Wie der
Grossglockner über Heiligenblut, das Matterhorn über Zermatt,
der Mont Blanc über Chamonix thront er als Wahrzeichen über das
Berchtesgadener Land: Der Watzmann.
Ludwig Ganghofer
beschrieb in seinem Roman “Die Martinsklause” die sagenhafte
Entstehung des Watzmann, Wolfgang Ambros besang ihn als
Schicksalsberg und bei einer Schifffahrt über den Königssee erlebt
man das wohl berühmteste Echo der Welt.
Berühmt gemacht haben den Watzmann nicht nur seine Gestalt und
Form, sondern auch die sich um ihn rankenden Sagen.
Der
Berg als Legende. Sagenumwoben, und doch steht er felsgeworden
vor einem: Der Watzmann - Schicksalsberg Watzmann - Mythos Berg.
Die Faszination der Berge wird selten deutlicher. Ehrfurcht
gebietend, anziehend und doch abweisend zugleich. Gemalt und
besungen, aber auch beweint und verflucht. Denn die schroffe
Ostwand hoch überm Königssee, Herausforderung für Alpinisten aus
aller Welt, forderte ihre Opfer.
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Mit 2713 m ist er
zwar "nur" der zweithöchste deutsche Alpengipfel, jedoch durch
seine vollständige Einbettung in den Nationalpark Berchtesgaden
- frei von jeglichem Seilbahntourismus - mit Sicherheit der
schönste im Land. Sein unverwechselbares Aussehen und seine
imposante Erscheinung haben ihn zum Wahrzeichen des
Berchtesgadener Landes gemacht. Der Berg wartet mit einer
Superlative auf: Mit 1.800 Metern Höhenunterschied zwischen Wandfuss und Gipfel ist seine Ostwand die höchste Felswand der
Ostalpen. Sie besteht im Wesentlichen aus einer Abfolge von
Dolomit, tonigen Sandsteinen der Raibler Schichten und
Dachsteinkalk. Es gibt aber auch noch eine andere Meinung: Der
Watzmann ist das Oberhaupt einer "verkalkten" Familie.
Im Grunde
genommen ist der Watzmann kein einzelner Berg, sondern eher eine
Gebirgsgruppe. Zu der so genannten "Watzmannfamilie" gehören der
kleine Watzmann, auch Watzmannfrau genannt, die Watzmannkinder,
die Südspitze, das Hocheck und schließlich die zweithöchste
Erhebung Deutschlands, die Mittelspitze des Watzmann. Wer steckt
nun hinter dieser Familie?
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Der Mythos rund um den Watzmann
Es herrschte
einmal vor alter Zeit im Berchtesgadener Lande ein König
namens Watzmann. Derselbe liebte weder Menschen noch Tiere
und süße Lust war es seinem grausamen Herzen, die Menschen
zu quälen und die Tiere zu martern. Darum war auch die wilde
Jagd seine höchste Freude, wo ihn Rüdengeheul und
Hörnerschall umgab, dass die Wälder davon widertönten. Doch
nicht allein er, auch Weib und Kind fanden hohe Lust an der
wilden Hetzjagd, wenn die dampfenden Rosse unter ihnen
zusammenstürzten und das totgehetzte Wild von den Hunden
zerfleischt wurde.

So ging es Tag und Nacht. Lange Zeit trieb er es so; aber
Gottes strenges Strafgericht ereilte den Gottlosen. "Hallo,
hinaus zur wilden Jagd!" tönte es einst wieder durch den
Schlosshof; die Hörner schallten, die Rüden heulten und bald
ging es mit den Weib und Kindern wieder dahin in wildem Zug.
Im Dämmerlicht sieht der König ein Mütterlein, die Enkelin
auf dem Schoss und lenkt sein Pferd vor die Hütte hin, dass
Reiter und Ross sie zerstampft. Und wie der Bauersmann und
sein Weib trostlos aus der Hütte treten, um die sterbende
Mutter im Hause zu betten, da hetzt der König die
schnaubenden Rüden auf sie, dass auch sie unter den Zähnen
der Bestien verschieden. Lachenden Blicks sieht der König zu
und mit ihm die Gattin und Kinder, wie sterbend im Blute
Menschen sich winden.
