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KYFFHÄUSER


    Wo Barbarossa träumt

 

Das Kyffhäusergebirge in Nordthüringen ist mit einer Größe von etwa 7500 Hektar das kleinste Mittelgebirge Deutschlands. Durch seine natürliche Ausstattung und die historische Entwicklung zählt es zu den landschaftlich reizvollsten Gebieten im Land.

Der auf engem Raum begrenzte Wechsel vom Wald zum Steppenrasen der Gipskarstlandschaft der Südhänge weist auf ein vielgestaltiges Landschaftsgefüge hin. Besonders durch die abwechslungsreiche Geologie und das milde trockene Klima hat sich hier eine Tier- und Pflanzenwelt etabliert, die in ganz Mitteleuropa ihresgleichen sucht. Mit einer Länge von 19 km und einer Breite von lediglich 7 km ließe sich das Gebirge an einem Tag bequem durchwandern.

Die sehr guten klimatischen Bedingungen, die fruchtbaren Lehm- und Lößböden der umliegenden Niederungen und die ergiebigen Solquellen waren Gründe für die urgeschichtliche Besiedlung der Gegend. Aus dieser Zeit zeugen u.a. Funde aus den Höhlen bei Bad Frankenhausen und eine Höhensiedlung auf dem Gelände der alten Reichsburg Kyffhausen, der die Region ihren Namen verdankt.

Eine reichhaltige Vegetation (Buchen und Eichen) begrünt das Gebirge. Absickernde Oberflächenwasser laugten die tiefliegenden Stein- und Kalisalzlager aus und treten als Solquellen an die Oberfläche. Dadurch entstehen im Gips Verkarstungen, Erdfälle und Höhlen. Die bekannteste Höhle ist die bei Rottleben liegende Barbarossahöhle. Jährlich besuchen tausende Touristen ihre Grotten und Hallen. Dabei finden sie natürlich auch den Tisch und den Stuhl des sagenumwobenen Kaisers Barbarossa vor, der allerdings in den meisten Fällen gerade nicht anwesend ist.

Im 19. Jahrhundert wuchs das Nationalbewusstsein des deutschen Bürgertums. Dank der in ihm verwurzelten Sage, wurde der Kyffhäuser zum Symbol der Bestrebungen der nationalstaatlichen Einigung Deutschlands. Mit der Gründung des deutschen Kaiserreiches am 18. Januar 1871 in Versailles erfüllte sich der Traum vom einheitlichen Nationalstaat. Zum Kaiser wurde Wilhelm I. von Preußen ernannt. Man betrachtete ihn als Abbild des sagenumwobenen Kaisers Friedrich I. Barbarossa, denn ihm ist es gelungen, die jahrhundertelangen Sehnsüchte nach Einheit und Frieden zu erfüllen. Somit war es naheliegend, dass gleich nach dem Tode von Wilhelm I. im Jahre 1888 erwogen wurde, zu Ehren des "Erfüllers der Kaisersage" ein monumentales Denkmal zu errichten. Aufgrund seiner geschichtlichen Tradition konnte nur der Kyffhäuser der richtige Ort dafür sein, obwohl sich zwei weitere Orte darum beworben hatten. Von den 24 eingegangenen Entwürfen zum Bau des Kyffhäuserdenkmals entsprachen die des Architekten Bruno Schmitz am besten den Wünschen Wilhelm II..

Das Denkmal wurde auf dem Gelände der Oberburg der ehemaligen Reichsburg Kyffhausen errichtet. Unter der Leitung einer Frankenhäuser Baufirma begannen im Jahre 1890 die Bauarbeiten an den Terrassen, und am 10. Mai 1892 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Das Denkmal wurde am 18. Juni 1896 im Beisein des Kaisers Wilhelm II., dem Enkel Wilhelm I., eingeweiht. Während der sechsjährigen Bauzeit waren mehr als 400 Arbeiter verschiedener Gewerbe mit oftmals lebensgefährlichen Tätigkeiten beschäftigt. Das Baumaterial, der rotbräunliche Buntsandstein, wurde aus dem unter dem Burgberg gelegenen Steinbruch gewonnen. Insgesamt verwendete man für den Bau des Denkmals 25.000 m³ Steine!

