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KAISERSTUHL


     In der badischen Toskana

 

Der Kaiserstuhl im nördlichen Breisgau ist eingebunden in die Badische Weinstraße und erhebt sich in der Oberrheinebene zwischen dem südlichen Schwarzwald und den Vogesen. Seinen Namen hat der Kaiserstuhl vermutlich von König Otto III., der bei Sasbach 994, zwei Jahre vor seiner Krönung zum Kaiser, einen Gerichtstag abhielt. Angeblich setzte sich auch ein Kaiser des Heiligen römischen Reichs dort zur Ruhe.

Als vulkanisch entstandener Gebirgsstock bietet der Kaiserstuhl ideale klimatische und geologische Verhältnisse für Weinreben. Die Kaiserstuhlregion ist das wärmste und sonnenreichste Gebiet, nicht nur in Baden, sondern in ganz Deutschland. Hierher reicht oft noch ein Zipfel des Azorenhochs und Mitte April, wenn der letzte Schnee auf den nahen Gebirgskämmen liegt, explodieren die Knospen der Obstgärten rund um den Kaiserstuhl fast über Nacht.

Dieses besondere Klima ist der Insellage im Oberrheintal und dem Regenschatteneffekt der Vogesen zu verdanken. Die fruchtbaren Böden (Löß- und Vulkanverwitterungsgestein) bieten nicht nur den weltbekannten Burgundersorten Grauburgunder (Ruländer), Spätburgunder und Weißburgunder hervorragende Bedingungen. Äpfel-, Zwetschgen und Kirschbäume verwandeln im Frühjahr die Täler in ein Blütenmeer.

Der Kaiserstuhl ist eine relativ junge Gebirgsinsel vulkanischen Ursprungs und sieht ein bisschen aus wie ein nach Südwesten geöffnetes Hufeisen. Die Hänge des 557 Meter hohen erloschenen Vulkans sind vom fruchtbaren, lehmartigen "Löss" bedeckt. Im Kaiserstühler Klima gedeihen Rebkulturen und empfindliche Obstsorten, aber auch mediterrane Pflanzen. Am Südrand des Gebirges kann sich der Boden bis auf 68 Grad aufheizen. Herbst und Frühling sind deshalb besonders geeignet, um dieses herrliche Eckchen zu erkunden.

Wie eine Insel erhebt sich der Kaiserstuhl aus der weiten Ebene des Oberrheintals. Klein ist dieses Vulkangebirge, zu Fuß kann man es an einem Tag durchwandern. Wer es tut, wird sich wundern, welche Vielfalt sich auf gerade einmal 192 Quadratkilometern unterbringen lässt. Artenreiche Wälder bedecken die Kämme, im Zentrum des alten Vulkans erheben sich unbewaldete Kuppen, die besonders im Frühsommer in vielen Farben schimmern und so schon aus der Ferne ihren Reichtum an bunten Blüten erahnen lassen. 33 verschieden Orchideenarten wurden bisher entdeckt. Die Küchenschelle und viele andere seltene Pflanzen und Tiere (wie Gottesanbeterin, Smaragdeidechse, Bienenfresser) machen den Kaiserstuhl zu einem Kleinod.

Auf zahlreichen schmalen Terrassen, in Jahrhunderten von Winzern und Bauern in die Hänge geschnitten, wächst, was vor allem mit dem Kaiserstuhl in Verbindung gebracht wird: Wein. Der Weinbau wurde schon von den Römer im Kaiserstuhl kultiviert und hat heute mit 2200 ha Burgundersorten und einer etwas über 4000 ha liegenden Gesamtfläche ökonomisch und ökologisch herausragende Bedeutung. Die Burgunderweine dominieren im Anbau mit einem Anteil von über 50 %, gefolgt vom Kaiserstühler Müller Thurgau und dem feinfruchtigen Silvaner. Der Rest verteilt sich auf Rebsorten wie Muskateller, Gewürztraminer, Riesling, Kerner, Scheurebe und Chardonnay. Der Kaiserstühler Wein hat eine Spitzenstellung in Deutschland erreicht.

