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KÖNIG LUDWIG


    König Ludwig Fernwanderweg

 

Der König-Ludwig-Fernwanderweg ist einer der beliebtesten in Deutschland. Mit einem blauen bekrönten „K” gekennzeichnet, führt er über 110 Kilometer vom Starnberger See durch den Pfaffenwinkel zu den Schlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau bei Füssen. Es wandert sich leicht und entspannt, durch abwechslungsreiche Landschaft, mit Ausblicken auf die näher rückenden Alpen. Kunstgenuss bieten dabei die herrliche Barockkirchen und Klöster am Wege.

Ein schlichtes Holzkreuz und die benachbarte Votivkapelle in Berg am Ufer des Starnberger Sees erinnern an den mysteriösen Tod des schillernden Königs, der sich noch immer mit Geheimnissen umgibt. An dieser Stelle wurde im Juni 1886 die Leiche Ludwig II. gefunden, hier nimmt der Fernwanderweg seinen Lauf, zugegebenermaßen ein beklemmender Ort. Doch der Weg ist Huldigung an den König, der bei vielen Bayern noch immer als Volksheld gilt. Ludwig liebte das Voralpenland und durchwanderte es selbst gern.

Der Weg verlässt Starnberg nach Südwesten, schlängelt sich durch die stille Maisinger Schlucht und das Naturschutzgebiet am Maisinger See, bis nach 15 Kilometern das Kloster Andechs erreicht ist. Es ist nicht nur Pilgerort für Gläubige, die Besucher sind gleichermaßen Bierliebhaber. Denn auch „Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen”, davon ist man in Andechs überzeugt. Sechs Sorten fließen aus den Fässern der Klosterbrauerei auf dem Heiligen Berg. Dazu wird eine herzhafte bayerische Brotzeit gereicht. Das Kloster wurde im Mittelalter gegründet, um Reliquien aus den Kreuzzügen zu beherbergen. Wallfahrten sind seit 1128 dokumentiert. In der prächtigen Kirche findet sich eine reiche Sammlung von Votivkerzen.

Unterhalb des Klosters geht es durch das Kiental weiter nach Herrsching am Ammersee. Viele Wege führen übers Wasser, auch die König-Ludwig-Seeroute nach Dießen. Durch den dunklen Staatsforst von Bayerdießen, der schon zum Pfaffenwinkel gehört, ist auf der Landstraße bald Wessobrunn erreicht. Der Ort wurde vor allem durch das älteste deutsche Schriftdenkmal bekannt, das Wessobrunner Gebet wurde 814 zu Papier gebracht. Der unbekannte Verfasser flocht nur wenige Zeilen in Althochdeutsch in die lateinische Schrift. In Wessobrunn tragen die Straßen Namen berühmter einheimischer Maurer, Maler und Stuckateure. Viele Kirchen und Paläste haben sie mit ihrer Kunst ausgeschmückt, die so genannte Wessobrunner Schule wurde weltbekannt.

Der erste wirkliche Anstieg dieser Wanderung wird gebührend belohnt. Vom Hohenpeißenberg (988m) zeigt sich zum Greifen nah das Alpenpanorama. Der nächste Tag bringt den Wanderer in die wildromantische Ammerschlucht, den „Grand Canyon” von Oberbayern. Gut jetzt, wer sich für trittfeste, knöchelhohe Wanderschuhe entschieden hat, an vielen Stellen ist es feucht und glitschig. Das kalte Wasser jagt eilig dahin. Es bahnt sich seinen Weg durch aufgetürmte Felsen. Viele Bäume im artenreichen Mischwald tragen grüne Söckchen aus fein gewebtem Moos.

Wildsteig ist ein Bilderbuchdorf. Das Alpenpanorama liegt direkt vor der Nase. Ein bisschen ist es hier noch wie vor hundert Jahren. Punkt sechs in der Frühe läuten die Kirchenglocken, als gelte es, eine Katastrophe zu vermelden. Gemeinschaftlich muhen die Kühe im Stall, sie wollen gemolken werden, und aufgeregte Enten streiten schnatternd um das Futter.

Wettergegerbte Bergahorne, Buchen, Eichen und Eschen säumen seit Jahrhunderten den Weg zur Wies. Auf der Waldlichtung stehen fünf Bauerngehöfte, zwei Wirtschaften und die weltbekannte Kirche, eines der schönsten Bauwerke aus der Barockzeit. Mucksmäuschenstill lauschen die Besucher den Worten des Pfarrers.
Der Frömmigkeit der Wieshofbäuerin Maria Lory ist der Bau der Kirche zu verdanken. Sie verehrte in ihrer Stube eine vergessene Prozessionsfigur des gegeißelten Heilands. Während eines Abendgebets im Jahre 1738 sammelten sich Tränen in Gottes Augen. Das Wunder lockte Wallfahrer an. Erst wurde es im Haus zu eng, dann in einer Kapelle. Von 1745 -1754 erbauten die Wessobrunner Gebrüder Zimmermann schließlich die Wies, ein Stück Himmel auf der leidvollen Welt.
Mitunter sitzen Kunstliebhaber den ganzen Tag im Gotteshaus, um Stuck und Malereien im wechselnden Spiel des Lichts zu betrachten. Doch die Ausdünstungen der Touristenheerscharen verbunden mit dem Staub bedrohen die Leuchtkraft der fast vollständig erhaltenen originalen Fresken. Der Pfarrer ist daher wohl der einzige seiner Art, der aus diesem Grund täglich dafür betet, dass weniger Menschen in die Kirche kommen.

Weiter führt der Weg durch das Naturschutzgebiet Schwefelfilz und am Oberen Lindegger See vorbei, bis er auf die Landstraße nördlich von Trauchgau trifft. Durch die Felder wandert man hinauf zur Kapelle St. Peter in Berghof.
Der letzte Wandertag führt über Bayerniederhofen, um auf die Hauptstraße nach Pfaffenbichl zu kommen. Schließlich ist der ruhige Asphaltweg gen Süden zum Hergratsrieder See erreicht. Den Weg am Ufer des Forggensees teilt man sich mit einigen Radfahrern.
Einer Riesenschlange gleich, streben die Neuschwansteinbesucher aus aller Welt zum Eingang. Das romantisch-gigantische Schloss im Stil einer Wagnerschen Theaterkulisse war König Ludwigs ärgstes Finanzabenteuer. Gefährlich hoch thront es auf einem steilen Felsen.
Die klassische Aussicht, wie man sie von vielen Fotos kennt, bietet sich von der Marienbrücke hinunter in die Schlucht und auf das Schloss, die bayerischen Voralpen dahinter. Diese Ansicht vergisst man nicht so bald, ein würdiger Abschluss für diesen Weg, denn bis Füssen ist es jetzt nur noch ein Katzensprung.

 

 

 


 

 
 

 

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