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ALLGÄU


    Im Land mit der größten Kuhdichte

 

Das Allgäu gehört zu den schönsten deutschen Landschaften. Es ist ein vielseitiges Reiseziel für Wanderer und Radler, Kultur- und Wellness-Urlaube, vor allem aber auch für Familien mit Kindern. Die Seen des Voralpenlandes, die Gipfel der Allgäuer Alpen, die Ludwigschlösser Neuschwanstein und Linderhof, das Kneippland um Bad Wörishofen, Kloster Ottobeuren und die weltberühmte Wieskirche lassen keine Wünsche offen.

Bis vor nicht allzu langer Zeit lag das Allgäu noch nahezu unbekannt hinter tiefen Wäldern verborgen. Man wusste kaum mehr über das Voralpenland als das, was der Gelehrte Sebastian Münster vor einem guten Vierteljahrhundert gesagt hatte, nämlich dass "das Allgöw ein rauch, wintrigs Land sei" und dass es "allda vil Vich, Küw und Roß, vil Tannwäld, Vögel und Fisch" gäbe. Niemand reiste damals zum Vergnügen in diese Gegend. Wer es tun musste, der machte in der Regel vorher sein Testament und ließ eine Messe zum Heile seiner Seele lesen. Den vielen Touristen, die heutzutage hierher kommen, ist solch ein Gedanke inzwischen fremd.

Der Name Allgäu ist urkundlich das erste Mal 817 erwähnt. Die landläufige Meinung, 'Allgäu' käme von Alpgau ist falsch, denn dann müsste es der Allgäu heißen, was den Einheimischen bitter aufstößt. Es muss das Allgäu heißen, was von den Alpen (=Hütten) und 'Geäu' kommt. Ein Geäu ist eine Ansammlung von Auen also von grünen Wiesen. Wenn man sich im Allgäu umschaut, dann wird schnell klar, woher der Name kommt!

Was gehört nun zum Allgäu? Grob kann man sagen, da wo der rentable Getreideanbau aufhört, fängt das Allgäu an. Geographisch sieht das etwa folgendermaßen aus: Im Osten und im Süden begrenzt der Lech das Allgäu. Im Westen und im Norden verläuft die Grenze etwa entlang der Linie Scheidegg, Wangen, Memmingen und Kaufbeuren bis nach Schongau. Das Allgäu ist da, wo es die braunen Kühe, die grünen Wiesen und die typischen Grasberge hat.

Wer zum ersten mal ins Allgäu kommt, dem fallen vor allem die vielen einzeln stehenden Bauernhöfe auf, deren rote Ziegeldächer sich wie leuchtende Farbtupfen vom saftigen Grün der Wiesen und Wälder abheben. Dass es im Vergleich zu anderen deutschen Landschaften im Allgäu so viele einzeln stehende Höfe gibt, ist die Folge einer radikalen Flurbereinigung, die die Allgäuer 1540 vor allen anderen in Angriff genommen und über 300 Jahre konsequent durchgeführt haben. Die Methode dieser Allgäuer 'Vereinödung' erregt noch heute die Bewunderung der Fachleute.

Teilweise wurden ganze Dörfer aufgelöst. Die hölzernen Bauernhäuser wurden abgebrochen und inmitten des neu zugeteilten Landes wieder aufgebaut. Die Allgäuer Bauern haben damals ein Dorf in durchschnittlich 3-4 Wochen 'vereinödet'. Erstaunlich ist, dass im Zuge dieser gewaltigen Tauschaktion nicht ein einziger Prozess geführt wurde. Der größte Reichtum des Allgäus sind seine grünen Wiesen. In kaum einer anderen Gegend, gibt es so gutes und so fettes Gras wie im Allgäu. Daher hat die Milchwirtschaft im Allgäu ein vorrangige Bedeutung. Typisch für das Allgäu sind die braunen Kühe. Statistiker sprechen daher vom Allgäu als dem Land mit der größten Kuhdichte.

Die Berge

Fakten

Von dem Gebiet, das Allgäu genannt wird, nehmen die Berge etwa 1/5 ein. Im Allgäu gibt es insgesamt 225 Berge, von denen 175 Felsenberge sind. Die anderen 50 sind reine Grasberge. 35 Allgäuer Berge sind höher als 2500 Meter, 80 Allgäuer Berge sind 1500 bis 2000 Meter hoch und 110 Allgäuer Berge sind 2000 bis 2500 Meter hoch.

Verglichen mit dem Alter unseres Planeten, der immerhin gut 4 Milliarden Jahre auf dem Buckel hat, sind die Allgäuer Berge recht jung, grade mal 10 Millionen Jahre alt. Als vor rund 200 Millionen Jahren Afrika, Saudi-Arabien und Indien anfingen, sich nach Norden zu bewegen und damit gegen Eurasien drückten und das Thethys-Meer zusammenschoben, entstand das Alpen-Himalaya-System und mit ihm auch die Allgäuer Alpen.

