Allein schon auf Grund seiner Lage Unter den Linden am Pariser
Platz mit freier Sicht auf das Brandenburger Tor ist das Hotel
Adlon Kempinski Berlin eine der ersten Adressen Berlins. Wer
zwischen Mai und Oktober nach Berlin kommt, sollte die
Sommerterrasse am Pariser Platz genießen.
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Hedda Adlon, die 1967 verstorbene
Schwiegertochter des legendären Hotelgründers Lorenz Adlon, hatte bereits in den
1950er Jahren der Kempinski AG die Vorkaufsrechte für das Gründstück und den
Namen Adlon verkauft. Das heute der von Anno August Jagdfeld geführten Fundus
Fonds-Verwaltungen GmbH gehörende Luxushotel mit der Kempinski-Hotelgruppe als
Pächterin konnte allerdings erst nach dem Untergang der DDR und der Überwindung
juristischer Schwierigkeiten neu gebaut und am 23. August 1997 vom damaligen
Bundespräsidenten Roman Herzog feierlich eröffnet werden. Die Festrede hielt
Walter Jens, der Ehrenpräsident der Akademie der Künste, die gleich neben dem
Adlon steht.
Das Hotel Adlon Kempinski Berlin hat folglich abgesehen vom Namen und Anspruch
nichts mit dem historischen Hotel gemein. Doch mit der Eröffnung wurde es
sogleich wieder zum beliebten Treffpunkt der Prominenz aus Politik, Wirtschaft
und Kultur.
Am Neubau scheiden sich die Geister: Weder Fisch noch Fleisch, weder eine
Architektur der Kaiserzeit noch eine der 1990er Jahre. Ziel der Architekten
Patzschke, Klotz & Partner war allerdings nicht die Rekonstruktion des
historischen Adlon, sondern ein eigenständiger Entwurf eines zeitgemäßen
Luxushotels, wofür die Stolze Summe von DM 600 Millionen eingesetzt wurde.
Einzig der Brunnen unter der fünfzehn Meter hohen blau-goldenen Glaskuppel im
Foyer sowie der Kamin im ersten Stock mit der Büste von Wilhelm II. wurden nach
dem Vorbild des alten Adlon originalgetreu rekonstruiert. Das gelang so gut,
dass bereits vor der Neueröffnung ein "Sammler" den Bronzeadler vom Helm des
Kaisers stahl.
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Im Adlon zitieren einige Elemente
den Stil des historischen Hotels aus der Kaiserzeit, das für den heutigen
Geschmack vielleicht ein wenig überladen und düster wirken würde, weshalb der
Neubau hell, lichtdurchflutet, mit einer freundlichen und offenen Atmosphäre
gestaltet wurde. Das Design im Adlon ist zeitlos elegant und gleichzeitig
modern. Alle Zimmer verfügen über eine Mindestgröße von 38 Quadratmetern. Die
Junior-Suiten für Geschäftsleute, die länger im Aldon wohnen, verfügen über
einen voll ausgestatteten Arbeitsbereich sowie eine Kitchenette und sind über
einen separaten Eingang von der Behrenstrasse aus zugänglich.
Die Räumlichkeiten wurden von den Innenarchitekturbüros Ezra Attia (London) und
Lars Malmquist von AB Living Design (Stockholm) entworfen. Die Zimmer und Suiten
sind in vier Farbgruppen verschiedenen Farbkombinationen ausgestattet:
Blau/Beige, Rot/Beige, Grün/Goldbraun und Gold. Die Fußböden und Türumrandungen
sind mit Jura-Kalkstein ausgestattet, Wände und Türen mit Kirsch- und Wurzelholz
furniert. Blattvergoldete Decktapeten, zeitlos-elegante Möbel aus Kirsch- und
Myrteholz mit komfortablen Polstern in Wilderlederoptik sorgen für ein
gediegenes Ambiente. Die Bäder im Adlon sind in schwarzem Granit, hellem Marmor
und edlen Holzvertäfelungen ausgestattet. Die Duschen in den Suiten können
übrigens auch als Dampfkabinen benutzt werden.
