Die Italiener, die mit den Franzosen und den Chinesen darum wetteifern, wer
die beste Küche der Welt besitze, können sich auf jeden Fall rühmen, eines der
international erfolgreichsten Gerichte aller Zeiten hervorgebracht zu haben: Die
Pasta zählt zu den meistverkauften Speisen auf der ganzen Welt. Die Herkunft der
Pasta ist vielerorts Gegenstand heftiger Diskussionen. Der entscheidende Punkt
ist der Wahrheitsgehalt der Legende, wonach Marco Polo die Rezeptur von seinen
Reisen aus China mitgebracht haben soll. Tatsächlich bestätigen Überlieferungen,
dass Teigwaren im Reich der Mitte schon vor etwa 5.000 Jahren auf dem Speiseplan
standen.
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Hinweise in etruskischen Grabkammern belegen, dass Teigwaren schon 400 Jahre
vor Christus bekannt waren. Auch die Römer verzehrten eine "làganum" genannte
Zuspeise aus Getreide, die später allerdings wieder in Vergessenheit geriet. Der
Siegeszug der Pasta im heutigen Sinn begann mit der Erfindung der Trockennudel,
die den Arabern zugeschrieben wird. Sie brachten die neue Speise, die sich
problemlos und schnell unterwegs zubereiten ließ, auf ihren Kriegszügen nach
Südeuropa. Diese haltbare und transportfähige Variante der Pasta zählt somit zu
den ältesten Convenience-Produkten der Geschichte. Damals wie heute ist eine
gleichmäßige Trocknung des Teiges für Qualität und Haltbarkeit der Pasta
ausschlaggebend. Aus diesem Grund fasste die typische Nudel aus Hartweizengrieß
und Wasser (ohne Ei!) zuerst im wetterbegünstigten Süditalien Fuß. Im Raum
Neapel garantierte das Klima jenen vollständigen Entzug von Feuchtigkeit, der
notwendig ist, um das Produkt langfristig vor dem Verderben zu bewahren.
Die erste industrielle Erzeugung von Teigwaren begann Mitte des 19.
Jahrhunderts an den Hängen des Vesuvs. Noch vor 100 Jahren glichen ganze
Küstenstriche dieser Region einer riesigen Trockenkammer, wo auf Stöcken und
Leinen die Nudeln im Meereswind wehten. Damit gewann die Pasta auch als
Massennahrungsmittel an Bedeutung. Postkarten aus dieser Zeit zeigen hungrige
Kinder oder Tagelöhner, die ihre tägliche Spaghettiration mit den Fingern
verspeisen. Etwas Olivenöl und geriebener Hartkäse mussten damals als Zutaten
für die billigen Kalorienbringer ausreichen. Bis heute liegt der Erfolg der
italienischen Teigwaren in der Kombination mit einfachen Zutaten und in der
Vielzahl an Zubereitungsarten. Unzählige Pastaformen und Saucenrezepte
garantieren Abwechslung bei Tisch und werden je nach Lust und Liebe, vom
Restaurant bis zur Studentenbude, jedem Anspruch gerecht.
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Doch gerade die einfachsten Nudelgerichte begründen vor allem den weltweiten
Erfolg. Die Herausforderung, eine Handvoll Nudeln in kochendes Wasser zu
tauchen, meistern sogar küchenfeindlichste Zeitgenossen mit links. Außerdem
verspricht die praktisch unbegrenzte Haltbarkeit von Spaghetti & Co jene
notwendige Flexibilität, die der gegenwärtige Arbeits- und Freizeitmarkt
erfordern. Eine Packung Nudeln im Vorratsschrank ist eine perfekte Notration für
unvorhergesehene Appetitanfälle oder überraschende Gäste.
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Stilvoll Spaghetti essen
Spaghetti werden in Deutschland mit Gabel und Löffel, in Italien nur mit der
Gabel gegessen. Es führt kein Weg vorbei: Wenn Sie in einem Restaurant Spaghetti
stilvoll verzehren wollen, müssen Sie die Kunst des Aufrollens beherrschen. Sie
würden keinen guten Eindruck bei Ihren Tischnachbarn hinterlassen, wenn die
Nudelenden lang herunter hängen. Auch das Abbeißen der Spaghetti ist verpönt.
