Nur einer ist der echte Parmesan: der Parmigiano-Reggiano. Er
kommt aus der Gegend um Parma, in der Emilia Romagna. Der
Parmesan ist ein Allroundtalent und aus der "Cucina italiana"
nicht mehr wegzudenken. Ein Käse mit Geschichte.
Rund und gelb wie
die Sonne ist der majestätische Laib, der als einziger Käse eine
Jahrgangsbezeichnung wie ein edler Wein erhält. Längst hat er
die Grenzen Italiens überschritten und Weltkarriere gemacht.
Goldblond muss die Rinde sein, körnig bis brüchig die Struktur;
salzig, süß und pikant der Geschmack, buttrig bis nussig das
Aroma und flüchtig der Duft, der sich schon kurz nach dem Reiben
in der Luft zerstreut. Wenn all diese Kriterien zutreffen, kann
es sich nur um echten "Parmigiano" handeln, den Käsestar aus
Italien.
Ob gerieben,
geraspelt, gehobelt oder gebrochen, der Parmesan ist ein
Allroundtalent und aus der "Cucina italiana" nicht mehr
wegzudenken. Geraspelt in der Minestrone, gehobelt auf
Rucolasalat oder Carpaccio, gerieben über Pasta, und gebrochen
als Appetizer oder zum Dessert ein purer Genuss.
Der "König der
Käse", wie ihn die Einwohner der Emilia Romagna respektvoll
nennen, blickt auf eine lange Geschichte zurück: Schon die Römer
lobten ihn, und der Dichter Giovanni Boccaccio verfasste im 14.
Jahrhundert wahre Lobeshymnen auf ihn. Casanova soll ihn
gemeinsam mit seinen Herzensdamen vor dem Liebesspiel verzehrt
haben, Alexandre Dumas schätzte ihn ebenso wie Napoleon, Gemahl
der Herzogin von Parma Maria Luigia. Napoleon soll Parmesan am
liebsten mit Fisolensalat genossen haben. Und Giuseppe Verdi
verglich den Parmigiano gar mit einer perfekten Symphonie.
Im Mittelalter
begannen zisterziensische und benediktinische Mönche der
Po-Ebene innerhalb ihrer Abteien nach dem noch heute gängigen
Verfahren mit der Herstellung des Extrahartkäses. Zuerst legten
sie die Sümpfe trocken, machten die Äcker urbar und begannen,
die Felder mit Viehfutter zu besäen, um später Rinder züchten zu
können. Solche Weiden sind noch heute für die Viehzucht
unentbehrlich, um die Kühe gesund zu ernähren und somit einen
schmackhaften und gut gereiften Käse zu erhalten, der völlig
ohne Zusatzstoffe und Konservierungsmittel auskommt.
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Die Mönche
liebten es auch, in ihren Küchen und Labors Experimente
durchzuführen. So entdeckten sie, dass, wenn man die Milch
zweimal mit angemessener Temperatur erhitzt, eine kaum
wasserhaltige Masse entsteht: die ideale Voraussetzung für die
Herstellung eines lang haltbaren, geschmackvollen Käses mit
hohem Nährwert. Die großen, glänzenden Käseformen lenkten bald
die Aufmerksamkeit der Händler auf sich, die sie von Emilia
Romagna in die Welt hinaus brachten. Dennoch geht nur ein Teil
des Parmigiano-Reggiano ins Ausland, der Rest wird von den
Italienern selbst verzehrt.
Damals wie heute
wiegt eine einzige Käseform bis zu 40 kg, wofür eine Milchmenge
von etwa 600 Litern (!) benötigt wird. Auf jede Form, die den
strengen Qualitätserfordernissen entspricht, werden rundherum
ovale Kennzeichen mit dem Schriftzug "Parmigiano-Reggiano
Consorzio Tutela" eingeprägt. Um sicher zu gehen, beim Kauf auch
wirklich den echten Parmigiano zu erstehen, sollte man auf diese
Schutzmarke achten, die auch auf der Rinde eines kleineren
Stücks Käse immer erkennbar sein muss.
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Parmigiano-Reggiano wird nur in den Monaten von April bis
November aus Rohmilch von Kühen hergestellt, die ausschließlich
mit Gras und Heu gefüttert werden. Er reift dann ein bis drei
Jahre, wobei er immer wieder mit Salzwasser eingerieben wird.
Den Tafelkäse - das ist der "nuovo", der Junge - erhält man nach
einem Jahr Reifung, den Koch- und Reibekäse nach zwei Jahren,
und den wertvollsten, den "stravecchio", den sehr alten Käse,
nach drei Jahren Reifezeit. Die strenge Überwachung bei der
Herstellung findet durch das Konsortium des Parmigiano-Reggiano
statt. Diesem Konsortium unterstehen 950 Käsereien aus den
Provinzen Parma, Bologna, Reggio Emilia, Modena und Mantua.
Schon mehrmals
war der Parmesan sogar bei Raumflügen mit an Bord. Das russische
Zentrum für Kosmonautenausbildung entschied sich für Parmesan
als Kosmonautennahrung und sogar die NASA befand nach strengen
Tests den Käse auf Grund seiner guten Verdaulichkeit und
gesundheitlichen Vorzüge für würdig, mit den Astronauten den
Flug ins All anzutreten. Die langen Aufenthalte unter
Schwerelosigkeit verursachen nämlich einen Kalziumverlust im
Knochenaufbau, und diesem kann der Parmigiano sehr gut
entgegenwirken. Als konzentrierte Energiequelle soll der
Käsestar auch die physischen und intellektuellen Leistungen
verbessern und Stressgefühle im Keim ersticken.
Dass so viel
Qualität auch ihren Preis hat, ist verständlich. Dennoch, im
Vergleich zu einem anderen Luxusartikel aus der Emilia-Romagna
ist der Käsegenuss erschwinglich. Er ist für die Gegend hier so
typisch wie Ferrari. Allerdings: Einen Ferrari kann man sich
nicht einfach gönnen, einen Parmigiano schon, nicht wahr?
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