Wer auf Hiddensee sein Telefon anlässt ist selber schuld, denn
bei dem, was die 1100 Bewohner des kleinen Eilandes bei Rügen
täglich erleben, ist für Hektik kein Platz. Für jeden, der sich aus dem Alltagsstress ausklinken möchte, ist Hiddensee
ein idealer Fluchtort. Eine Brücke nach Rügen gibt es nicht und die Fährschiffe
nehmen keine Autos mit. Die Hauptstraße in Kloster, dem nördlichsten der drei
Inseldörfer ist ungeteert. Unter den Baumkronen, die ein Dach über
der Huckelpiste bilden, fahren allein Radfahrer und Pferdekutschen, die in
gemächlichem Tempo an den reetgedeckten Häusern vorbeiziehen.
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Robinson-Crusoe-Erlebnisse bietet Hiddensee aber nicht - zumindest nicht im
Sommer. 4000 Gästebetten stehen auf der fast 17 Kilometer langen und maximal
drei Kilometer breiten Insel zur Verfügung. In Scharen kommen im Sommer die
Touristen, die einen Tag lang erkunden wollen, warum Hiddensee die Trauminsel an
der deutschen Ostseeküste ist. In Spitzenzeiten sind es fast
3000 Besucher täglich. Obwohl damit sieben Mal mehr Touristen als Einwohner auf der
Insel sind, wird es jedoch nicht hektisch.
Die Insel ist
seit 1995 offiziell als Seebad anerkannt. Apropos Seebad. Das "söte
Länneken" lockt mit schönen Sandstränden, an denen zu jeder
Jahreszeit auch "Schatzsucher" unterwegs sind. Der berühmte
Hiddenseer Goldschatz, welcher nach Sturmfluten 1872 und 1874 am
südlichen Ende der Insel entdeckt wurde, ist zwar schon gehoben,
doch das "Gold des Meeres", wie der Bernstein auch genannt wird,
lockt nach wie vor. An der Hiddenseer Küste ist er dabei weitaus
öfter zu finden, als an Rügener Stränden. Besonders nach den
Sturmfluten im Frühjahr und im Herbst sind die Chancen groß.
Allerdings sollte man sich wetterfest anziehen.
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Der eigentliche
Schatz der Insel aber ist ihre Natur. Die Sandfinger sowie der
Nehrungshaken Gellen zählen als Neulandbildungen zu den wenigen
weitgehend naturbelassenen Regionen Deutschlands und Europas.
Seit 1990 gehört Hiddensee auf Grund seiner ursprünglichen Natur
zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Grundlage für
die heutige Form der Insel ist ihre komplizierte geologische
Struktur. Weil die Steilküste relativ weich ist, wird sie von
der See und vom Regen beständig angenagt, das herabstürzende
Material wird hingegen von den Wellen transportiert und am
anderen Ende der Insel als Sandhaken angelagert. So wächst die
Insel zum Beispiel am Neuen Bessin in manchen Jahren um bis zu
40 Meter in die See hinein. Im Gegenzug verliert die Kliffkante
des Dornbusches durchschnittlich 30 Zentimeter.
Wer länger auf Hiddensee bleibt, zieht tagsüber zumeist an den Sandstrand im
Westen und überlässt die anderen Attraktionen den Gästen, die nur ein paar
Stunden Zeit haben. Die meisten von ihnen wollen vor allem nach Kloster. Der 72
Meter hohe Dornbusch-Hügel dort bietet einen prima Blick über die Insel und bis
nach Stralsund. Zudem ist Kloster der Ort, der am stärksten mit Gerhard Hauptmann verknüpft
ist: Der Literaturnobelpreisträger kam 1926 bis 1943 jeden Sommer auf die Insel.
Sein "Haus Seedorn" ist heute ein Museum und noch immer sieht hier alles so aus,
wie es Hauptmann im Zweiten Weltkrieg verlassen hat. Die Ausstellung informiert
über das Leben Hauptmanns, seinen Werken und Inszenierungen seiner
Theaterstücke. Unterhalb der Räume des Hauses ist es den Gästen möglich den
Weinkeller zu besichtigen und die Weine von Gerhart Hauptmann zu verkosten, die
er bevorzugte.
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Bestattet wurde Gerhard Hauptmann 1946 auf dem
Inselfriedhof an der Kirche in Kloster. Die Kirche ist das einzige, was von der großen Zisterzienserabtei übrig ist,
die dem Ort Kloster einst ihren Namen gab und die nach der Reformation verfiel.
Und auch sonst hat sich Hiddensee stark verändert: Der Wald, der die Insel einst
überzog, wurde im Dreißigjährigen Krieg abgeholzt. Die Mitte und der Süden rund
um die Orte Vitte und Neuendorf präsentieren sich heute vor allem als flaches
Heide- und Weideland. Teilweise wieder aufgeforstet wurde im 19. Jahrhundert -
aus Küstenschutzgründen - nur der Dornbusch, an dessen nach Norden gerichteter
Steilküste kräftig die Ostsee nagt.
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Der Dornbusch ist eine Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit vor 12 000
Jahren, als die Gletscher hier Sand, Geröll, Ton und Mergel aus Skandinavien
zusammenschoben. Vom "Dornbusch", der höchsten Erhebung der Insel streift der
Blick über Land und Meer. Bei guter Sicht sind von hier aus im Nordosten die
flache "Ebene" von Wittow mit den Leuchttürmen Arkonas, der Rugardturm in der
Mitte Rügens, im Süden das stolze Stralsund mit seinen vielen Türmen und
nordwestlich die weißen Klippen der Insel Moen zu erkennen.
Das Ziel der Besucher, die den Hügel "erklimmen", ist meist der
bald 115 Jahre alte Leuchtturm ganz im Norden, der als Wahrzeichen Hiddensees
gilt. Nach 16.00 Uhr verlassen die Tagesbesucher Hiddensee dann wieder - von
Kloster aus braucht die Fähre zurück nach Schaprode 75 Minuten, von Vitte aus
sind es 45, von Neuendorf aus 30 Minuten. Wem das zu lange dauert, kann sich
auch ein Wassertaxi kommen lassen, das Rügen in 10 bis 20 Minuten erreicht. Wer
keine Telefonkarte besitzt, müsste dazu aber wieder sein Handy einschalten. Und
die Hektik des Alltags hätte einen dann doch schon auf der Insel ein wenig
wieder gepackt.
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Viele bekannte und weniger
bekannte Gäste dieses, der Küste Rügens vorgelagerten Eilandes, haben versucht
die Schönheit und Atmosphäre Hiddensees zu beschreiben. Zu den vielen
Prominenten, die ab 1900 die Insel besuchten, gehören unter anderem Bertholt
Brecht, Thomas Mann, Asta Nielsen, Siegmund Freud, Käthe Kruse, Henny Porten und
Albert Einstein. Sie und viele andere machten Hiddensee zur "Insel der Künstler,
Denker und Intellektuellen".
Weitere Informationen:
Kurverwaltung Hiddensee
Norderende 162
18565 Vitte
Tel.: 038300/642 26
Fax: 038300/642 25
Insel.Information@t-online.de
www.hiddensee.de.
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