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HARZ


    Mehr als nur ein Brocken

 

Hohe Berge, sanfte Täler, ausgedehnte Wälder und weite Hochflächen - das ist der Harz, Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge. Kaum ein anderes Gebirge ist so von Sagen und Geschichten umgeben wie der Harz. Der Brocken, als weithin sichtbares Wahrzeichen, erhebt sich über die altertümlichen Städte und Dörfer mit ihren liebevoll gestalteten Fachwerkhäusern, Kirchen und Schlössern.

Der Harz ist eine der faszinierendsten Landschaften Mitteleuropas und das am weitesten in die nordwestdeutsche Tiefebene vorgeschobene Mittelgebirge. Die exponierte Lage bringt besonders hohe Niederschläge mit sich, weshalb in den Höhenlagen praktisch kein Ackerbau mehr möglich ist. Im Nordwesten setzt sich das Harzgebirge besonders markant von der vor ihm liegenden Ebene ab.

Der westliche Teil des Harzes, der Oberharz, ist ohnehin mit seinen Hochflächen mit bis zu knapp 600 Metern Höhe, wie etwa der von Clausthal-Zellerfeld, deutlich aufragender als der südöstliche, eher sanft gewellte Unterharz, der auf 300 Meter Höhe herabsinkt. Diese Hochflächen stellen geologisch alte, stark in sich gefaltete Rumpfflächen dar, zwischen denen sich das Granitmassiv des Brockens - mit 1.142 Metern der höchste Berg des Harzes -, der benachbarte Bruchberg, die Achtermannshöhe und der Große Auerberg ausbreitet.

Die Landschaften des Harzes sind hauptsächlich von Hügeln und Bergen mit sanft abgerundeten Kuppen, weiten V-Tälern und ausgedehnten Hochflächen dominiert. Hier und da schlängelt sich der ein oder andere Bach durch die großflächigen Laub- und Mischwälder.

Die durch den Menschen zum Zwecke des Hochwasserschutzes und der Trinkwassergewinnung angelegten Talsperren versorgen nicht nur weite Teile Norddeutschlands mit Trinkwasser, sondern bestimmen auch in nicht geringem Maße das Landschaftsbild des Harzes, speziell des Oberharzes, mit. Harmonisch eingebettet in bewaldete Täler geben sie der Landschaft einen unverwechselbaren Charme. Als Kernstück des Bodetalsperrensystems ist die Rappbodetalsperre die höchste Talsperre Deutschlands.

Die Bauwerke aus längst vergangenen Tagen geben den kleinen Städtchen des Harzes ihr typisches Aussehen und zeugen mit ihren kunstvollen Schnitzereien vom einstigen Wohlstand ihrer Bewohner. Je höher deren soziale Status war, desto prachtvoller war ihr Heim gestaltet.

Heute spielt es eher eine untergeordnete Rolle, ob sie reich oder arm verziert sind, denn sie offenbaren sich dem Auge des Betrachters allesamt als besondere Schmuckstücke. Schlendert man beispielsweise durch die Altstadt Wernigerodes, dann vermeint man die Farbenpracht und Formenvielfalt der "alten" Bauweise zu spüren, die die Stadt zu einem beliebten Ausflugsziel machen.

"Fachwerk" bezeichnet übrigens eine Bauweise, bei der zuerst das Gerüst errichtet wird, dessen Zwischenräume (Gefache) durch Flechtwerk, Bohlen und Lehm ausgefüllt werden. Seine Wurzeln sind im frühen Mittelalter zu finden, in dem die ersten größeren Ortschaften gegründet und ausgebaut wurden. Zum Bau der Häuser verwendete man das für neue Siedlungen oder für Ackerland gerodete Holz. Nachdem die umliegenden Ressourcen an dicken Holzstämmen knapp wurden, erfand man eine Art Holzskelett, dessen Löcher (Gefache) mit anderen Baumaterialien gefüllt wurden.

