„Es muss ein
echter Müller sein, dem niemals fiel das Wandern ein...“ Wer
erinnert sich nicht an die unbeschwerten Sommertage der
Kindheit, an denen einen die Großeltern an die Hand genommen und
in langen Märschen durch die Natur manövriert haben. Neben
reichlich frischer Luft und der obligatorischen Brotzeit gab es
dann immer auch eine kleine Nachhilfestunde in Sachen heimischer
Flora und Fauna. Kostprobe? „Diese Pflanze heißt Fingerhut – und
nein, du solltest sie nicht essen!“ In den Bayerischen Alpen
kann man ein Stück Kindheit wieder aufleben lassen.
Wir stellen Ihnen einige Wanderrouten der Bayerischen
Alpen vor.
Almbachklamm
I
Jochberg (Walchensee) I
Heuberg im Inntal
Wendelstein (Miesbach)
I Wank (Zugspitzregion)
Baumgartenschneid (Tegernseetal)
I Partnachklamm (Garmisch)
Hundalm Eishöhle (Tirol)
I Naunspitze (Kufstein)
Höllentalangerhütte
I
Buchstein / Roßstein
I Schildenstein
Kampenwand (Chiemgau)
I Wimbachgries (Berchtesg. Alpen)
Ammersee-Höhenweg
I Aggenstein
Durch die Almbachklamm nach Ettenberg
Wie ein Fels in der Brandung ragt der Untersberg über
Berchtesgaden auf. Und wie im Meer nagt auch hier das Wasser am Fels. Die
natürlichen Gegebenheit machen die Almbachklamm zu einem interessanten
Wanderziel. Im Inneren ist das Bergmassiv ausgehöhlt wie ein Schweizer Käse und
am Fuß des Untersbergs graben sich Wasserläufe wie der Almbach immer tiefer in
das weiche Kalkgestein und schaffen so großartige Schluchten. Ausgangspunkt der
Wanderung ist das Gasthaus Kugelmühle, vor der sich die älteste und mittlerweile
auch letzte Kugelmühle Deutschlands stetig dreht. Seit 1683 werden hier mit
Wasserkraft Murmeln aus dem Untersberger Marmor hergestellt.
Der Auftakt in die gut zwei Kilometer lange Almbachklamm ist harmlos, erst
allmählich verengt sich das Tal, die steilen Flanken links und rechts gewinnen
an Höhe. Auf 29 kleinen Brücken überquert man den rauschenden Bach, passiert den
114 Meter hohen Sulzerwasserfall, schaut hinunter ins glasklare Wasser, in die
tief grünen Gumpen, in denen sich Forellen tummeln. Der Weg führt bis zur
Theresienklause, einer Staumauer, die für die Holztrift bereits vor über 150
Jahren erbaut wurde. Mit den 15000 Kubikmetern Wasser, die gestaut werden
konnten, wurde mit einem großen Wasserschwall das in die Klamm geworfene Holz
mitgerissen und bis zur Kugelmühle geschwemmt.
Ein kurzer, aber steiler Anstieg führt auf die Hochfläche von Ettenberg mit
saftig grünen Wiesen, einsamen Höfen, einer spätbarocken Wallfahrtskirche und
einem Wirtshaus. Ein beliebtes Ausflugsziel und ein idyllischer Rastplatz mit
den senkrechten Felswänden des Untersbergs im Hintergrund. Nach gut vier Stunden
Gehzeit ist die Runde komplett und man steht wieder am Parkplatz bei der
Kugelmühle.
Anfahrt: Salzburger Autobahn zum Grenzübergang Walserberg, auf der Tauernautobahn zur
nächsten Ausfahrt Salzburg Süd und Richtung Berchtesgaden über Marktschellenberg
zur Abzweigung Almbachklamm. Parkplatz beim Gasthaus Kugelmühle
Zeit: Insgesamt 4 Stunden
Schwierigkeit:
Einfache, auch für Kinder geeignete Wanderung, von Vorder Ettenberg steiler
Abstieg zur Kugelmühle
Einkehr: Gasthaus Kugelmühle (500 Meter), Gasthaus Mesnerwirt (832 Meter)
Der Jochberg
Der Jochberg ist ein Berg mit zwei
Gesichtern. Während er nach Norden dem Flachland seine steile, abweisende
Nordflanke entgegenstreckt, gibt er sich von Süden als harmloser Wald- und
Wiesenhügel über dem leuchtenden Blau des Walchensees. Die isolierte Lage über
Kochel- und Walchensee mit freien Blicken sowohl ins Gebirge als auch ins
Flachland machen den Jochberg zu einem Aussichtsberg ersten Ranges. Der Anstieg
beginnt direkt auf der Passhöhe. Gleich hinter der Straße taucht man ein den
schattigen Bergwald, der die Geräusche der Straße schluckt. Durch den dichten
Mischwald steigt man stetig bergan, immer wieder mit kurzen Abstechern an die
Kante der felsigen Nordflanke und mit überraschenden Aus- und Tiefblicken zum
Kochelsee, dem Kochler Moos und ins Flachland. Kurz bevor man den dichten
Waldgürtel unter sich lässt und die freien Wiesen des Gipfelhanges erreicht,
zweigt rechts eine Abkürzung zur nahen Jocheralm ab. Doch die Brotzeit schmeckt
nach dem Gipfel fast noch besser und so folgen dann die meisten erst noch dem
einfachen Gratkamm auf den nahen Gipfel. Der Abstieg erfolgt am besten auf dem
Anstiegsweg zurück bis zum Waldrand und in fast ebener Querung zur Jocheralm,
einer gemütlichen Brotzeitstation, und weiter nach Sachenbach am Ufer des
Walchensees. Auf einer breiten Uferpromenade geht es zurück nach Urfeld und zum
Kesselberg oder man lässt die Zeit verstreichen, schaut den Surfern bei ihren
atemberaubenden Halsen zu oder springt selbst ins kühle und erfrischende Nass.
