülhausen). Als alte Textilstadt hat Mulhouse einige interessante Museen zu bieten, darunter das Musee National de L' Automobile, das die größte Sammlung von Bugattis der Welt enthält.

Am weiteren Verlauf liegt das Städtchen Dannemarie; es hat guten Bootsservice und ist als Ausgangspunkt für Ausflüge nach Belfort geeignet. In strategisch günstiger Lage am Belfort Corridor, der Senke zwischen den Vogesen und dem Schweizer Jura gelegen, war Belfort schon seit 1226 ein wichtiger Verteidigungs-Außenposten.

Gleich unterhalb von Dannemarie, bei Valdieu, erklimmt der Kanal eine Hügelkette mittels 16 Schleusen auf einer Strecke von nur etwa 1,5 km; die Durchfahrt dauert üblicherweise mehrere Stunden. An dieser Stelle wird die Franche­Comte ("Freigrafschaft") durchquert, die ihre eigene Geschichte hat. Durch politische Heiraten ging das Territorium im 16. und 17. Jh. an Spanien über. Zwei Jahrhunderte lang gehörte die Franche­ Comte als französischsprachiges Gebiet zu Spanien, und daher war sie relativ autonom. Unter Ludwig XV. holten sich die Franzosen das Gebiet zurück, aber ein Hauch von Unabhängigkeit ist ihm bis auf den heutigen Tag geblieben, und in der Architektur zeigt sich unverkennbar der spanische Einfluss.

Ab Montbeliard folgt der Kanal dem Lauf des Doubs. Hübsche Dörfchen mit Steinhäusern und Blumengärten sind wie spielerisch in der Gegend verteilt. Colombier-Fontaine und Colombier Chatelot sind geeignete und charmante Anlegestellen. Bei I'Isle-sur-le-Doubs mündet der Kanal in den Fluss. Das Stadtbild selbst ist malerisch - die Stadt wird vom Fluss in drei Sektoren aufgeteilt.

Unterhalb von l'Isle windet sich der Fluss weiter in die hügelige Landschaft hinein. Clerval ist eine alte römische Siedlung an einer Flussbiegung; die im 18. Jh. erbaute Kirche hat eine bezaubernde Pieta aus dem 16. Jh. Von hier aus lässt sich leicht ein Abstecher zum Chateau de Belvoir (12. Jh.) machen, wo früher ein Bischof residierte. Das Schloss wurde restauriert, und die Küchen, die Schlafräume, die Kapelle und der Waffenraum sind der Öffentlichkeit zugänglich.

Baume-les-Dames ist eine Stadt mit kleinen Häusern aus beigen und bläulichem Kalkstein. Hier baute und testete im Jahr 1776 der Marquis Claude-Francois-Dorothee de Jouffroy d' Abbans das erste experimentelle Dampfschiff der Welt. Sein Schiff war 30 m lang und über 2 m breit und wurde mit einem Watt-Motor betrieben. Obwohl mehrere Fahrten zwischen Besancon und Montbeliard erfolgreich verliefen, gerieten der Marquis und sein Boot in Vergessenheit. 1884 jedoch errichtete man bei der Brücke ein Monument zu Ehren seiner Bemühungen.

Unterhalb von Baume verläuft eine der schönsten Flussstrecken Frankreichs. Steil abfallende weiße Kalksteinfelsen erheben sich an den Ufern des Doubs, und um Besancon beschreibt der Fluss eine 3 km lange Hufeisenkurve. Kähne und Boote, die diese nicht ausfahren wollen, können durch einen in den Fels gehauenen Tunnel eine Abkürzung fahren.

Besancon wurde von den Römern als Vesontio gegründet und war später ein wichtiges Kultur- und Handelszentrum der Franche-Comte. Besancon ist der Geburtsort des Schriftstellers Victor Hugo. Der Wasserweg unterhalb von Besancon verläuft abwechselnd auf dem Fluss und dem Kanal. Von dem kleinen Dorf Routelle aus kann man einen Abstecher nach Arc et Senans machen, den Königlichen Salzwerken, die im 18. Jh. von dem französischen Architekten Claude Nicholas Ledoux gebaut wurden.

Auf seinem weiteren Weg passiert der Kanal die Stadt Orehamps, Geburtsort des Malers Gustave Courbet, und genau unterhalb von Dole verlässt er endgültig den Fluss. Bis zum Ende des 17. Jh. war Dole die Hauptstadt der Franche-Comte gewesen, dann aber übertrug Ludwig XIV. den Titel auf die Stadt Besancon, um Dole für seine unabhängige Geisteshaltung zu strafen. Dole besitzt immer noch die größte Kirche der Franche-Comte, die Eglise Notre-Dame (16. Jh.) mit Glasfenstern in lebhaften Farben. Louis Pasteur wurde in Dole geboren; das Geburtshaus ist jetzt Museum. Unterhalb von Dole passiert der Wasserweg die kleine Stadt St-Symphorien-sur-Saone, wo der Kanal in die Saone einmündet.

