LÄNDERAUSWAHL

DACH F   SIE SIND HIER: ELSASS > SIGHTSEEING > HISTORISCHE BAUTEN > STRASSBURGER MÜNSTER  

        
__ProMedia__
 

   STRASSBURGER MÜNSTER
 
STÄDTE
SIGHTSEEING
HISTORISCHE BAUTEN
BURG FLECKENSTEIN
CHÂTEAU HAUT BARR
HOCHKÖNIGSBURG
MAGINOTLINIE
ODILIENBERG
  STRASSBURGER MÜNSTER
STRASSE DER 5 BURGEN
 
 
 
 

STRASSBURGER MÜNSTER


    Monument eines mittelalterlichen Bürgerstolzes

 

Alle Maßstäbe brechen, das Ungesehene drängt hinein in die verwinkelte Beschaulichkeit der Gassen und Fachwerkhäuser. Ein Fremdkörper, so hoch, so groß, so rücksichtslos - es gibt kein anderes Zeichen der Macht, das eindrucksvoller wäre. Noch heute schickt das Straßburger Münster seine himmelstürmende Botschaft hinaus ins weite Land und immer noch steht die Menge staunend vor diesem Monument eines mittelalterlichen Bürgerstolzes.

Das Straßburger Münster galt Jahrhunderte lang als höchster Bau der Christenheit. Die erste Erwähnung einer Marienkirche findet man in einer bischöflichen Urkunde aus dem Jahre 728. Die älteste Stadtansicht Straßburgs gibt die in Nürnberg 1493 erschienene "Weltchronik" des Hartmann Schädel, sie zeigt den mächtigen Münsterbau mit hohem Turm. Aus einer Chronik Emolds des Schwarzen lässt sich schließen , dass die "karolingische Basilika" zwei sich gegenüberliegende Apsiden besaß, also doppelchörig war.

Ein Großbrand zerstörte 1007 allerdings die karolingische Kirche vollständig. Im Jahre 1015 legte Bischof Werinher von Habsburg den Grundstein für den Bau des neuen Münsters in Straßburg. Nachdem ein großer Teil des Bauwerks durch einen zweiten Brand im Jahre 1176 zerstört worden war, wurden die Arbeiten fortgesetzt und erst einige Jahrhunderte später vollendet.

Ab dem 12. Jahrhundert spielen die Stadt und die Kathedrale für die Kaiser und die Päpste eine wichtige Rolle. Es wurde sehr viel an der Kathedrale gebaut, wobei neue Ideen und Techniken dort ihre Anwendung fanden. Das Oeuvre Notre-Dame, das als Münsterbauhütte für die Organisation der am Straßburger Münster durchgeführten Bau- und Instandhaltungsarbeiten sowie für die Beschaffung der dafür notwendigen Gelder zuständig war, wurde zum ersten Mal im Jahre 1246 urkundlich erwähnt. Im Laufe seiner langen, untrennbar mit dem Schicksal des Münsters verbundenen Geschichte trug das Oeuvre Notre-Dame - die Münsterbauhütte - dazu bei, dass Künste, Ideen, Kenntnisse und Fertigkeiten in ganz Europa verbreitet wurden.

Immer wieder wurde es daher zum Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen den Mächtigen der Zeit. Als die Spannungen zwischen geistlicher und weltlicher Macht schließlich in einen bewaffneten Konflikt ausarteten, wurde das Oeuvre Notre-Dame 1390 der Stadt unterstellt. Die Stadt ernannte nun neue Baumeister. Seither arbeitet die Münsterbauhütte wie eine Stiftung.

Aufgrund ihres besonderen Status und dank der Geschicklichkeit und des großen Einsatzes der aus ganz Europa herbeigekommenen und miteinander wetteifernden Bauleute konnte die Straßburger Münsterbauhütte uneingeschränkte Bewunderung im ganzen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation finden.

Der Grundriss der heutigen Kathedrale hat die Form eines lateinischen Kreuzes. Der Westbau ist eher elegant und filigran, während das Querschiff massiv gebaut ist.

In der ganzen Kirche findet man unterschiedliche Baustile; das liegt nicht nur an der langen Bauzeit, sondern auch daran, dass manche Baumeister zwar den neuen gotischen Einflüssen gegenüber aufgeschlossen waren, ohne jedoch die Tradition hinter sich lassen zu wollen. Auf die Abfolge von unterschiedlichen Architekten ist auch die asymmetrische Fassade zurückzuführen. Die Westfassade wurde zunächst ohne Turm geplant, der nächste Baumeister errichtete dann den Nordturm 1399, der vom folgenden Architekten schließlich 1439 ein Stockwerk mit einem durchbrochnen Helm erhielt. Der Südturm ist so nie gebaut worden.  

