Der Schein trügt:
Den Namen „Bergisches Land“ verdankt die Region zwischen Sieg,
Ruhr und Rhein nicht etwa dem hin und wieder etwas „hügeligen“
Gelände. Nein, Namenspatron für Land und Leute ist das
Grafengeschlecht derer von Berg, die hier seit dem 12.
Jahrhundert ihre Wurzeln haben. Genauer gesagt auf Schloss Burg,
die auf einem Berg oberhalb der Wupper ruht.
Wo liegt denn
eigentlich das Bergische Land?
In Nordrhein Westfalen. Das Bergischen Land ist eine historisch
traditionsreiche Region, die im Norden durch die Ruhr, im Süden
durch die Sieg, im Westen durch den Rhein und im Osten durch das
Westfälische Sauerland begrenzt wird. Seine Größe ist, mit ca.
2000qkm, mit dem Saarland vergleichbar.
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Abseits der
Hauptstraßen scheint im „Bergischen“ die Zeit stillzustehen.
Romantische Fachwerkhäuser drängen sich um Kirche und Platz. Die
dunklen Balken der Häuser heben sich kontrastreich von der
weißen Wandfarbe ab. Bunt blühende Blumenkästen schmücken jedes
Fenster. Ein Ort ist hübscher anzusehen als der andere.
Besonders Wanderer und Spaziergänger kommen hier auf ihre
Kosten. Unzählige Kilometer Wanderwege führen durch die weite
Wiesen- und Waldlandschaft. Nicht selten schlängeln sie sich
entlang idyllischer Bachläufe. Wenn die Sonne durch das
herbstlich gefärbte Laub scheint und die letzten Nebelschwaden
allmählich aus den Tälern davonziehen, ist es kaum vorstellbar,
dass die großen Metropolen am Rhein und Ruhr nur wenige
Autobahnabfahrten entfernt liegen.
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Wahrzeichen
von Nümbrecht ist das Schloss Homburg, seiner Zeit Sitz der
Grafen zu Sayn-Wittgenstein. Heute ist der barocke Prachtbau
Heimatmuseum und Stolz der rund 17 000 Einwohner zählenden
oberbergischen Gemeinde. Die
ursprüngliche Wehrburg gefiel dem Grafen Ernst zu
Sayn-Wittgenstein, der 1635 die Herrschaft übernahm, nicht mehr.
Er begann sie zur barocken Residenz umzugestalten. Die
Bauarbeiten dauerten ein Jahrhundert. Mit der äußeren
Veränderung nahm auch der Prunk in der Hofhaltung zu und die
Untertanen mussten zahlen. Die wiederum rächten sich für diese
Ausbeutung in eigener Weise: Im 19.Jahrhundert benutzten sie die
Steine des Wittgensteiner Hauses zum Straßenbau. Das saynische
Haus aber hatte - lädiert wie ein Ritter nach der Schlacht - den
Wirren der Zeit getrotzt. Das Museum des oberbergischen Landes
wählte die Homburg bzw. das was noch erhalten war 1926 zum
Domizil. Rund um das
denkmalgeschützte Fachwerkdorf laden über 150 Kilometer
Wanderwege zum Erkunden ein.
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Wer jedoch an den
Wochenenden nach Nümbrecht kommt, sollte sich nicht wundern,
wenn in der Ferne ein altes Posthorn ertönt, dem das laute
Klappern von Pferdehufen dem Signal folgt. Die historischen
Postkutschenlinie ist die Attraktion schlechthin. Der
Original-Nachbau einer kaiserlichen Postkutsche von 1871 ist die
einzige Postkutschenlinie in ganz Nordrhein-Westfalen. Mit ihr
wird die Briefpost befördert. Der Transport per Kutsche wird
sogar durch einen eigenen Sonderstempel bestätigt.
Seit 1973
verbindet diese Linie Nümbrecht mit dem Nachbarort Wiehl.
Jeweils freitags bis sonntags startet das gelbe Gefährt
pünktlich um 10 Uhr vor dem Postgebäude in Nümbrecht. Bis zu
neun Personen können sich während der Fahrt von der Natur
verzaubern lassen. Zwei Stunden dauert die Fahrt bis zur etwa 12
Kilometer entfernten Endstation am Freizeitpark in Wiehl. Der
Postillion lenkt das über drei Tonnen schwere Gefährt und sitzt
bei Wind und Wetter auf dem Kutschbock. Ein kurzer Ton aus dem
Posthorn, und die beiden Hafermotoren Heidi und Helga setzen
sich in Bewegung.
Fernab des Weges
liegt Marienberghausen. Der Legende nach soll hier Engelbert von
Humperdinck seine Oper „Hänsel und Gretel“ komponiert haben.
Schnell zieht auch das kleine Städtchen Wiehl seine Besucher in
den Bann. Bis Oktober lockt die Dahlienschau nach
Wiehl-Alperbrück. Auf rund 5000 Quadratmeter Ausstellungsfläche
verzaubern mehr als 300 Dahlienarten die Herzen der
Blumenfreunde.
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Wenige
Schritte von der Wiehler Innenstadt entfernt liegt das Museum
„Achse, Rad und Wagen“. Unzählige Fahrzeuge dokumentieren die
Entwicklung von der Steinzeit bis in die Kutschenära. An manchen
Wochenenden lassen sich Schmiede, Sattler und Stellmacher hier
sogar über die Schulter schauen. Pünktlich um halb zwei heißt es
wieder in die Kutsche zu steigen. Auch der Rückweg führt durch
malerische Gefilde. Vorbei geht es an Holstein’s Mühle. 1276
wurde die Sägemühle erstmals urkundlich erwähnt. Heute ist sie
ein Ziel zahlreicher Wandertouren.
Station macht der gelbe Fiaker auch an der Wiehler
Tropfsteinhöhle. Die
Temperatur in der Wiehler Tropfsteinhöhle beträgt gleich
bleibend nur etwa 8 Grad Celsius. Nach 26 Stufen gelangt man 7 m
unter der Erde in die Eingangshalle. Herabhängende, meist
schlanke Tropfsteine (Stalaktiten), sowie von unten nach oben
gewachsene, etwas plump wirkende, Stalagmiten bereiten den Weg.
Dicke Kaskaden, Pfeiler, Säulen und andere Gebilde voller
Formschönheit, glitzernder und leuchtender Farbvielfalt von weiß
glänzend bis leuchtend rot erstaunen den Besucher.
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Tagesabschluss
für Genießer: eine „Bergische Kaffeetafel“ in einer der
typisch-oberbergischen Gaststätten. Statt Kuchen gibt es
Handfestes: Quark, Käse, Schinken, helles und dunkles Brot,
Honig sowie Rübenkraut. Dazu „stifter“ Milchreis mit frischen
Waffeln, Sauerkirschen und einem kräftigen Schlag Sahne.
Weitere Informationen:
Postkutschenlinie zwischen Wiehl und Nümbrecht, planmäßige Fahrten während der
Saison von April bis September, im Oktober bei genügend Anfrage.
Fahrzeiten:
Ab Nümbrecht Post: 10.00 Uhr
An Wiehl Bahnhof: 12.00 Uhr
Ab Wiehl Hotel zur Post: 13.30 Uhr
An Nümbrecht Post: 16.00 Uhr
Fahrtage:
Freitag, Samstag und Sonntag
Fahrpreise:
Erwachsene: 11,00 Euro
Kinder bis 10 Jahre: 8,00 Euro
Infos und Anmeldung:
Touristinformation Wiehl
Tel.: (0 22 62) 99-195
Fax: (0 22 62) 99-185
touristinfo@wiehl.de
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