Deshalb lautet die Empfehlung: Nehmen Sie sich zu Hause
etwas länger Zeit für die nächsten Nudelmahlzeiten und üben
Sie das stilgerechte Aufwickeln der Knäuel. Am besten
funktioniert es, wenn Sie nur wenige Spaghetti auf die Gabel
nehmen.
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Vor allem die Qualität spielt im Land der Maccheroni und Spaghetti eine
entscheidende Rolle. Jede Region schwört auf ihre eigenen Formen, wobei sie sich
für den Außenstehenden oftmals nur in den Namen unterscheiden. Fettucce ricce
hören im Raum Neapel auf den Namen Reginelle und kommen im Piemont als Mafalde
auf den Teller, auch bei Conchiglie und Gnocchi alla Romana sind die formalen
Differenzen mit freiem Auge nicht erkennbar. Einzig die berühmte Spaghetti
erfreut sich in ganz Italien gleichbleibender Beliebtheit und knüpft Dank ihrer
Saucen-Flexibilität ein landesweites kulinarisches Freundschaftsband.
Bei all diesem kulinarischen Chauvinismus mag der Erfolg eines Importprodukts
aus Amerika sehr verwundern. Ausgerechnet die Tomate, die Christopher Kolumbus
von seinen Reisen mit nach Hause brachte, gilt heute als eine der wesentlichsten
Zutaten für eine Vielzahl von Nudelgerichten. Dabei fristete die rote Frucht
jahrhundertelang ein Schattendasein, ehe sie zum Inbegriff italienischen
Lebensgefühls wurde. In der Renaissance wurde die Tomate gar als giftiges
Gewächs verteufelt, und erst im Jahre 1778 fand der mittlerweile berühmte Sugo
al Pomodoro erstmals Erwähnung in einem Kochbuch.
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Bei der Wahl der richtigen Pasta sind neben dem dekorativen Aspekt vor allem
Länge und Querschnitt der gewählten Nudel ausschlaggebend. Tatsächlich bereiten
die immer gleichen Zutaten - Wasser und Hartweizengrieß - je nach Formgebung
immer neue Geschmackserlebnisse. Die Art und Weise, wie sich die geformten
Teigstücke mit der Sauce vermischen, ob sie eine gerippte Oberfläche haben oder
eine glatte, an der intensive Saucen wie zum Beispiel die Peperoncini/Knoblauch-Variante
abrinnen, haben eine essenzielle Auswirkung auf das Essvergnügen. Manche
Pastahersteller steigern den Effekt sogar noch, indem sie Penne anbieten, die
sowohl an der Innen- als auch an der Außenseite eine gerillte Oberfläche
aufweisen. Der jeweilige Nudelquerschnitt wird aber nicht nur auf seine
Kombinationsfähigkeit, sondern auch auf sein Garverhalten hin untersucht und
verbessert.
Übrigens: Nudeln sind eines der gesündesten Grundnahrungsmittel überhaupt:
Sie enthalten so gut wie kein Fett. Dafür sind sie reich an Kohlenhydraten und
Ballaststoffen. Das bedeutet: Nudeln machen über viele Stunden hinweg satt, aber
nicht dick. Sie sind ein idealer Schlankmacher und eine hervorragende
Sportlernahrung. Dem Körper wird durch ein Nudelgericht andauernd Energie
zugeführt. Zudem haben Nudeln jede Menge gesunder Mineralstoffe, Spurenelemente
und Vitamine. Am gesündesten überhaupt sind Vollkornnudeln aus Hartweizen, denn
sie enthalten die meisten Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine.
Obwohl Pastahersteller regelmäßig berühmte Designer mit der Neukreation von
Pastaformen beauftragen, zeigen sich die Italiener in punkto Nahrungsaufnahme
äußerst traditionsverbunden und strafen Marktneuheiten oft durch Nichtbeachtung.
Ganz im Gegenteil zu anderen Design-Sparten gilt das Mutterland der Pasta in
Sachen kulinarischer Innovation als ausgesprochen konservativ. Auch bunt
eingefärbte Teigwaren werden in unserem südlichen Nachbarland vornehmlich für
Touristen angeboten, die Einheimischen dulden neben der klassischen grünen Pasta
nur Saucen zur farbigen Gestaltung ihrer Primi. Unzählige anmutige, aber
erfolglose Pastasorten haben die Fabrikanten gelehrt, allzu gewagte Neuerungen
vorerst nur am außeritalienischen Markt anzubieten.