Das Straßburger Münster ist aus rosa Sandstein erbaut. Sehenswert im Innern: die Glasmalereien (12.-14. Jahrh.), die steinerne Kanzel (spätgotisch), der berühmte Engelspfeiler im südlichen Querschiff (1220-1230), die astronomische Uhr, die Silbermannorgel. Beeindruckend ist die figurenreiche Westfassade mit ihren Portalstatuen und der Fensterrose (am rechten Seitenportal die klugen und die törichten Jungfrauen). Das romanische Südportal ist das älteste der Kathedrale. Berühmt sind die an den Seiten stehenden Statuen der Ekklesia und Synagoge (die Originale befinden sich im naheliegenden Frauenhausmuseum). In der Mitte des Doppelportals: König Salomon als Richter.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts ist die Geschichte der Kathedrale gleichzeitig die Geschichte ihrer Erhaltung und Restaurierung. Während des 2. Weltkrieges werden keine wesentlichen Bausteine des Münsters zerstört. Seit 1945 erfolgen Restaurierungen.
 

Der Bau
Der Grundriss der heutigen Kathedrale hat die Form eines lateinischen Kreuzes. Das von zwei Seitenschiffen flankierte Hauptschiff ist in sieben Joche unterteilt. Im Osten mündet es in das Querhaus bzw. Querschiff, dessen beide Armen jeweils durch einen Mittelpfeiler in vier Raumeinheiten gegliedert sind. Die äußere Großgliederung der Bauteile ergibt sich noch eindeutiger: Das elegante Filigran des Westbaus und seines einzigen Turms steht gegen den massigen Baukörper des Querschiffs.


Innenraum

Die Krypta
Die Krypta birgt die ältesten Teile des Bauwerkes. Man kann zwei nach Epoche und Stil verschiedene Raumabschnitte unterscheiden.
Der ältere Ostteil besteht aus zwei quadratischen Jochen, die von zwei rechteckigen Seitenjochen und von zwei weiteren mit Viertelkreisabschluss flankiert werden. Die auf der Sichtfläche zahlreicher Quader angebrachten geometrischen Einschnitte werden von den Archäologen als "Zierschlag", als typische ornamentale Steinbearbeitung angesprochen und gewöhnlich ins 11. Jahrhundert datiert.

Der Chor, die Vierung, das Querhaus
Im Querhaus des Liebfrauenmünsters begegnet man nebeneinander dem erhabensten Kunststreben der Stauferzeit (1176 - 1220) und dem genialen Neuerungsdrang der französischen Gotik. Wie und wann die einzelnen Ideen und Formen einander abgelöst haben ist jedoch nicht durchweg klar: nicht selten stehen alte und rückständige Formen neben dem Neuen. Manche bereits für die "gotische" Formensprache aufgeschlossene Baumeister schaffen es nicht so ohne weiteres, die Tradition hinter sich zu lassen.

Das Langhaus
Beim Betreten des Innenraumes beeindruckt das Langhaus durch die Schönheit seiner Proportionen und die Durchsichtigkeit der einzelne Joche. Im Gegensatz dazu steht der Chor, der schwer und massig wirkt. Diese Wirkung wird noch gesteigert durch die sechs wuchtigen Pfeiler der Vierung. Während im Langhaus das Licht in großer Fülle einströmt, dringt es in Chor und Vierung nur durch wenige aus den Mauermassen geschnittene Öffnungen.

Die gesamte Bauphase dauerte von etwa 1230-35 bis 1275, wobei um 1250 der Stillstand nach dem dritten Joch angenommen werden muss. Grund war sicherlich ein gekürztes Budget, das nun nicht mehr erlaubte, den alten Westbau abzureißen. Das im Elsass geschaffene Werk dieses Baumeisters mag dem architektonischen Prinzip nach französisch sein, es ist doch auch deutsch, wenn man die Proportionen sowohl des Raumes als auch des Maßwerks betrachtet. Das Straßburger Langhaus, das die französische Formensprache in so glücklicher Weise einbezieht, ist neben dem Chor des Kölner Doms die bedeutendste Schöpfung der deutschen Gotik in der Mitte des 13. Jahrhunderts.

Die Katharinenkapelle
Begonnen 1331 von Bischof Berthold von Bucheck, geweiht 1343, fügt sie sich in den Winkel von Südquerschiff und Langhaus.
Mit ihrer im Detail ebenso sorgfältigen wie reichen Steinmetzarbeit und vor allem durch die Auffassung der tragenden und wölbenden Elemente erscheint die Kapelle heute als eine der großen Schöpfungen des 14. Jahrhunderts am Oberrhein.

