Ein Jahr nach dem ersten Weltkrieg 1919 erließ die französische
Regierung den Plan, eine neue Verteidigungslinie zu errichten,
die Frankreich vor Übergriffen aus dem Osten und dem Norden
schützen sollte. Nach einigen Jahren der Planung wurde von dem
zu diesem Zeitpunkt amtierenden Kriegsminister André Maginot der
Plan für die Maginotlinie dem Parlament vorgestellt und am 14.
Januar 1930 angenommen. André Maginot könnte die Vollendung
leider nicht mehr erleben, er verstarb am 6.Januar 1932 im Alter
von 54 Jahren.
Die Bauwerke sind
allein schon durch ihre Grösse beeindruckend. Kilometerlange
Gänge zu abgesetzten Kampfblöcken sind keine Seltenheit. Die
meisten Bauwerke sind als Museum oder als verlassene Anlagen zu
besichtigen.
Im Januar 1930
beschloss die französische Nationalversammlung zur
Grenzsicherung den Bau der Befestigungslinie und bewilligte die
dazu notwendigen Gelder in einer Höhe von 2900 Millionen Francs.
Man entschied sich, statt einer kompletten Modernisierung der
französischen Streitkräfte, für die Errichtung dieser
gigantischen Verteidigungslinie, da trotz der gewaltigen Größe
der Anlagen, die Kosten nur 5 bis 6% der jährlichen
Militärausgaben darstellten.
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Laut Planung
sollten die wichtigsten Arbeiten bis 1943 abgeschlossen werden.
Durch die Machtergreifung der Nazis und den durch Adolf Hitler
aufgekündigten Locarnopakt wurden die Arbeiten ab 1935 stark
forciert. Zeitweise waren mehr als 100 Baufirmen mit über 20 000
Beschäftigten gleichzeitig tätig. Trotzdem war die Maginotlinie
bei weitem noch nicht fertig gestellt, als Frankreich und
England am 03. September 1939 Deutschland den Krieg erklärten.
In einigen geographischen Abschnitten hatte man sogar erst kurz
zuvor mit den Bauausführungen begonnen. Im Elsass, das sich im Herzen des
Systems befindet, besteht die Maginotlinie aus fast 2000 Bauwerken, deren
große Vielseitigkeit die Verknüpfung dieses Sicherheitsapparates
widerspiegelt.
Während der
Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht kam es dann
zu schweren Kämpfen an der Maginotlinie. Hier sei das Drama um
das Festungswerk La Fertè vom 19. Mai 1940 erwähnt, wo durch den
Beschuss deutscher Artillerie und dem danach erfolgten Angriff
der deutschen Infanterie alle 107 Mann des Festungswerkes mit
dem Kommandanten, Oberleutnant Bourguignon, ums Leben kamen. Sie
starben trotz Gasmasken hauptsächlich durch die bei den
Sprengeingriffen der deutschen Infanterie entstandenen giftigen
Gase, die das Hohlgangsystem ausfüllten. La Fertè war das
einzige Festungswerk der Maginotlinie, welches zusammen mit
seiner Besatzung unterging.
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Wie jede frühere
oder spätere Verteidigungslinie so wurden auch diese Bollwerke
aus Stahl und Beton an der Maginotlinie durchbrochen, wenn auch
erst nach dem Abzug der Zwischenraumtruppen und nach Umgehung
wichtiger Abschnitte. So sind viele Veteranen noch heute stolz
darauf ihr Fort nicht im Kampf haben räumen zu müssen, sondern
erst nach dem übermittelten Waffenstillstand. Die Festungen der
Maginotlinie hätten teilweise noch monatelang aushalten können,
nach der deutschen Besetzung Frankreichs war dies allerdings ein
sinnloses Unterfangen.
Nach dem Waffenstillstand vom 25. Juni 1940 zog dann das
deutsche Militär kampflos in die Maginotlinie ein. Als zu
Kriegsende sich die deutsche Niederlage abzeichnet, sprengte das
deutsche Militär beim Rückzug viele Kasematten und andere
Einrichtungen. Etliche dieser Bauwerke blieben daher bis heute
Ruinen.
Als nach dem
Krieg 1950 Frankreich der NATO beitrat, gewann die Maginotlinie
aufgrund des Kalten Krieges mit dem Ostblock wieder an
Bedeutung. Von 1950 bis 1955 wurde die Verteidigungslinie mit
einem gewaltigen Aufwand an vielen Stellen wieder aufgebaut und
renoviert. Die dazu nötigen finanziellen Mittel stammten aus
deutschen Reparationszahlungen, sowie vermutlich aus Amerika.
Ganze Bunker und
viele Kilometer der Hohlgangsysteme wurden neu betoniert,
Generatoranlagen, Fahrstühle und viele andere Einrichtungen
repariert. Man demontierte sogar die Mehrzahl der bis zu 256 t
schweren Panzerdrehtürme und brachte sie zur Instandsetzung zu
den Herstellerfirmen. Danach wurden sie wieder in den
entsprechenden Kampfwerken installiert. Alle großen Werke,
etliche Kasematten, Beobachtungsbunker etc. waren danach wieder
vollständig kampfbereit.
Bis 1967 / 68, in
manchen Abschnitten sogar bis 1972, wurden die Festungswerke von
Pioniereinheiten und Zivilpersonal betrieben und für den
möglichen Ernstfall unterhalten. Den Großteil der Maginot-Werke
wurde vom französischen Militär aber im Zeitraum von 1968 bis
1970 aufgegeben, da die Maginotlinie aus konstruktiven Gründen
keinem Nuklearangriff standhalten konnte.
Kleinere Werke,
Kasematten und Bunker wurden vom Militär z.B. den ehemaligen
Besitzern der Geländeabschnitte zum Kauf angeboten. Die großen
Artilleriewerke verblieben aber im Besitz der Armee. Es begann
in vielen Werken eine Phase der Verwüstung. Große Teile der
Einrichtungen wurden geplündert, es wurde randaliert und damit
vieles unwiederbringlich zerstört.
In den 70iger
Jahren gründeten sich etliche Vereine, die es sich zum Ziel
gesetzt hatten, Festungswerke, wie z.B. Fermont, Schoenenbourg,
Hackenberg, Four à Chaux, Michelsberg, Galgenberg etc. museal
aufzuarbeiten und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich
zu machen.
Als
Komplettsystem konnte die Maginotlinie natürlich nicht erhalten
werden. Der Besuch der von den Vereinen betriebenen und mühevoll
restaurierten Festungswerke lohnt sich für
Geschichtsinteressierte aber in jedem Falle, da man sich hier
ein hervorragendes Gesamtbild von der Komplexität der früheren
Maginotlinie machen kann.
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