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KURPFALZ


    Die Kurpfalz - Brutstätte für Nobelpreisträger

 

Es gibt wohl kaum eine deutsche Landschaft,  die auf eine so bewegte Geschichte zurückblicken kann wie die Pfalz. Als Grenz- und Durchzugsgebiet hatte man immer wieder das Problem, dass es zu Kämpfen um und in der Kurpfalz links und rechts des Rheines kam. Die vielen Burgen und Stadtbefestigungen zwischen Pfälzer Wald und Odenwald sind noch heute Zeichen dieser unruhigen Vergangenheit. Das historische Gebiet ist eine Brutstätte für Nobelpreisträger und eines der "schillernsten" Theaterhäuser des Landes.

Die Kurpfalz existiert auf der politischen Landkarte bereits seit 200 Jahren nicht mehr. Die historische Region wurde im Zuge der napoleonischen Neuordnung aufgeteilt. Getrennt durch den Rhein gehören die beiden Teile heute zu Baden-Württemberg und zu Rheinland-Pfalz. Doch die Kurpfalz mit ihren Pfälzern gibt es immer noch: Sie lebt im Dialekt und im Bewusstsein für die Geschichte dieses Landes. Es ist eine offene Landschaft zwischen dem waldreichen Haardtgebirge und dem Odenwald, durchschnitten von Rhein und Neckar. In der Kurpfalz sind kulturell bedeutende Städte genauso zu finden wie Industriegebiete. So steht in Ludwigshafen der größte Chemie-Konzern Deutschlands und der bedeutendste Arbeitgeber der Kurpfalz: die BASF. Aus der Universitätsstadt Heidelberg mit ihrem weltberühmten Schloss sind mittlerweile neun Nobelpreisträger hervorgegangen.

Geschichte

Die Entstehung des Territoriums der Pfalzgrafschaft bei Rhein ist auch durch die Übernahmen verschiedener Vogteien zu erklären. Die Reichsvogtei Lorsch hatte Ende des 11./Anfang 12. Jahrhundert die Familie der Bertholde inne. Diese wurden von den Grafen von Henneberg beerbt. Deren Erbe übernahm vor 1160 der Pfalzgraf Konrad, der Ehemann der Irmingard von Henneberg. Die Wormser Hochstiftvogtei war im Besitz der Grafen von Saarbrücken. Als Sohn der Agnes von Saarbrücken wurde Konrad Erbe dieser Vogtei. Im Jahr 1156 war Konrad von Staufen von Friedrich Barbarossa, seinem Halbbruder, mit der Pfalzgrafenwürde belehnt worden. Außerdem war der Pfalzgraf auch Vogt des Zisterzienserklosters Schönau (bei Heidelberg). Zusätzlich zu den Vogteien übernahm Konrad von Staufen auch noch Familienbesitz der Salier und Staufer, der sich im Speyergau und Wormsgau befand. Durch diese Erwerbungen verlagerte sich der Schwerpunkt der Rheinischen Pfalzgrafschaft, welche ursprünglich mit der Kaiserpfalz bei Aachen verbunden war, rheinaufwärts. Somit entstand im Laufe des 12. Jahrhunderts das Territorium der Pfalzgrafen, die von diesem Zeitpunkt an einen bedeutenden Machtfaktor in der Rheinebene darstellten.

Blick über den Rhein hin zur Neckarmündung und zur Stadt Mannheim.

Konrad der Staufer war von 1156 bis 1195 Pfalzgraf. Auf ihn folgten Heinrich der Ältere und Heinrich der Jüngere, beide aus dem Geschlecht der Welfen. Mit dem Tode Heinrich des Jüngeren fiel die Pfalzgrafschaft 1213 wieder an den König zurück. Dieser übertrug die Pfalzgrafenwürde 1214 an Ludwig I. aus dem Hause Wittelsbach. Von da an blieb die Pfalzgrafschaft bis zum Jahre 1803 im Besitz der Wittelsbacher. Unter Ruprecht I. (1329 bis 1390) erlangte der Pfalzgraf die Kurwürde. Die Kurpfalz war geboren und wurde zu einem wichtigen Machtfaktor im Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen.