Anfahrt: Auf der Garmischer Autobahn bis zur Ausfahrt Sindelsdorf, über Benediktbeuern
und Kochel zum Kesselberg. Parkplatz südlich der Passhöhe
Zeit: Insgesamt 4 Stunden
Schwierigkeit: Einfache Bergwanderung auf einen traumhaften Aussichtsberg über dem Walchensee
Einkehr: Jocheralm (1382 Meter)
Der Heuberg
Etwas geringschätzig betrachten manche von unten, aus
dem grünen Inntal, die lediglich 1338 Meter hohe Wald- und Wiesenkuppe des
Heubergs. Vielleicht ein Ausweichziel bei schlechtem Wetter, überlegt man und
begeht dabei einen großen Fehler. Wanderungen in den Vorbergen haben einen
eigenen Reiz, hier fasziniert nicht das Hohe, Gewaltige und manchmal auch
Abschreckende der Berge, hier findet man vielmehr die Schönheiten im Detail. Der
gemütliche und einfache Anstieg beginnt hinter dem Gasthaus Duft, beim
schattigen Parkplatz im Gammernwald. Nach einer knappen Stunde erreicht man die
ersten Almwiesen und kurz danach die freie Hochfläche der Daffnerwaldalm mit
saftig grünen Wiesen für glückliche Kühe – und einer bewirtschafteten Alm für
durstige und hungrige Wanderer.
In Kehren windet sich der schmale Pfad den
steilen Wiesenhang empor in einen Sattel und zur runden Wiesenkuppe des
Heubergs. Urplötzlich öffnet sich das Panorama, über dem 800 Meter tiefer
liegenden Inntal entdeckt man die klassischen Münchner Hausberge zwischen
Wendelstein, Rotwand und Hinterem Sonnwendjoch. Und Inntalaufwärts sieht man
hinter den Kitzbüheler Alpen sogar die schneebedeckten Dreitausender des
Alpenhauptkamms. Für die schönste Sicht auf die grüne, sanft gewellte Hochfläche
des Samerbergs und hinaus ins Alpenvorland sollte man dagegen unbedingt einen
Abstecher auf den Nachbargipfel, den Felskamm der Wasserwand, unternehmen. Der
Anstieg über die kurze Steilstufe ist mit einem Drahtseil gesichert. meist dehnt
sich die Gipfelrast länger aus als geplant, zu schön ist einfach die Aussicht –
und der kurze Abstieg auf dem Anstiegsweg zurück zum Auto überschaubar.
Anfahrt: Salzburger Autobahn bis Ausfahrt Achenmühle; in Achenmühle Abzweigung zum
Samerberg, über Grainbach zum Gasthaus Duftbräu, etwa 400 Meter vor dem Gasthaus
zweigt links eine schmale Straße ab, die zum Parkplatz führt
Zeit: Insgesamt 3.30 Stunden
Schwierigkeit: Einfache Wanderung ohne Schwierigkeiten, lediglich der Abstecher auf den
Felskamm der Wasserwand erfordert Trittsicherheit
Einkehr: Daffnerwaldalm (1050 Meter)
Auf den Wendelstein
Der Wendelstein ist zwar nicht der höchste Berg der
Bayerischen Voralpen, aber dennoch einer der markantesten. Nicht nur Ausflügler
schätzen den Berg, auch Wissenschaftler: Seit über 100 Jahren befindet sich auf
dem Gipfel eine Wetterstation. mittlerweile gibt es auch eine Sternwarte der
Universität München, die jeden ersten Donnerstag im Monat (Juni bis Oktober)
besichtigt werden kann. Seit 1912 führt von Brannenburg im Inntal eine
Zahnradbahn (die älteste Deutschlands!) und seit 1970 von Osterhofen eine
Seilbahn bis kurz unter den Gipfel. Mit welcher Bahn man herauffährt, welchen
Anstiegsweg man wählt und in welcher Reihenfolge man die Programmpunkte im
Gipfelbereich erlebt, bleibt jedem selbst überlassen. Natürlich darf der kurze
Anstieg auf dem schmalen, teils in den Felsen geschlagenen und mit Geländern
abgesicherten Weg zum höchsten Punkt nicht fehlen. Oben sollte man sich
ausreichend Zeit nehmen, um das umfassende Panorama zu genießen: Berchtesgadener
und Chiemgauer Alpen, Zahmer und Wilder Kaiser, daneben die eisbedeckten Gipfel
der Hohen Tauern, die Bayerischen Voralpen…
Der Abstieg erfolgt am besten auf dem Panoramaweg über
den Ostgipfel. Bei der Rückkehr zu der Bergstation sollte man noch schnell einen
Abstecher zum kleinen, 1890 erbauten, Wendelsteinkircherl machen, das bis zum
Bau der Kapelle auf dem Zugspitzplatt Deutschlands höchstes Gotteshaus war.
Interessant ist auch die 300 Meter lange Wendelsteinhöhle mit schmalen Gängen
und schönen Felsformationen, vor allem im Frühjahr und Frühsommer, wenn in der
ehemaligen Eingangshalle noch Eiszapfen und Bodeneis zu sehen sind.