Bei Luxushotels machen Details den kleinen Unterschied aus. Der kostenfreie
Schuhputzservice des Hotel Adlon Kempinski Berlin ersetzt über Nacht fehlende
oder kaputte Schnürsenkel. Im Badezimmer befinden sich zwei Badesalze und ein
Badeöl. Jeder Gast kann auf Wunsch beim Housekeeping aus zwanzig Badesalzen und
-Ölen die gewünschten Duftlinien auswählen. Und wer zwar fit bleiben, nicht aber
das Spa aufsuchen möchte, bekommt ein Laufband oder Fitnessfahrrad ins
Hotelzimmer gestellt. In den meisten Luxusherbergen kann der Gast Souvenirs
aller Art des jeweiligen Hotels kaufen. Das Adlon Berlin bietet diesbezüglich
wohl die grösste Auswahl. Für Damen gibt es sogar ein Adlon-Gesichtspeeling, für
Herren ein After Shave Balm.
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Im Mai 2004 wurde das Hotel um 69
Zimmer, davon 21 Suiten, erweitert. Der Wiener Architekt Gustav Peichl
errichtete den an die Britische Botschaft grenzende Erweiterungsbau auf dem
Eckgrundstück Wilhelmstrasse/Behrenstrasse. Die neuen Zimmer und Suiten sind
technisch auf der Höhe der Zeit, alle mit in die Wand eingelassenen
TV-Flatscreens, Wireless LAN im gesamten Hotel und High Speed Internet Access,
wobei einzelne Zimmer und Zimmergruppen zu privaten Netzwerken zusammen
geschlossen werden können und auf Wunsch auf einen gemeinsamen Server Zugriff
haben. UMTS, ein Badtelefon, eine Stereoanlage mit CD- und DVD-Player, Tapedeck
und Radio runden das Angebot ab.
Das Gesamtkonzept entwarf die Besitzergattin und Designerin Anna Maria Jagdfeld
mit ihrem Team von amj Design. Die neuen Zimmer sind etwas dunkler gehalten als
die alten. Die Wände sind mit Kirschholz und Seide bezogen, die Fußböden sind
aus dunklem Eichenparkett. Die Seidenstoffe stammen von Etro aus Italien, die
Leuchter aus Chrom und Eisenguss sowie die Möbel aus hochglänzendem lackiertem
Kirschholz sind Maßanfertigungen, exklusiv fürs Adlon geschaffen. Die
Badezimmerwände und -böden sind aus Limestone in warmen Tönen. Daneben wurde der
schwarze Granit nero assoluto verwendet.
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Zusätzlich zum bereits
existierenden Pool- und Spa-Bereich im alten Teil des Adlons entstand in den
beiden Untergeschossen des Erweiterungsbaus das luxuriöse Adlon Day Spa mit
einer Gesamtfläche von 610 Quadratmetern, das verschiedene Treatment-Bereiche
von 14 bis 30 Quadratmetern, eine Health-Bar, eine Kamin-Lounge und einen
Yoga-Raum umfasst. Der neue Spa-Bereich verbindet gekalkte Eichenhölzer, hellen
Limestone und farbige Lichtprojektionen auf weiß gelackten Wänden mit
ursprünglicher indonesischer Kunst, darunter antike Garuda-Skulpturen, die Glück
und Vollkommenheit symbolisieren.
Viel Wert legt das Adlon auf die Schulung seiner Mitarbeiter, die in einem
50seitigen Handbuch nicht nur Richtlinien zur korrekten Kleidung finden, sondern
auch 101 Fragen und Antworten zum Adlon und seiner Geschichte, die jeder
Angestellte immer parat haben muss. Kandidaten auf eine Karriere im Adlon
sollten, wenn möglich, das Abitur sowie eine Zeit im Ausland verbracht haben.
Die Liste der Politiker, Musiker, Schauspieler und anderer VIPs, die das Hotel
Adlon Kempinski Berlin seit seiner Neueröffnung 1997 besucht haben, ist
eindrucksvoll. Fast alles, was Rang und Namen hat, ist hier bereits einmal
abgestiegen. Stellvertretend für die vielen Stammgäste sei Aussenminister a.D.
Hans-Dietrich Genscher erwähnt. Im reichen Veranstaltungskalender fallen der
Staatsempfang "50 Jahre Luftbrücke" mit Bill Clinton, Roman Herzog und Helmut
Kohl 1998, die Zehnjahresfeier des Mauerfalls am 9. November 1999 mit der
Live-Talkshow von ARD/SFB mit George Bush, Michail Gorbatschow und Helmut Kohl
und die Neujahrsansprache 1999/2000 von Bundeskanzler Gerhard Schröder aus der
Adlon-Präsidentensuite ins Auge. Die Premierenfeier des mehrfach ausgezeichneten
Kinofilms
Comedian Harmonists
sowie, im November 2004, die Pressekonferenz zur
Bridget Jones-Fortsetzung
Am Rande des Wahnsinns mit Hugh Grant und Renée Zellweger fanden ebenfalls im
Adlon statt.
