WEINKULTUR
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Die Römer erfanden den
Weingott Bacchus... |
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Manch einer, der ein
Gläschen Wein trinkt, und ahnte, wie lange es her ist, seit die Rebe
entdeckt wurde und wann begonnen worden war, den Wein zu kultivieren und
zu veredeln - der wäre gewiss erstaunt über die langwierige
Entwicklung der Wildreben zur Artenvielfalt unserer heutigen
widerstandskräftigen und ertragsreichen Weinreben.
Die
Reben von heute sind das Ergebnis eines Jahrtausende alten Ausleseprozesses.
Die am besten schmeckenden und für den Weinausbau am meisten geeigneten
Wildreben wurden zur Vitis vinifera kultiviert.
Frühe
Nachweise für den Weinanbau finden sich bereits mehrere Jahrtausende vor
Christus, insbesondere in den Hochkulturen des Nahen Ostens, die unter anderem
den heutigen Staaten Ägypten, Iran oder Israel entsprechen. Doch auch aus
Griechenland und dem heutigen Italien gibt es vorchristliche Nachweise für den
Weinbau. In Kleinasien wurde der Weingott Dionysos verehrt, die Römer erfanden
den Weingott Bacchus für ihren Weinkult. Im Zuge der Eroberung germanischer
Gebiete durch die Römer - diese hatten den Weinbau von den Griechen und
Etruskern übernommen - erreichte der Weinbau vor etwa 2000 Jahren auch den
deutschsprachigen Raum. Karl der Große regelte im achten Jahrhundert den Anbau
der Reben, die Weinbereitung und auch den Verkauf. Die Klöster waren Zentren der
Weinkultur - Wein ein Volksgetränk. Für das Mittelalter ist eine Ausbreitung des
Weinbaus auf nahezu Gesamtdeutschland belegt.
Reblauskatastrophe und Neuanfang.
Nach 1500 nahm die Rebfläche aufgrund klimatischer
Veränderungen, der Verbesserung der Bierherstellung und der Zunahme des
Weinimports ständig ab. Im ausgehenden 19. Jahrhundert brachte die
Reblauskatastrophe den Weinbau nahezu zum Erliegen, viele gebietstypische Sorten
verschwanden. Mit
Pfropfreben auf resistenten amerikanischen Wurzeln - diese wurden später
zwingend vorgeschrieben - wurde um die Jahrhundertwende ein Neuanfang gemacht.
Durch die Rebenzüchtung entstand ein ausgewähltes Sortiment von Standardsorten,
die heute den deutschen Weinbau im wesentlichen ausmachen.
Die deutschen Weinanbaugebiete
liegen - außer Sachsen und Saale-Unstrut - konzentriert im Südwesten und Süden
Deutschlands. Sie gehören zu den nördlichsten Anbaugebieten der Welt und
befinden sich damit im Grenzbereich zwischen dem feuchtwarmen Golfstromklima im
Westen und dem trockenen Kontinentalklima im Osten. Die lange Vegetationszeit
und die geringe Sommerhitze machen die Weine filigran und nicht zu alkoholreich.
Unterschiedliche Bodenarten und Rebsorten tragen ihren Teil dazu bei, dass
deutsche Weine nicht uniform sind.
Die deutsche
Rebsortenvielfalt reicht von A wie Albalonga bis Z wie Zweigeltrebe. Nahezu 100
Sorten werden angepflanzt, große Marktbedeutung besitzen etwa zwei Dutzend,
allen voran der Riesling und der Müller-Thurgau. Bei den Rotweinsorten hat der
Spätburgunderanbau die größte Bedeutung.
Riesling
Der große Klassiker bleibt die Nummer Eins in
Deutschland.
Müller-Thurgau (Rivaner)
Unkomplizierter Sommergenuss
Weißburgunder
Leichter Sommerwein und idealer Menübegleiter
Grauburgunder /
Ruländer
Ein Wein - mehrere Synonyme
Silvaner
Mehr als ein Zechwein
Kerner
Der "kleine Verwandte des Riesling"
Gewürztraminer
Verführer mit Rosenduft
Scheurebe
Ihrem Duft kann man sich schwer entziehen
Faberrebe
Gutedel
Ortega
Huxelrebe
Morio-Muskat
Elbling
Bacchus
Chardonnay |
Spätburgunder
Für Abende am Kamin oder winterliche Menüs
Portugieser
Leichter Rotwein - duftig wie der Mai
Dornfelder
Frucht, Gerbstoff und Wärme
Trollinger
Schwäbisches Nationalgetränk wird jung getrunken
Schwarzriesling
Kaum Gemeinsamkeiten mit dem weißen Riesling
Blauer Lemberger
Verbreitet südländische Wärme an langen
Winterabenden |
Weinempfehlungen
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welcher Wein passt zu welchem Essen?