Anfahrt: Salzburger Autobahn bis zur Ausfahrt Weyarn, über Miesbach und Schliersee bzw.
durch das Leitzachtal Richtung Bayrischzell zur Talstation der
Wendelstein-Seilbahn. Direkte Zugverbindung München - Bayrischzell, Haltestelle
Osterhofen
Zeit: Insgesamt 1,20 Stunden
Schwierigkeit: Einfacher und kurzer Anstieg auf einem mit Geländer gesicherten Serpentinenweg,
auch der Abstieg über den Panoramaweg ist stellenweise gesichert (bei Nässe
unangenehm)
Einkehr: Wendelsteinhaus (1720 Meter)
Auf den Wank
Direkt vor dem Wetterstein gelegen, bietet der Wank
eine beeindrucken Aussicht auf das Loisachtal. Das Estergebirge zwischen
Walchensee und Loisachtal ist für viele ein weißer Fleck auf der Landkarte, wer
hat je von Gipfel wie dem Archtalkopf oder Henneneck gehört? Häufiger besucht
wird lediglich der höchste Gipfel, der Krottenkopf (2086 Meter), und der Wank.
Am Wank ist immer was los. Kein Wunder, fast das ganze Jahr über kann man bequem
mit der Gondelbahn auf den Gipfel schweben – und die Aussicht ist einfach
umwerfend.
Auf dem breiten Gipfelrücken des Wank ist zum Glück Platz für alle,
man kann gemütlich spazieren, hinüber zum Ameisberg bummeln, dort die Aussicht
und den Tiefblick ins Loisachtal genießen, im Wankhaus einkehren oder den
Gleitschirm- und Drachenfliegern zuschauen. Wer zu Fuß absteigen will, hat
verschiedene Möglichkeiten. Entweder man steigt seitlich der Seilbahntrasse
durch lichten Wald ab oder man umrundet den Wank und steigt über die
Esterbergalm ab. Inmitten eines riesigen Almbodens steht die beliebte
Einkehrstation, man spaziert über eine flache Wiese zur kleinen Kapelle, zu den
Tischen und Stühlen, die mitten in der Wiese stehen und lässt sich die Brotzeit
schmecken.
Der übliche Abstieg führt nördlich um den Wank herum auf der steilen
Fahrstraße, an der kleinen Daxkapelle vorbei, zur Talstation; wer Zeit hat,
sollte allerdings den Wank ost- und südseitig umrunden, eine einsame Wanderung
auf schmalen Pfaden und an zwei traumhaften Wirtshäusern vorbei. Da braucht man
für den knapp dreistündigen Abstieg gerne ein oder zwei Stunden länger.
Anfahrt: Garmischer Autobahn bis zum Autobahnende und über Oberau nach
Garmisch-Partenkirchen und zum Parkplatz an der Wankgondelbahn. Zugverbindung
von München nach Garmisch-Partenkirchen
Zeit: Insgesamt 2,30 Stunden
Schwierigkeit: Einfache Bergabwanderung ohne jede Schwierigkeit, bei Nässe rutschig
Einkehr: Wankhaus (1780 Meter), Esterbergalm (1264 Meter)
Zur Baumgartenschneid
Das klassische Voralpengebiet zwischen Schliersee und
Tegernsee, sanfte Berge mit dichten Wäldern, lieben vor allem die Münchner.
Keine steile Felswand schreckt, kein langer Talhatscher, statt dessen warten
einfache Wege und gemütliche Wirtshäuser. Neureut, Gindelalmschneid und
Baumgartenschneid heißen die beliebtesten Gipfel – Münchner Wanderberge, die
ganzjährig Saison haben. Die schönste Aussicht findet man – wie so oft – auf dem
höchsten Gipfel, der Baumgartenschneid. Natürlich kann man auch direkt von
Tegernsee aufsteigen, doch der Umweg über Neureut und Gindelamschneid lohnt
sich, schließlich findet man hier gemütliche Einkehrstationen.
Man startet entweder im Alpbachtal oder gleich beim
Bräustüberl in Tegernsee und steigt durch dichten Wald zur Neureut mit seinem
Wirtshaus. Der Weiterweg zur Gindelalmschneid ist ein gemütliches bummeln durch
schattigen Wald, bei dem man sich bereits überlegen kann, ob man erst einen
Abstecher zur bewirtschafteten Gindelalm unternimmt oder lieber gleich auf den
Gipfel steigt. Wie man sich auch entscheidet, bis zur nächsten Raststation, der
Kreuzbergalm, ist es nicht mehr weit und so ist man auf jeden Fall ausreichend
gestärkt für den letzten Anstieg auf die Baumgartenschneid.
Nächster Höhepunkt ist die kleine Kapelle auf dem
Felskopf des Riedersteins (1207 Meter), zu der ein Kreuzweg führt. Die Aussicht
vom Riederstein über die Baumwipfel hinunter auf den See und hinüber auf die
sanften Bergrücken zwischen Fockenstein und Hirschberg ist traumhaft. Nur die
Sicht auf das Herzögliche Bräuhaus Tegernsee mit seinem Bräustüberl versperrt
der Waldrücken des Pfliegelecks, doch selbst der Gedanke auf ein kühles Bier
macht müde Wanderer wieder munter.
Anfahrt: Salzburger Autobahn bis zur Ausfahrt Holzkirchen; über Gmund nach Tegernsee.
