Einer der vielen Legenden nach hat eine
unglücklich verliebte Köchin einen Kuchenteig, statt ihn im Ofen zu backen,
versehentlich ins heiße Fett geworfen und so den ersten Berliner zubereitet.
Eine andere Legende sieht eher einen kriegsuntauglichen Bäckerjungen als
Erfinder. Der soll nämlich, als Feldbäcker beim Regiment, dem Gebäck die Form
einer Kanonenkugel gegeben und diese dann - mangels Ofen - in einem mit heißem
Fett gefülltem Kessel gebacken haben.
Die Legenden um die
Entstehungsgeschichte des Berliners sind so zahlreich wie die
Namen die er, je nach Region, trägt. Am weitesten verbreitet
sind wahrscheinlich "Berliner" und "Krapfen". Andere
Bezeichnungen für das das Siedegebäck sind Fasnachtkiechelcher,
Kräppel, Funkenküchlein, Nonnenpfoten, Küchli oder auch Liwanzen.
Wann tatsächlich der erste
Berliner das Licht der Welt erblickte, kann mit Bestimmtheit
nicht gesagt werden. Nur soviel: In einem 2300 Jahre alten
ägyptischen Grab wurden Kuchen entdeckt, die Ähnlichkeit mit den
heutigen Berlinern haben. Die Römer kannten vor über 2000 Jahren
auch schon ein Siedegebäck, das sie "globuli" (kleine Kugeln)
nannten. Im deutschsprachigen Raum standen um 1200 in einigen
Klostern Siedegebäcke auf dem Speisezettel.
Die Form, die das Schmalzgebäck
im Mittelalter hatte, straft leider die Kanonenkugel-Legende
Lügen. Damals sah das Gebäck nämlich länglich aus und hatte zwei
gebogene spitze Enden, ähnlich einem Hacken oder einer Kralle.
Kralle heißt althochdeutsch "chrapho" bzw. mittelhochdeutsch "krapfe".
Damit ist dann auch gleich die Herkunft der Bezeichnung
"Krapfen" erklärt.
Zu keiner Zeit werden so viele
Berliner gegessen wie an Fastnacht, Karneval bzw. Fasching. Die
Wiener, sozusagen die größten Fans des Schmalzgebäckes, sollen
1815 während der 3 Monate andauernden närrischen Zeit 10
Millionen von ihnen verzehrt haben. Dass das fetttriefende
Gebäck gerade zu Fastnacht Hochkonjunktur hat, hat natürlich
seine Bedeutung. Wollte man doch, bevor die Fastenzeit begann,
noch einmal kräftig zulangen, um für die nachfolgende Zeit
gewappnet zu sein.
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Doch Berliner hatten auch in der
übrigen Jahreszeit ihre Daseinsberechtigung: So waren sie z.B.
während der Erntezeit als kräftigende, sättigende Mahlzeit
verbreitet. Früher war es auch durchaus üblich, das Gebäck mit
Äpfeln, Birnen, Spinat, Rahm, Sauerkraut oder auch mal mit
Veilchen zu füllen. Die Popularität des Schmalzgebäckes gerade
im Mittelalter lässt sich vielleicht am besten damit erklären,
dass damals nicht in jedem Haushalt ein Herd vorhanden war, wohl
aber eine Feuerstelle. Über der konnte das Gebäck schnell
hergestellt werden.
In den meisten Regionen
Deutschlands wird man verstanden, wenn man beim Bäcker einen
Berliner kauft. In Berlin ist das anders. Natürlich wissen die
Berliner was man will, aber man kommt dann nicht umhin, erklärt
zu bekommen, dass der Berliner in Berlin "Pfannkuchen" heißt.
Dass ausgerechnet die Berliner
den Berliner "Pfannkuchen" nennen, ist insofern verwunderlich,
als dass sie nämlich insgeheim der Meinung sind, das Gebäck
selbst erfunden zu haben. In der Tat hat die Zubereitung in
Berlin schon eine lange Tradition. Schon in 15. Jahrhundert
sollen fahrende Händler das Gebäck - damals noch ungefüllt -
verkauft haben.
Im 16. und 17. Jahrhundert nahm
die Bevölkerung in der Stadt stark zu, so dass auch vermehrt
Gewerbetreibende in die Stadt gezogen wurden. Das Bäckerhandwerk
florierte - und bei dem zeitweise großen Andrang, war die
Zubereitung der Teigbollen in einer Pfanne über dem offenen
Feuer eine einfache und schnell Art, die hungrigen Mägen zu
füllen. Aus dieser Zubereitung hat der "Berliner Pfannkuchen"
seinen Namen. Da man sich sowieso in Berlin befand, konnte die
Herkunftsbezeichnung auch weggelassen werden. Ab wann aber die
Pfannkuchen in Berlin gefüllt wurden, bleibt unklar.
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