Die Zeiten, in denen der Schokokuss noch ein Negerkuss war, sind vorbei. Das
Wort galt als politisch nicht korrekt, auch wenn viele Schwarze versicherten,
sich durch den Namen sogar geehrt zu fühlen. Den größten Impuls für die
Einführung der neuen Bezeichnung kam vom heutigen Marktführer, der besonders
dicke Schokoküsse herstellt. Der Grund, die neue Bezeichnung zu wählen, war
allerdings ein recht profaner. Man wollte sich von der Konkurrenz abheben.
Schließlich gibt es bundesweit über 70 Hersteller von Schokoküssen.
 |
Vermutlich waren es die Franzosen, die um die Jahrhundertwende die ersten
"Mohrenköpfe" (französisch: "tête de nègre") aus einer baiserartigen Masse mit
einem Schokoladenüberzug hergestellt haben. In Deutschland wurde der Name
erstmals 1892 in Leipzig erwähnt. In nennenswerter Menge kamen die Mohrenköpfe
dann aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts in deutsche Konditoreien. Wann genau
die Namenwandlung vom Mohrenkopf weg zum Negerkuss stattfand, ist nicht genau
bekannt. Der Grund dürfte der Versuch gewesen sein, die Herstellungsweise ins
Deutsche zu übersetzten: Die Zucker-Ei-Masse wurde damals getrocknet und
entsprach somit einem Baiser. Baiser heißt aber im Französischen nichts anderes
als "küssen". Das Wort "Neger" wurde aus der französischen Bezeichnung
übernommen. Kombiniert ergab sich der Negerkuss. Anfang des 20. Jahrhunderts
wurden die Mohrenköpfe übrigens von Konditoren noch in Handarbeit gefertigt.
 |
Auch in der ehemaligen DDR wurden Schokoküsse hergestellt. Einziger
Unterschied war der, dass die in Grabow hergestellten Ostküsse einen
Zipfel hatten (siehe Bild). Nach der Wende wurden die Schokoküsse
genauso weiter produziert und konnten sich, als eine der wenigen ostdeutschen
Produkte auf dem Markt halten. Laut eines Berichts des SVZ-Magazins, versuchte
die Firma auch ihre Grabower Küsschen im westdeutschen Format (ohne Zipfel)
herzustellen, woraufhin es Protestbriefe von den ostdeutschen Käufern hagelte.
Man wollte den Zipfel wieder. Der Firma blieb keine andere Wahl. Die Schokoküsse
werden seitdem wieder mit Zipfel produziert.
 |
Lediglich 20 Minuten dauert die Herstellung eines Schokokusses, angefangen
vom Plazieren der Waffel bis zum Verpacken. Die Schaummasse wird seit der
Erfindung der Nascherei aus Zuckersirup und Eiweiß hergestellt.
Früher wurde die Masse getrocknet, damit sie stabil blieb, heute setzt man zu
diesem Zweck "konsistenzgebende Zusatzstoffe" zu. Auch der Überzug hat sich
im Laufe der Zeit geändert. Verwendete man früher noch billige kakaohaltige
Fettglasur, krönt heute nur noch hochwertige Schokoladenkuvertüre die
Eiweißmasse. Bei der Herstellung der Schokoküsse ist die Temperatur der
Schokolade von besonderer Bedeutung. Ist sie nicht richtig eingestellt, glänzt
der Überzug nicht optimal oder ist gar zu dick. Viel mehr ist allerdings zum
Herstellungsprozess von Schaumküssen auch schon nicht herauszufinden.
 |
Wichtig ist, dass die Schokoküsse nach dem Kauf nicht zu hohen
Temperaturen ausgesetzt sind. Schon der kurze Transport an einem heißen
Sommertag vom Kaufhaus nach Hause kann das Produkt negativ beeinflussen. Dies
ist auch der offizielle Grund, warum die großen Hersteller die Produktion im
Juli und August einstellen. Hersteller, die keine Klimaanlage besitzen
produzieren im Frühsommer sogar nachts. Natürlich hat diese Pause auch einen
recht werbewirksamen Nebeneffekt. Wenn ab September die Hersteller in Anzeigen und Werbespots
die Wiederaufnahme der Produktion verkünden, wird die "Rarität" umso
häufiger gekauft.
|