Wer auf seinem Ausflug eine Pause machen möchte, sollte das bei einem Straussenwirt tun und eine kräftige Vesper und ein Viertele guten Kaiserstühler Wein bestellen. Übrigens: Weinproben gibt es an jeder Straßenecke, und den ganzen Sommer über löst ein Winzerfest das nächste ab!

Im Oktober beginnt dann das "Herbschte", wie die Weinlese genannt wird. Mancher Freiburger fährt jedes Jahr zu "seinem" Winzer, um in den Lagen von Endingen, Ihringen oder Bischoffingen mindestens einen Tag lang "den Buckel zu krümmen" und bei der Lese zu helfen - als kleines Dankesopfer für Bacchus.

Der Kaiserstuhl ist aber nicht nur wegen der guten Weine ein lohnenswertes Reiseziel. Zahlreiche Wander- und Radwege laden zu ausgedehnten Touren ein. Sehenswert sind das beschauliche Städtchen Burkheim, das mit seinen schönen barocken Fassaden unbedingt einen längeren Bummel wert ist. Die Burg am Ortsrand ist schon von weitem schon zu erkennen. Sie wurde erstmals im Jahre 1231 genannt und im Bauernkrieg von 1525 zerstört. Ab 1561 errichtete sie Lazarus von Schwendi, der damalige Pfandherr von Burgheim, neu. In den Wirren der Eroberungskriege Ludwigs XIV. wurde das stattliche Schloss 1672 zerstört.

Dann geht es weiter zur wildromantischen Ruine Sponeck über den Rheinauen. Die Burg selbst kann leider nicht besichtigt werden. Informationstafeln vermittelt etwas über die Geschichte der Sponeck. An Nussbäumen und Kirschplantagen vorbei gelangt man über Königschaffhausen direkt in das Herz des Kaiserstuhls, nach Oberbergen - wo Franz Kellers berühmtes Gasthaus "Schwarzer Adler" liegt. Die zentrale Lage von Oberbergen macht es auch so interessant für Wanderungen. Von hier aus können Sie fast jeden Punkt am Kaiserstuhl zu Fuß erreichen. 

Fährt man weiter Richtung Bötzingen, nach Vogtsburg, kommt man in das Naturschutzgebiet Badberg. Hier wachsen Orchideen, Admiralfalter wippen auf Blüten, Smaragdeidechsen huschen über den heißen Fels und auch Gottesanbeterinnen und Fangschrecken sind noch zu finden. Der Badberg bietet übrigens den schönsten Blick auf den Kaiserstuhl und linksseitig erhebt sich das Totenkopfmassiv mit dem Sendemast. An den Rebterrassen vorbei geht es nach Oberrotweil, Bickensohl und Achkarren mit seinem Kaiserstühler Weinbaumuseum - alles alte Winzerdörfer mit preisgekrönten Weinen in ihren tiefen Kellern.

Ein besonderes Erlebnis ist der Museumsdampfzug "Rebenbummler", der den halben Kaiserstuhl von Breisach bis Riegel mit originalgetreu restaurierten Waggons aus der Zeit zwischen 1882 und 1929 umrundet. Im Alltag verkehren auf den Gleisen der Kaiserstuhlbahn die Triebwagen der Südwestdeutschen Eisenbahngesellschaft, doch an den Sommerwochenenden geht dort der "Rebenbummler" auf Fahrt. Tief schnaufend und pfeifend dampft er an den Weinbergen des nördlichen und westlichen Kaiserstuhls entlang. Diese Museumsbahn gilt als eine der wenigen in Deutschland, auf der heute noch jene Fahrzeuge eingesetzt werden, die früher schon im Plandienst auf der Strecke unterwegs waren.

Die attraktive Lage zwischen Schwarzwald und Elsass im klimatisch begünstigten Oberrheintal machen den Kaiserstuhl zum beliebten Reiseziel. Kulinarischer Genuss, intensives Naturerlebnis und ein breites kulturelles Angebot empfehlen den Kaiserstuhl für einen Kurztrip am Wochenende ebenso wie für einen erlebnisreichen und erholsamen Urlaub. Nicht umsonst wird die Gegend auch badische Toskana genannt.

 

 

 

 

 

 

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