In erster Linie ist der persönliche Geschmack
entscheidend, wenn man einen Wein zum Essen wählt. Ein paar Empfehlungen gibt es
in dieser Tabelle:
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Art der
Speise
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Gerichte |
Weinempfehlungen |
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Leicht und dezent
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Milde
Salate, zartes Gemüse, gedünsteter Fisch, gekochtes Kalbs- oder Rindfleisch,
Geflügel
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(Halb-) trockene, weiße Kabinettweine (Riesling, Silvaner, Gutedel, Rivaner,
Kerner, Weiß- oder Grauburgunder)
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Leicht und würzig
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Zarte
Ragouts, frische Pilze, Lamm, Wildgeflügel
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(Halb-) trockene, weiße Kabinettweine (Rivaner, Grauburgunder, Bacchus,
Scheurebe); Weißherbste oder leichte Rotweine (Trollinger, Portugieser,
Spätburgunder, Schwarzriesling)
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Gehaltvoll und dezent
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Meeresfrüchte, herzhafter Seefisch, saftiger Kalbs-, Schweine- oder
Lammbraten, fettreicher, milder Käse
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Saftige (halb-) trockene weiße Qualitätsweine und Spätlesen (Weiß- oder
Grauburgunder); trockene, reife Riesling Auslese; samtige, dezente Roséweine
und milde Rotweine (Portugieser, Spätburgunder)
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Gehaltvoll und würzig
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Ländliche Pasteten, gebratener Seefisch, saftiger Braten, Rindersteak, Wild
mit konzentrierter Sauce, Gegrilltes
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Ausdrucksvolle (halb-) trockene weiße und rote Qualitätsweine, Spätlesen und
Auslesen (Weiß- oder Grauburgunder, Traminer, Spätburgunder, Lemberger,
Dornfelder)
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Würzig und fettreich
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Blauschimmelkäse
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Reife, edelsüße weiße Spät- und Auslesen (Riesling, Ruländer, Gewürztraminer)
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Wein sollte den Geschmack
einer Speise nicht völlig überdecken, sondern fein unterstreichen. Besonders
empfehlenswert ist es, wenn die Weinfolge in Aroma und Geschmack sowie in Gehalt
und Fülle eine Steigerung erfährt.
Ein Wein
hat bei Tisch drei Feinde, die ihn angreifen: Essig, spitze Säure von
Zitrusfrüchten und Öl. Der Alkohol im Wein erhöht den Eindruck der Süße,
verstärkt die Wirkung von Gewürzen und verhilft zu einer funktionierenden
Verdauung. Ein niedriger Alkoholgehalt im Wein lässt die Restsüße stärker
hervortreten. Durchgegorene Weine mit hohem Alkoholgehalt wirken milder als
Durchgegorene mit niedrigem Alkoholgehalt.
Bitterstoffe, die sich im Wein oder durch Rösten, Grillen oder Schmoren in
den Speisen befinden, harmonisieren die Süßeempfindung und mäßigen die
Säureempfindung. Bitterstoffe werden langsam wahrgenommen, halten aber lange
an. Sie sind bekömmlicher in Verbindung mit gerbstoffhaltigen,
alkoholreichen Weinen.
Stark
fetthaltige Speisen sind bekömmlicher mit Weinen, die reich an Säure,
Gerbstoff und Alkohol sind. Diese drei Weinkomponenten regen übrigens
Appetit und Verdauung besonders an.
Jedes Gericht bekommt einen anderen Geschmackseindruck, wenn es gedünstet,
gebraten, gekocht oder geschmort wird. Die dazu gereichte Sauce, cremig mit
Sahne oder kräftigen Röststoffen des Bratenfonds, wie auch die Verwendung
von Gewürzen und Kräutern sowie alle anderen Beilagen können die
Grundsubstanz wie Fisch oder Fleisch beträchtlich verändern.
Kräftig
gewürzte Speisen schmecken in Verbindung mit alkoholreichen Weinen noch
kräftiger. Bei Weinen, die neben einem hohen Alkoholgehalt auch noch
kräftige Säure besitzen, ist deshalb äußerste Vorsicht geboten.
Kohlensäure
im Wein verdeckt teilweise die Süßeempfindung. Zu Speisen getrunken, wirken
diese Weine süßer als sie tatsächlich sind. Salz steigert die Wahrnehmung
der Aroma- und Bitterstoffe in Wein und Speisen.
Säure
unterstützt die Süße (Zitronensaft auf Erdbeeren). Vorübergehend verdeckt
sie auch Bitterkeit. In Verbindung mit stark säurehaltigen Weinen werden
säurehaltige Speisen unbekömmlich und können Sodbrennen verursachen.
Fetthaltige Speisen werden hingegen durch Weine mit guter Säure leichter
verdaulich.
Süße erhöht
die Wahrnehmung der Aromastoffe im Wein und mäßigt den Eindruck von bitter
und sauer. Sehr trocken ausgebaute Weine wirken in Verbindung mit Speisen
(da diese Salz und Zucker enthalten) milder und harmonischer.
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