Da erhebt das Mütterlein mit gebrochenem Blick empor die
zerfleischte Rechte und flucht fürchterlich im Sterben dem
König und der Königin mit ihren sieben Kindern, dass sie die
Strafe der Gottheit erreiche und in Felsen verwandle. Da
erbebte plötzlich die Erde, ein Sturmwind tobte durch das
Tal und aus der Erde schoss schweflig gelbes Feuer. Als
wieder Ruhe einkehrte, waren zwei große und sieben kleinere
Felsen entstanden. Die Watzmannfamilie wurde so zur ewigen
Wacht über das Berchtesgadener Land verurteilt. |
Während die einen
Jahr für Jahr den Königssee besuchen und St. Bartholomä
regelrecht überrennen, folgen die anderen dem Ruf des Berges.
Die Besteigung des Watzmann ist sicherlich keine alpine
Höchstleistung, eher eine konditionell anspruchsvolle Bergtour,
die spätestens am 1928 m hoch gelegenen Watzmannhaus den
Wandersmann vom Bergsteiger trennt - ohne damit eine Wertung
vornehmen zu wollen. Wer den Watzmann besteigen möchte, dem wird
nicht - wie an vielen anderen Alpenriesen - eine Seilbahn
geboten. Vom Tal aus geht es reichlich 2000 Höhenmeter aufwärts - zu
Fuß!
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Bis zum Jahre
1799 war auf dem Hocheck, dem kleineren Vorgipfel des Watzmann,
Endstation für Pilger. Ob es 1799 oder 1800 war, als der aus
Slowenien stammende Geistliche Valentin Stanic als erster Mensch
den Grat vom Hocheck auf die 2713 m hohe Mittelspitze meisterte,
ist unklar. Klar allerdings ist, dass die luftige Kletterei mit
der Ausrüstung eines Valentin Stanic jedem Bergfreund
Hochachtung abringt. Wer heute den Grat, welcher in ca. 45 min.
geklettert werden kann, gehen möchte sollte über eine gewisse
Erfahrung im Hochgebirge verfügen, trittsicher und schwindelfrei
sein. Der Blick von der Mittelspitze des Watzmannmassivs reicht
bei klarer Sicht bis zum höchsten Gipfel Österreichs, dem
Großglockner. Für jeden Bergsteiger ist die Besteigung des
Watzmann ein Muss. Und während die einen die Befriedigung ihrer
Bedürfnisse auf der sommerlichen Mittelspitze gefunden haben, so
locken die Unersättlichen die Abenteuer, welche dieser herrliche
Berg bietet.
Die
Erstersteigung der Watzmann-Ostwand 1881 sowie die erste
Winterbesteigung der Mittelspitze 1884 gehen auf die
Berchtesgadener Bergpioniere Johann Grill, genannt Kederbacher,
und Ludwig Purtscheller zurück.
Wandertouren
Sämtliche Ziele
am Watzmann sind zumindest anspruchsvolle Wanderungen. Zu ihnen
zählt die Besteigung des Hocheck, 2.651 m, dem niedrigsten der
drei Gipfel des Watzmann, den man in 2 Stunden auf bezeichnetem,
aber anspruchsvollem Weg erreicht. Es ist unbedingt
Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig! Eine weitere
faszinierende Wanderung, wenn auch ohne Gipfel, ist der
Rinnkendlsteig. Von der Kührointhütte führt der Weg fast eben
zur Archenkanzel, 1.342 m, die einen atemberaubenden Blick auf
den 700 Meter tiefer liegenden, fjordartigen Königssee bietet.
Dann führt ein anspruchvoller Steig, der unbedingte
Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordert, steil hinab zur
Wallfahrtskirche St. Bartholomä. Mit dem Boot geht´s dann wieder
zurück nach Königssee.
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