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Das Hotel Adlon Kempinski Berlin
gehört also wieder zu den ersten Adressen, nicht nur in der deutschen
Hauptstadt. Davon zeugen ebenfalls die vielen Auszeichnungen, die das Hotel seit
1997 erhalten hat. Drei seien erwähnt: 1998 kürte Gault Millau das Adlon zum
"besten Hotel des Jahres", das Time Magazine wählte es 1999/2000 zum "Hotel of
the Century", und der Condé Nast Traveler zeichnete es 2003 mit dem zweiten
Platz in der Gold List - the World's Best Places to Stay aus. Bereits im Jahr
der Neueröffnung wurde das Adlon in die prestigereiche Vereinigung der "Leading
Hotels of the World" aufgenommen.
Die Geschichte des Hotel Adlon
Sie beginnt mit ihrem Gründer und
Eigentümer
Lorenz Adlon,
der sich zuvor in Berlin als Gastronom unter anderem mit den Restaurants Hiller
und den Zooterassen sowie als Weingroßhändler einen Namen gemacht hatte. Allein
schon auf Grund seiner Lage
Unter den Linden
am Pariser Platz mit freier Sicht auf das
Brandenburger Tor
war das Adlon eine der ersten Adressen in Europa. Zu den Nachbarn gehörten neben
Max Liebermann
die Akademie der Künste sowie die amerikanische und die französische Botschaft.
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Wie dem Neubau des Adlon in den
1990er Jahren ging bereits der Konstruktion des historischen Hotels eine
Kontroverse voraus, da das von Karl Friedrich Schinkel umgebaute Palais Redern
der Luxusherberge weichen musste.
1738 entstand das Quarré, der spätere Pariser Platz. Entsprechend den Absichten
des Königs waren die ursprünglichen Bauten schlicht, aber dennoch repräsentativ.
Die erste nachweisbare Bebauung des heutigen Hotelgrundstücks geht gar auf das
Jahr 1734 zurück. Frau Hoffmeister von Kamekin stellte damals beim König den
Antrag, das Haus von Kammerherr von Wilchpitz abreißen zu lassen, um sich dort
niederzulassen. Sie leitete den Hausbau für ihren Mann, Friedrich Paul Graf und
Herr von Kameke, der im diplomatischen Dienst des preußischen Staates stand.
Sein Nachfahre, Graf Alexander Friedrich von Kameke, vermietete das Haus an die
Englische Gesandtschaft, die dort ihren Sitz hatte. Er verkaufte es später an
Graf Wartensleben, der es wiederum 1798 an Graf Wilhelm Jacob von Redern
veräußerte, der damals Königlicher Kammerherr bei beim Prinzen Heinrich von
Preußen war, dem jüngeren Bruder König Friedrichs II. Die Söhne des Grafen
ließen 1828/29 das Palais von Karl Friedrich Schinkel, dem Meister der
deutschen Klassik, umbauen. Das Palais Redern wurde bereits damals einen
Mittelpunkt des geselligen Lebens der Stadt.
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1883 starb Graf Redern. Eine
Neffe erbte das Palais, zeigte jedoch wenig Interesse daran und vermietete es an
die Kunsthandlung Eduard Schulte. Dort stellte die Malervereinigung "XI" 1899
ihre Werke aus. Zu ihr gehörte
Max Liebermann,
der aus der Gruppe den Kreis der Secessionisten bildete. Das Gebäude verkam
zusehends und wurde 1905 verkauft. Im folgenden Jahr fand dort eine
Abschiedsausstellung statt, bei der das Palais letztmals der Öffentlichkeit
zugänglich war. Gegen den Plan, anstelle des Palais Redern ein Luxushotel zu
errichten, gab es öffentlichen Protest. Die überlieferte Architektur erfuhr
damals eine neue Wertschätzung. Das Palais stand zudem unter Denkmalschutz.
Zudem war das Palais Teil eines unteilbaren Besitzes, der der Versorgung der
Familie diente.
