LÄNDERAUSWAHL

DACH F   SIE SIND HIER: DEUTSCHLAND > FIT & AKTIV > RADTOUREN > SANDSTEINROUTE

        
 

magellanworld
 

SANDSTEINROUTE
 
BUNDESLÄNDER
FIT & AKTIV
RADTOUREN
RADTOUREN
ALTMÜHLTAL RADWEG
AMMERGAUER RADWEGE
BODENSEE - KÖNIGSSEE
CHIEMGAU RADWEG
FRÄNK. SEENLANDWEG
FÜNFSEENLAND
INNTAL RADWEG
ISARRADWEG
MAIN-STEIGERWALD
NATIONALPARKRADWEG
ODER-NEIßE-RADWEG
RHÖN-STREUTAL
ROMANTISCHE STRASSE
RUHR DRIVE
SANDSTEINROUTE
UNTERSBERG
WESER RADWEG
 
 
 
 
 
 
 

SANDSTEINROUTE


    Auf der Spur der gelben Steine

 
 

MITTELSCHWER

 

Mit dem Fahrrad auf der Spur der gelben Steine durch die Baumberge westlich von Münster. Hier gibt es Äcker und Wiesen, Pferde und Schweine und weizenblonde Menschen, die hinter jedem zweiten Satz »Keäl« sagen (Kerl), wenn sie nicht gerade Pumpernickel mit Mett essen. Vor allem gibt es hier aber eins: Plattheit! Plattheit bis zum Horizont, bis Holland, bis zum Meer. Doch was türmt sich gleich hinter Roxel? Berge! Die Baumberge. Eine topografische Sensation.

Die Baumberger Sandsteinroute zeigt die Höhe(n)punkte des Münsterlandes von Ihrer schönsten Seite. Sie verläuft in den Baumbergen, dem einzig nennenswerten Höhenzug im Münsterland und umfasst die Orte Havixbeck, Billerbeck, Nottuln, Rosendahl und Coesfeld. Neben der reizvollen Landschaft bietet die Route einen Einblick in die Kulturgeschichte der Region, die über Jahrhunderte auch von dem hier abgebauten und verarbeiteten Baumberger Sandstein geprägt wurde.

Zu den kulturgeschichtlichen Höhepunkten der Rad-Route zählen die mittelalterlichen Burgen und Wasserschlösser des Münsterlandes, von denen allein in Havixbeck drei imposante Beispiele zu entdecken sind: Haus Stapel, Haus Havixbeck und inmitten gepflegter Parkanlagen die Wasserburg Hülshoff - Geburtsstätte der Dichterin Anette von Droste-Hülshoff. Ein wahres Schmuckstück ist auch das auf einer Insel gelegene Schloss Darfeld, das vom Jahr 1612 an im Renaissancestil errichtet wurde. Während viele Wasserschlösser von ihren Besitzern noch bewohnt werden und daher von Besuchern nicht besichtigt werden können, ist Hülshoff frei zugänglich, kann man dort sogar einmal im Monat fürstlich Hochzeit feiern: Das Wasserschloss ist eine Außenstelle des Standesamtes Havixbeck.

Direkt vor der Haustür des Ruhrgebietes lassen sich die Hügel zwischen Havixbeck und Billerbeck am besten mit dem Fahrrad erkunden. Dabei umfasst die große Runde 166 Kilometer, die in 40-Kilometer-Teilstücken während einer Woche Kurzurlaub gut zu bewältigen sind. Auf nur 30 Kilometer kommt die kleine Sandsteinroute.

Startpunkt einer Fahrradtour über die Sandsteinroute durch die Baumberge ist das Sandsteinmuseum im Örtchen Havixbeck, nur ein paar Kilometer westlich von Münster. Das Museum wurde in einem ehemaligen Bauernhof eingerichtet und befasst sich nur mit einer einzigen Steinsorte — dem gelblich schimmernden, weichen Kalkstein.

Roter Faden der mehr als 250 Exponate umfassenden Sammlung sind die Berufe rund um die Baumberger Sandsteine. Hier wird gezeigt wie die Steinmetze früher gearbeitet und gelebt haben und welche Bedeutung der Sandstein für Kirchen, Schlösser und Bauernhöfe im norddeutschen Raum hat. Während der Sommermonate werden auch Künstler-Workshops für „Hobby-Steinmetze" angeboten. Bildhauer sehen den Sandstein aus den Baumbergen als ideales Schnitzmaterial. Insgesamt können auf der Sandsteinroute mehr als 200 Sandstein-Bauwerke zwischen Appelhülsen, Nottuln, Coesfeld, Rosendahl und Billerbeck angesteuert werden:

Mühelos radelt man durch flache Wiesengründe, Bächlein links, Bächlein rechts, manche stehen, manche rieseln. Dass sich in diesem platten Land Wasser überhaupt bewegt, war lange Zeit ein Rätsel, bis amerikanische Forscher die Erdrotation dafür verantwortlich machen konnten.

