Eine alte Sage
berichtet: "Einst pflügte der Teufel die Spree. Er pflügte mit
zwei schwarzen Ochsen und lautem Gebrüll. Das ging schwer, die
Ochsen kamen nicht so richtig vom Fleck. Da nahm der Teufel
seine Mütze und warf sie vor Wut nach den Ochsen. Die sprangen
vor Schreck kreuz und quer - darum ist die Spree heute so krumm
und stark verzweigt." Rein geologisch betrachtet, waren es die
Turbulenzen der Eiszeit, die der Spree zwischen Berlin und
Cottbus ein derart dichtes Netz an Nebenarmen beschert haben.
Der Spreewald liegt im Land
Brandenburg und ist eine uralte Natur- und Kulturlandschaft in der Niederlausitz
(sorb.: luza; der Sumpf): 75 km lang und 16 km breit mit 970 km Fließgewässern,
die die Spree in das Baruther Urstromtal gegraben hat. Es handelt sich dabei um
eine der faszinierendsten Niederungslandschaften Mitteleuropas, die von
deutschen und sorbischen Kultureinflüssen geprägt wurde. Lange Zeit konnten die
verstreut liegenden Gehöfte nur mit dem Kahn erreicht werden und auch heute noch
ist dies das gebräuchlichste Verkehrsmittel, wenn auch zunehmend mehr für die
Touristen, die auf den schier endlosen Wasserwegen Ruhe und Entspannung suchen.
Sie staken den Kahn voller
Touristen, liegen stundenlang bäuchlings auf dem "Gurkenflieger" und stehen in
ihrer beeindruckenden Tracht jahrelang unbeweglich in mancher Wohnzimmervitrine
– unverwüstlich, diese Spreewälderinnen! Dass sie meist dicht am Wasser gebaut
haben, hängt mit der landschaftlichen Gegebenheit ihrer Heimat zusammen und
nicht etwa mit einem weinerlichen Wesen. Wer seinen Lebensmittelpunkt inmitten
des Wasserwegenetzes gewählt hat, muss hart im Nehmen sein, stehen doch die
Straßen in dieser Region ständig unter Wasser. Aber gerade deshalb kommen sie
ja, die vielen Touristen.
Das Kahnfahren
ist ein Freizeitvergnügen der besonders erholsamen Art und ein
Muss für jeden Besucher. In der einmaligen Naturlandschaft des
Biosphären-reservates lassen sich dabei Ruhe und Entspannung
finden. Hier erleben Sie den besonderen Reiz dieser Landschaft,
von der schon Theodor Fontane schwärmte:
Und
dass dem Netze dieser Spreekanäle nichts vom Zauber von
Venedig fehle, durchfurcht das endlos wirre Flussrevier in
seinem Boot der Spreewald-Gondolier.
Fälschlicherweise
hat Fontane damals den Spreewaldkahn als Boot bezeichnet. Um
Ihnen solche Fehler zu ersparen, einige "Fachbegriffe" im
Spreewald. Die Wasserstraßen heißen im Spreewald Fliesse,
davon sind fast 1000 km befahrbar. Wie die Bezeichnung
Kahnfahren verrät, sitzen die Leute in einem Kahn. Auf
diesem kiellosen, zumeist aus Holz bestehenden Gefährt sind
Holzbänke quer zur Fahrtrichtung angeordnet, oft sind die Kähne
auch mit kleinen Tischen ausgestattet. Somit können sich die
Gäste auch an Tischen gegenübersitzen.
Der Kahn wird
mittels Rudel, einer langen Holzstange, in Bewegung
gesetzt. Das Fortbewegen wird staken genannt. Der
freundliche Mann - manchmal ist es auch eine freundliche Frau -
am Heck des Kahnes, werden Kahnfährmann oder
Kahnfährfrau genannt. Von Ihnen erfahren Sie viel über den
Spreewald und seine Bewohner. Die Fährmänner kennen jeden Winkel
des Spreewaldes und können auch so manche Geschichte erzählen,
wie die von den "Schwiegermütterkästen" und andere
Gruselmärchen, aber Vorsicht: Seemannsgarn wird auch hier
gesponnen!
Brücken für
Fußgänger oder Radfahrer über die Fließe werden auf Grund ihrer
erhöhten Bauweise auch als Bänke bezeichnet. Diese wurden
so hoch errichtet, damit die Spreewaldbauern ihre Ernte,
insbesondere die Heuladungen, unversehrt nach Hause bringen
konnten. Zur Wasserregulierung im Spreewald sind zahlreiche
Staustufen, Schleusen und Wehre genannt, errichtet
worden. Schleusen können Sie mit dem Kahn passieren, Wehre
lieber nicht.
