Unstreitig
ist der Champagner der König der Weine. Sein Genuss bleibt
überall auf der Welt der Krönung besonderer Anlässe vorbehalten.
Vor allem beherrscht er die letzten Minuten des alten Jahres. Es
ist der Champagner, der den Glückwunsch für ein gutes neues Jahr
begleitet. Das war schon im 17. Jahrhundert so, als Dom Perignon,
Klosterverwalter der Benediktinerabtei in Hautvillers, die
"Methode Champenoise" entdeckte.
Seither wurde das prickelnde Getränk
an den fürstlichen Tafeln geschätzt, angefangen von dem
Franzosen François I. bis Heinrich VIII, dem Engländer, Casanova
schlürfte ihn in seinem Alkoven und Madame de Pompadour in ihrem
Boudoir. Er hat seither viele Zungen gelöst und für Stimmung
gesorgt, man munkelt, er habe sogar beim Wiener Kongress zu
friedlichen Lösungen beigetragen. Champagner, der Marlene
Dietrich in „Sonntagslaune" versetzte, ist nach wie vor Synonym
für heitere Stunden und Feste, geeignet mehr als nur ein Lächeln
hervorzurufen.
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Lange nicht jeder
Rebenberg, der sich in der Weinbauzone der Provinz Champagne
befindet, ergibt Champagner. Ein altes Gesetz begrenzt die
Weinbauzone, deren Trauben das Anrecht auf die Benennung
"Champagne" besitzen. Diese Gesamtfläche beträgt 30.000 Hektar,
davon sind heute 18.000 mit Reben bepflanzt. Sie befinden sich
in den Bergen von Reims, im Marnetal, an der Cote Blanche und im
Gebiet von Aube.
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Streifzug durch
die Region
Mehrere Champagner-Routen von insgesamt 600 km Länge führen
durch die groβen Anbaugebiete der Weine, die mit der
„Methode champenoise" in das weltweit berühmte Getränk
verwandelt werden. Sie allein umfassen bereits fünf Prozent
der französischen Weinbaugebiete. Verschiedene Rundfahrten
durchqueren die Gebiete rund um Reims, das Hügelland von
Epernay und das Marnetal. Entlang der Côte-des-Blancs reihen
sich die Chardonnay-Reben, aus denen Champagner hergestellt
wird, ebenso im Gebiet Coteaux du Sézannais. Die Weinlagen
der Côte des Bar erstrecken sich zwischen den Städten
Bar-sur-Aube und Bar-sur-Seine.
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Auf diesen
touristischen Champagner-Straβen weisen die Schilder „Accueil"
überall den Weg in die Kreidekeller zu Champagner-proben, bei
denen Weinbauern gerne ihre Arbeit von der Rebe zur Flasche
erklären. Allerdings wäre es schade, die Zeit ausschlieβlich
unter der Erde zu verbringen, denn entlang dieser
Champagner-Routen gibt es auβer prickelnden Vergnügungen,
reizvolle Landschaften und eine Menge Sehenswürdigkeiten zu
entdecken, malerische Dörfer, Klöster und Kirchen, Schlösser
und interessante Museen. In der Hügellandschaft von St.
Thierry lässt es ich bei Tinqueux auf einer alten
Römerstraβe wandeln oder durch die Wälder der Montagne de
Reims spazieren. Im Marnetal ist das Renaissanceschloss „Boursault"
der berühmten Witwe, Madame Clicquot, für Champagnerfreunde
natürlich unumgänglich. Entlang der Marne reihen sich
freundliche Winzerdörfer mit hübschen Dorfkirchen wie in
Azy-sur-Marne und St. Eugène, ebenso das Örtchen Cuis bei
Epernay mit einer schönen, romanischen Kirche. Nicht weniger
reizvoll sind Ausflüge zu den schmucken Dörfern der Côte des
Blancs oder in den Wald von Traconne. Die gekennzeichneten
Champagnerrouten umfassen in der Region Champagne-Ardenne
sechs Teilstrecken zwischen 70 und 130 km. |
Im Zentrum des
Champagners, in Epernay, überwacht eine Kommission ständig die
Arbeiten in den Weinbergen. Außer den Bodenanalysen führt die
Kommission regelmäßige Labortests durch. Einige Wochen vor der
Lese werden alle drei Tage die Trauben auf ihren Zucker- und
Säuregehalt geprüft. Der Zeitpunkt der Traubenlese kann auf
diese Weise exakt festgesetzt werden. Wenn der Champagner hell
und klar im Glas funkelt, verfällt man leicht der Annahme, er
bestehe ausschließlich aus weißen Trauben. Das ist jedoch nicht
der Fall. Die beiden meist verwendeten Traubensorten für den
Champagner sind "Pinots Noirs" und "Pinots Meuniers". Das sind
beides dunkle Trauben. "Chardonnay" heißt die einzige weiße
Sorte, die in einem Mischverhältnis von einem Drittel zu zwei
Dritteln dunkler Trauben verwendet wird.