Doch dem gebürtigen Mainzer Lorenz Adlon gelang es trotz widriger Umstände
ausgerechnet auf dem Grundstück des Palais Redern, ein Hotel zu errichten, das
es mit den ersten Adressen in Paris und London aufnehmen konnte. Entscheidend
war, dass sich der Kaiser persönlich dafür einsetzte. Später rankten sich von
Neidern gesponnene Legenden über die Gründe dieser "allerhöchsten Protektion",
die dem Vorhaben den Erfolg sicherte. So hieß es, Lorenz Adlon sei ein Freund
des Kaisers, ja gar ein illegitimer Spross der Hohenzollern gewesen. Natürlich
entsprach nichts davon den Tatsachen.
Da die Akten nichts dazu sagen, kann über die Motive des Kaisers nur spekuliert
werden. Demps und Paeschke verweisen darauf, dass Wilhelm II den "Alten Kasten",
wie er das Berliner Schloss nannte, nicht besonders mochte, da es unbequem und
schwer zu heizen war und zudem wenig Raum für Individualität bot. Das steife
Hofzeremoniell schränkte das Privatleben ein. Freiraum erhoffte sich der Kaiser
wohl hinter den Türen des Adlon. Zudem war Wilhelm II der Meinung, Berlin fehle
es an einem Luxushotel, das gekrönte Häupter zufrieden stellen könne.
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Von 1905 bis 1907 von den
Architekten Carl Gause und Robert Leibniz erbaut, eröffnete das mondände Hotel
Adlon am 24. Oktober 1907 seine Pforten. Es kostete
Lorenz Adlon
die damals unvorstellbare Summe von rund 17 Millionen Goldmark - in heutigen
Geldwert umgerechnet rund 350 Millionen Euros, mehr als der Neubau des Adlon in
den 1990er Jahren verschlang. Konkurrenten von Lorenz Adlon hatten noch
versucht, den Bau zu hintertreiben. Doch der Kaiser selbst ebnete den Weg zu
Krediten von 15 Millionen Mark. Zwei Millionen soll das Eigenkapital des
Hoteliers umfasst haben.
Allein fünf Millionen soll Lorenz Adlon in die Inneneinrichtung investiert
haben. Das Geld fehlte ihm zur Bezahlung der Lieferanten. Da der Hotelier nicht
weitere Kredite auf das Gründstück Unter den Linden 1 aufnehmen konnte,
entschloss er sich für ein riskantes Spiel: Er kaufte für 3,5 Millionen Mark das
Hotel Continental, für das er ein Vorkaufsrecht besaß, auf Kredit. Da der
Verkehrswert des Hauses rund 10 Millionen Mark betrug, überschrieb er 1908
kurzerhand die Hypotheken des Adlon auf das Continental.
Über die Geschäftsentwicklung des Hotels liegen keine Unterlagen mehr vor. Doch
konnte Lorenz Adlon die Kredite und Hypotheken in einem ungewöhnlich raschen
Tempo zurückzahlen. Allerdings blieben die höheren Schulden bis in die 1920er
Jahre bestehen. Sie konnten erst nach der Zeit der großen Inflation abgetragen
werden. Damals begann die finanziell sorgenfreie Zeit des Hotels.
In der Kaiserzeit verkauften vornehme Adlige ihre Winterpalais in Berlin, um
während der Ballsaison in den Suiten des Adlon zu residieren. Ganze Berliner
Ministerien zogen den opulenten Kaisersaal des Hotels ihren eigenen Festsälen
vor. Zur auserlesenen internationalen Klientel des Hotel Adlon gehörten
Staatsmänner, Diplomaten, Wirtschaftsmagnaten und Künstler. Im Adlon fanden
wichtige Konferenzen, glanzvolle Bankette und Hochzeiten statt. Nach dem Ersten
Weltkrieg schlug der französische General Nollet im Adlon sein Hauptquartier
auf.
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Unter den vielen illustren Gästen
des Hotel Adlon waren zum Beispiel Kaiser Wilhelm II., der frühere Reichskanzler
Fürst Bülow, John D. Rockefeller, Henry Ford, Franklin D. Roosevelt, Aristide
Briand, Yehudi Menuhin, Mary Pickford, Marlene Dietrich und
Charles Chaplin,
dessen Film
Goldrausch
gerade im Kino lief.