Die Laurentiuskapelle (ehemalige Martinskapelle)
Bischof Wilhelm von Hohenstein ließ symmetrisch, also im nördlichen Gegenwinkel, eine dem heiligen Martin geweihte Kapelle errichten. Der Baubeginn 1515 ist durch eine Inschrift auf einem Strebepfeiler bezeugt. Auch sie erstreckt sich entlang zweier Joche des Seitenschiffs, ist aber selbst in vier Joche unterteilt und mit Netzgewölben eingedeckt. Acht skulptierte Schlusssteine bilden den besonderen Schmuck dieses Gewölbeensembles. Fünf Strebepfeiler flankieren die Kapelle von außen.

Der Narthex
Der Wandaufriss der üblicherweise als Narthex bezeichneten Vorhalle ist vielleicht das Werk des Meisters Erwin (nach 1284), der die Arkaturen der Seitenschiffe fortzuführen suchte. In den unteren Zwickeln finden sich skulptierte Menschen- und Tiergestalten. Und eine Blendrose über der rechteckigen Portalöffnung wiederholt das Motiv der großen Rose, welche natürlich diese Innenfassade beherrscht.
Eine Arkadengalerie trennt das Untergeschoß von der Rose. In keinem einzigen anderen Fall, weder in Frankreich noch im deutschen Reich, hat sich das Bürgertum einer Stadt so direkt und intensiv bei der Organisation und Durchführung eines Kathedralenbaus engagiert. Man muss schon nach Italien gehen, um annähernd Vergleichbares zu finden.

Meisterwerke der Plastik
Die ältesten Skulpturen findet man in der Kapitelle in der Ostkrypta, sie stammen aus dem letzten Drittel des 11. Jahrhunderts.

Das Querhaus
Die Plastiken aus dem Querhaus künden von einem grundsätzlichen Stilwandel. Das Dekor der Nische (gegen 1190) wirkt eher unbeholfen. Die Nische beherbergt den Taufstein von 1453, ein Werk des Jodokus Dotzinger. Der erste der Gotik verpflichtete Meister gestaltete das Innere des Querschiffarms. Hier findet man den Gerichtspfeiler und die Standbilder der Ecclesia und Synagoge. Am Pfeiler des Jüngsten Gerichts sind unten die vier Evangelisten zu sehen. Darüber vier Engel mit Posaunen. Ganz oben schließlich hebt Christus als Weltenrichter die linke Hand und zeigt auf seine Wundmale.

Die Johanneskapelle
Eine der wohl berühmtesten Grabskulpturen der Zeit um 1300 ist das Grab Konrads von Lichtenbergs, das sich an der Südwand befindet.

Die astronomische Uhr
Dieses technische Wunderwerk wurde zwischen 1547 und 1550 begonnen und in den Jahren 1571 - 1574 vollendet. Die Uhr wurde von Konrad Dasypodius und David Wolkenstein entworfen, und von den Uhrmachern Isaak und Josias Habrecht gebaut.

Der Unterbau
Im Zentrum des Unterbaus findet man den ewigen Kalender, der den jeweiligen Tag anzeigt. Davor eine Himmelskugel. Links dann der Kirchenkalender zur Berechnung der beweglichen Festtage, rechts außen sind Sonnen- und Mondgleichungen zu verfolgen,. Über dem ewigen Kalender erscheinen im Tumus die Gottheiten der sieben Wochentage auf ihrem Wagen. Im oberen Mittelteil ist ein kopernikanisches Planetarium zu sehen, darüber eine Kugel, von der die Mondphasen abzulesen sind.

Die Pracht der Glasfenster
"Mehr noch als die Steinarchitektur zeugen die mächtigen Kirchenfenster, gerade weil sie zu verschiedenen Zeiten entstanden, von der Begeisterung, vom in Jahrhunderten nicht erlahmenden Gestaltungswillen ihrer Schöpfer." (Roland Recht). Auf den meisten dieser Glasfenster sind Szenen aus der Bibel, sowie historische und biblische Gestalten dargestellt.

Die Katharinenkapelle
Hier befinden sich hohe, schmale Lanzettfenster zwischen den Strebepfeilern, auf denen die Apostel und die heiligen Frauen Martha und Maria Magdalena Abgebildet sind. Vielleicht hat Johannes von Kirchheim diese Glasfenster geschaffen, jedenfalls stammen sie aus der Zeit um 1340.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass uns das Straßburger Münster viele einmalige Zeugnisse der Kunstgeschichte überliefert hat. Aus den unterschiedlichen Stilrichtungen der Epochen lassen sich zugleich auch Rückschlüsse auf das Lebensgefühl und die Weltanschauung der verschiedenen Zeitalter ziehen.

 

 


 

 

 

Seitenanfang

 

WEBSITE BY DIGICRON
 

 
 

 

 

 

HOME