Der ständige Machtwechsel zu jenen Zeiten hatte auch seine Auswirkungen auf die Dörfer in der Kurpfalz. Die Burg Wersau bei Reilingen war beispielsweise im 12. und 13. Jahrhundert in der Hand eines speyerischen Ministerialengeschlechtes. Dieses verkaufte um 1280 die Burg zur einen Hälfte an den Bischof Friedrich von Speyer, zur anderen an den Pfalzgrafen Ludwig II. Der Bischof von Speyer wiederum verkaufte 1286 die Hälfte seines Anteiles an der Burg Wersau an den Pfalzgrafen Ludwig II., die andere Hälfte gab er dem Pfalzgrafen zu Lehen. Die Pfalz kam somit ganz in den Besitz von Wersau inklusive der Dörfer Hockenheim und Reilingen. Bei der pfälzischen Landesteilung fiel die Kellerei Wersau mit all ihrem Besitz an die Linie Pfalz-Mosbach der Wittelsbacher. Dieser Teil ging 1499 nach dem Tode des Pfalzgrafen Otto II. von Mosbach wieder an die Kurpfalz zurück. Die Kurpfalz stand auf dem Höhepunkt ihrer Macht.

Es gab Zeiten, da wurden Staatsbesucher regelmäßig nach Speyer geleitet. Das Mittelalter, gleichsam gebündelt im Speyrer Dom, sollte als eindrucksvolles kulturelles Erbe präsentiert werden. Mit Heidelberg selbst ist das nicht anders. Zwar stammt das Gesicht der Stadt in der Hauptsache aus der Barockzeit, aber die Anlage, die Straßenzüge, das ganze funktionale Gefüge ruht auf mittelalterlichen Fundamenten. Angesichts der Besucherströme kann man ohne Übertreibung feststellen, dass sich die "Welt" nach wie vor davon faszinieren lässt.

Auch regionales Bewusstsein ist historisch gewachsen. Die "Kurpfalz" mit ihrem Zentrum in Heidelberg ist das Produkt Jahrhunderte langer Entwicklungen. Auch wenn inzwischen längst andere politische Strukturen vorherrschen, sind Identitäten und kulturelle Bezüge älterer historischer Einheiten noch immer wirksam. Das Kloster Lorsch hat fast ein halbes Jahrtausend das Siedlungswesen und das Straßen- und Wirtschaftssystem im Lobdengau und an der Bergstraße geprägt - und noch heute ist dies zu erkennen. Ähnliches gilt für die Bischofskirche von Worms, die ihren wichtigsten Stützpunkt in Ladenburg hatte.

Mannheim ist mit 310.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs. Sie liegt im Zentrum des Rhein-Neckar-Dreiecks. Die Stadt ist eines der historischen Zentren in der langen Geschichte der Kurpfalz. So residierte in Mannheim der letzte große pfälzische Kurfürst. Zusammen mit Heidelberg bildet Mannheim heute ein großes Wirtschaftszentrum und ist geistiges Zentrum der Kurpfalz. Berühmt ist das traditionsreiche "Nationaltheater" in Mannheim. Es trägt seit der Uraufführung von Schillers "Die Räuber" im Jahr 1782 den Beinamen "Schillerbühne". Das Nationaltheater zählt zu den anerkanntesten Häusern in Deutschland. Für ganz junges und jugendliches Publikum hat das Mannheimer Nationaltheater eine eigene Theatersparte: das "Schnawwl".