 

Rhein-Marne­Kanal

Der 314 km lange Kanal durchquert mit Hilfe von Schleusen, Tunnels und anderer Technik ganz Lothringen und die Vogesen und fällt dann zum Elsass hin ab. Er beginnt bei Vitry-le-Francois in der Champagne, wo er über den Marne-Seitenkanal an das übrige Kanalsystem Burgunds angeschlossen ist. Vitry-le-Francois ist auch ein Schnittpunkt für den Marne-Saone­ Kanal. Am Kreuzungspunkt dieser wichtigen Nord-Süd- und Ost-West­ Wasserwege hat die Stadt ein Frachtkahnzentrum, in dem der Bootsfahrer sich mit allem Wichtigen versorgen kann.

Nach Osten verläuft der Kanal durch wellige Ebenen und Kornfelder nach Bar-le-Duc, wo Jahrmärkte abgehalten werden. Vom 10. zum 14. Jh. war Bar-le-Duc ein unabhängiger Staat und kam erst im späten 16. Jh. zu Lothringen. Interessante Sehenswürdigkeiten sind die Kirche Notre Dame (16. Jh.) und das Barrois-Museum mit prähistorischen Haushaltsgegenständen sowie Gemälden und Skulpturen aus der Gegend.

Der Kanal erklimmt nun das lothringische Hügelland und erreicht seinen Höhepunkt dort, wo Lastkähne den Mauvages Tunnel (4975 m lang) passieren müssen. Hier herrscht Einbahnverkehr, und die Schiffe werden jeweils in Zehnergruppen an einen Kettenschlepper (Baujahr 1912) angehängt. Vergnügungsboote rangieren erst nach dem gewerblichen Verkehr, und die Durchfahrt ist langsam und dunkel.

Bei Mauvages sehen die Boote das Tageslicht wieder und fahren dann über 12 Schleusen ins Tal der Maas zu der kleinen Stadt Toul hinunter, einem wichtigen Bischofssitz des Mittelalters, der 1648 im Westfälischen Frieden an Frankreich fiel. Wie so viele Städte, die man an den Kanälen Elsass-Lothringens findet, wurde auch Toul im 17. Jh. von dem genialen französischen Militärarchitekten, dem Marquis Sebastien de Vauban befestigt. Die massiven Steinmauern und Schutzwälle von Toul sind größtenteils noch intakt, und der Kanal fließt sogar durch einen Teil des alten Stadtgrabens. Die Kathedrale St Etienne (13.-14. Jh.) ist sehenswert; sie hat zwei 65 m hohe, achteckige Türme und einen Kreuzgang aus dem 14. Jh.

Kathedrale St Etienne

Unterhalb Frouard zweigt ein kleiner Kanal nach Nancy ab, das im 12. Jh. als Hauptstadt des Herzogtums Lothringen gegründet wurde. Der letzte der einflussreichen Herzöge von Lothringen war Stanislas Leszcynski, ein polnischer König im Exil, der das Glück hatte, seine Tochter mit Ludwig XV. zu verheiraten. Ludwig gewährte Stanislas das Herzogtum, als dieser im Polnischen Erbfolgekrieg (1733-38) seine Krone verlor. Stanislas hinterließ ein überaus reiches architektonisches Erbe; sehen Sie sich die prunkvolle Place Stanislas im Stadtzentrum an. Mit ihren vergoldeten schmiedeeisernen Toren, barocken Brunnen und hängenden Laternen kann man sie guten Gewissens als den schönsten Platz Frankreichs bezeichnen. Ende des 19. Jh. war Nancy der Geburtsort des art nouveau (neue Kunst); das Ecole-de-Nancl,-Museum zeigt eine Sammlung von Objekten dieser Kunstepoche, vom Einzelstück bis hin zur gesamten Esszimmereinrichtung mit Lederprägearbeiten an der Decke.

Hinter Nancy verläuft der Kanal durch ein Industriegebiet mit Bergbau, Eisenschmiedewerkstätten und Gießereien und kreuzt den Meurthe über einen kleinen Aquädukt. St Nicolas de Port ist schon seit dem Mittelalter ein Industrie- und Handelszentrum. Die gotische Basilika aus dem 16. Jh. wurde über einem früheren Heiligtum errichtet, in dem ein Finger des Hl. Nikolaus aufbewahrt wurde. Die Ritter von Lothringen hatten ihn aus dem Heiligen Land herübergebracht. Angeblich hat hier auch die Hl. Johanna gekniet, bevor sie in den Kampf gegen die Engländer zog.