Heute unterscheidet man drei Fachwerkstile, die je nach Verwendung von alemannischen, fränkischen und niedersächsischen Stämmen in nieder-, mittel- und oberdeutsch eingeteilt werden. Im Harz findet man fast ausschließlich den niedersächsischen Fachwerkstil vor.

Die Mittelgebirgslandschaft des Harzes verspricht ihren Besuchern eine abwechslungsreiche Natur: tiefgrüne Wälder, farbenfrohe Hochmoore, bizarre Felsen, duftige Bergwiesen und viele heimische, teils sehr seltene, Tierarten. Damit das so bleibt, versucht man, die Touristen sanft an den Naturschutz heranzuführen.

In vielen Orten der Nationalparkregion führen regelmäßige Erlebniswanderungen mit Rangern und Mitarbeitern der Nationalparkhäuser in die Natur; auf Natur- und Walderlebnispfaden wird viel Wissenswertes über die regionale Flora und Fauna vermittelt und man lernt auf spannende Art und Weise mit der Natur umzugehen.

Mit der Einrichtung der beiden Nationalparke Harz (Niedersachsen) und Hochharz (Sachsen-Anhalt) versucht man, die wichtige Kernzone des Harzer Gebirges in ihren Urzustand zu versetzen und somit den ursprünglichen natürlichen Lebensraum der heimischen Tierwelt wieder herzustellen und sich frei entwickeln zu lassen. Dabei werden die verschiedensten Waldtypen, Moore, Felslandschaften und Gewässer, aber auch die hier lebenden Tierarten geschützt.

Nationalpark Harz

Seit der Gründung des ersten Nationalparkes 1872 in den USA, dem "Yellowstone National Park", begann man in aller Welt, Schutzgebiete für die Natur anzulegen. Heute gibt es circa 2.000, zu denen auch der erst im Jahre 1994 gegründete "Nationalpark Harz" im Bundesland Niedersachsen gehört. In seinem Gebiet erstrecken sich knapp 16.000 ha geschützte Fläche vom nordwestlichen Harzvorland, über die Höhenlagen des Gebirges, bis hin zum angrenzenden Nationalpark "Hochharz".

Mit seinem steilen Höhenanstieg von etwa 250 m ü NN im Norden bzw. Süden des westlichen Gebirges, bis hin zu knapp 900 m ü NN, schützt er verschiedene Vegetationszonen und eine Fülle von Lebensräumen wie Moore, Fließgewässer, Fichten-, Buchen- und Mischwälder sowie Blockschutthalden. Der Nationalpark umfasst zudem, bei etwa 95 Prozent Bewaldung, kaum besiedelte Gebiete und etwa 1/6 des niedersächsischen Naturparks Harz.

Die Nationalparkleitung versucht, mit Hilfe ihrer Ranger und Nationalparkhäuser, die Funktionsweise des natürlichen Lebensraumes Harz bei seinen Besuchern auf interessante Weise zu erläutern. Neben geführten Wanderungen für Kinder und Erwachsene, Multimedia- Schauen in den Nationalparkhäusern, Tonbildvorführungen oder eingerichteten Walderlebnispfaden bietet das umfangreiche Informations- und Veranstaltungsangebot eine gelungene Abwechslung zu dem, was Sie sonst noch erleben können.

Nationalpark Hochharz

Seit 1990 schützt der "Nationalpark Hochharz", der mit einer Fläche von etwa 9.000 ha im Bundesland Sachsen- Anhalt liegt, die Naturgebiete des Hochharzes vom Eckertal bei Ilsenburg bis zum Brocken hinauf. Er ist das Ergebnis der letzten Ministerratssitzung der DDR, Wegbereiter für die Entstehung des benachbarten Nationalparks Harz und seines Zeichens einer der fünf Nationalparke, die vor der Wiedervereinigung auf ostdeutschem Gebiet ins Leben gerufen wurden.

Mit dem nahtlos angrenzenden Nationalpark Harz im westlichen Teil des Harzes wird heute somit eine Gesamtfläche von knapp 25.000 ha vor dem nutzenden Einfluss des Menschen geschützt. Das ganze Gebiet des Hochharz-Parks wird bestimmt vom dominierenden Einfluss des Brockengranits, flach- gründigen Böden und rauhem Klima.