Parkplätze am Schloss und im Alpbachtal
Zeit: Insgesamt 5 Stunden
Schwierigkeit: Einfache Wanderung in wunderschöner Vorgebirgslandschaft, besonders schön im
Herbst
Einkehr: Neureut (1263 Meter), Gindelalm (1242 Meter), Kreuzbergalm (1223 Meter),
Gasthaus Galaun (1070 Meter)
Durch die Partnachklamm
Die Partnachklamm ist eine freundliche Klamm: Sie liegt
zentral am Ortsrand von Garmisch-Partenkirchen, hat keine langen Zustiege, keine
großen Höhenunterschiede und ist dennoch landschaftlich überaus eindrucksvoll.
Vom Parkplatz an den Olympia-Sprungschanzen folgt man den Pferdekutschen, die
auf der für den Verkehr gesperrten Straße als Taxi fungieren, taleinwärts in die
Wildenau mit Gasthaus und Kiosk. Hier ist auch für Pferdegespanne Schluss, ab
hier geht es nur noch zu Fuß weiter. Das Kassenhäuschen markiert den Eingang in
die 700 Meter lange und bis zu 80 Meter tief eingeschnittene Klamm.
Bereits 1912 wurde der erste gesicherte Steig durch die
Felsschlucht gebaut. Nachdem 1991 ein Felssturz Teile des Weges verschüttete,
wurde ein 108 Meter langer Tunnel, durch den man die gefährdete Zone umgeht, in
den Fels gesprengt. Ansonsten führt der in den Fels gehauene Weg direkt am
Wasser entlang, die seitlichen Felswände steigen senkrecht bis überhängend in
die Höhe und lassen nur einen kleinen Spalt frei, durch den Licht in die
Schlucht fällt. Urplötzlich treten die Felswände wieder zurück, der Blick zum
Himmel wird frei, auch die Partnach hat wieder Platz und bildet einen kleinen
See, an dem man gut rasten kann.
Hier stellt sich gleichzeitig die Frage nach dem
Weiterweg: Der Partnach weiter folgen zur Bockhütte, zur Blauen Gumpe, zur
Reintalangerhütte oder gar über die Knorrhütte auf die Zugspitze? Oder über den
Kälbersteig auf den Schachen und zur Meilerhütte? Oder hinauf über Vordergraseck
zum Eckbauer? Die kürzeste und gemütlichste Runde ist ganz sicher die Tour auf
den Wald- und Wiesenhügel des Eckbauer. Mit einer Gipfelhöhe von 1237 Meter ist
er zwar einer der kleinsten Garmischer Berge, aber bei der Aussicht ist er ein
ganz Großer.
Anfahrt: Garmischer Autobahn bis zum Autobahnende und über Oberau nach
Garmisch-Partenkirchen und zum Parkplatz am Olympia-Skistadion. Zugverbindung
von München nach Garmisch-Partenkirchen
Zeit: Insgesamt 4 Stunden
Schwierigkeit: Einfache Wanderung ohne jede Schwierigkeiten. Auch für Kinder geeignet
Einkehr: Gasthäuser auf Vordergraseck, Gasthaus Eckbauer (1237 Meter)
Die Hundalm Eishöhle
Eis im Sommer: Direkt über dem Inntal, auf der
Hochfläche des Hundsalmjochs, befindet sich die einzige Eishöhle Nordtirols. Der
Schacht zur Höhle wurde bereits im 18. Jahrhundert, vielleicht auch schon
früher, entdeckt. Die ersten Höhlenforscher tauchten in den frühen zwanziger
Jahren des 20. Jahrhunderts auf. Danach kamen hin und wieder Interessierte,
liehen sich beim Wirt des Gasthauses Buchacker eine Strickleiter aus und
kletterten über eine 16 Meter hohe Wand in die Eingangshalle, den Eisdom. Heute
ist der Zugang leichter, eine Eisentreppe führt bequem in die seit 1967 als
Schauhöhle präparierte und ausgebaute Höhle.
Lohnend ist eine Führung durch die Eis- und
Tropfsteinhöhle vor allem im Frühsommer, wenn die Wände noch vereist sind und
riesige Eiszapfen für glitzernde Schönheiten sorgen. Ausgerüstet mit Helm und
Lampe (wird zu Beginn der Führung verteilt) und dicker Jacke steigt man über
eine Treppe in den zwölf Meter hohen Eisdom hinab, dessen Boden ein acht Meter
dicker Eisblock bildet. Ein schmaler und niedriger Rundweg führt zur
Tropfsteinhalle mit Stalaktiten und Wandsinter hinab zum tiefsten Punkt der
Führung, 10 Meter unter der Eisoberfläche des Eisdoms.
Der kürzeste Anstieg zur Höhle beginnt in Embach bei
Mariastein. In vielen Serpentinen schraubt sich ein Güterweg durch die steile
Flanke zur bewirtschafteten Buchackeralm und über Almweiden auf die Hochfläche.
Auf einem kleinen Pfad wandert man die letzten Minuten durch Wiesen und lichten
Wald an den Nordrand der Hochfläche, bis sich unvermittelt der Eingang der Höhle
auftut.
Anfahrt: Inntalautobahn über Kufstein zur Ausfahrt Kirchbichl, über Niederbreitenbach und
Mariastein nach Embach
Zeit: Insgesamt 5 Stunden
Schwierigkeit: Einfache Wanderung ohne Schwierigkeiten, für die Eishöhle benötigt man warme
Kleidung (Anorak, lange Hose)
Einkehr: Buchackeralm (ca. 1330 Meter)
Auf die Naunspitze
Während der Wilde Kaiser mit seinen Felsfluchten und
-wänden die Heimat der Kletterer ist, zieht es Wanderer in den Zahmen Kaiser.
