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ZUGSPITZE


    Gipfel der Kontraste

 

Es gibt Berge, die sind einfach Mythos und Kult zugleich. Das Matterhorn in der Schweiz ist so ein Berg oder der Großglockner in Österreich. Deutschlands Kultberg ist eindeutig die Zuspitze.

Wie ein Fels in der Brandung steht dazwischen das altehrwürdige Münchner Haus des Deutschen Alpenvereins, das 1998 sein 100-jähriges Jubiläum feierte. Die unberührte, heile Bergwelt findet man hier oben also nicht, aber man sieht sie noch und genießt trotz der Bauten das Panorama und die Faszination der Berge. Bis zu 200 Kilometer reicht der Blick, im Westen sieht man bei guter Sicht sogar bis zur Bernina-Gruppe mit dem Viertausender Piz Bernina und im Osten bis zum Großglockner. 

Nur 39 Meter fehlen der Zugspitze zu einem echten Dreitausender, doch der Beliebtheit tut dies keinen Abbruch. Der höchste Gipfel Deutschlands übt eine magische Anziehungskraft aus: Wanderer, Bergsteiger, Skifahrer und Ausflügler zieht es auf diesen mit Seilbahnen sowohl von Deutschland als auch von Österreich aus erschlossenen Berg.

Zuerst waren es Abenteurer, die vor knapp 200 Jahren unter Einsatz ihres Lebens Die Zugspitze bestiegen. Doch mutige Arbeiter und Technischer Fortschritt ermöglichten es, dass Heute jeder gefahrlos den Gipfel erobern kann. Dieser Tunnel ist für die Ewigkeit gebaut«, sagt der Diplom-Ingenieur Martin Hurm. Ein kühner Satz. Doch immerhin hält der Tunnel inzwischen schon über 70 Jahre, denn am 8. Juli 1930 ratterte die erste Lok der Bayerischen Zugspitzbahn durch den engen Stollen hinauf auf das Zugspitzplatt in 2650 Meter Höhe. Vor der Station Eibsee hatte man anlässlich der Eröffnungsfahrt sogar einen Altar errichtet. Der Münchner Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber weihte die Bahn ein und hielt eine Predigt unter dem Motto: »Ascendi te« – steige empor!

Der Name »Zugspitze« bedeutet wohl »Berg, der sich über den Schotterzügen erhebt«. Er taucht erstmals 1590 in einer Grenzbeschreibung auf. Sie legte fest, dass die Grenze zwischen der Grafschaft Werdenfels und Österreich »von dem Zugspiz und über dem Derle in Derlers Kopf, folgendet grad durch in die Loisachwasserbrüg« verlaufe. Noch im »Reise-Atlas von Baiern« von 1796 sucht man vergebens einen Berg namens Zugspitz. Über die »Grafschaft Werdenfels, zu Freising gehörig« heißt es dort nur: »Sie ist fünf Quadratmeilen groß und ganz gebirgicht. Die Einwohner leben von der Viehzucht und vom Holzhandel.« Das Werdenfelser Land war eine arme Region. Kein Mensch dachte damals an Fremdenverkehr, und niemand hielt es für möglich, in die hohen Berge ringsum vorzudringen. Die Einheimischen mieden den Zugspitz. Sie glaubten an einen bösen »Zuggeist« ...

Heute wandert man auf einer breiten Terrasse über den eingeebneten Westgipfel, von der österreichischen zur bayerischen Aussichtsplattform. Lediglich der Ostgipfel mit seinem vier Meter hohen Gipfelkreuz ist noch erhalten. Dessen Besteigung stellt für viele Zugspitzgäste eine echte Herausforderung dar, da eine kurze gesicherte Felsstufe zu überwinden ist und dies schon zu manch kritischer Situation geführt hat.

Neben den Seilbahnstationen wird der knappe Platz auch von einer Wetterstation, dem Max-Planck- und Fraunhofer-Institut, der Bundespost und den Restaurants genutzt. Seit 1995 gibt es sogar eine 450 Quadratmeter große Kunsthalle, in der zweimal jährlich Arbeiten von zeitgenössischen bedeutenden Künstlern präsentiert werden.

Wer unberührte Natur sucht, ist hier sicher fehl am Platze. Doch ein Erlebnis ist die Zugspitze trotz des Rummels ohne Zweifel. Bergsteiger genießen es in einer Besteigung zu Fuß, entweder durch das lange Reintal und das Zugspitzplatt oder durch das Höllental und den Höllentalferner. Anderen reicht die Seilbahnfahrt, um mit Stolz und Zufriedenheit das grandiose Panorama zu bewundern.

Doch immer noch kann man nur wenige Schritte neben dem Massenbetrieb Ruhe und Bergeinsamkeit finden. Über die schwere und 1000 Meter hohe Wetterkante klettern nur ganz selten Bergsteiger herauf. Im Reintal, durch das der Weg der Erstbesteigung führt, glaubt man, die Zeit wäre stehen geblieben. Eine ursprüngliche Bergwildnis umgibt hier den Wanderer und auf der Hütte weckt der Wirt seine Gäste morgens mit Hackbrettmusik. Manche fahren sogar auf den Gipfel, um von dort aus in die Stille zu gehen. Der sechs Kilometer lange Jubiläumsgrat bietet den erfahrenen Bergsteigern im Winter ein anspruchsvolle und erlebnisreiche Tour. Deutschlands höchster Berg ist und bleibt der Gipfel der Kontraste.

 

 

 

 

 

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