Bei Dombasle-sur-Meurthe führt der Kanal an den Solvay-Sodawerken vorbei, wo Salz, Chlor und Natrium-Bikarbonat hergestellt werden. Die Kulisse ist vielleicht nicht die malerischste, aber dennoch ist der Anblick faszinierend. Lastkähne werden unaufhörlich be- und entladen, und Mini-Eisenbahnen fahren über dem Erdboden auf kleinen Brücken. Diese Fabrik hat die größten Hochöfen der Welt und eine eigene Flotte von 100 Lastkähnen.

Unterhalb Dombasle wird die Gegend wieder ländlich, und in der kleinen Stadt Einville kann man sich gut mit Vorräten eindecken. Etwa 9 km weiter liegt Luneville, wo Herzog Leopold im 18.Jh. einen Architekten damit beauftragte, ein Versailles im Kleinformat zu bauen. Hinter Einville erstreckt sich der Foret (Wald) de Parroy nach Süden, und parallel zum Kanal fließt der Sanon.

Im Dorf Lagarde holt uns die neuere Geschichte ein: Am einen Ende des Ortes befindet sich ein deutscher Soldatenfriedhof, am anderen ein französischer - beide aus dem Ersten Weltkrieg. Im Zweiten Weltkrieg kamen die Deutschen zweimal durch die Gegend, zuerst auf dem Weg nach Paris und dann wieder auf dem Rückzug; an vielen Hauswänden sieht man noch Einschusslöcher.

Danach durchfährt man den Etang de Rechicourt, einen der Seen, aus denen sich der Kanal speist. Am östlichen Ende des Sees befindet sich eine Schleuse (Rechichourt-le-Chateau) mit einer Hubhöhe von 15 m, die in den frühen 1960er Jahren gebaut wurde und sechs kleinere Schleusen ersetzt hat. An diesem Punkt durchquert der Kanal den Foret de Rechicourt und weitere Zuliefererseen, darunter den großen Etang de Gondrexange (470 ha), auf dem sich gerne Segler und Surfer tummeln. An manchen Stellen liegt der See hinter einem Damm etwas erhöht, so dass man beim Hinaufblicken in 1-2 m Höhe über dem Kanal Surfer vorbeiflitzen sehen kann.

Hier zweigt auch der Canal des Houilleres de la Sarre (der Saar-Kohlengruben-Kanal) ab - eine hübsche Wasserstrecke, die durch den Nationalpark Lothringen verläuft. Er wurde 1860 gebaut, um Lothringen mit dem Revier an der Saar zu verbinden. Bei der Weiterfahrt wird der Rhein­ Marne-Kanal auf einem Aquädukt (45 m) über die Saar geführt. In dieser Gegend zeigt sich der deutsche Einfluss in Ortsnamen wie Hesse und Schnekkenbusch. In Hesse liegen die Ruinen einer Benediktinerabtei, die von der Familie des - aus dem Elsass stammenden - Papstes Leo gegründet wurde.

Schiffshebewerk Arzwiler Schiffshebewerk Arzwiler

Unterhalb von Hesse passiert der Kanal die Städte Schneckenbusch und Niderviller; letzteres ist wegen seiner Tonwaren bekannt (seit 1735). In zwei Tunnels werden dann die Vogesen durchquert; beide Durchstiche wurden zwischen 1850 und 1853 angelegt und haben Einbahnverkehr mit wechselnder Richtung. Der Niderviller Tunnel ist nur 450 m lang, aber der Arzviller Tunnel misst 2600 m. Hat man den zweiten Tunnel hinter sich gebracht, grüßt das Elsass.

Unten erstreckt sich das waldreiche Tal des Zorn und direkt vor Augen steht eines der Wunderwerke des modernen Wasserbaus, der Schiffsaufzug von St Louis­Arzviller, eine Art Riesenbadewanne auf Schienen. Ein Lastkahn oder Boot fährt in den großen, mit Wasser gefüllten Tank hinein, der dann auf einer um 41 Grad geneigten Fläche um 108 m gesenkt (oder angehoben) wird. Der Schiffsaufzug (Baujahr 1969) hat 17 Schleusen ersetzt, die in 8 Stunden durchfahren wurden. Heute dauert die Fahrt mit der Riesenwanne etwa 25 Minuten.