Der kulinarische Spieltrieb dürfte sich in Italien also weniger in der Form-
als viel mehr in der Namensgebung manifestieren. Alle wichtigen Lebensbereiche -
vom Wetter bis zum politischen Tagesgeschehen - scheinen in die sprachliche
Ausformulierung der Pasta einzufließen, wobei jegliche Art von Assoziation
erlaubt ist. Von Hagel über Sternchen, Würmer und Ellenbogen bis hin zu
Hemdsärmeln und Propellern, Zeigern und Überraschungsformen bevölkern alle nur
erdenklichen Arten die Nudelkartons. Glorreichste Vertreter der politischen
Namensgebung sind die Reginette, die gleich der berühmten Pizza Margherita auf
die erste Königin des geeinten Italiens verweisen. Die Verbindung von weißem
Teig mit roter Tomate und grünem Basilikum symbolisiert die drei Farben der
italienischen Flagge. Im Gegensatz dazu stehen die so genannten Tripolini für
die Eroberung Lybiens mit der zugehörigen Hauptstadt Tripolis. Warum noch keine
Berlusconini existieren, ist übrigens ungeklärt . . .
Es gibt über 100 verschiedene Nudelsorten. Zu den
bekanntesten gehören:
Penne
Diese 6 cm langen und dicken Hohlnudeln, laufen
an den Enden spitz zu. Sie haben eine Kochzeit von 9-12 Minuten und passen gut
zu Soßen, Kaninchen, Gulasch und Nudelsalat.
Makkaroni
Sind lange Hohlnudeln mit 5 mm Durchmesser, mit
einer Garzeit von 8-10 Minuten. Zu verwenden für Aufläufe und zu
Fleischgerichten mit Soße.
Tortellini
Die Taschen oder Ringe sind mit Fleisch, Fisch,
Gemüse oder Käse gefüllt. Je nach Art und Größe haben sie eine Kochdauer von
5-12 Minuten. Besonders zu empfehlen sind sie mit Sahne- oder Käsesoßen und zum
Überbacken.
Bandnudel
Diese Nudeln gibt es in verschiedenen Längen und
Breiten, kraus oder als Nudelnester aufgewickelt. Ihre Kochzeit liegt zwischen
4-7 Minuten. Sie passen gut zu Soßengerichte und Nudelpfannen.
Trulli
Sind runde Nudel, die den süditalienischen „Trullis",
-den Kegeldachbauten- ähneln. Sie finden Verwendung als Suppeneinlagen oder
werden mit feinen Soßen gereicht und haben ein Kochzeit von 9-12 Minuten.
Farfalle
„Schmetterlinge" lautet die Übersetzung für diese
italienischen Nudeln. Sie müssen 6-8 Minuten gegart werden. Besonders zu
empfehlen sind sie für Salate, Suppen, Aufläufe und Eintöpfe.
Spaghetti
In unterschiedlichen Längen werden diese dünnen
Nudeln angeboten. Ihre Kochzeit beträgt 10 Minuten. Sie werden mit verschiedenen
Soßen oder als Aufläufe gereicht.
Lasagne
Diese Teigblätter von 8 cm Breite und 16 cm Länge
werden meist vorgekocht angeboten und für Aufläufe verwendet.
Spiralen
Die flach, spiralförmig aufgedrehten Nudeln sind
etwa 3-4 cm lang. Sie müssen 6-8 Minuten gekocht werden und eignen sich gut für
Eintöpfe, Salate, zum Braten und als Beilage.
Tipps
- Nudeln stets trocken und dunkel
aufbewahren. In einer geschlossenen Packung halten sie sich über 1 Jahr.
- Nudeln immer sofort nach dem Kochen und
Abgießen servieren, sonst kleben sie zusammen und werden weich.
- Nudeln immer in einem großen Topf mit
sprudelnd kochend Wasser geben und gut umrühren. Zwischendurch probieren, ob
sie „al dente" -also bissfest- sind. Sie werden mehlig und kleben leicht
zusammen, wenn sie zu lange kochen.
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