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DRESDNER MIEZE


    Sinnliches Sensibelchen

 

Gottfried Daimler nannte sein Auto nach eines Kunden Tochter Mercedes, Otto Schindler seine Erdbeere nach seiner Gattin Mieze. Aus Mercedes wurde eine Marke. Aus Mieze wurde ein Mythos. Ihre Süße, ihr Saft, ihr Aroma sind unerreicht. Nur haltbar ist sie nicht. Kaum reif, ist sie hin. Wie schon der Sänger sang: "Only The Good Die Young".

Die Erdbeere, wie wir sie heute kennen ist noch gar nicht so alt. Sie entstand erst vor ungefähr 250 Jahren. Sie stammt von wilden Walderdbeeren ab, die zu den Rosengewächsen zählt, und die schon von den alten Römern kultiviert wurden. Bei den alten Germanen galten die Erdbeeren als Symbol für Sinnesfreuden, was ja durchaus verständlich ist! Die ersten Kreuzungen von Erdbeeren entstanden in Nordamerika, kamen dann Anfang des 17. Jahrhunderts nach Europa, wo anpassungsfähige und ertragreiche Sorten in England, Frankreich und ab Ende des letzten Jahrhunderts, dann auch bei uns gezüchtet wurden.

Die Königin der Beeren ist streng genommen eine botanische Täuschung. Denn die Erdbeere ist eigentlich eine so genannte Sammelnussfrucht: Das rote Fleisch ist eine Scheinfrucht, während die eigentlichen Früchte die kleinen gelben Körnchen an der Oberfläche sind. Erdbeeren gehören übrigens zu den Sträuchern. Aufgrund der Sortenvielfalt gibt es die Erdbeere in verschiedenen Größen, Formen und Abstufungen im Farbton. Das Aroma der saftreichen Frucht ist stark sortenabhängig, und leider garantiert eine tiefrote Frucht noch keinen köstlichen Geschmack.

Erdbeernaschen ist schönste, saftigste Sommersinnlichkeit. Und früheste Kinderkost, denn Erdbeeren sind süß, weich und kernlos. Beim Genuss von reifen, guten Früchten prägen sich etwa 300 flüchtige Verbindungen in unser Geschmacksgedächtnis ein - die wir dann als Erwachsene wiederzufinden suchen.

Meist vergebens. Denn Züchter experimentieren zwar seit 250 Jahren mit inzwischen etwa 1000 Sorten, heute aber längst im Auftrag der Massenproduzenten. Und denen geht es weniger um Geschmack als um Ertrag und die Robustheit auf langen Transporten. Wer vor dem Reifen heimischer Frühsorten seine Sehnsucht mit Importen aus Israel, Spanien und Marokko stillt, erlebt oft ein gespritztes Missvergnügen, wie Greenpeace und "Ökotest" immer wieder herausfinden - mit innen weißlichen, außen blässlichen und überhaupt aromatisch armen Früchten.

Für Geschmacksnostalgiker bleibt daher "Mieze Schindler" das Such- und Suchtziel. Prof. Otto Schindler erschuf sie 1925 in Dresden-Pillnitz und benannte sie nach seiner Frau. Nur noch die ältere französische Sorte "Mara de Bois" kommt an ihren perfekten Wohlgeschmack heran. Mieze hat nur leider die wahre Erdbeer-Urnatur: Sie will voll ausreifen, dann aber schnellstens plumpsen und als fruchtfleischig-matschige Beere nur noch Nahrung sein für die kleinen braunen "Nüsschen" außen - die eigentlichen Früchte der Erdbeerpflanze. Deshalb ist die Textur dieser perfekten Erdbeere so weich. Sie hält, kaum vom Kleingarten bis in die Küche und eignet sich daher nur für den Eigenanbau.

Für diverse Erdbeerrezepte wäre "Mieze Schindler" fast zu schade. Dafür lässt sich jede andere heimische Freilanderdbeere der Saison verarbeiten, denn: Im Norden, bei kühler Witterung und langen Sonnenstrahlen gewachsene Freilandernte ist besser als südliche Turboware aus der Folienzucht. Wer Felderdbeeren genießt, mag sich der Worte des Engländers Izaak Walton erinnern, der 1655 sprach: "Zweifellos hätte Gott eine bessere Beere als die Erdbeere schaffen können - aber ebenso zweifellos hat er es nicht getan!"

Auch gesundheitlich ist die Erdbeere ein Allround-Talent: Sie hat kaum Kalorien und enthält mehr Vitamin C als Zitronen oder Orangen. Daneben ist sie voll von Provitamin A, allen B-Vitaminen und vielen Mineralstoffen wie Kalzium, Magnesium und Eisen. Außerdem regen die süßen Früchtchen die Verdauungs- und Nierentätigkeit an, kräftigen das Immunsystem und wirken entwässernd. Wegen ihres hohen Gehalts an Salizylsäure werden sie zudem zur Linderung von Gicht und Rheuma empfohlen. Antioxidationssubstanzen binden freie Radikale im Organismus und wirken so der Zellalterung entgegen. Kurzum: Erdbeeren machen schön und gesund.

 

 


 

 

 

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