Blick auf die Lutzelburg

Der Kanal folgt dann dem Lauf des Zorn; auf beiden Seiten erheben sich Hügel. Das charmante Dorf Lutzelbourg (Lützelburg) liegt inmitten von fünf Tälern. Oberhalb der Stadt thronen die Ruinen eines Schlosses aus dem 12. Jh. Kaum 4 km entfernt liegt Phalsbourg (Pfalzburg), das im 17. Jh. von Vauban befestigt wurde. Hier lebte Emile Erckman, der zusammen mit Alexandre Chatrian volkstümliche Romane über das Elsass schrieb. Besuchen Sie das Erckman-Chatrian - Museum.

Stadtschloss in Saverne

Hinter Lützelburg verläuft der Kanal bis Saverne (Zabern), einer geschäftigen Kreisstadt mit elsässischen Fachwerkhäusern und bezaubernden Rosengärten. Von 1417 bis 1789 war Saverne der Sitz des Bistums Straßburg; das Chateau Rohan aus rotem Sandstein, einst Sommerpalast der mächtigen Bischöfe aus dem Haus Rohan, bietet einen imponierenden Anblick. Auf den Hügeln um Saverne stehen fünf Burgruinen aus dem 11. und 12. Jh., die vom Kanal aus zu Fuß in ein bis zwei Stunden zu erreichen sind. Aber der Weg lohnt sich: Man überblickt von dort die ganze elsässische Ebene, und an klaren Tagen kann man den Turm des über 30 km entfernten Straßburger Münsters sehen. Die berühmteste dieser Ruinen ist das Haut-Barr. Einer seiner Besitzer, der Straßburger Bischof Jean de Manderscheidt, gründete hier einen Trinker­club. Wer beitreten wollte, musste ein fast 3 Liter fassendes Onyxhorn voll Weißwein in einem Zug austrinken.

Blick vom Chateau du Haut-Barr auf Savene und den Rhein-Marne-Kanal

Unterhalb von Saverne fließt der Kanal durch die elsässische Ebene, vorbei an typischen Bauerndörfern wie Lupstein, Ingenheim und Waltenheim­sur-Zorn. Enge, winklige Straßen verlaufen zwischen Fachwerkhäusern mit steilen Giebeln und kleinen Fenstern, und durch große Tore blicken Sie in Höfe, die von Bauernhäusern und Wirtschaftsgebäuden eingerahmt sind. Überall hört man Elsässisch, einen alemannischen Dialekt, den selbst die Deutschen nicht verstehen. Hier nisten häufig noch Störche auf den Schornsteinen - im Elsas glaubt man, dass ein solches Nest dem Haus ein ganzes Jahr Glück bringt.

Der Kanal fließt am Palais de l'Europe vorbei, in dem das Europäische Parlament tagt. Straßburg wurde im Jahr 16 n. Chr. von den Römern als Festung gegründet und hieß damals Argentoratum; später nannten die Franken es Strateburgum ("Straßenknoten").

Nachdem das Heilige Römische Reich die Stadt nicht länger halten konnte, nahm Ludwig XIV. sie im Jahr 1681 in Besitz und ließ durch Vauban massive Stadtmauern errichten. Bis zur Revolution blieb Straßburg eine relativ freie Stadt, dann geriet es unter republikanische Kontrolle. Nach dem Krieg von 1870/1871 fielen Straßburg und das Elsass wieder an das Deutsche Reich.

Straßburg liegt an den Ufern von Rhein und Ill, und wegen seiner Lage unweit der Grenzen Frankreichs, Deutschlands, der Schweiz, Belgiens und Luxemburgs ist es bis auf den heutigen Tag ein internationaler Knotenpunkt, der eine reiche Geschichte aufweist. Johannes Gutenberg lebte hier von 1434 bis 1444 und stellte seine Druckerpresse fertig, und 1772 schrieb Rogerde Lisle in Straßburg die Marseillaise.

Die Stadt ist ein idealer Anlaufpunkt für den Bootsreisenden. Der älteste und interessanteste Teil ist praktisch eine Insel, die von der III und dem kleinen Kanal Fosse du Faux umflossen wird. Kähne legen am Quai des Pecheurs an, nur ein paar Stufen von der Altstadt entfernt, und schmale Boote können in die engen Kanäle von Le Petit France, dem alten Quartier des Tanneurs (Gerberviertel), hineinfahren, das heute mit seinen Cafes und Fachwerkhäusern sehr viel Charme ausstrahlt. Die berühmteste Attraktion der Stadt ist sicher das Münster (Cathedrale de Notre Dame), das mit rosenfarbigem Sandstein aus den Vogesen gebaut wurde. Die Bauzeit dauerte von 1015 bis 1439, so dass hier verschiedene Baustile von der Romanik bis zur Spätgotik vereint sind. Die astronomische Uhr aus dem 16.Jh. von einem Schweizer Uhrmacher stellt die Apostel dar, und ein Hahnenschrei kündigt Petrus an.

 

 

 

 

 

 

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