Die oberen Höhenlagen weisen durchschnittliche Temperaturen von 3 Grad Celsius auf; dabei liegt auf den bewaldeten Höhenzügen oft 100 Tage im Jahr Schnee. Diese Bedingungen werden noch ergänzt durch rund 300 Nebeltage und einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 1.600 mm Regen und Schnee. Dieses typische Brockenwetter ließ wertvolle und seltene Biotope entstehen. Speziell im näheren Umkreis des Brockens haben die Eiszeiten markante Spuren hinterlassen. Überall türmen sich gewaltige Felsblöcke zu riesigen Steinpyramiden auf, liegen einzelne Granitblöcke wie Murmeln verstreut in der Landschaft.

Mit diesen schwierigen Bedingungen haben die Ranger des Parks zu kämpfen, wenn sie bei ihrer täglichen Arbeit versuchen, das natürliche Ökosystem Wald zu schützen. Zu Zeiten der ehemaligen DDR wurde die Region weitgehend vernachlässigt, da das Gebiet des Harzes im Grenzbereich lag. Dadurch konnten sich Flora und Fauna gerade in diesem Gebiet ungestört entwickeln. Heute bietet man den Besuchern des Gipfels des höchsten Berges der Region geführte Wanderungen um die Brockenkuppe oder Führungen durch den Brockengarten.

Inspiriert von den Eindrücken seiner drei Brockenbesteigungen in den Jahren 1777, 1783, 1784, verfasste Goethe die Walpurgisszene im "Faust". Teufelskanzel und Hexenaltar sind die Orte, an denen Goethes Walpurgisnacht stattfindet. In der Walpurgisnacht, der Nacht zum 1. Mai, treffen sich der Überlieferung nach die Hexen ganz Deutschlands auf dem "Blocksberg", um mit ihren Reisigbesen den letzten Schnee vom Brocken zu fegen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieses Ereignis zu einer Art Volksfest. Im Jahr 1896 feierte die Bad Harzburger Walpurgisnachtgesellschaft erstmals auf dem Brocken. Ab 1901 fuhren Walpurgissonderzüge der Brockenbahn.

Schon von weit her vernimmt man mancherorts das Schnaufen und Stöhnen der alten Dampfloks, die auf Europas größtem Schmalspurnetz (131 km) täglich mehrere tausende Besucher durch die Harzlandschaft befördern. Dabei streifen sie romantische Täler und bizarre Berglandschaften, benutzen über 400 Brücken und den einzigen Tunnel der Strecke zwischen der Steinernen Renne und Drei Annen Hohne (70 m Länge). Entlang der Schienen sieht man oft begeisterte Menschen, die den schnaufenden Dampfloks verträumt hinterher blicken.

Brockenbahn

Die wohl bekannteste Schmalspurbahn des Harzes ist die Brockenbahn, die sich mühevoll die 14 km lange Strecke hinauf auf den höchsten Berg des Harzes quält. Um den Brockenbahnhof auf einer Höhe von 1.025 m ü NN zu erreichen, umrundet sie den Berg dabei etwa eineinhalb mal auf der "Brockenspirale".

Das ist eine beachtliche Leistung, da der Bahnhof seines Zeichens nach den höchstgelegenen Adhäsionsbahnhof in Deutschland darstellt. Übersetzt heißt das: Die Bahn legt auf der Strecke zum Brocken, bei einer Steigung von 1 m auf 30 m Länge, den Weg ohne helfenden Zahnradantrieb nur durch Reibungskraft zurück.

Harzquerbahn

Mit einer Streckenlänge von über 60 km fasziniert die Harzquerbahn ihre Fahrgäste und führt sie durch Weizenfelder bei Nordhausen, über weite Grünflächen im Harzvorland, hinein in das urwüchsige Gebirge, bis zum historischen Städtchen Wernigerode. Dabei muss man für eine Fahrt etwa 3 Stunden einplanen.