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Die Verhältnisse,
in denen Reben wachsen, spielen hinsichtlich der Fertigstellung,
also der verschlossenen Flasche, eine große Rolle. Die Champagne
hat kalkigen Untergrund. Eine nur etwa 30 Zentimeter dicke
Humusschicht deckt die Kreidefelsen ab. Und hier liegt eines der
Geheimnisse des Champagners: Diese Bodenbeschaffenheit
gewährleistet den einwandfreien Abzug des Wasserüberschusses und
damit auch ständige Bodenfeuchtigkeit. Sie hat zudem die
wichtige Eigenschaft, Sonnenwärme zu speichern und wieder
abzugeben. Dabei ist das Klima in der Champagne eher als rau zu
bezeichnen. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 10 Grad
Celsius. Die großen Kellereien im Anbaugebiet sind fast
unverändert aus der galloromanischen Epoche erhalten geblieben.
In einem weitverzweigten Netz ziehen sich die mächtigen
Kreidestollen über 200 Kilometer hin und unterhöhlen das gesamte
Weinbaugebiet der Champagne bis in eine Tiefe von 20 Meter. Die
idealen Klimaverhältnisse in diesen Kreidestollen tragen
weitgehend dazu bei, dass der Champagner ein Spitzenwein ist.
Zu allen
Jahreszeiten beträgt die Temperatur in den Stollen 10 bis 11
Grad Celsius, und der Feuchtigkeitsgrad bewegt sich zwischen 70
und 90 Prozent. Während der Traubenernte werden die Früchte mit
größter Sorgfalt vom Stock geschnitten und in die Körbe gelegt.
Bei der Sammelstelle schneiden erfahrene Winzerinnen, man nennt
sie "Eplucheuses", die schlechten Beeren aus den Trauben, eine
Handarbeit, die viel Geschick erfordert und durchaus nicht
mühelos vor sich geht. Auf gut gefederten Lastwagen werden die
Früchte zur Kelterei gefahren. Da der Champagner aus dunklen
Trauben hergestellt wird, ist es enorm wichtig, dass der
Pressvorgang rasch erfolgt. Denn durch einen zu langen Kontakt
der dunklen Trauben mit dem weißen Fruchtfleisch würde der
Champagner "verfärbt" werden und seinen Wert verlieren.
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Gewöhnlicher Wein
wird nach der ersten Gärung in Flaschen abgezogen und in den
Handel gebracht. Ganz anders verhält es sich beim Champagner.
Eine Firma, die auf sich hält, wird keine einzige Flasche
Champagner vor Ablauf von fünf Jahren verkaufen. Die
Mindestdauer, bis aus Wein Champagner wird, beträgt ein Jahr.
Jeder Produzent verfügt über eine eigene Formel der
Zusammensetzung. Nach diesem hauseigenen Rezept werden Weine aus
verschiedenen Lagen der Champagne vermischt. Nach einiger Zeit
werden Gärstoffe und etwas Likör beigefügt. Da diese Mischungen
Jahr für Jahr in gleicher Weise gehandhabt werden, hat der
Konsument die Gewähr, dass "sein" Champagner immer die
gleichbleibende Qualität aufweist.
Vier bis acht
Millionen Flaschen ruhen nun in einem Zeitraum von drei Jahren
in den gleichen Kreidestollen. Einmal jährlich werden die großen
Stapel umgeschichtet, werden Inhalt, Korken und Glas auf ihre
Makellosigkeit hin überprüft. Es bedarf schon einiger
Vorstellungskraft, das Kapital dieser brach liegenden Flaschen
annähernd richtig einzuschätzen. Bevor die Flaschen in den
Handel kommen, bedarf es immer noch verschiedener Arbeiten. Im
Verlauf der zweiten Gärung haben sich Rückstände in den Flaschen
gebildet. Diese müssen nun unter den Korken gebracht werden. Die
Spezialisten, "Remeurs" genannt, bewegen jeden zweiten Tag ihre
Flaschen um eine Achteldrehung. Nach ungefähr drei Monaten
können die Kellerkorken entfernt werden. Dadurch werden zugleich
auch die Rückstände beseitigt. Der bei diesem langwierigen
Prozess verloren gegangene Champagner wird nachgefüllt. Jetzt
erst bekommt die Flasche ihren Versandkorken. Auf dem Kopf
stehend, ruhen die Flaschen noch einige Monate in den
Kellereien, bevor sie etikettiert und verpackt werden. Die
Weinkommission in Epernay führt genau Buch über jede exportierte
Flasche Champagner.
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