Auf der Fahrt von Norden durch das Inntal Richtung Kufstein fragen sich manche
beim Anblick der steilen, abweisenden Nordseite vielleicht kurz, wie denn der
Zahme Kaiser zu seinem Namen kam, doch beim Anstieg über die Südseite wird einem
schnell alles klar. Statt auf nackten Fels trifft man auf dichte Wälder,
Latschenfelder und, im Bereich der Rietzalm, sogar auf schöne Almweiden.
Der Anstieg beginnt in Kufstein-Sparchen und führt über
die Treppenstufen der Sparchenstiege ins Kaisertal, dem idyllischen Gegenstück
zum Kaiserbachtal jenseits des Stripsenjochs. Während dort auf einer
mautpflichtigen Straße reger Ausflugsverkehr herrscht, ist hier alles ruhig –
noch. Denn es gibt Pläne, auch hier eine Straße zu bauen. Noch sind hier aber
die Spaziergänger und Wanderer unter sich, jeder geht zu Fuß und verdient sich
seine Brotzeit in einem der gemütlichen Gasthäuser, Almen und Hütten auf
ehrliche Art und Weise.
Kurz vor dem Gasthaus Pfandl zweigt der Weg zur
Naunspitze ab. Durch Wald geht es aufwärts zum schönen Almboden der Rietzalm,
die in einem flachen Wiesensattel zwischen Zehnerkopf und Naunspitze liegt, und
weiter zur zwischen den Bäumen versteckten Vorderkaiserfeldenhütte. Hier lässt
sich gut rasten, doch wer freie Sicht haben will, muss noch höher steigen, etwa
auf den Felskopf der Naunspitze oder auf das Petersköpfl. Von oben genießt man
einen großartigen Blick ins Inntal und nach Kufstein, hinaus ins bayerische
Alpenvorland und hinüber auf die Nordabstürze des Wilden Kaiser.
Anfahrt: Inntalautobahn bis zur Ausfahrt Kufstein-Nord, Richtung Oberndorf und Ebbs bis
zu großer Kreuzung (etwa 1 Kilometer), Abzweigung rechts nach Sparchen und zum
großen Parkplatz vor der Brücke über den Kaiserbach
Zeit: Insgesamt 5,15 Stunden
Schwierigkeit: Einfache Wanderung, am Gipfel leichtes Schrofengelände, besonders schön im
Herbst
Einkehr: Veitenhof (690 Meter), Rietzalm (1161 Meter)über die Vorderkaiserfeldenhütte
(1388 Meter)
Durch die Höllentalklamm
Die Szenerie von Zugspitze und Alpspitze über dem
Garmischer Talkessel gehört zum Eindrucksvollsten, was die bayerischen Hausberge
bieten: ein Fastdreitausender mit einem kleinen Gletscher darunter und eine
ebenmäßige Felspyramide. Unter den himmelhohen Felswänden des Zugspitzmassivs
liegen dichte Wälder und tief eingeschnittene Klammen. Auf guten Steigen können
auch Wanderer diese hochalpine Landschaft durchwandern und erleben. Die Tour
beginnt mit einem Abstieg. Auf den Osterfelderkopf fährt man bequem mit der
Seilbahn, und dann bummelt man gemütlich abwärts ins Hupfleitenjoch.
Der Abstieg ins Höllental ist ein Fest für die Augen:
überraschend einfach quert der Weg die steile Flanke, an einigen Stellen bietet
sogar ein Drahtseil Halt, tief unten ahnt man die Höllentalklamm, und im
Talschluss fasziniert die Zugspitze. Die Knappenhäuser (1526 Meter), die auf
einem kleinen Vorsprung in der steilen Flanke kleben, erinnern an die Zeiten des
Bergbaus im Höllental. Bereits im 15. Jahrhundert wurde Eisenerz, später auch
Zinkspat, Blei und Molybdän abgebaut. Bei der Höllentalangerhütte erreicht man
den flachen Boden des Höllentals, über dem sich fast 1600 Meter höher der
Zugspitz-Gipfel erhebt.
Talauswärts verengt sich das Tal, durch den sperrenden
Felsriegel hat sich der Hammersbach in Jahrtausenden eine tiefe Schlucht gefräßt.
Von 1902 bis 1905 wurde der Steig durch die Klamm gebaut: in den Fels gesprengte
Stollen, Treppen, Holzstege und Brücken ermöglichen seither die Begehung der
Klamm. Hier spürt und hört man die Gewalt des Wassers, es tost und schäumt,
selbst von oben tropft und rieselt ununterbrochen Wasser, trocken bleibt hier
keiner. Bis in den Frühsommer halten sich in dieser dunklen Schlucht
Lawinenreste, schmutziger Schnee, unter dem sich der Bach seinen Weg bahnt. Ein
ohrenbetäubendes Getöse, dass erst am Ende der Klamm, bei der
Klammeingangshütte, aufhört.
Anfahrt: Garmischer Autobahn bis Autobahnende und über Garmisch-Partenkirchen zum großen
Parkplatz an den Talstationen von Kreuzeck- und Osterfelderkopfbahn
Zeit: insgesamt 3,30 - 4 Stunden
Schwierigkeit: einfache Bergabwanderung
Einkehr: Höllentalangerhütte (1387 Meter), Klammeingangshütte (1004 Meter)
Ross- und Buchstein
Wer einen Geheimtipp sucht, ist am Ross- und Buchstein
sicherlich falsch. Zwei kecke Felsspitzen erheben sich über dunkelgrünen Wäldern
und im Sattel dazwischen liegt die Tegernseer Hütte auf einer für die Voralpen
wahrlich exponierten Stelle. Nicht nur Wanderer zieht es immer wieder hinauf zu
Ross- und Buchstein, auch Kletterer werden durch die südseitigen Wände und die
freistehende Rosssteinnadel angezogen. Vom Parkplatz bei Bayerwald führt der Weg
in bequemen Serpentinen durch den angenehm schattigen Mischwald. Schnell gewinnt
man in der Südflanke des Sonnbergs an Höhe, passiert nach einer
Dreiviertelstunde den Niederleger der Sonnbergalm und liest an den
gegenüberliegenden Blaubergen zufrieden den Höhengewinn ab.
