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NORDFRIESLAND


    Im Land der Deiche

 

Im äußersten Nordwesten Deutschlands, auf Inseln und Halligen und dem Küstenstreifen zwischen den Flüssen Eider und Wiedau leben die Nordfriesen. Sie bewohnen eine einzigartige, vor allem von der Nordsee geprägte Landschaft. Das nordfriesische Festland erstreckt sich vom dänischen Tønder bis nach Husum. Manche sagen, es reiche hinauf bis Esbjerg und hinunter bis zur Elbmündung. Das ist nicht verwunderlich. Schon von Alters her lassen sich die eigensinnigen Friesen nicht gern auf einen besonderen Ort festlegen. Überall gilt es schließlich, der brandenden See unter gleichen Umständen zu begegnen.

Das dem Festland vorgelagerte Wattenmeer zählt zu den größten Wattgebieten der Erde und zeichnet sich durch seine Vielfalt mit Vorländern, amphibischen Wattflächen, Sänden, Wattströmen aus; es gehört seit 1985 zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Das Festland besteht aus der weiten bedeichten Marsch im Westen und der Geest im Osten, die auch Wälder und Reste der einstmals großen Moor und Heideflächen aufweist.

Wenn der Wind von Westen kräftig bläst, dann reisen die Ruhesuchenden nach Nordfriesland. Kenner schätzen zu jeder Jahreszeit Wanderungen unter dem hohen Himmel zur Hamburger Hallig und schwärmen vom Besuch im Noldemuseum von Seebüll. Mit Bahn und Bus kommen Sie direkt vor die Tore des Museums. Und wenn Sie in einem anderen der kleinen Nester aussteigen, können Sie endlos über die Deiche wandern und sich vom Wind den Kopf freipusten lassen.

Weit im Norden werden die Landstraßen immer schmaler und holpriger. Rodenäs, Aventoft, Horsbüll und Klixbüll sind die Namen der kleinen Nester. Grasgrünes Land breitet sich aus zwischen einsamen Dörfern und reetgedeckten Bauernhäusern, die auf den Erdhügeln der Warften hinter knorrigen Bäumen hervorragen. Von Niebüll aus rattern die Züge über Klanxbüll zum Hindenburgdamm auf die Insel Sylt, und hinter den Deichen drehen sich hunderte schlanker Windkrafträder.

Hoch wölbt sich der Himmel, tiefblau mit riesenhaft aufgetürmten weißen Wolkengebirgen - gerade so, wie Emil Nolde das Firmament über Nordfriesland in seinen Gemälden festhielt. Um ein paar Tage abzuschalten, lohnt gerade im Herbst ein längeres Wochenende in der rauen Landschaft im äußersten Nordwesten von Schleswig-Holstein. Das Noldemuseum in Seebüll zeigt in wechselnden Ausstellungen Werke des bedeutenden expressionistischen Malers.

Wer abseits der schnurgeraden Grünen Küstenstraße, der Bundesstraße 5, unterwegs ist, entdeckt bei Bredstedt im Sönke-Nissen-Koog merkwürdig klingende Bezeichnungen wie Kalkfontein, Karasland, Lüderitzbucht und Kolmanskoppel, die ansonsten noch in Namibia auftauchen. Die fremdartigen Namen erinnern an Sönke Nissen, der 1870 im nordfriesischen Klockries geboren wurde, in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika beim Diamantenschürfen zu Reichtum kam und mit seinem Geld im Jahr 1918 die Eindeichung des nach ihm benannten Sönke-Nissen-Kooges ermöglichte.

Die friesische Sprache

In großen Teilen wird auch noch heutzutage plattdeutsch gesprochen. Friesisch wird immerhin noch von etwa 10.000 Menschen im Nordwesten Schleswig-Holsteins gesprochen. Friesisch gehört zur westgermanischen Sprachenfamilie und gliedert sich in drei Zweige. Westfriesisch wird noch in der Provinz Friesland in den Niederlanden von etwa 400.000 Menschen gesprochen. Ostfriesisch wird hauptsächlich in der Gemeinde Saterland im Landkreis Cloppenburg gesprochen. Das Nordfriesische kennt zwei Dialektgruppen, das Festlands- und das Inselfriesische. Zuerst gab es das Inselfriesische, weil die Friesen aus West- und Ostfriesland in zwei Wellen eingewandert sind und zwar im siebten und achten Jahrhundert n. Chr. auf die Inseln Amrum, Föhr, Sylt und Helgoland von der Seeseite aus. Die Besiedlung des Festlandes erfolgte erst im elften Jahrhundert. Friesisch war damals die allgemein gebräuchliche Sprache und lange auf den mündlichen Gebrauch beschränkt. Erst ab ca. 1800 wurde es immer häufiger als Schriftsprache genutzt. Auf Amrum wird Öömrang, ömreng und auf Föhr Fering, ferreng gesprochen. Je nach dem ob die Aussprache Amrums oder Föhrs gebraucht wird.

Vom Sönke-Nissen-Koog führt der vier Kilometer lange Weg durchs sattgrüne Deichvorland hinaus bis auf die Hamburger Hallig. Die stundenlange Wanderung in der weiten Natur der Salzwiesen lenkt ab von Hektik und Stress und ist ein ganz besonderes Erlebnis. Stille herrscht hier draußen, nur hin und wieder begleitet das Kreischen der Möwen die Wanderer. Am Horizont sind als schwarze Punkte die wenigen Häuser der beiden kleinen Halligen Gröde und Habel zu erkennen.

Von Wind und Wetter kräftig durchgepustet, wärmen danach eine 'Tote Tante', Kakao mit Rum, Teepunsch oder ein Pharisäer genannter Kaffee mit Rum unter einer Sahnehaube in einer der alten Dorfkneipen so richtig auf. Schon über 100 Jahre besteht der traditionsreiche Gasthof 'Dat swarte Peerd' (Das schwarze Pferd) in Ockholm-Bongsiel, der in der vierten Generation von den Thamsens geführt wird. Hier kehrten schon Künstler, Kanzler und Blaublütige ein. So sind im Gästebuch des ehemaligen Fährhauses am Hauke-Haien-Koog die Namen von Helmut Schmidt und Prinz Philip, dem Gemahl der englischen Königin, zu finden.

Die Wände der rauchverhangenen Gaststube schmücken nicht nur kostbare Delfter Kacheln, sondern auch mehr als 150 Gemälde, Radierungen, Zeichnungen und Holzschnitte von Künstlern wie Alex Eckener, Leo Graf von Kalckreuth und Paul Julius Junghans. Und selbst drei Originale von Emil Nolde sind zu bestaunen. Der Überlieferung nach bezahlten die Künstler ihre Zeche in Naturalien - mit ihren Kunstwerken.

 

 

 

 

 

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