Der einzige Tunnel befindet sich auf dieser Strecke, die bereits seit dem 27. März 1899 in Betrieb ist. Er vervollkommnet die aufregende Fahrt durch steile Streckenabschnitte, enge Bögen und über robuste Brücken, die gesäumt sind von herrlichen Fichtenwäldern und bizarren Felswänden. An der Station "Eisfelder Talmühle" kann man auf die Selketalbahn und am Bahnhof "Drei Annen Hohne" auf die Brockenbahn umsteigen.

Selketalbahn

Die Selketalbahn ist die älteste der Harzer Schmalspurbahnen und verkehrt täglich siebenmal zwischen dem Anschluss zur Harzquerbahn ("Eisfelder Talmühle") und Gernrode. Dabei legt sie eine Strecke von 52 km zurück. Für viele Eisenbahnfreunde soll eine Fahrt mit ihr schöner sein, als mit der Harzquerbahn. Dies begründet sich zum einen wohl nicht zuletzt im wunderschönen Selketal, das die Strecke zu beiden Seiten säumt. Zum anderen aber vielleicht auch in der Tatsache, dass mit den Loks 99 5906 und 99 6001 auf dieser Strecke Einzelexemplare unterwegs sind.

Einen weiteren Höhepunkt der Strecke bildet der kleine Ort Stiege. Hier befindet sich nämlich die kleinste Wendeschleife Europas, die die Herzen der Eisenbahnfans höherschlagen lässt.

weitere Bahnen im Harz:

Bimmel- & Schloßbahn

Sie sind die einzigen Bahnen, die nicht auf klassischen Schienen unterwegs sind. Man findet sie nur in Quedlinburg und in Wernigerode, wo sie ihren Fahrgästen die Stadt zeigen und sie zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten bringen. In Quedlinburg fährt sie zum Dom mit seinem Domschatz, zum Schlossmuseum und zur Lyonel-Feininger-Galerie. Bei einer Fahrt durch Wernigerode geht es den Agnesberg hinauf zum romantischen Schloss.

Mansfelder Bergwerksbahn

Die Mansfelder Bergwerksbahn besitzt eine Spurbreite von 750 Millimetern und verkehrt zwischen Hettstedt (Eduard-Schacht) und Klostermansfeld (bei Mansfeld). Seit 1882 ist sie in Betrieb und verband in der Vergangenheit, mit einer Gesamtlänge von 90 km, die wichtigsten Bergwerke und Orte der hiesigen Region. Nach der Stilllegung und dem Rückbau der Strecke dient heute lediglich ein Teilabschnitt der Strecke (Klostermansfeld - Hettstedt und Helbra - Bockstal) als Museumseisenbahnstrecke.

Rübelandbahn

Auf einer Strecke von 23,5 km fuhr die Rübelandbahn bis Ende August 2000 zwischen Blankenburg und Königshütte. Jetzt ist der Abschnitt nur noch bis Elbingerode befahren. Sie wurde bereits 1875 errichtet und bringt seit jener Zeit täglich viele Besucher zu den weit bekannten "Rübeländer Tropfsteinhöhlen" und dem "Blauen See".

Vom Aktivurlaub über Familientourismus bis hin zum Extremsport hat der Harz ein breites Spektrum an Freizeitaktivitäten für jede Altersgruppe zu bieten - egal, ob Sie von weither zum Altstadtbummel oder von gleich nebenan zum Snowboarden vorbeischauen. Man kann Sehenswertes besichtigen oder einfach nur die Fahrt mit der historischen Harzquer- und Brockenbahn zu genießen. Sie werden sehen, der Harz hat für jeden Geschmack das Richtige zur Hand.


Weitere Informationen:

Regionalverband Harz e.V.
Hohe Straße 6
06484 Quedlinburg
Telefon: 03946 96 41 0
Telefax: 03946 96 41 42
rvh@harzregion.de
www.harzregion.de

 

 

 

 

 

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