Das knapp 20 Kilometer lange
Dresdner Elbtal zwischen Söbrigen und Übigau steht als Erbe der Menschheit
unter besonderem Schutz - und damit auf der gleichen Stufe wie die Chinesische
Mauer oder die ägyptischen Pyramiden. Vielleicht ist kein anderer
Landschaftsblick in Deutschland so oft so hymnisch beschrieben und so
hingebungsvoll gemalt worden wie der Blick ins Elbtal bei Dresden von der Anhöhe
des Waldschlösschens aus.
Das Elbtal verläuft auf knapp 20 Kilometer Länge
vom südöstlichen zum nordwestlichen Rand der sächsischen Landeshauptstadt. Es
ist bekannt für seine Architektur und die Flusslandschaft. Zu dem
Weltkulturerbe gehören auch Elbwiesen und die bewaldeten Elbhänge. Dazu gehören
auch die Pillnitzer Weinhänge sowie das im chinesischen Stil gebaute Schloss
Pillnitz aus dem 18. Jahrhundert. Als charakteristisch für die Elblandschaft
gelten die zahlreichen alten Dorfkerne auf beiden Seiten des Flusses.
Entlang der Elbufer sind früheste Siedlungsspuren und Gräberfelder der
Bronze- und Eisenzeit ebenso vorhanden wie mittelalterliche Dorfkerne,
Festungsanlagen aus der Renaissance, Barock- und Residenzbauten des 19.
Jahrhunderts, Villenquartiere der Gründerzeit, Zeugnisse des stadtnahen Weinbaus
sowie naturnahe Hangwälder und bebauungsfreie Flußauen.
Zum architektonischen Erbe
gehört vor allem das Ensemble der Dresdner Altstadt mit Residenzschloss,
Hofkirche und Frauenkirche. Die Semperoper, stilistisch an der Hochrenaissance
orientiert, gehört zu den bedeutendsten Theaterbauten des 19. Jahrhunderts. Der
Zwinger gilt als eines der wichtigsten Bauwerke des Spätbarock in Europa. Die
prachtvolle Promenade der Brühlschen Terrasse entstand durch barocke Umnutzung
der mächtigen Festungsanlagen am Altstädter Elbufer. Ebenso die Schätze der
staatlichen Kunstsammlungen und die lebendigen Traditionen in Musik und
bildender Kunst machen das reiche Kulturerbe aus.
Seit dem 15. Jahrhundert
war Dresden Residenz der sächsischen Herzöge, Kurfürsten und später Könige.
Unter Kurfürst Friedrich August I., genannt "der Starke", rückte Dresden zur
Hauptstadt von europäischer Bedeutung auf. Angeregt durch eine
Kavalierstour nach Italien, entwickelte August der Starke die Idee, die Elbe in
einen Canale Grande umzuwandeln, wo nach dem Vorbild Venedigs Paläste und Schlösser
zugänglich sein sollten. Endpunkte der Festkultur des lebenslustigen,
kunstsinnigen und verschwenderischen Prunk liebenden Regenten waren Schloss Übigau im Westen und Schloss Pillnitz im Osten, die die heutige Kulturlandschaft
Dresdner Elbtal begrenzen.
Das Stadtbild wandelte sich umfassend. Hof und Adel waren Auftraggeber
umfangreicher Bauten und machten Dresden zur Barockstadt. Pöppelmann errichtete
1711 den Zwinger und das Taschenbergpalais, 1715 das Japanische Palais und 1721
die Pillnitzer Anlagen. 1734 wurde die Frauenkirche, 1755 die Kathedrale
fertiggestellt. Es entstanden die großen Sammlungen der Gemäldegalerie und des
Grünen Gewölbes und die erste europäische Porzellanmanufaktur. Im 18.
Jahrhundert war die Stadt ein Zentrum europäischer Politik, Kultur und
Wirtschaft. Eine Vielzahl von Künstlern und Wissenschaftlern hat in den
vergangenen 400 Jahren im Dresdner Elbtal ihre Spuren hinterlassen.
Im Zweiten Weltkrieg
zerstörten fünf aufeinanderfolgende Luftangriffe das Zentrum Dresdens fast
vollständig. Oper, Zwinger, Schloss, Taschenbergpalais brannten völlig aus. 1964
war die Rekonstruktion des Zwingers abgeschlossen. Hofkirche, Johanneum,
Albertinum, Stallhof und 1985 die Semperoper entstanden erneut. Die Ruine der
Frauenkirche wurde zum Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung. 1994 begann der
Wiederaufbau unter Verwendung der geborgenen Bauteile. In "archäologischer
Rekonstruktion" steht die Frauenkirche heute als weltweit beachtetes Zeichen der
Versöhnung.
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An Beschreibungen mangelte es dem Elbtal nie, wie jene von Heinrich von Kleist aus dem
Jahre 1801 belegt: "Ich sehe es noch vor mir liegen in der Tiefe der Berge, wie
der Schauplatz in der Mitte eines Amphitheaters - ich sehe die Elbhöhen, die in
einiger Entfernung, als ob sie aus Ehrfurcht nicht näher zu treten wagten,
gelagert sind und gleichsam von Bewunderung angewurzelt scheinen." Künstler hatten schon immer ein Gespür für schöne Orte. So wundert es nicht,
dass das Elbtal um Dresden Inspiration für musische Größen wie Friedrich
Schiller oder Carl Maria von Weber wurde. Denn das Flusstal stellt in seiner
Verbindung von Natur und Architektur eine ganz außergewöhnliche Kulturlandschaft
dar. Diese Harmonie – gekrönt von der berühmten Silhouette Dresdens – konnte
trotz Katastrophen wie die im Februar 1945 über die Jahrhunderte hinweg bewahrt
bleiben.
Das Elbtal hat zahlreiche Sehenswürdigkeiten zu bieten, deren Besuch
lohnenswert ist. Bei einem Ausflug lernt man Land und Leute kennen.
Neben Museen und Denkmälern geben eine Vielzahl von Schlössern, Burgen sowie
Garten- und Parkanlagen Einblicke in die Geschichte, Geologie und Geographie der
Umgebung des Elbtals.
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