Seit
fast 1000 Jahren pflegt man in der Bayerischen Staatsbrauerei
Weihenstephan die hohe Kunst des Bierbrauens. Damit ist
Weihenstephan die älteste Brauerei der Welt.
Angefangen hat
alles damit, dass der heilige Korbinian im 8. Jahrhundert in
Weihenstephan ein Kloster gründete; und wo im Mittelalter ein
Kloster stand, da befand sich in der Regel auch eine Brauerei.
Die Mönche nämlich kultivierten das Bierbrauen wie kaum jemand
anders, denn das nahrhafte und wohlschmeckende Getränk
bereicherte vor allem während der Fastenzeit "liquida non
frangunt ieunum ("Flüssiges bricht das Fasten nicht) ihre
karge Speisekarte.
Bewandert in der
hohen Kunst des Bierbrauens waren natürlich auch die Brüder des
Benediktinerklosters Weihenstephan, die im Jahre 1040 das Brau-
und Schankrecht erhielten. Das klösterliche Leben gehört heute
der Vergangenheit an. Bier aber wird in Weihenstephan immer noch
gebraut.
Erklimmt man
heute den Weihenstephaner Berg, stößt man auf eine Mischung von
alten Gemäuern und High-Tech-Forschungseinrichtungen. Rund um
das Zentrum der altehrwürdigen Brauerei, die sich seit 1803 in
Besitz des Freistaates Bayern befindet, haben sich verschiedene
Fakultäten der Technischen Universität (TU)
München-Weihenstephan angesiedelt, darunter auch die Fakultät
für Brau- und Lebensmitteltechnologie. An der renommierten
Forschungseinrichtung lassen sich jedes Jahr mehr als 100
Studenten zum Diplom-Braumeister oder Brau-Ingenieur ausbilden.
Wenn man irgendwo auf der Welt in eine Brauerei geht, ist die
Wahrscheinlichkeit relativ groß einen Weihenstephaner zu
treffen.
Das Bierbrauen
ist heute zwar eine hoch technologisierte Angelegenheit. Dennoch
hat sich an den Ingredienzien des Bieres und am Brauvorgang als
solchem nicht viel geändert, seit Wilhelm IV., Herzog in Bayern,
am Georgitag zu Ingolstadt Anno 1516 das "bayrische
Reinheitsgebot" erließ. Dieses heute noch gültige "beliebteste
deutsche Gesetz" schreibt fest, dass zur Herstellung von Bier
nur Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden dürfen.
Etwas anderes als
diese Zutaten gelangen auch heute nicht über die Schwelle des
Sudhauses, jenes locus intimus einer jeden Brauerei, wo aus
ihnen die so genannte Würze gekocht wird. Diese Würze, die die
besondere Kunst des Brauers fordert, wird, nachdem sie von den
festen Hopfen- und Eiweißbestandteilen gereinigt worden ist, mit
Hefe versetzt. Nach einem einwöchigen Gärprozess entsteht das
Jungbier, das schließlich in den Lagerkellern der Brauerei
Weihenstephan, 15 Meter unter dem Klostergarten, ungefähr 30
Tage reifen muss, bevor es in Flaschen oder Fässer abgefüllt
wird.
Aus diesen
Zutaten stellen die Weihenstephaner Braumeister und das kann
ihnen keine Maschine abnehmen zehn verschiedene Biere her, von
denen jedes für sich, auch darin besteht die hohe Kunst des
Bierbrauens, immer gleich schmecken muss. Denn anders als beim
Wein darf man sich beim Bier nicht einmal zwischendurch einen
mittelmäßigen Jahrgang erlauben.
Sicherlich ist
der Name Weihenstephan vor allem mit dem Weißbier verbunden, bei
dem im Brauvorgang statt Gerstemalz Weizenmalz verwendet wird.
Tatsächlich kann Weihenstephan für sich in Anspruch nehmen,
diese traditionelle bayerische Bierspezialität aus seinem
Dornröschenschlaf erweckt zu haben, als es 1928 als erste
Brauerei wieder eine Weißbierspezialität auf den Markt brachte.
Zwar sollte es noch bis zur Mitte der 60er Jahre dauern, dass
dieses obergärige Bier die oberbayerischen Grenzen überwinden
und auch auf den Rest der Republik überschwappen sollte. Heute
aber machen die drei Weihenstephaner Weißbierspezialitäten
("Kristallweißbier, "Hefeweißbier und "dunkle Hefeweißbier)
83 Prozent der Gesamtproduktion aus.
Weizenbier ist im
Freistaat die meistgetrunkene Biersorte darin unterscheiden
sich die Bayern vom Rest der Republik: der trinkt nämlich am
liebsten Pils.
Weitere Informationen:
Bayerische
Staatsbrauerei
Weihenstephan
D-85311 Freising
Telefon: 0 81 61/5 36-0
Fax: 0 81 61/53 62 00
www.brauerei-weihenstephan.de
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