Eine halbe Stunde später lässt man bereits die
Waldregion hinter sich und erreicht einen Wiesenrücken mit dem
Sonnbergalm-Hochleger. Unvermittelt tauchen Ross- und Buchstein über dem
grasigen Kamm auf, in der Scharte dazwischen weht die Fahne der Tegernseer
Hütte. Der einfachste Anstieg führt um den Rossstein herum von Norden zur Hütte.
Etwas spannender ist der teils gesicherte Steig durch die Felsstufen der
Südflanke zur erst 1968 erbauten Hütte. Während der Anstieg auf den Buchstein
leichte Kletterei erfordert, ist der etwas niedrigere Rossstein auf einem Steig
entlang des Gratrückens ohne Probleme zu besteigen. Am Gipfel lässt sich
vortrefflich rasten und noch besser schauen. Der Abstieg erfolgt am schnellsten
auf dem Anstiegsweg oder in einer Schleife über die Röhrlmoosalm und den
Schiffbachgraben. Je nachdem wie lange man bei der gemütlichen Alm hängenbleibt,
sollte man mindestens 2,5 Stunden für diese Variante veranschlagen.
Anfahrt: A8 bis Ausfahrt Holzkirchen, über Tegernsee und Kreuth nach Bayerwald.
Schattiger Waldparkplatz etwa 600 Meter hinter Bayerwald (Richtung Achensee)
Zeit: Insgesamt 5 Stunden
Schwierigkeit: Die Felsstufe unter der Tegernseer Hütte ist mit Drahtseilen gesichert,
Trittsicherheit erforderlich. In der Felsrinne auf den Buchstein leichte
Kletterei (glatter Fels, Vorsicht bei Nässe!)
Einkehr: Tegernseer Hütte (1650 Meter), Röhrlmoosalm (1100 Meter)
Durch die Wolfsschlucht auf den Schildenstein
Zu den klassischen Touren im Tegernseer Gebiet zählt
der Schildenstein. Seine Beliebtheit verdankt er unter anderem dem Anstieg durch
die Große Wolfsschlucht. Die erste Brotzeitfalle wartet bereits am Beginn des
Anstiegs, doch für eine Rast ist es bei der Siebenhüttenalm wirklich noch zu
früh. Der Weg führt an der Oberhofer Weißachalm vorbei flach in den Talschluss,
direkt unter die steile Nordflanke der Blauberge. Immer enger wird das Tal der
Großen Wolfsschlucht, immer näher rücken die Hänge. Im Talschluss ist Schluss
für Spaziergänger, der Weiterweg durch die Große Wolfsschlucht erfordert
Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und wer bereits bei der ersten Felsstufe
Probleme hat, sollte besser gleich umdrehen.
In Kehren windet sich der schmale Steig einen
Waldrücken hinauf, teilweise über kurze, mit Drahtseilen gesicherte Felsstufen.
500 Meter weiter oben hat man es geschafft, das Gelände lehnt sich zurück, ein
flacher Wiesensattel mit großen alten Fichten und sonnigen Grasmulden. Der
Gipfel ist bereits zu sehen und nach einem letzten steileren Aufschwung steht
man oben auf dem Schildenstein. Beim Abstieg lohnt sich der kleine Umweg über
die bewirtschaftete Königsalm. Früher hieß sie Kaltenbrunner Alm, doch seitdem
König Max I. Eigentümer war, trägt sie den deutlich interessanteren Namen. Der
46 Meter lange Holzblockbau ist eine der größten historischen Almhütten Bayerns,
daneben steht die ehemalige Käserei aus dem Jahre 1723.
Anfahrt: Salzburger Autobahn (A8) bis zur Ausfahrt Holzkirchen, über Tegernsee oder Bad
Wiessee nach Kreuth. Etwa 1 Kilometer hinter der Abzweigung zur Schwaigeralm
befindet sich auf der linken Straßenseite (Richtung Achensee) ein großer
Parkplatz
Zeit: Insgesamt 5 Stunden
Schwierigkeit: Der Anstieg durch die Wolfsschlucht erfordert Trittsicherheit, die Felspassagen
und eine unangenehme Querung sind mit Drahtseilen gesichert, der Abstieg über
die Geißalm ist einfach.
Einkehr: Siebenhütten (836 Meter), Königsalm (1114 Meter)
Auf die Kampenwand
Auf den ersten Blick verheißen die Felswände eine
anstrengende Wanderung. Wer sich aber für den Spazierweg entscheidet, gelangt
problemlos zum Gipfel. Der kecke, helle Felskamm der Kampenwand zwischen all den
sanften, bewaldeten Vorbergen leuchtet unübersehbar über dem Chiemsee. Die
bunten Gondeln der Kampenwandbahn bringen Kletterer und Wanderer gleichermaßen
bequem, doch mit unterschiedlichen Zielen, an den Fuß des Felskammes. Kletterer
lockt der warme Fels, während die Wanderer den breiten Spazierweg, vorbei am
auffallenden Felszahn des Staffelsteins, zur Steinlingalm einschlagen.
