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EIFEL


    Die Augen der Eifel

 

Vor vierhundert Millionen Jahren, als die heutige Eifelregion - von Meerwasser umspült - viel weiter südlich lag, bildeten sich mächtige Korallenriffe und der Dolomit: das Gestein, das den unterirdischen Wasservorkommen heute die Mineralien liefert. Später herrschten Hitze und Trockenheit, es formten sich Sande und Sandstein. "Den Menschen gab es noch nicht, der Mensch tauchte erst viel später auf, und viele Jahrtausende lang traute er sich nicht in diese Landschaft hinein. Hier herrschten Vulkane, hier war feuriges Land, es herrschte ständig Lebensgefahr."

Die reizvolle Landschaft der Ost- und Hoch-Eifel ist durch einen intensiven Vulkanismus geprägt worden. Allein 350 Ausbruchsstellen sind aus der letzten aktiven Phase des Eifel-Vulkanismus erhalten geblieben. Der jüngste Ausbruch fand vor circa 10.000 Jahren statt. Seitdem ist die Eifel scheinbar ruhig.

Von den "Augen der Eifel", wie die Maare liebevoll genannt werden, stehen die meisten heute unter Naturschutz. Jedes Jahr locken sie Tausende Besucher und Naturliebhaber an und faszinieren die Wissenschaftler aus aller Welt, die immer noch versuchen den letzten Geheimnissen der Maare auf die Spur zu kommen.

Ruhig liegt der Laacher See zwischen waldigen Berghängen - der größte Kratersee der Eifel. Ein unablässiger Strom von Gasblasen, der in Ufernähe aufsteigt, weist darauf hin, dass auch hier das tobende Erdinnere nur einen Spalt breit entfernt ist. Der blubbernde Strom von Kohlendioxid, der aus dem Laacher See aufsteigt, ist vulkanisches Gas. Auch an anderen Orten der Eifel tritt es aus dem Boden aus. Es könnte das letzte Aushauchen der Vulkanaktivität in der Eifel sein, aber das ist nicht gewiss. Die ruhige Oberfläche des schlummernden Laacher Sees ist trügerisch. Auch vor der Eruption des Laacher-See-Vulkans war die Erde hier lange Zeit ruhig, Urmenschen hatten hier ebenso unbesorgt gesiedelt wie die heutigen Bewohner.

 

 

 

 


5.000Jahre lang war die Eifel ruhig geblieben, bis vor 12.900 Jahren eine gewaltige Explosion den Krater des Laacher Sees heraussprengte. Inzwischen haben Vulkanologen herausgefunden, dass es sich in der Eifel um eine ganz besondere Art der Vulkane handelt: So genannte "Plumes" oder auch "Hot Spots". Das sind Anomalien weit unterhalb der etwa 30Kilometer dicken Erdkruste. In etwa 100 bis 400 Kilometer Tiefe im Erdmantel findet sich eine ungewöhnlich heiße Gesteinsmasse, die langsam nach oben steigt und in der Nähe der Erdoberfläche zu schmelzen beginnt - ähnlich wie die Blasen einer Lavalampe. Weltweit gibt es rund 100 große Hot Spots mit heftigem Vulkanismus, wie Hawaii oder Island. Die Plumes in der Eifel sind mit etwa 100Kilometern Durchmesser dagegen sehr klein.

Doch die Explosion von Maria Laach war gewaltig: Die aufsteigende Magma war mit Wasser von der Oberfläche in Berührung gekommen. Bei solchen Magma-Wasser-Gemischen kommt es durch enormen Druck zu heftigen Wasserdampf-Explosionen, die einen trichterförmigen Sprengkrater hinterlassen. Es folgte ein Ausbruch, der heftiger war als die Ausbrüche von Vesuv und Mount St. Helen zusammen: Nach der ersten Explosion stiegen Magmasäulen bis zu 40Kilometer hoch in die Erdatmosphäre, Glutlawinen rasten bis zum Rhein. Alles Leben ringsum ging zugrunde. Die Auswirkungen der Katastrophe waren bis Italien und Schweden spürbar. Ganz Mitteleuropa war mit Asche bedeckt, Schwefeldioxid in der Atmosphäre verschlechterte das Klima auf der ganzen Nordhalbkugel.

Heute gibt es noch rund 480 Vulkane in der Eifel, von denen manche sogar begeh- und befahrbar sind.

Wer wissen will, wie die Bauern früher wohnten und arbeiteten, besucht das Simmerather Bauernmuseum oder das Rheinische Freilichtmuseum Kommern mit seinen 50 Hofgebäuden. Auch die historischen Gebäude der Eifel lassen Geschichte lebendig werden: Von der sakralen Architektur der Schlosskirche in Schleiden bis zur entrückten Trappistenabtei Mariawald hoch über Heimbach.
Reiseführer rühmen die Eifel als eine der kulturreichsten Gegenden Deutschlands. Kostbar geschmückt sind die Kirchen in Bad Münstereifel und Langerwehe, ein erlesener Antwerpener Schnitzelaltar ziert die Wallfahrtskirche in Heimbach. In den Museen ist Weltliches von den alten Meistern bis zur provokanten Moderne zu bewundern.

Bauhistorisch interessantes gibt es hier reichlich zu bewundern. Die Abteikirche von Maria Laach ist eines der am besten erhaltenen und hervorragenden romanischen Bauwerke Deutschlands. Das liegt vor allem daran, dass die Abteikirche von späteren Umbauten fast völlig verschont geblieben ist. Auch die barocke Abtei in Prüm ist sehenswert.

Die Vulkane der Eifel sind längst nicht verlöscht - sie ruhen nur. Jedes Jahr hebt sich die Eifel um einen Millimeter und es wird wohl auch in Zukunft vulkanische Aktivität in der Eifel geben. Deshalb beobachten die Vulkanologen die Gegend sehr genau. Zunehmende Gasentweichung, starke Beben und Aufbeulung wären deutliche Hinweise auf eine bevorstehende Eruption. Doch zur Zeit schlummert die Eifel und mit ihr die Augen.

 

 

 

 

 

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