Man sitzt also auf seiner Leeze, wie das Fahrrad hier heißt. Folgt den Leezewegweisern. Und landet auf einem Pättken. Ein Pättken ist alles zwischen kleiner Asphaltstraße und Matschfurche, Hauptsache, keine Autos. Auf einem Pättken fällt vom Radler sofort aller Stress ab. Die Gedanken werden leicht, die Sinne wach, und plötzlich hört man Vögel: Zwitscherlerchen, Lärmhäher, ganze Finkenbanden. Plötzlich steht man, von geifernden Hunden umringt, auf einem Bauernhof vor einer weizenblonden Bäuerin. Zu viel geträumt. Wegweiser verfehlt. Drei Kilometer retour.

Auf einmal braucht man die Gangschaltung. Die Bäche beginnen zu rauschen. Schweiß tritt auf die Stirn. Der Fuß der Baumberge ist erreicht. 187 Meter ragen sie in die Höhe, eine Barriere, die bezwungen sein will. Der Volksmund macht den Teufel für diese rätselhafte Gelände-Deformation verantwortlich. Vor Millionen von Jahren soll das Münsterland nämlich ein See voller Seeigel gewesen sein, der seltsamerweise in Spanien lag. Dann schob der Teufel an den Kontinenten herum und verfrachtete das Stück Spanien nach Westfalen. Etwas zu stürmisch: Eine Geländefalte entstand – die Baumberge. Erster Beweis für diese These: Manche Menschen hier sind heute noch schwarzhaarig und glutäugig. Beweis zwei: Man findet auf Äckern in Coesfeld (Kohsfeld! – nicht Zösfeld, wie durchreisende Bayern sagen) versteinerte Seeigel en masse.

Selbst wer über 21 Gänge verfügt und sich mit »Quäl dich, du Sau!« (Udo Bölts 1997 zu Jan Ullrich) motiviert, gerät irgendwann an einen steilen Dreckweg, der sogar für Pferde verboten ist, und muss schieben. Doch es lohnt sich. Auf dem höchsten Gipfel der Baumberge steht neben zwei Windrädern und einem Telekom-Mast der Longinusturm mit einem Café, das zumindest nachmittags geöffnet hat. Von hier oben aus hat man eine einwandfreie Rundumsicht.

In schneller Schussfahrt geht es dann talwärts. Städtchen und Dörfer steuert man an, die sich ums Bergmassiv gruppieren und deren Namen man kaum ohne Kichern aussprechen kann: Billerbeck; Havixbeck; Nottuln gar (sprich: Noddln oder, wenn man sich ganz und gar assimilieren will: Nddln). Diese Ort fallen durch große Sauberkeit, ja Niedlichkeit auf und gelegentlich durch gelben Sandstein, aus dem beachtliche Kirchen wie unauffällige Einfamilienhäuser errichtet wurden. Das ist der »Gelbe Baumberger«, der dem Land einst zu bescheidenem Ruhm verhalf. Er lässt sich fast wie Butter schneiden und wurde schon zu Zeiten der Hanse in alle Welt verkauft. Über die »Sandsteinroute« radelt man nach Havixbeck, wo man das Sandsteinmuseum mit Café nicht auslassen darf.

Die »Perle der Baumberge« ist Billerbeck. Nicht wegen des Doms – ein Beispiel, dass man es selbst mit der Gottesliebe übertreiben kann. Auch das Gasthaus Homoet (sprich: Homuht) mit Putenschnitzel in Cornflakesmantel sowie Bolten vom Fass – ältestes Altbier der Welt – legitimiert noch nicht den Superlativ. Es ist das brachiale Kriegerehrenmal hinterm Dom, das eine Billerbecker Initiative in winzigen, aber konsequenten Schritten in eine »Kapelle der Friedfertigkeit« umwandelt. Schon steht dort neben den Namen der Kriegshelden auch eine Tafel mit den Namen der ermordeten Billerbecker Juden. Jeden Sonntag um 11.30 Uhr wird hier eine eigens komponierte Friedensmusik gespielt.

Billerbeck ist auch ein guter Ort, sich von den Baumbergen zu verabschieden. Eine einspurige »Baumberge-Bahn« mit Fahrradabteil. Dann eine kurvenreiche Fahrt durchs wellige Baumberger Vorland. Im Herzen Sonne. In den Waden Muskelkater. Winkende Bauern. Schwarzhaarig. Glutäugig.


Weitere Informationen:

Touristische Arbeitsgemeinschaft Baumberge
Am Markt 8
48653 Coesfeld
Tel. 02541/939-1009
Fax 02541/99939-4009

info@baumberge.com
I
www.baumberge.com

 

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer schwer mittelschwer

leicht

 

 

 

Seitenanfang

 


 

 
 

 

 

 

HOME