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht,
geübte Bergwanderer können der Kampenwand ohne größere Schwierigkeiten aufs
Haupt steigen. Der Steig führt von der Alm über die steile Wiese und durch
Latschen zu den Felsen und in die Kaisersäle, einer Felsschlucht mit großen und
kleinen Felsblöcken. Zwischen den Felswänden geht es über Felsblöcke spannend
zum Gipfelaufbau und zu kurzen, teilweise unangenehm glatten Felsstufen, an
denen allerdings Drahtseile Halt geben. Die letzten Meter sind spektakulär, aber
auch etwas übertrieben, eine schmale Brücke über einen Felsspalt macht den Weg
frei für den direkten Weg zum Gipfel, das von einem überdimensionalen Kreuz
gekrönt wird.
Anfahrt: Salzburger Autobahn bis zur Ausfahrt Frasdorf und über Aschau nach Hohenaschau,
Parkplatz an der Talstation der Gondelbahn
Zeit: insgesamt 2,15 Stunden
Schwierigkeit: einfache Wanderung bis zur Steinlingalm; beim Anstieg auf den Ostgipfel
Trittsicherheit erforderlich (teilweise gesichert)
Einkehr: Kampenwandhaus (1467 Meter), Steinlingalm (1450 Meter)
Wimbachgrieß und Wimbachklamm
Seine ursprüngliche Natur macht das Wimbachtal zu einem
reizvollen Ausflugsziel. Das Rauschen des Wassers ist auf der Tour ständiger
Begleiter. Der Weg durch das Wimbachgrieß führt in ein unberührtes und wildes
Tal mit einer aufregenden Kulisse. Auf der Wanderung sollte reichlich Zeit für
Seitenblicke sein, die zeigen, wie sich eine Landschaft durch Erosion und
Verwitterung verändert. Die Tour beginnt mit einem Gang durch die tosende
Wimbachklamm. Das schäumende Wasser hat sich im Lauf der Zeit tief in das
Kalkgestein eingeschnitten. Aus den Gesteinsschichten links und rechts der Klamm
sprudelt es munter, dazwischen leuchten grüne Moospolster, es tropft von oben
und es spritzt von unten.
Hier spürt man die Urgewalt des Wassers. Nach der Klamm
weitet sich das Tal zur Wimbachgrieses. Links streben die Flanken zum Watzmann,
rechts zum Hochkalter, im Talschluss stehen die Felszacken der Palfelhörner und
in der Mitte fasziniert ein breiter Schuttstrom, Gestein von den Gipfeln und
Felsflanken, das sich von Wasser mitgerissen langsam talwärts bewegt. Kurz nach
der Klamm fließt der Wimbach ruhig und sanft. Das Plätschern und Gurgeln des
Wassers verstummt allmählich. Das Bachbett ist trocken, lediglich Rinnen und
Vertiefungen im breiten Geröllstrom deuten an, wo das Wasser rinnt, wenn eins da
ist. Doch nur während der Schneeschmelze oder nach heftigen Regenfällen fließt
das Wasser oberirdisch ab und schwemmt das Gestein talwärts, ansonsten
versickert alles Nass im Geröll.
Verdursten muss man deshalb keineswegs: Nach gut einer
Stunde Gehzeit erreicht man bereits das Wimbachschloss und nach einer weiteren
Stunde die Wimbachgrieshütte, die auch als Stützpunkt für eine Besteigung des
Watzmanns dient. Das Wahrzeichen des Berchtesgadener Landes kann man von hier
noch nicht sehen, dazu muss man noch ein paar Minuten weiterlaufen. Wer
erwartet, dass sich der Watzmann auf der Südseite genauso markant zeigt wie auf
dem Postkartenmotiv von Berchtesgaden, sieht sich allerdings getäuscht.
Anfahrt: Salzburger Autobahn bis zur Ausfahrt Bad Reichenhall, über Reichenhall und
Bischofswiesen Richtung Ramsau zum Parkplatz Wimbachbrücke.
Zeit: Insgesamt 4,30 Stunden
Schwierigkeit: Einfache Wanderung durch eine ursprüngliche, hochalpine Landschaft
Einkehr: Wimbachschloss (937 Meter), Wimbachgrieshütte (1327 Meter)
Der Ammersee-Höhenweg
Auf dem Höhenrücken über dem Ammersee ist
Panoramawandern angesagt. Am schönsten ist der abwechslungsreiche Abschnitt
zwischen Schondorf und Utting. Die längliche Senke des Ammersees wird seitlich
begrenzt durch sanfte Moränenrücken, die teilweise bis zu 150 Meter und mehr
über dem See aufragen. Es liegt auf der Hand, dass die Geländerücken traumhafte
Aussichtslogen sein müssen – zumindest die Bereiche, die sich nicht komplett im
dichten Wald verstecken, wie am Nordwestufer des Ammersees. Der Wanderer
begegnet hier oben einer sanften Moränenlandschaft, mit freien Blicken hinaus
ins Land und zum ruhig in der Sonne glitzernden Ammersee. Der Ammersee-Höhenweg
gibt die Richtung vor, allerdings braucht man den markierten Weg nicht in seiner
ganzen Länge zu begehen, da zwischen Utting und Dießen große Abschnitte durch
Wälder führen.
Deutlich abwechslungsreicher ist der erste Teil zwischen Schondorf und Utting.
Die Tour beginnt in Schondorf und führt hinauf zur ehemaligen Pfarrkirche St.
