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BALTRUM


    Das Dornröschen der Nordsee

 

Gott schuf das Meer, der Friese die Küste.“ Dieser im nordwestlichsten Eck der Bundesrepublik oft bemühte Ausspruch trifft vielleicht auf das Festland, mit Sicherheit aber nicht auf die ostfriesischen Inseln zu. Dort schufen Meer und Wind im Verbund mit Sand und Pflanzenwelt die Inseln, die die Elemente seit Jahrhunderten nach Belieben ostwärts verschieben oder untergehen lassen. Dies gilt für Borkum, Juist, Norderney, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge genauso wie für Baltrum, die kleinste der Ostfrieseninseln, die wie eine Perlenkette zwischen Wattenmeer und Nordsee aneinandergereiht sind.

Nur gut 500 Einwohner zählt Baltrum, im Volksmund auch „bald rum“ genannt, wegen der gerade einmal 6,5 Quadratkilometer, die man in knapp drei Stunden umrundet. Keine Autos, kaum Fahrräder (die streng genommen nur für die Baltrumer vorgesehen sind, es gibt nämlich keinen Radverleih), aber dafür Pferdekutschen und viel Natur. Überall auf der Insel anzutreffen: Wildkaninchen und Fasane, und am Strand dösen zutrauliche Seehunde. Unaufhörlich brandet die Nordsee an die Westküste Baltrums. Doch kleine Dämme aus Holzpfählen, Basalt- und Sandsteinen greifen sternförmig ins Meer und schwächen die Kraft der Brandung. Gebe es diese Buhnen und das dahinter aufragende Bollwerk aus Deich und Betonmauer an der Westküste nicht, die Ostfrieseninsel wäre längst nicht mehr dort, wo sie heute ist.

Am "Erwachenden Dornröschen der Nordsee", wie es seit den zwanziger Jahren genannt wird, nagten bis 1873 Westwinde und die parallel zur Küste verlaufende Tideströmung stetig an der Insel, erst dann stoppte der Bau erster Buhnen den Landverlust. Der Grundstein für die Errichtung des Seebades Baltrum im Jahre 1876 war gelegt. 90 Jahre später erhielt Baltrum das Prädikat „Nordseeheilbad“ – und spätestens seit diesem Zeitpunkt ist der Tourismus Haupteinnahmequelle der Baltrumer. Heute kommen jährlich rund 70 000 Urlauber mit dem Schiff.

Die Fähre braucht bei gemütlicher Fahrt rund eine halbe Stunde vom Fährhafen Nessmersiel nach Baltrum. Bereits beim Einlaufen in den kleinen Hafen ist das „Nordseehaus Baltrum“ zu sehen. Das von der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordsee getragene Nationalparkinformationszentrum ist nicht nur geographisch das „erste Haus am Platz“: Hier gibt es nicht nur Informationen über die Ökologie von Wattenmeer, Salzwiesen und Dünen, sondern auch die besten Wander- und Einkehrtipps für Baltrum. Freilich ist die Auswahl an Vergnügungen, so wie die Insel selbst, nicht besonders groß. Baltrum bietet die Möglichkeit für einen sehr geruhsamen Familienurlaub.
Familien mit kleinen Kindern sind hier Stammgäste. Sie kommen vor allem wegen des Strandes. Der ist tatsächlich ein Eldorado für Sandburgenbauer, Muschelsammler und Strandwanderer. Schier unendlich dehnt sich Baltrums Sandstrand vom Nordwesten der Insel bis an seine südöstliche Spitze aus. Die Alternative zu Strand und Dünen ist ein Spaziergang durch Baltrums Straßen und Gassen.

Auf Baltrum gibt keine Straßennamen, sondern nur Hausnummern. Verwirrend ist dabei, dass sich die Verteilung nicht nach der Lage der Häuser richtet, sondern nach dem Jahr der Erbauung. Je kleiner die Zahl, desto älter ist das Haus. Der einzige Postbote kommt damit aber gut zurecht. Und noch etwas ist wirklich ziemlich klein auf der kleinsten ostfriesischen Insel: das evangelische Gotteshaus. Es ist vermutlich eines der kleinsten in Deutschland. 1826 gebaut, bietet es Platz für 70 Gläubige. Die damals arme Kirchengemeinde verzichtete dabei auf einen Turm und hing die Inselglocke einfach daneben an ein Holzgerüst.

Eine Wattwanderung sollte man unbedingt mitmachen. Ausgebildete Wattwanderer bieten sie regelmäßig an. Alleine sollte man auf keinen Fall losgehen. Es besteht Lebensgefahr, denn auch bei schönstem Wetter kann plötzlich aufkommender Seenebel jede Orientierung nehmen.

Bei der Beurteilung der Insel scheiden sich die Meinungen der Gäste. Entweder sie finden die Inseln spontan unendlich langweilig und verbinden damit - nie wieder Baltrum - oder die Insel wird als Oase der Ruhe und somit DIE Insel selbst.


Weitere Informationen:

Kurverwaltung Nordseeheilbad
Insel Baltrum
Tel. (04939) 80-0
gemeinde@baltrum.de
www.baltrum.de

 

 

 

 

 

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