Der damals noch unbekannte Billy Wilder arbeitete in den 1920er Jahren als
Journalist und interviewte Gäste des Adlon, so Jackie Coogan, den einst kleinen
Jungen in Chaplins The Kid (1921), den Hollywood-Star Adolphe Menjou und den
Millionenerben Cornelius Vanderbilt jr. Ihn fragte der spätere Filmregisseur
zuerst, wieviel Geld er bei sich trage. Natürlich hatte er nichts dabei. Die
zwei gingen Unter den Linden und in der Friedrichstrasse spazieren, wo sie
schliesslich bei Aschinger landeten. "Vanderbilt ass drei Buletten und trank
vier Bier - und ich musste für ihn bezahlen", meinte Billy Wilder dazu gegenüber
Hellmuth Karasek.
Das Adlon hatte übrigens nicht nur weltberühmte Gäste, sondern zu Beginn der
1930er Jahre auch kurz einen nach dem Krieg als TV-Showmaster bekannt gewordenen
Pagen: Peter Frankenfeld. Dessen Hotelkarriere scheiterte jedoch an einer
Eisbombe. Sie war zusammen mit vier anderen für Reichspräsident Hindenburg und
seine Gäste bestimmt. Frankenfeld konnte der Versuchung der in einem Nebenraum
stehenden Eisbomben nicht widerstehen und knabberte eine an, wurde prompt vom
Oberkellner erwischt und musste sie zur Strafe ganz aufessen, ehe seine
Hotelkarriere vorbei war.
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Nach dem Tod von
Lorenz Adlon
1921 erbten die älteste Tochter Anna Förster, geb. Adlon, und ihr jüngerer
Bruder Louis das Hotel. Dieser war damals noch mit seiner ersten Frau Tilli
verheiratet, mit der er fünf Kinder hatte. Am Silvesterabend jenen Jahres lernte
Louis Adlon Hedda im Hotel kennen. Er trennte sich bald darauf von seiner Frau
und den Kindern, was damals ein ziemlicher Skandal war. Die 1967 verstorbene
Hedda Adlon blieb bei den Kindern und Enkeln des Hoteliers Louis Adlon über
dessen Tod hinaus persona non grata.
Tilli Adlon zog nach der Trennung mit ihren Kindern nach Süddeutschland. Als die
Kinder erwachsen waren, zog es die meisten in die USA, wo sie ebenfalls ins
Hotelfach einstiegen. Eine Ausbildung im Haus des Vaters war unmöglich. Die
älteste Tochter, Susanne, brachte 1935 ihren ersten Sohn, Parsifal, zur Welt,
der den Familiennamen als Filmemacher weiterführt und als Percy Adlon einen
Dokumentarfilm über das Hotel seines Großvaters gedreht hat. Der Film wird in
den Zimmern des heutigen
Hotel Adlon Kempinski Berlin
gezeigt.
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Louis und Hedda Adlon führten bis
zum Ende des Zweiten Weltkrieges das Hotel weiter. Anna Katharina hatte sich von
ihrem Bruder 1931 auszahlen lassen und war nach Mainz gezogen, wo sie einen Arzt
heiratete. Bei Kriegsende wurde sie aus Salzburg, wo sie damals lebte,
ausgewiesen. Vom Familienerbe blieb ihr nichts. Sie verstarb 1956 im Alter von
84 Jahren in der Nähe von Mainz.
In der Zeit des Dritten Reiches
bevorzugten die SS-Schergen laut dem damaligen Kellner Hans Dietzel das Hotel
Kaiserhof, doch im Adlon änderte sich in der Nazi-Ära die Speisekarte
sprachlich, denn jetzt musste alles deutsch angeschrieben werden. Aus dem
französischen Ragout wurde so Würzfleisch. Erst nach dem Brand des Kaiserhof
1943 begann die Prominenz von Staat und Partei im Adlon zu verkehren. Louis und
Hedda Adlon traten übrigens 1940 der NSDAP bei, und nicht erst nach dem Brand im
Kaiserhof, wie bei Hedda Adlon zu lesen ist. Doch ein feuriger Nazi wäre sicher
schon viel früher in die Partei eingetreten. Die Umstände des Beitritts liegen
im Dunkeln.
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Der Reichsjugendführer Baldur von
Schirach hatte eine Abneigung gegen die Farbe Blau. Doch das Hotel war für das
"Adlon Blau" berühmt, das sich auf Federhaltern, Tintenfässern mit blauer Tinte,
Bleistiften und Polstermöbeln wiederfand. All das musste zeitweilig aus dem
jeweiligen Zimmer verschwinden, in dem Baldur von Schirach einzog.