Das Denkmal kann man am besten von der Mitte der untersten Ringterrasse aus überschauen. Aus demselben Material wie der Berg bestehend, nämlich aus groben, konglomeratischen Sandstein des Rotliegenden, scheint es mit ihm verwachsen zu sein und stimmt deshalb so vortrefflich zu der ganzen Landschaft. Das architektonische Zentrum des Denkmals ist der 81 m hohe Turm, der in seiner Grundform einer Pyramide gleicht. Den wirkungsvollen Abschluss des Turmes bildet die 6,60 m hohe stilisierte Kaiserkrone.

Die plastischen Hauptelemente des Denkmalturmes sind das Reiterstandbild Wilhelm I. mit Nebenfiguren und die Figur Barbarossas im unteren Teil des Turmes, dem sogenannten Barbarossahof. Über dem mittelalterlichen Schloss Barbarossas baut sich in Gestalt eines mächtigen Turmes das geeinte neue Deutsche Reich auf. Aus dem Turm reitet in einfacher, würdiger Haltung der Gründer dieses Reiches, Kaiser Wilhelm I., heraus. Neben dem hoch zu Roß sitzenden Kaiser Wilhelm sind zwei etwa 5 m hohe allegorischen Figuren angeordnet. Die rechte Gestalt ist ein "germanischer Krieger" und gilt als Symbol der Wehrkraft und des Krieges. Die weibliche Figur links reicht Wilhelm I. einen Lorbeerkranz und verkörpert die "Geschichte". Das monumentale Reiterstandbild ist von der Fußspitze des Pferdes bis zur Pickelhaube 9,70 m hoch. Zu seiner Herstellung wurden 8550 kg Kupfer und 8250 kg Eisen verbraucht.

Es lohnt sich, die 247 Stufen bis zur Krone hinaufzusteigen, denn von hier aus bietet sich ein wunderbarer Ausblick über die Goldene Aue bis zum Harz und über die Diamantenen Aue bis zum Thüringer Wald. Besonders von Osten her betrachtet, hinterlässt der Kyffhäuserburgberg mit seinem Denkmal und den Ruinen einen machtvollen Eindruck, da man den Zusammenhang mit dem übrigen Gebirge nicht wahrnimmt und der Meinung ist, einen einzelnstehenden, mächtigen Bergkegel vor sich zu sehen.

Der Zweifel am Tode Friedrich II., der fernab von Deutschland in Italien starb, ist die Vorstufe der Barbrossa- oder Kyffhäusersage. In der sächsischen Weltchronik von 1521 heißt es : " Zu diesen Zeiten sagte man, dass Kaiser Friedrich gestorben sei. Ein Teil des Volkes sagte, er lebe noch. Der Zweifel währte lange Zeit". Das Auftreten "falscher Friedriche" bereits in den 80iger Jahren des 13. Jh. bestärkte die Menschen in ihrem Glauben.

Die Kaisersage berichtet, dass der "wiederkehrende Kaiser" zunächst "überall" als Waller (Wanderer) oder Pilgerer umherwandere. Im 15. Jh. lokalisierte sich die Sage vornehmlich auf dem Kyffhäuser. Die Kyffhäusersage hat auch immer an einem einfachen Sagenbild festgehalten - Der Kaiser spricht mit dem gemeinen Mann, dem es glückt, ihn zu sehen, von seiner Wiederkehr auf die Erde. Hier am und um den Kyffhäuser hat sich ein reicher Sagenkranz gebildet und nur hier konnte diese deutsche Volkssage ihre wirksamste und einzigartige Verwirklichung finden. In der deutschen Romantik, Anfang des 19.Jh. richtete man seine Aufmerksamkeit verstärkt auf das Mittelalter. Die Kyffhäusersage wurde neu belebt. Ludwig Bechstein und auch die Gebrüder Grimm haben einen reichen Sagenschatz hinterlassen.

Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches 1806 und der erneuten Zersplitterung des Reiches besann man sich auf die einstige Reichsherrlichkeit unter den Staufern, besonders auf Barbarossa. 1817 entstand das bekannte Gedicht von Friedrich Rückert . " Der alte Barbarossa" - das zum Inhalt der Kyffhäusersage wurde. Das Gedicht war Pflichtstoff in der Schule und viele Menschen kamen so mit der Idee und den Gedanken der Sage in Berührung. In den Jahren bis 1871 wurden der Kyffhäuser (die Ruinen der alten Reichsburg) und ebenso die Barbarossasage zum Symbol für die Freiheitsbestrebungen der fortschrittlichen Kräfte, die für die Entstehung eines deutschen Nationalstaates eintraten. Einer ihrer Hauptgedanken war die Hoffnung, die Sehnsucht und der Wunsch nach einem geeinten Deutschen Reich. Die Barbarossasage entwickelte sich in dieser Zeit zur Nationalsage des deutschen Volkes.

Von der einstigen Reichsburg Kyffhausen ist heute nicht mehr allzuviel übrig geblieben. Ihre Ausdehnung von 600 Meter Länge und 60 Meter Breite lässt sich heute nur noch erahnen. Die Dreiteilung der Veste in Unter,- Mittel- und Oberburg ist deutlich erkennbar. In der Regierungszeit Friedrich I. Barbarossa fertiggestellt, erlebte sie fast 100 Jahre eine Blütezeit.

Nach 1250, mit dem Niedergang des Stauferreiches, wurde die Reichsburg immer mehr dem Verfall preisgegeben. In die Machtbestrebungen der territorialen Feudalgewalten einbezogen, ständiger Wechsel der Besitzer und deren Desinteresse sowie die fehlenden finanziellen Mittel verhinderten den Erhalt der Burg. Ihr Zerfall war nicht mehr aufzuhalten. Als die Burg Anfang des 15. Jh. in den Besitz der Schwarzburger wechselte, nannte man es schon "das wüste schloß Kyffhausen".
Im Laufe der Zeit wurden große Teile des Mauerwerkes von der Bevölkerung der umliegenden Ortschaften gebrochen und für eigene Bauzwecke genutzt.

Die erhaltenen Baureste zeigen aber die typischen Elemente einer hochmittelalterlichen Feudalburg. Dazu gehören Bergfriede in der Burg freistehend mit hochliegendem Eingang (Barbarossaturm der Oberburg), an den Ringmauern angelegte Wohn- und Wirtschaftsgebäude und die Ringmauer grundsätzlich aus Steinen aufgemauert mit ihren als Kammertor gestalteten Eingängen (Ober- und Unterburg).

Die Kyffhäuser-Region ist eine typische Ganzjahres-Region. Besondere Highlights bieten Frühjahr und Herbst durch die Farbspiele der Natur. Die Region liegt im Wind- und Regenschatten von Harz und Thüringer Wald. Die Durchschnittstemperaturen und die Sonnenscheindauer sind daher deutlich höher als in vergleichbaren Mittelgebirgslandschaften Mitteleuropas. "Steht Kaiser Friedrich ohne Hut, bleibt das Wetter schön und gut. Ist er mit dem Hut zu sehn, wird das Wetter nicht bestehn!" (Wetterspruch aus dem Kyffhäuser-Gebirge)

Rund um den Kyffhäuser  kann man sich problemlos ein paar Tage voller abwechslungsreicher und interessanter Erlebnisse gestalten. Sei es das Erleben der einmaligen Natur im Naturpark Kyffhäuser oder das ultimative Kunsterlebnis im Panorama Museum. Sei es das Unerwartete im Erlebnisbergwerk Sondershausen oder der Aha- Effekt beim Erleben der riesigen Modellbahnanlage in Wiehe. Die Barbarossahöhle und das Kyffhäuserdenkmal gehören ohnehin zum Standard - Erlebnispaket.

 

 

 

 

 

 

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