Der Rosengarten in Mannheim wurde 1903 erbaut und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Bomben zerstörten den gigantischen Nibelungensaal mit seinen 3.600 Sitzplätzen. 1950 begann man mit dem Abriss seiner Überreste. Musensaal und kleiner Mozartsaal wurden 1952 wieder aufgebaut. Anlässlich der Bundesgartenschau 1975 entstand der neue Mozartsaal. Der Rosengarten gehört heute zum Verband der Historischen Kongresshäuser Europas HCCE. Er liegt eingebettet im einmaligen Jugendstilensemble des Friedrichsplatzes - in unmittelbarer Nähe des Mannheimer Wahrzeichens: des Wasserturms.

Das Planetarium in Mannheim wurde bereits 1927 eröffnet. Damit gehört es zu den ersten Planetarien der Welt. Das neue Sternentheater direkt an der Autobahneinfahrt besteht seit 1984. Es beeindruckt bereits durch sein Äußeres. Im Inneren der 20-Meter-Kuppel werden eigens produzierte Multivision-Sternenshows in Totalprojektion auf den gesamten 624 Quadratmetern der Innenfläche inszeniert. Die Vorstellungen dauern eine Stunde und erlauben allgemein verständlich einen Blick ins Weltall. Vorträge, Konzerte, Lasershows und Vorführungen speziell für Kinder runden das Programm ab.

Die italienische Ecke der Kurpfalz fängt für die Pfälzer in Speyer an italienisch zu werden. Das Stadtbild beherrscht der romanische Kaiserdom. In ihm fand das Kaisergeschlecht der Salier seine letzte Ruhestätte. Hier ereigneten sich weltbewegende Reichstage. Hier protestierten evangelische freie Reichsstädte für Glaubensfreiheit. Durch das Altpörtel - das wohl höchste und älteste Stadttor Deutschlands - zogen die Protestanten seinerzeit die Kaiserstraße zum Marktplatz hinauf. Die Altstadt ist wunderbar erhalten. Der katholische Bischofssitz und der des evangelischen Landeskirchenrats stehen sich zu Füßen des Doms gegenüber. Jedes Jahr im Sommer feiert Speyer zusammen mit vielen Besuchern die mittlerweile 2.000 jährige Stadtgeschichte mit der Kaisertafel. Historisierende Umzüge erinnern an die Zeiten, als Untertanen noch von Zuneigung und Laune der Bischöfe, Könige und Kaiser abhängig waren.

Der Pfälzer Wald liegt linksrheinisch und bildet das größte zusammenhängende Biosphärenreservat Deutschlands. Früher lieferte er das Wild für die kurfürstlichen Jagden. Heute kann die ehemalige Jagdbeute im Kurpfalzpark Wachenheim besichtigt werden. Das Wild ist zahm, wird gehegt und gepflegt. Im Kurpfalzpark kann man die Jagd mit Falken und anderen Greifvögeln in Vorführungen sehen. Unweit davon stehen und fließen die Gewässer im Naturschutzgebiet des Altrheins. An seinen Ufern gedeiht eine einmalige Vegetation.

Heidelberg ist das historische Zentrum der Kurpfalz. Die Heidelberger Universität wurde im 14. Jahrhundert von Ruprecht I. gegründet. Seither leben und forschen hier in der Universitätsstadt des Kurfürstentums Wissenschaftler aus aller Welt. Neun Nobelpreisträger kann die städtische Chronik nachweisen. Pro Jahr ziehen drei Millionen Touristen durch die Stadt, darunter viele Amerikaner und Japaner. Sie alle verbinden den Begriff Europa mit der Stadt Heidelberg. Was mit der Gründung der Universität begann, hat sich bis heute gehalten: Heidelberg wurde ein geistiges Zentrum des Mittelalters und der Neuzeit.


Weitere Informationen:

Touristikgemeinschaft Kurpfalz
Postfach 1341
68522 Ladenburg
Telefon: 06203/ 181644
Fax: 06203/ 922973
www.kurpfalz-tourist.de 

 

 

 

 

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