Die vier großen Eiszeiten trugen ihren Teil zur Formung der Allgäuer Berge bei. Der Eispanzer war am Alpenrand bis zu 1500 Meter dick. Da, wo heute Kempten ist, lagen immerhin noch an die 300 Meter Eis. Heute ist von diesen Eismassen nur ein spärlicher Rest im Schwarzmilzferner an der Mädelegabel übrig geblieben. Die gewaltigen Gletscher der Eiszeiten haben riesige Moränen zusammengetragen, die, mittlerweile begrünt und bewachsen, die schönen Hügel des Allgäuer Voralpenlandes bilden. Wissenschaftler bezeichnen das Allgäu auch als das großartigste Schotterfeld im ganzen Alpengebiet.

Früher fürchteten sich die Menschen vor den Bergen. Noch im Jahr 1848 schrieb der Oberstdorfer Pfarrer Johann Nepomuk Stüzle: Kein Sterblicher, der nicht in einer grausigen Eiskluft sein Leben lassen will, wagt über die Schnee- und Eisfelder (zur Mädelegable) hinanzusteigen. Heutzutage gehen die Touristen sozusagen im Gänsemarsch den Heilbronner Weg entlang und nehmen die Mädelegabel nebenbei noch mit, ohne sich etwas dabei zu denken.

Die Bergnamen

Vor 1850 kam kein vernünftiger Mensch auf die Idee, unheimliche und beschwerliche Felsberge zu besteigen und so bestand kein Grund, jedem dieser vielen nutzlosen Gipfel einen Namen zu geben. Benannt wurden nur besonders auffällige Berge oder solche, die besondere Punkte, wie beispielsweise die Grenzen, markierten. In einer sehr detaillierten Vogelschaukarte von 1619 haben nur zwei Berge einen Namen, der 'Grünta' und das 'Horn' bei Immenstadt. Alle anderen Berge sind nur als 'auf den Alpen' bezeichnet, wobei damit nicht die Berge sondern die Alphütten gemeint sind. Diese Alphütten, die meist nach ihrem Besitzer benannt waren, sind es dann gewesen, die den nächstliegenden Gipfeln ihren Namen verliehen haben, als sich die Notwendigkeit ergab, die Gipfel voneinander unterscheiden zu müssen.

Die Menschen früherer Zeit haben die Berge im Allgemeinen nur von unten betrachtet und auch das nur, wenn es unbedingt sein musste. Eine Ausnahme machte der Grünten. Er ist wegen seiner einladenden Lage und seiner offensichtlichen Ungefährlichkeit schon im 16. Jahrhundert erstiegen worden. Die ersten, die sich an richtige Berge heran wagten, waren die Geometer, die im Zuge der bayrischen Landvermessung von 1818 auf rund 50 der markantesten Allgäuer Berge Signalstangen setzten.

Allgäuer Brauchtum

Der Funken

Der Funken ist ein Fest, das vorrangig im alemannischen Raum gefeiert wird. Der Funken geht sicherlich auf irgendeinen heidnischen Brauch der Ur-Allgäuer zurück, aber man weiß nicht genau auf welchen. Der Funken ist auch eine Erinnerung an die traurige Tatsache, dass die letzte Hexe, die in Deutschland zu den Zeiten der Inquisition umgebracht wurde (sie hieß Anna Schwegelin), in Kempten verbrannt wurde. Sinn und Zweck ist die Austreibung des Winters. Dazu wird mit feierlichem Zeremoniell eine Stroh-Hexe auf einem riesigen Scheiterhaufen verbrannt.

Nach Weihnachten fangen die jungen Leute in den Dörfern an, die alten Weihnachtsbäume und sonstiges brennbares Zeug zu sammeln. Am Wochenende nach Fasching wird dann das inzwischen gut getrocknete Holz auf einer großen Wiese vor dem Dorf zu einem hohen Haufen um eine lange Stange herum aufgeschichtet. Möglichst weit oben an dieser Stange wird eine Strohpuppe, die als Hexe verkleidet ist, befestigt. Das ist die 'Funkenhex'.

Der Scheiterhaufen wird schon am Samstag fertig gemacht, obwohl der eigentliche Funken erst am Sonntag ist. Die Höhe des Scheiterhaufens und vor allem die Hexe und wie weit oben sie hängt ist Ehrensache der Funkenausrichter. Jedes Dorf will den größten Haufen und die tollste Hexe haben. Deswegen ist natürlich das Brennholz und vor allem die Hexe sehr gefährdet und muss bewacht werden. Die Nacht von Samstag auf Sonntag bewachen willige junge Leute, unterstützt von vielen Getränken und Essen den eigenen Scheiterhaufen, während sich andere aufmachen, die Scheiterhaufen der Nachbardörfer zu begutachten und die Bewachung abzuchecken. Ist ein Haufen unbewacht, wird die Hexe gestohlen und der Scheiterhaufen angezündet. Theoretisch jedenfalls.


Weitere Informationen:

Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben e.V.
Fuggerstraße 9
D-86150 Augsburg
Telefon (08 21) 45 04 01-0
Telefax (08 21) 45 04 01-20
info@tvabs.de
www.allgaeu.de

 

 

 

 

 

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