Wenn auch nicht
märchenhaft wie der Reinhardswald, dann zumindest doch sagenhaft
präsentiert sich der Odenwald. Die Nibelungen- und
Siegfriedstraße erinnern an die Sage, wonach der grimmige Hagen
den Recken Siegfried hinterrücks mit einem Speer tötete. Gleich
drei Orte im Odenwald - Grasellenbach, Heppenheim und
Mossautal-Hiltersklingen - beanspruchen den Tatort für sich.
Doch egal, wo es auch passiert ist, nicht nur die drei
Gedenkstätten haben eine mythische Ausstrahlung.
Stille Täler, kleine Bauernhöfe, Burgen,
Schlösser und historische Städtchen: Der Odenwald verbindet die
Schönheit der Natur mit dem Reiz einer alten Kulturlandschaft.
Mächtige Gesteinsbrocken finden sich überall in den Wäldern des
vorderen Odenwaldes. Den Felsberg bei Reichenbach nutzten schon
die Römer zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert als Steinbruch. Sie
schlugen ihre Werkstücke direkt aus dem Fels. Eine über neun
Meter lange Riesensäule liegt noch mit vielen anderen Objekten
an Ort und Stelle.
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Wenn
man sich dem Odenwald von der Rheinebene nähert, steigen die
Hänge schroff und unvermittelt aus dem Tiefland empor. Dieser
westliche Steilrand des Gebirges, die sogenannte Bergstraße,
erstreckt sich von Malchen bis südlich Heidelberg. Zwei größere
Flussläufe, der Neckar bei Heidelberg und die Weschnitz bei
Weinheim, durchbrechen die Bergkette und strömen dem Rhein zu.
Nach Osten schließt an die Bergstraße der Vordere Odenwald an.
Ein buntes Wechselspiel bewaldeter Kuppen, kleiner Wiesentäler
und buckliger Felder charakterisiert diese liebliche Landschaft.
Weiter östlich erstreckt sich der Hintere Odenwald bis zum
Mainlauf. Seine ausgedehnten Hochflächen und langgestreckten
Bergrücken sind von schier endlosen Wäldern bedeckt. Im Norden
fällt der Odenwald zur flachen Mainebene ab. Hier weitet sich
das Gersprenztal zur großen, ackerbaulich genutzten Reinheimer
Bucht. Im Südosten und Süden, jenseits des tief eingeschnittenen
Neckartals, liegt der Kleine Odenwald. Ohne markante Abgrenzung
geht das Waldgebirge in die benachbarten Muschelkalklandschaften
von Bauland und Kraichgau über.
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Das beliebte
Feriengebiet liegt im Naturpark Bergstraße-Odenwald und bietet
Urlaubern eine Naturlandschaft voller Vielfalt. Die Bergzüge des
Odenwaldes reichen bis auf 600 Meter hinauf – Spaziergänger
kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie anspruchsvolle
Wanderfreunde. Wenige Tage, nachdem der letzte Schnee getaut
ist, beginnt hier der Frühling – immer etwas früher als im
restlichen Deutschland. Einst siedelten hier die Römer, die den
Wein heimisch machten, der inzwischen jedes Jahr mit
Winzerfesten an der Bergstraße gefeiert wird. Die „strata
montana“ und ihr mildes Klima war schon damals bekannt. Über die
waldreichen Höhenzüge zum Main verläuft der Limes, die
historische Römerstraße. Zeugnisse dieser Vergangenheit sind das
Römerbad bei Michelstadt-Würzberg und die Römische Villa
Haselburg bei Höchst-Hummetroth.
Deutsche Fachwerkstraße
Über 2.000 Kilometer lang ist die
Deutsche Fachwerkstraße. Sie verläuft durch fünf Bundesländer
von Stade an der Elbe bis Erbach im Odenwald. Eine der acht
Regionalstrecken geht in Südhessen von Trebur bis nach
Reichelsheim. Auf 400 Kilometern sind hier zwölf Fachwerkdörfer
und -städte miteinander verbunden. Auf den Spuren der Nibelungen
und Karls des Großen wandelt man durch ein Jahrtausend
mittelalterlicher Burgenarchitektur und Schlossbaukunst, reicher
Fachwerkornamentik und traditionellem Brauchtum inmitten des
herrlichen Odenwalds. Touristen werden in Landgasthöfen mit
leckeren regionalen Spezialitäten verwöhnt.
Kunst und Kunsthandwerk haben in der
Region Michelstadt und Erbach eine lange Tradition. 1892 wurde
eine weltweit einmalige Schule gegründet: die
Elfenbeinschnitzer-Schule. In der Elfenbeinstadt Erbach steht
auch das in Deutschland einzigartige Elfenbein-Museum. Deutsches
Elfenbeinmuseum, Öffnungszeiten: täglich 10.00-17.00 Uhr.
Karolingische Architektur findet man in
Michelstadt: die Steinbacher Einhards-Basilika fasziniert durch
ihre archaisch anmutende Schlichtheit und Schönheit. Michelstadt
ist das touristische Herz des Odenwaldes. Der Ort war schon im
Mittelalter eine blühende kleine Stadt. Überregional bekannt ist
Michelstadt durch das Rathaus: Es zählt zu den originellsten
Fachwerkhäusern Mitteleuropas. 1484 wurde es als Symbol
bescheidenen bürgerlichen Wohlstands errichtet. Bis heute hat
sich hier ein sehenswertes historisches Kleinstadtbild erhalten.
Unbedingt
sehenswert ist auch die im 9. Jahrhundert erbaute
Einhardsbasilika in Michelstadt-Steinbach, eines der wenigen
erhaltenen Gebäude aus der Zeit der Karolinger. Aus dieser
Epoche stammt auch die Königshalle in Lorsch, die von der UNESCO
zum Weltkulturerbe erklärt wurde.