Louis Adlon ging es in den 1930er Jahren finanziell nicht mehr gut. Nach der
Auszahlung der Schwester drückte die dafür aufgenommene Grundschuld von 5,2
Millionen Reichsmark sehr. 1937 machte die Schweizer Bank die Fälligkeit ihrer
Forderungen geltend. Sie besaß auf Grund des Pfandrechts die Möglichkeit des
Einspruchs gegen einen Verkauf. Zudem hatte die Reichsregierung begehrliche
Blicke aufs Adlon geworfen. Dem Hotelier blieb nichts anderes übrig, als sich
vom Reichsfinanzministerium "helfen" zu lassen, wobei das Finanzmanöver wohl auf
eine spätere Hotelübernahme durch das Reich abzielte.
Einige Künstler waren im Zweiten Weltkrieg weiterhin Stammgäste im Hotel,
darunter Heinrich George, Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan und der
Operettenkomponist Eduard Künneke, der manche Melodie auf alten Menükarten
notierte.
Im Krieg gaben die Gäste schon mal Naturalien als Trinkgeld. Fürst Bismarck
spendete einmal ein Pfund Tee für die Telefonzentrale, und Herr Reemtsma
versorgte das Adlon großzügig mit Zigaretten.
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Als im Zweiten Weltkrieg die
Britische Botschaft in der Wilhelmstrasse versiegelt und die britischen
Interessen im Reich vom Schweizer Gesandten wahrgenommen wurden, zogen
vorübergehend die 31 Engländer der Botschaft ins Hotel. Ihnen folgten bald
sieben französische Diplomaten. Laut Hedda Adlon wohnten sie alle "in einer Art
Ehrenhaft [im Hotel], bis sie von Berlin nach Bad Nauheim geschafft wurden, von
wo der Austausch über die Schweiz erfolgte."
Louis und Hedda Adlon erlebten das Kriegsende in ihrem Landhaus in Neufahrland
bei Potsdam, das Hedda in die Ehe mit eingebracht hatte. In ihren Erinnerungen
schreibt die Hotelierswitwe, dass die Rotarmisten am 25. April 1945 ihr Landhaus
nach irgendwelchen Dokumenten durchsuchten. Dabei verlor die Frau eines
Angestellten die Nerven und schrie die Soldaten an: "Nix Documenta! ... Da
Generaldirektor" Die Russen verstanden nur "General", was für Louis Adlon das
Todesurteil bedeutete, denn der vermeintliche deutsche General in Zivil wurde
verhaftet und abgeführt. Laut Totenschein soll er am 7. Mai 1945 gestorben
sein.
Die legendäre Luxusherberge bekam im Zeiten Weltkrieg lediglich eine Brandbombe
ab, welche die Wäscherei traf und rasch gelöscht werden konnte. Doch das Adlon
brannte aus nicht ganz geklärten Gründen, nicht durch Kriegseinwirkung, in der
Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945 aus. Der damals stellvertretende Empfangschef
des Adlon erlebte das Feuer nicht selbst, doch ein Maschinenmeister, der Zeuge
der Ereignisse war, dessen Name jedoch nicht überliefert ist, soll ihm berichtet
haben, dass sechs Russen in den Weinkeller eingedrungen seien, wo einer eine
brennende Zigarette in die Verpackungs-Holzwolle geworfen habe, die im
Weinkeller lagerte. Nur ein hinterer Seitenflügel des Adlon überlebte den Brand.
Das Hotel Adlon lag im sowjetischen Sektor Berlins. Zu DDR-Zeiten wurde der
erwähnte kümmerliche Rest als Hotel weitergeführt. Zu Beginn der 1970er Jahre
wurde das Rest-Adlon zum Lehrlingswohnheim. 1984 entschied das Politbüro der
SED, dass auch der hintere Seitenflügel abgerissen werden sollte. Nach dem
Untergang der DDR und der Überwindung juristischer Schwierigkeiten konnte das
Hotel neu gebaut und am 23. August 1997 als
Hotel Adlon Kempinski Berlin
wiedereröffnet werden.
Weitere Informationen:
Hotel Adlon GmbH
Unter den Linden 77
10117 Berlin
Telefon: +49 (0)30 2261-0
Telefax: +49 (0)30 2261-2222
adlon@kempinski.com
www.hotel-adlon.de
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