Stundenlang kann man mit dem Kahn
oder dem Paddelboot durch den 48 000 ha großen Spreewald fahren, meist ohne
auch nur einen Menschen zu treffen! Doch wenn man ohne Führung unterwegs ist
sollte man unbedingt eine aktuelle Wasserwanderkarte mitnehmen - man kann
niemanden nach dem Weg fragen, denn schließlich liegen fast 1000 km
Wasserwanderweg vor einem... wenn man will - und darf, denn nicht alle Fließe
sind für den Bootsverkehr zugelassen! Wichtiger Hinweis: Es gibt auch eine
Wasserschutzpolizei im Spreewald (von den Anwohner liebevoll "Entenpolizei" oder
"Wasserbullen" genannt!)
Die Unesco hat die einzigartige
Auenlandschaft 1991 auf die Liste der Biosphärenreservate gesetzt. See-und
Fischadler sind im Spreewald ebenso zu Hause wie Kraniche, Weißstörche und
Dutzende Libellenarten. Noch berühmter als für seine Landschaft ist der
Spreewald für seine Gurken, und auch ihnen ist in Lehde ein eigenes, in
Deutschland einmaliges Museum gewidmet. Die Gurke wurde im sechsten Jahrhundert
mit der slawischen Besiedlung in der Region eingeführt. Seit dem 18. Jahrhundert
florierte der Anbau so, dass man Gurken ausführen konnte. Inzwischen findet man
sie in jedem Supermarkt, und auch die Spreewälder Fährleute machen mit ihren
Kähnen alle paar Meter Halt, um die Besatzung zum Kauf eines Papptellerchens "Gurkenmix"
für 1,50 Euro zu verleiten.
 |
So wie andere Regionen ihre Wein-
oder Kartoffelkönigin haben, kürt man im Spreewald die Gurkenkönigin. Sie muss
die Gurken nicht nur selbst einlegen können, sondern darüber hinaus imstande
sein, einen Kahn durch die Fließe zu bewegen - die Spreewälder Form des
Biathlons. Die Proklamation der Gurkenkönigin im Juli in Lehde gehört zu den
festlichen Höhepunkten der Region. Aber auch der Herbst bietet sich als
Reisezeit an. In der sommerlichen Hauptsaison braucht man Glück, um ohne
Vorausbuchung eine Unterkunft oder ein Kanu zu bekommen. Nach dem Ende der
Ferien wird es ruhiger, und wer sich gar im Winter zu einer Kahnfahrt
entscheidet, hat die Fließe fast für sich allein.
Ruhe bietet vor allem der
Unterspreewald rund um den Ort Lübbenau. Er liegt etwas abseits der bekannten
Spreewaldziele. Mitten im Unterspreewald liegt auch das kleine Dorf Schlepzig
mit seinem großen, historischen Landgasthof und dem Bauernmuseum.
Zehn Kilometer vom Spreewald
entfernt steht auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflughafen die größte
freitragende Halle der Welt. In der 360 Meter langen Werft sollten ursprünglich
riesige Luftschiffe gebaut werden, die den Transport schwerer Lasten in der
Zukunft hätten revolutionieren können. Die CargoLifter World GmbH meldete
allerdings im Herbst 2002 Insolvenz an. Seit Winter 2004 ist eine tropische
Wellnessanlage untergebracht. Die Dimensionen sind gigantisch. Hier passt
problemlos auch der Pariser Eifelturm hinein. Oder auch 15 Jumbo Jets könnten
hier stehen oder 8.400 Transporter.
Wirklich "erfahren" kann man die Schönheiten des Spreewalds entlang des
"Gurkenradweges". Er ist 250 Kilometer lang und hat seinen Namen von dem
berühmten Spreewälder Gewächs. Der Weg führt mitten durch die herrliche Natur
des Biosphärenreservats - vorbei an den Kanälen, an Seen und Moorflächen des
Spreewalds. Bis in den südlichsten Zipfel, nach Cottbus, führt der gut
beschilderte Gurkenradweg. Die Tour kann an mehreren Orten begonnen werden, zum
Beispiel in Schlepzig. Die einzelnen Abschnitte sind gut für Familien geeignet.
Von 20 bis 40 Kilometer lange Strecken kann man beliebig auswählen. Die gesamte
Region ist flaches Land und unterwegs gibt es viel zu sehen.
Weitere Informationen:
Tourismusverband Spreewald e. V.
OTRaddusch, Lindenstraße 1
03226 Vetschau
Tel. 035433 - 7 22 99
Fax 035433 - 7 22 28
tourismus@spreewald.de
www.spreewald.de
|