Auf der Deutschen
Weinstrasse – das könnte die erste Idee sein, die man mit diesem Namen verbindet
– fährt man von Ort zu Ort, um den Wein zu testen, der hier im milden Klima der
Pfalz bereits seit dem Mittelalter angebaut wird. Doch das ist nur eine
Möglichkeit, die Deutsche Weinstrasse zu erleben – wenn auch nicht die
schlechteste.
Die Deutsche Weinstrasse verläuft auf einer Strecke von 85 km von Norden nach
Süden, von Bockenheim im Zellertal bis nach Schweigen an der Grenze zum Elsass,
quer durch eine Region, die von der Sonne so verwöhnt wird wie keine zweite in
Deutschland. Und wo die Sonne scheint, da reifen nicht nur die Trauben an den
Rebstöcken, da gedeihen auch Feigen, Kiwis und Zitronen, da blühen im Frühjahr
Mandelbäume in zartem Rosa. Kein Wunder also, dass hier zwischen den Hügeln am
Rand des Pfälzer Waldes und der Rheinebene die älteste und zugleich bekannteste
deutsche Touristikroute verläuft.
Bereits die Römer haben vor 2000 Jahren das milde Klima der Pfalz zum Anbau
von Wein genutzt. Davon zeugen heute noch beispielsweise eine römische
Tretkelteranlage mit großem Herrenhaus, die erst 1981 am Weilberg in der Nähe
von Bad Dürkheim entdeckt wurde, oder Ausgrabungen eines römischen Weinguts aus
dem 1. bis 5. Jahrhundert, die "villa rustica" nordöstlich von Wachenheim.
Auf einer Fläche von 23.600 Hektar liegt rechts und links der Weinstrasse das
zweitgrößte Weinbaugebiet in Deutschland. Etwa 2,4 Millionen Hektoliter Wein
werden hier jährlich zwischen den beiden Weintoren im Norden und Süden
produziert. Damit stammt etwa jede vierte Flasche deutschen Weins aus der Pfalz.
Unterteilt ist dieses riesige Anbaugebiet in die Südliche Weinstrasse und die
Deutsche Weinstrasse – Mittelhaardt. Unbestrittene Nr. 1 der Weine dieser Region
ist der Riesling, der "König der Weissweine". Daneben gehören vor allem
Müller-Thurgau/Rivaner, Kerner und Silvaner sowie Weiss- und Grauburgunder zum
Repertoire der Winzer. Etwa 20 % der Reben tragen mittlerweile auch rote
Trauben, wobei Portugieser, Spätburgunder und Dornfelder besonders stark
vertreten sind. In den zahlreichen Pfälzer Destillerien entstehen zudem
köstliche Brände aus Trauben, Äpfeln, Birnen, Quitten, Kirschen, Himbeeren und
Schlehen.
Die Pfälzer gelten als besonders freundliche und lebensfrohe Menschen, die
immer einen Anlass für ein Fest finden, bei dem neben dem Schoppen Wein ein
Teller mit deftigen Gerichten wie Saumagen, Rebknorzespießen und Fleischklöße
auf den Tischen stehen. Die Festsaison beginnt an der Weinstrasse bereits Mitte
März mit dem Mandelblütenfest in Gimmeldingen. Danach reihen sich die Weinfeste
in der Region wie an einer Perlenschnur. Die Saison endet erst Anfang November,
wenn das Laub in den Rebengärten in bunten Herbstfarben leuchtet.
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Höhepunkte im Rausch der Feste sind das "Deutsche Weinlesefest" in Neustadt,
auf dem jedes Jahr in den ersten Oktoberwochen die Deutsche und die Pfälzische
Weinkönigin gekrönt werden, der Dürkheimer Wurstmarkt, bei dem Jahr für Jahr im
September etwa 400.000 Liter des Traubensaftes die Kehlen hinunter rinnen, oder
die traditionsreiche Geißbockversteigerung, die in jedem Juni in Deidesheim
stattfindet. Neben Weinbau und Festen hat die Deutsche Weinstrasse verträumte
Dörfer, malerische Winzerhöfe und -gärten sowie zahlreiche romantische Burgen zu
bieten. Und jede Menge Geschichtsträchtiges.
Herausragend ist das Hambacher Schloss. Hier – in der Nähe des heutigen
Neustadt – demonstrierten vom 27. bis 30. Mai 1832 auf dem so genannten
Hambacher Fest rund 30.000 Bürger, Handwerker und Bauern für Freiheit und die
Einheit des in zahllose Fürstentümer aufgeteilten Deutschland. Auch wenn die
Fürsten die Proteste mit einer Verschärfung der Zensur und dem Verbot von
politischen Versammlungen beantworteten, ging das Hambacher Schloss als "Wiege
der deutschen Demokratie" in die Geschichte ein. Die schwarz-rot-goldene Fahne
der Protestbewegung wurde später zur Nationalflagge Deutschlands.
Daneben ist die Klosterruine Limburg bei Bad Dürkheim ein besonderes Juwel
längs der Weinstrasse. Von der Ruine der ehemaligen Benediktinerabtei, die über
dem Tal thront, hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt. Die alten
Gemäuer aus rotem Sandstein werden heute im Sommer für Konzerte und
Theateraufführungen genutzt und bieten eine einzigartige Atmosphäre.
Wer sich trotz der Vielfalt der kulturellen Angebote rechts und links der
Deutschen Weinstrasse dafür entscheidet, in erster Linie Wein zu testen, sollte
eines wissen: Die Pfälzer messen mit besonderem Maß – ein Schoppen ist ein
halber Liter.
Weitere Informationen:
Deutsche Weinstrasse e.V.
- Mittelhaardt
Martin-Luther-Str. 69
67433 Neustadt a.d. Weinstraße
Tel. 06321 912333
Fax 06321 912330
info@deutsche-weinstrasse.de
www.deutsche-weinstrasse.de
Zentrale für Tourismus
Südliche Weinstrasse e.V.
An der Kreuzmühle 2
76829 Landau
Tel. 06341 940407
Fax 06341 940502
info@suedlicheweinstrasse.de
www.suedlicheweinstrasse.de
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