Anna, die weithin sichtbar auf einer Anhöhe über dem Ort thront. Sehenswert ist
im Inneren der 1499 fertiggestellten Kirche der spätbarocke Hochaltar (um 1725)
von Franz Schmuzer aus Wessobrunn. Dem Ammersee-Höhenweg folgend, geht man an
den Ortsrand und hinaus auf die tiefgrünen Wiesen, die den Blick freigeben auf
die idyllische Landschaft. An traumhaften Aussichtspunkten vorbei führt der Weg
zum Plomberg, wo kleine Wäldchen den Blick zum See verstellen. Das nahe
Staatsgut Achselschwang ist Freunden des Pferdesports ein Begriff, denn hier
findet jeden Herbst die internationale Military, eine Vielseitigkeitsprüfung,
statt.
Weiter geht es in südlicher Richtung, vorbei am vermuteten Verlauf der
Römerstraße. Nach einem Wäldchen öffnet sich wieder der Blick auf den See und
auf Utting. Eilige können gleich von hier nach Utting laufen – der Kirchturm von
St. Leonhard gibt die Richtung vor –, andere folgen dem Ammersee-Höhenweg noch
ein Stück, um südlich des Reichlhofs entlang des Mühlbachs nach Utting zu
wandern. Zurück geht es entweder bequem mit der Bahn oder dem Schiff, oder zu
Fuß, immer entlang des Ammerseeufers. Und wer genügend Zeit mitbringt, kehrt
noch gemütlich ein. Die Alte Villa liegt direkt am Weg und lockt mit einem
wunderschönen Biergarten unter mächtigen Kastanien.
Anfahrt: Mit dem Auto auf der A96 zur Ausfahrt Greifenberg und nach Schondorf. Mit der
S-Bahn (S4) nach Geltendorf und mit der Bahn nach Schondorf
Endpunkt: Utting, mit der Bahn oder dem Schiff zurück nach Schondorf
Zeitaufwand: 3 – 4 Std.
Einkehr: Gasthäuser in Schondorf und Utting, Gut Achselschwang, Alte Villa
Auf den Aggenstein
Die spektakuläre Aussichtskanzel zwischen dem
Tannheimer Tal und dem Alpenvorland ist für Wanderer und Kletterer gleichermaßen
attraktiv. Und für Gämsen. Einige Gipfel am Rand der Alpen haben schon eine
beneidenswert gute Lage: steil und isoliert aufragend, von weitem erkennbar, und
umgeben von einer beeindruckenden Bergwelt auf der einen und von sanft gewelltem
Flachland mit traumhaften Seenaugen auf der anderen Seite. Sie sind wie der
markante Aggenstein (1986 m) zwischen Pfronten und dem Tannheimer Tal
Aussichtslogen ersten Ranges, Bindeglied zwischen Alpenvorland und Gebirge, und
bei Wanderern und Bergsteigern entsprechend beliebt. Auch Kletterer zieht es
hierher, sie finden in den Felswänden einige sehr schöne Routen in festem Fels.
Ausgangspunkt der Tour ist der kleine Ortsteil Enge
unweit von Grän, in einem ruhigen Seitental des beliebten Tannheimer Tals
gelegen. Der Auftakt ist geruhsam, es bleibt genügend Zeit zum Warmlaufen. Nur
leicht steigt der Weg auf den ersten Metern, folgt einem kurzen Stück der
Fahrstraße Richtung Materialseilbahn. In Serpentinen führt schließlich der gut
angelegte Steig durch den Wald, ein Pluspunkt, den man erst an heißen
Sommertagen so richtig schätzen lernt. Denn der Anstieg bewegt sich überwiegend
in süd- und damit sonnseitigen Hängen, und in denen staut sich die Hitze gerne.
Kurz unter der traumhaft gelegenen Bad Kissinger Hütte lässt man den Waldgürtel
endgültig unter sich und genießt das mit jedem Meter weiter werdende Panorama.
Gleich hinter der Hütte rückt der Aggenstein ins Blickfeld. In den steilen
Wiesenhängen unter dem felsigen Gipfelaufbau fühlen sich auch die Gämsen wohl,
die sich von den vielen Wanderern nicht im geringsten beeindrucken lassen.
In Serpentinen führt der Steig in einen Sattel und über leichte, teils
gesicherte Felsstufen auf den aussichtsreichen Gipfel, der nur knapp die
2000-Meter-Marke verfehlt. Dort endlich weitet sich der Rundblick zu einem
360-Grad-Panorama: auf der einen Seite das Alpenvorland mit glitzernden
Seenaugen wie dem Forggensee, im Südosten die markanten Felsriffe von Gimpel und
Gehrenspitze und im Südwesten die Allgäuer Gipfelwelt. Es gibt viel zu schauen.
Tagsüber herrscht hier reichlich Andrang, einsam ist es dagegen in den
Morgenstunden oder abends. Die stillen Momente eines Sonnenaufgangs oder die
Farbenspiele beim romantischen Sonnenuntergang kann hier jeder ohne großen
Aufwand erleben, denn die Bad Kissinger Hütte liegt günstig. Der knapp
einstündige Anstieg bis zum Gipfel ist schnell zu meistern, und wenn man genug
gesehen hat, dann ist man schnell wieder in der wärmenden Hütte.
Anfahrt:
auf Autobahnen nach Memmingen und auf der A7 weiter nach Nesselwang; auf
Bundesstraßen über Pfronten nach Enge am Eingang ins Tannheimer Tal; Parkplatz
südlich von Enge.
Zeit:
insgesamt 4 – 5 Std.
Schwierigkeit:
bis zur Hütte einfache Wanderung, kurz unter dem Gipfel leichte Felsstufen,
teilweise gesichert
Einkehr:
Bad Kissinger Hütte (1788 m)
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